Nr. 112. Drittes Blatt. Sonntag den 15. Mai 1887.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
B*f tatet Schulftraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.
Prei- oieneljährl-.Ä 2 ILVarf 20 Pf. mit Bnngerlohn.
Durch d:e Pott bezogen orerteljährlick 2 V^ark 50 Pi.
i ...... wk
Darmstadt, 13. Mai. Se. Königs. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 11. Mai ben ordentlichen Professor in der medicinischen Fakultät der Londes-Universität und Director der Entbindungsanstalt zu Gießen Dr. Rudolph Kaltenbach auf Nachsuchen seines Dienstes zu entlasten.
Darmstadt, 13. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hoben Allergnädigst geruht:
Am 11. Mai den Privatdocenten Dr. Max Hofmeier zu Berlin zum ordentlichen Professor in der medicinsschen Fakultät der Lander-Universilät, insbesondere für das Lehrfach der Geburtshülfe und Gynäkologie, und zum Director der Entbindungsanstalt zu Gießen zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen;
an dems. Tage den Bruckenmeister bei der fliegenden Nähe zu Kostheim Christian Ludwig Kling zum Brückenmeister bei der Schiffbrücke zu Worms zu ernennen.
£ o ! a h I.
Gießen, 12. Mai. Die Frequenz der städtischen Schulanstalten stellt sich nach den Berichten des Herrn Directors resp. der betr. Herren Oberlehrer wie folgt. Es besuchen
». die höhere Mädchenschule <
in Klasse I II III IT v vi vil
16 15 28 42 46 41 50
b. die erweiterte Mädchenschule in Klasse I II III IV V
11 34 37 30 35
c. die Vorschule in Klasse Villa VHIb IX X
68 66 53 5 Schülerinnen — 577
d. die Stadtmädchenschule
in Klasse I II III» IUb IVa IVb Va Vb Via VIb Vila Vllb VIII
69 80 46 48 50 51 60 53 52 53^ 49 48 135“= 794
c. die Stadtknabenschule
in Klasse 1 II ni IV Va Vb Via VIb Vila Vllb VIII
50 71 74 87 51 49 63 63 58 57 110 Schüler — 733
Schwachsinnige Kinder besuchen die Schule (3 Knaben, 2 Mädchen) 5 Summa 2129
Gießen, 14. Mai. sStadtverordnetensitzung vom 12. Mai, Nachmittags 4 Wir.] Anwesend Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Gnauth und Keller, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Bai st, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Homberger, Jughardt, Kauf, Ad. Noll, August Noll, Petri, Dr. Ploch, Schopbach, Simon und Vogt.
Die öffentliche Sitzung, welche nur von kurzer Dauer, beschäftigte sich im Ganzen mit 8 Punkten der Tagesordnung. Zu Punkt 1, Gesuch der Herren H. Kühn und Georg Schsmber um Erlaubniß zur Herstellung von Eementtrottoirs vor ihren Häusern, beschließt die Versammlung Vertagung, um, dem Anträge der Baudeputation entsprechend, erst Herrn Uhrmacher Zimmermann, dessen Haus zwischen denjenigen der Gesuchsteller steht, zu hören, ob derselbe gewillt ist, vor seinem Hause ebenfalls Cement-Trottoir anzulegen. — Zu dem Gesuch mehrerer Bewohner der Wetzsteingasse um Verbretterung dieser Gasse, welche schon mehrmals angeregt und Baudeputation wie Großh. Polizeiamt berichtlich beschäftigte, beschließt die Versammlung ebenfalls dem Anträge der Baudeputatton entsprechend, welche erklärt hat, daß sie zu weiterer Antragstellung in dieser Angelegenheit vorläufig keine Veranlassung findet. — Dem Gesuch des Herrn Eiertänzer um unentgeltliche Ueberlassung von ca. 80 bis 100 Fuhren Kies von dem Gelände an der Kaserne kann nicht entsprochen werden, dagegen soll die Abgabe gegen eine Vergütung von 30 Pfg. pro Cubikmeter erfolgen. — Das Gesuch des Gärtners Herrn Wilhelm Gerhardt wegen Mitbenutzung einer Thur an der oberen Friedhofsmauer und Anbringen eines Schellenzuges von da nach der Wohnung des Gesuchstellers wird nicht genehmigt, da erstens fragl. Thür inzwischen vermauert worden ist und zweitens die Anlage eines Schellenzuges nach Ansicht der Baudeputation Veranlassung zu Unzuträglichketten geben würde. — Hinsichtlich eines f. Z. zwischen der Stadt und Herrn Commerzienrath Noll proponirten Geländeaustausches zum Zwecke des Ausbaues der Ostanlage beschließt die Versammlung auf Antrag der Baudeputation, Herrn Noll anzutragen, dieselbe Fläche Gelände abzutreten, welche derselbe von der Stadt erhalt - Der zur Ausführung der in voriger Sitzung beschlossenen Anlage emes Cementrohres von der Flügelsgasse nach dem Schoorgraben nothige Gelandeaustausch mit Herrn Treff soll derart bewerkstelligt werden, als Herrn Tref die Ueberlassung des vierfachen Grabengeländes gegen das von demselben an dre Stadt zu beregtem Zwecke abgetretene Straßengelände offerirt werden soll — Die Versteigerung eines Bauplatzes an der Licherstratze wird wegen des eingelegten !?e?^n Gebotes nicht genehmrgt. - Das Gesuch des Herrn Wilh. Friedel um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb soll befürwortet werden.
\ enwftnt wurde. Von dem dankenswerthen Anerbieten I. Durchl. der Frau Gräfin zu Erbach-Schonberg, einer Anzahl von dem Verein angehörigen Lehrerinnen während der guten Jahreszeit Aufenthalt im Mathildenhause bei Schönberg zu gewähren, ward im Vorjahre von vier Lehrerinnen in der Zeit von Juli bis October Gebrauch ge- verfügbare Kapital des Vereins hat jetzt die Höhe von 10,900 jl erreicht dre in hessischen Staatspapieren angelegt sind. Was den Mitgliederstand betrifft, so zahlt der Verein gegenwärtig 112 ordentliche und 500 außerordentliche Mit- g"eoer, darunter 5 Ehrenmitglieder und gehören im Ganzen 132 Lehrerinnen demselben S1!' -r < dem Wunsche, daß die Bestrebungen des Vereins in immer weiteren Kreisen ^hettnahme und Unterstützung finden möchten, schloß der Bericht.
Auf Vorschlag des Herrn Geh. Finanzraths Menges wurden die nach $ 12 der Statuten ausscheidenden V.rstandsmitglieder Realschuldirector Schön in Offenbach, Fraulem Wider, Stadtpfarrer Pfnor und Mitprediger Keil per Acclamation wiedergewahlt.
Hierauf ergriff die Vereinspräsidentin, Frau Lilli Wolfskehl, das Wort, indem sie darauf aufmerksam machte, daß es wünschenswerth fei, daß diejenigen bcm Vereine angehörigen Lehrerinnen, welche auf einen Erholungsaufenthalt in Schönberg tn diesem Jahre reflektiren, bis Ende Mai er. sich bet der Vorsitzenden anmeldeten.- eines ärztlichen Zeugnisses bedürfe es nur in dem Falle, daß die pekuniäre Beihilfe des Vereins zu einem auswärtigen Badeaufenthalte erbeten werde.
Nachdem noch einem Anträge von Fräulein Wislicenus, ein Mitglieder - verzeichniß zur besseren Anbahnung bekanntschaftlicher Verhältnisse zwischen den einzelnen Mitgliedern drucken zu lassen und die Namen der aus dem Vorstande ausscheidenden Mitglieder genügende Zeit vorher jedesmal zur Kenntniß der Vereinsangehörigen zu bringen, Genehmigung zu Theil geworden, wurde die Versammlung, deren Tagesordnung in rascher Folge zur Erledigung gekommen, nach 4 Uhr geschlossen.
— fJn Bengalen.] In den zehn Districten von Bengalen wurden in dem Amtsjahre 1885/86 nicht weniger als 11823 Personen durch wilde Thiere und giftige Schlangen getödtet. Es ist dies die höchste Ziffer in den letzten fünf Jahren. Wie gewöhnlich wurden Neunzehntel dieser Todesfälle durch Schlangen verursacht. Ferner wurden getödtet: 548 Personen durch Schakale, 221 durch Krokodile und Alligatoren, 22 durch Elephanten, 12 durch Büffelochsen und 2 durch Bisamratten, deren Biß Starrkrampf erzeugt. An Belohnungen für die Vernichtung wilder Thiere und giftiger Schlangen wurden im erwähnten Jahre 29 884 Rupien gezahlt, gegen 42 374 Rupien im vorhergehenden Jahre.
. t — sEin alter Lebemann.] Der abgesetzte Khedive Ismael Pascha lebte herrlich rn der Welt. Der depossedirte Khedive hat nichts weiter zu thun, als sich zu amü- siren, und das ist ein um so angenehmeres Geschäft, als er sich auch im Alter noch ein für Genüsse empfängliches Herz bewahrt hat und er aus Egypten genügend Mittel mitgenommen hat und es nicht nöthig hat, sich etwas abzukargen. Gegenwärtig hält sich Ismael Pascha in der ewigen Stadt auf und wie der „W. Allg. Ztg." von dort berichtet wird,- fand dieser Tage, dem beschäftigungslosen Fürsten zu Ehren, in einem hochadeligen römischen Hause ein großes Ballfest statt. Bet diesem Anlasse nun wurde auch ein reizender 15jähriger Backfisch, die Baronesse Julia Vitrano, zum erstenmale in die Gesellschaft eingeführt. Die Kleine erregte allgemeines Wohlgefallen und auch Ismael Pascha wandte kein Auge von ihr. In der Tanzpause ließ er sich derselben vorstellen und machte ihr kurz entschlossen einen Heirathsantrag. Der alte Herr sagte ihr, daß er gegenwärtig nur vier Favoritinnen habe und daß er sie sofort über alle setzen wolle, wenn sie zu seiner Religion übertrete und seine Gemahlin werde. Der Feuer und Flamme gewordene Khedive erzählte der Kleinen gar mancherlei von den schönen Kleidern und dem herrlichen Schmucke, den er ihr kaufen wolle; allein die Comtesse hat augenscheinlich keine Vorliebe für ältliche beleibte Herren; sie verneigte sich geschmeichelt und erklärte dem Khedive, sie denke noch nicht daran, sich zu vermählen.
— „Beim Friseur nach den Falb'schen Vorttägen" betiteln die „Lust. Bl." folgende^ Unterhaltung eines Haarkünstlers; „Schön' guten Tag, Herr Baron! — Eigenthümliches Wetter heute! — Entschiedener Polarstrom, der nicht recht weiß, wie er mit dem südöstlichen Passat fertig werden soll. — Bitte den Kopf ein wenig nach links! — Bin neugierig, ob wir ein Perigräum bekommen, sollte mir leid thun bei dem jetzigen Aequatorstand des Mondes. — Noch etwas Pomade gefällig? - - Sprechet: etwas heiser, Herr Baron, gewiß noch ein wenig erkältet. — Ist gar kein Wunder bei diesem Maximum der planetarischen Attraktion, welche feuchte Antipassate befördert; hoffentlich gibts bald ein Perihelum ohne atmosphärische Fluth-Phanomene. — Machen sich nichts aus dem Wetter, Herr Baron! Ganz meine Ansicht! Was . gehen uns die flachen Depressionen an! Meinethalben kann es longitudinal und transversal beben! Bitte den Kopf noch etwas nach vorn! So, Herr Baron, gehorsamster Diener! Wünsche vergnügten Wirbelsturm!"
— IAus dem Ulf.] In einer Nummer des Gubener Stadt-Anzeigers findet sich folgendes Inserat: „15 Jt" Belohnung erhält derjenige, der mir das schlechte Subject, welches von meinem Zaune Latten stiehlt, so nachweist, daß ich es gerichtlich belangen kann. Auch ist eine Stube nebst Zubehör zu verntiethen. Wittwe Schwitzke." — Im Spandauer Tageblatt findet sich folgende Notiz: „Hennigsdorf, der älteste Bewohner in Hennigsdorf, der Kossäthen Altbesitzer und Fischer Behrend ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er hat 20 Kindern das Leben geschenkt". Alle Achtung! — Eine amtliche Bekanntmachung in der Märkischen Zeitung bringt das Verbot in Erinnerung, welches zum Schutz der Singvögel erlassen worden ist und rechnet zu dielen u. A. die Eule, die Krähe, den Thurmfalken und den — Storch.
Btmifdtti.
„ .. Darmstadt 12. Mai. cG-neralvcrsammlung des Vereins hessischer L-Hreriimcn.s Nachdem in der auf den 27. v. Mts. einberufenen Versammlung die zur Beschlußfähigkeit erforderliche Anzahl von Mitgliedern nicht erschienen war, fand gestern Mittag eine zweite Versammlung unter zahlreicher Betheiltgung 'er Mitglieder im oberen Rathhaussaale statt. Ihre Durchlaucht Frau Prinzessin Br tenberg zeichneten dieselbe ourch ihren Besuch aus. Nach Eröffnung der Versammlung durch Herrn Mttprediger .Keil (in Verhinderung des Herrn Stadtpfarrers Pfnor) und Begrüßung der Erschienenen erfolgte zuvörderst die Rechnungsablage des Vereins pro 1886 durch Frl. Wider. Darnach betrugen in Summa die Einnahmen 4548 78 H, darunter Bei
träge ordentlicher Mitglieder 633 Jt, außerordentlicher Mitglieder 2119 JL 50 X die Ausgaben 4237 wovon 3805 65 H zum Ankauf von Staatspapieren verwandt
wurden.
Rechenschaftsbericht über das dritte Vereinsjahr erstattete Fräulein Streb. Der Bericht beginnt mit Erwähnung der vom Verein kreirten Ehrenmitglieder und fuhrt die zu seinen Gunsten veranstalteten Eoncerte und Vorträge an. Weiter wird rrwähnt, daß die Generalversammlung im Vorjahre am 20. April statthatte und auf oreser Fräulein Kahl, die eigentliche Begründerin des Vereins, zum Ehrenmttgliede
Neber Retters Haarwasser.
Es kann nicht genug wiederholt werden, und ist auch darüber schon Vieles von Autoritäten geschrieben worden, daß Oele und Pomaden die Hautporen nur verstopfen, in Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welche die Hautausdünstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle Stellen erzeugt. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, die im blinden Vertrauen auf schwrndel- hafte Reclame — unbedacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich fei — Hunderttausende für schädliche Haarmittel ausgeben und in dem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, während sie damit doch nur den Charlatanismus unterstützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Zetten von dem unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abzulassen und dafür em wrrn w gutes conservirendes Haarmittel statt der insgesammt schädlichen Oele und Pomao zu gebrauchen? Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann da^
Haarwasser von Carl Retter in München grHtnritot™ nicht genug empfohlen werden, da dasselbe laut Gutachten hervorragender ,
wie Professor Dr. V Wittstein -c. rc., Alles enthält, um das Haar feucht ^ glanzend und die Kopfhaut immer thätig und weich zu erhalten, sowie d^ ^gen Schuppen innerhalb acht Tagen gänzlich zu entfernen. - Zu beziehen per Flacon 40 unl»
MO bei Herrn I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, Gießen-


