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tödten wollte. Amalie B war mit einem jungen Seidenband-Fabrikanten verlobt; das Bündniß wurde aber vor Kurzem gelöst. Das Mädchen nahm sich diese Wendung so zu Herzen, daß es zu sterben beschloß. Amalie B. kaufte vorgestern in mehreren Blumenhandlungen um ungefähr 20 Gulden Blumen und ließ sie in ihre Wohnung bringen. Gleichzeitig hatte sie sich auch einige Päckchen Phosphorhölzchen gekauft und die Köpfchen in ein Glas Wasser gethan. Gestern gegen 11 Uhr Vormittags betrat der Vater seine Wohnung. Ein betäubender Blumengeruch drang ihm entgegen. In einem kleinen Zimmer lag seine Tochter bewußtlos. Der rasch herbeigeholte Arzt brachte dem excentrischen Mädchen Hilfe. Den Phosphortrank hatte Amalie nicht berührt. „Ich hoffte", sagte sie, „ich würde auch durch die Blumen allein sterben können."
— Ueber ein schönes Wort des Herzogs Karl Theodor in Bayern, welcher bekanntlich als Arzt sich schon einen Ruf erworben hat, wird berichtet: In der Provinz Sachsen erkrankte ein Lehrer an einem Halsleiden; nachdem er lange vergeblich behandelt war, begab er sich auf den Rath von Bekannten endlich nach Tegernsee zum Herzog Karl Theodor. Dieser hielt Heilung für möglich, zog noch einen «L-pecialisten aus München herbei, durch welchen seine Ansicht bestätigt wurde und stellte in 2 Monaten den Lehrer her. Und welches Honorar nahm der Arzt für seine Behandlung und Rettung? Er klopfte dem Lehrer auf die Schulter und sagte lächelnd: „Gehen Sie nur in Gottes Namen; die nächste Herzogin, die ich mit Glück behandle, wird sich freuen, für Sie mit bezahlen zu dürfen!"
— sDer schönste Tag ihres Lebens.^ Frau Carla Richmayor in Boston schloß an ihrem vierzigsten Geburtstage ihren sechsten Herzensbund für's Leben. Die Bostoner Blätter versichern, daß Frau Carla Richmayor noch immer eine höchst stattliche Frau sei und veröffentlichen gleichzeitig einige kleine charakteristische Notizen über die Dame. Ihr erster und ihr fünfter Gatte endeten durch einen Unglücksfall. Der erste kam bei einem Eisenbahn - Zusammenstoß um's Leben und seine trostlose Wtttwe erhielt 20,000 Dollars Entschädigung dafür, und der fünfte wurde von einem Tramwaywagen überfahren, was der unglücklichen Frau 30,000 Dollars etntrug. Der Gatte Nummer zwei verübte in einem Anfalle von Melancholie über seine verlorene Freiheit einen Selbstmord, nicht ohne vorher zu Gunsten seiner Frau zu testamenttren. Vom dritten und vierten endlich hatte sich Frau Carla auf gütlichem Wege scheiden lassen oder vielmehr diese hatten sich von ihr scheiden lassen, was nicht ganz dasselbe ist, und hatten ihr für die wtedergewonnene Freiheit eine ganz respektable Summe gezahlt. Diese Veteranin der Ehe nun, welche zwanzig Jahre lang abwechselnd als Wtttwe, als verheirathete und geschiedene Frau gelebt und sich durch die Wechselfälle ihres Lebens ein recht hübsches Vermögen erworben, macht ihrem sechsten Manne am Hochzeitstage ein werthvolles Geschenk, welchem die Worte beilagen: „Carla ihrem Bob, am schönsten Tage ihres Lebens."
- - sWaidmannshumor.) Sechs Nimrodsjünger zogen, so erzählt das „Köln. Tagebl.", dieser Tage auf die Hühnerjagd aus. Einer derselben, ein Mann von besonderer Gewichtigkeit, pustet auf dem Wege zum Bahnhof immer hinterdrein; bei seiner Dicke pflegte er stets etwas zurückzubleiben, namentlich wenn das Portemonnaie herausgezogen werden soll. Keuchend erreicht er auf dem Bahnhofe die Genossen, einer derselben hat selbstredend schon die Billets gelöst, und hinein in's Cvup6 lotst sich der Dicke, zwei Plätze für sich allein belegend. Der Zug fährt. „Uff!" stöhnt der Dicke, „wer hat denn unsere Billets?" — „Unsere?" tönte es dagegen, „ich habe nur fünf, ich glaubte, Du hättest schon ein Billet gelöst." Da saß der Drückbruder; es wurde ihm noch heißer als vorher, der Schweiß perlte ihm auf der glänzenden Stirn und lief in großen Tropfen auf die feisten Wänglein herab. Ein Held ist er ohnehin nicht und vor dem Protokolliren, Strafezahlen und was damit zusammenhängt, hat er gewaltige Angst. Am liebsten möchte er sich vor dem Schaffner verstecken und suchend gleiten die Augen durch das Coupö. „Da hilft nichts", meinen die teilnehmenden Freunde, „Du mußt unter die Bank." — Und von den fünfen geschoben, gestoßen und geknetet, lag der Koloß in der nächsten Minute auf; dem Boden, sich krümmend wie ein Igel. Das war eine fürchterliche Viertelstunde, die nun folgte. Alle Augenblicke trampelten die Füße der Freunde recht unsanft auf seinen Gliedmaßen herum, dabei heißt es immer: „Duck' Dich, der Schaffner kommt! Zieh' die Beine mehr ein, man sieht Dich! Pst! Du schnaufst ja lauter als die Locomotive." — Und unter der Bank her klagt's in Jammertönen: „Das hall' ich nicht aus, das ist mein Tod." — „Still, der Schaffner!" — „Bitte um die Billets, meine Herren",
schnarrt es, und dem Gequälten da unten klingt die Stimme wie die Posaun, w jüngsten Gerichts. Eine Pause Ivlgt, in welcher der Dicke mechanisch das der Billets zählt. Da! Es hat sechsmal geknipst und der Schaffner sagt M? ja sechs Billets, wo ist denn der sechste Mann?" - „Dem ist nicht gut bn hat da unten etwas zur Ruhe gelegt." Und dabei brachen die fünf in ein Gelächter an? das gar nicht enden wollte. Sie hatten es ja schon allzu lange krampfhaft xutütfbrann,» müssen. Langsam tauchte nun auch der Dicke aus seiner Versenkung auf, aber in KelXJr Verfassung! 0,61
Landwirthschaftliche Nachrichten.
— Einen ausgezeichneten kleinen Käse kann man erhalten, wenn man .kn- ahmung des Neuchateler herstellt, der sehr beliebt In größeren Städten ift wird aus frischer, süßer Milch hergestellt, zu welchem man noch den fü6.n früherer Milch hinzufügt. Indessen würde die frische Milch einer gute Butter n.Ä- Kuh solchen Käse allein schon ergeben, ohne daß eine Hinzufügung von suü.n. Äen nöthig wäre. Diese Milch oder diese Mischung von Milch und Mm m rh 80 Grad erwärmt; es wird ihr dann hinreichend Lab zugegeben und mu6 n- au gerührt werden, um sie in V/2—2 Stunden in Quark zu verwandeln Die irr rn; muß, sobald er fest genug ist, um nicht zu brechen, sehr sorgfältig durch einen Srih abgetropft werden. Er wird dann in cylindrische Formen oder Mulden
6 Zoll Höhe und 2—3 Zoll Durchmesser gefüllt. Diese Formen ober Mulden finh von Blech gemacht; eine kleine Frucht- oder Austernbüchse, wenn der Deckel und Bah an einem warmen Ofen abgeschmolzen worden sind, können hierzu verwendet werd^? Diese Blechformen werden auf ein doppelt zusammengelegtes Tuch zum Ablauten gestellt. Sowie der Quark fest genug geworden, wird er aus den Formen oder Mulden herausgenommen und auf einen Tisch gesetzt, welcher mit einer Strohmatte bedeckt 10 damit die noch immer aus ihnen herausperlende Flüssigkeit ablaufen kann Dies Käse können schon nach 10 ober 12 Stunden frisch verspeist werden; ober man fnhf sie ein wenig, wickelt sie in Paraffin-Papier und bewahrt sie an einem kühlen Prt wo sie weder austrocknen, noch feucht werden. So aufbewahrt halten sie sich io™. Zeit gut. Dasselbe Verfahren wird auch eingeschlagen, um kleine, flache runde Käs- ober auch viereckige ober sonst verschiebentlich tortenartig geformte zu machen Käsen biefer Art werben, um ihnen verschobene Gerüche zu geben, gepulverter Salbei Ani< getrocknete Küchenkräuter in gepulverter Form rc. beigemischt unb zur Herstellung reicher Käse, wie ber englische Stilton ober der französische Roquefort, wirb irgend ein bläulicher Schimmel unter dem Käsequark erzeugt, indem man ihr kleine Theile ein.* alten Käses hinzufügt. Es ist ein seltsames Ding bei der Herstellung von Käsen haft das Wachsthum dieser besonderen Schwämme in dem Quarke einen so merkwürdigen Charakterwechsel entwickeln und eine weiche, reiche, butterige Zusammensetzung cneuaf welche sehr angenehm, von scharfem Gerüche unb ohne trgenb einen der firenat» ammoniafalen Gerüche ift, welche von einigen angenommen werden, welche in warmer Temperatur und ohne Schimmel reif geworden sind. Diese blauadrigen Käse werden in europäischen Ländern und insbesondere in England hochgeschätzt und sind bafelbft außerordentlich beliebt. Die Schwämme wachsen in dem Käse offenbar auf Kotten seines Nitrogen (Stickstoff) enthaltenden Theiles und verhüten auf solche Weise die Bildung von Ammoniak, welcher der Begleiter eines gewissen Grades von Jaulnibitt während sie den Käse gesund erhalten unb einen mehr kohlenartigen Charakter entwickeln — einen butterartigen Charakter in ber That — inbem sie ihm einige ber Elemente entnehmen, welche Stickstoff enthalten. Solch ein Käse ist sehr verdaulich unb nahrhaft unb während er ein Ding des Geschmackes ist, bleibt es auch festgestellt daß jener Schimmel in feiner Weise schaden kann, sondern in gewissem Maße selbst als nützlich erkannt werden -muß.
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