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— [>2Ba§ sollen wir im Sommer trinken?) Die „Lancet" sagt: Wie sollen wir in der Sommerhitze unseren ewigen Durst stillen? Viele Menschen glauben dies dadurch zu erreichen, daß sie massenhaft viel kaltes Wasser trinken; dieses reizt aber nur die Schweißdrüsen zur vermehrten Thätigkett, wir schwitzen also stärker und das Durstgefühl stellt sich bald wieder ein. Völlig unklug ist es, sich zu diesem Zwecke der alkoholhaltigen Reizmittel zu bedienen. Für eine Zeitlang lindern sie immerhin den Durst, indem sie auf die Speicheldrüsen einen kräftigen Reiz ausüben; bald aber führen sie eine Erschlaffung der kleinsten Blutgefäßchen herbei und vermehren die Herzthätig- keit, weßhalb ihrer Einnahme rasch die Nemesis folgt. Dagegen ist während der heißen Jahreszeit der kühlende Einfluß der Säuren wohl zu beachten. Der Geschmack mag entscheiden, ob man diese oder jene Säure wählt. Eine schwache Lösung von Citronen- oder Weinsteinsäure, eine unoersüßte Limonade wird erfahrungsgemäß viele Personen erfrischen. Wer den Aepfelwein verträgt, mag ihn, zur Hälfte mit abgekochtem Wasser versetzt, zur Stillung seines Durstes versuchen; er beachte, daß der rohe (ungesüßte) Aepfelwein viel schmackhafter ist. Der kalte Thee hat auch seine Anhänger. Man vergesse nicht, das Wasser, so lange es noch heiß ist, vom Thee abzugießen und lasse es ja nicht in Berührung mit den Theeblättern auskühlen, weil sich bei dieser Behandlung die abstringirenden Bcstandtheile besser lösen, der Thee selbst sein Aroma verliert und sogar die Verdauung eher stört. Der Thee hat aber auch seine Nachtheile und zu dieser zählen wir in erster Linie den Umstand, daß er, wenn spät Abends eingenommen, Vielen den Schlaf raubt. Was das Eis anlangt, so beachte man, daß das Gefühl von erfrischender Kühle, welches der vermehrten Einnahme desselben folgt, sehr rasch einer gegentheiligen Reaction Platz macht. Man fühlt dies weniger, wenn man ein Herz-Tonikum in dieser Form nimmt — z. B. einen Eiskaffee, der bet unseren Nachmittags-Ausflügen so beliebt ist. Wir empfehlen also, sich die kleine Mühe nicht verdrießen zu lassen, sich zu Hause eine gute Limonade zu bereiten und sich dieselbe durch Mischung mit einem reinen Sodawasser angenehmer zu machen. Zucker sollte man gar nicht hinzusetzen, da er bei seiner Oxydation so viel Hitze entwickelt. Es ist wirklich merkwürdig, daß die Franzosen, die in der heißen Jahreszeit so vorsichtig und weise jedes alkoholhaltige Getränk vermeiden, diese Eigenschaft des Zuckers ganz übersehen und als Sommergetränk so gerne ein mit Syrup oder Zucker versetztes Wasser zu sich nehmen.
— Eine hübsche Schulgeschichte, die jüngst in München beim Schulschluß vorgekommen sein soll, wird den dortigen „Neuesten Nachrichten" erzählt. In einer Mittelschule brachte ein Schüler ein Zeugniß vom Hausarzte seiner Eltern bei, in welchem gesagt war, der Schüler müsse in die höhere Klasse aufrücken, da ein Sitzenbleiben für sein Gemüthsleben nachtheilige Folgen haben könne. Einige Heiterkeit der Lehrer soll die nächste Folge dieses neuesten ärztlichen Mittels zur Verhütung von Trübsinn gewesen sein; die zweite ist hoffentlich, daß der Junge wegen seiner Kenntnisse versetzt wird.
-- Warum sind so viele Leute arm? Weil sie den Rahm verderben lassen; silberne Löffel werden zum Auskratzen der Kessel genommen; die Scheuerbürste bleibt im Wasser; Messer mit schönen Griffen werden in heißes Wasser gesteckt; die Besen werden nicht aufgehangen; das gebrauchte Tischzeug wird an Orte geworfen, wo Mäuse daran nagen Können. Wannen und Tonnen liegen in der Sonne, bis sie zerfallen, die Kleider hängen an der Leine, bis sie der Wind zerreißt. Die Wintersachen werden im Sommer von den Motten zerfressen, Fleisch- und Gemüsereste verderben in der Spetsekaminer. In das Backobst läßt man Würmer kommen. Der Provfen fehlt auf der Syrupflasche und die Würmer schlagen ihr Quartier darin auf. Kaffee, Thee, Pfeffer und andere Gewürze verlieren, weil offen stehen gelassen, ibr Aroma. Das Pöckelfleisch verdirbt, weil Salz fehlt oder weil es auf dem Salzwasser schwimmt. Armulh ist keine Schande, wird aber Jemand arm auf diese Weise, sollte der sich nicht schämen?
— sWer ist der Faulste?^ Ein Düsseldorfer ging eines Tages am Rhein spazieren. Da gewahrte er drei Sackträger, welche, so lang sie waren, in der Sonne lagen. — „Wer es von äch der Fulste? de fall 5 Selvergroschen Han!" — Sogleich erhebt sich der Pitter und sagt: „Ech sin der Fulste, gäbt mech de 5 Selvergroschen!" — „Nä!" ruft der Kubes, „ech sin der Fulste!" und hält die Hand hin. — Drickes bleibt ruhig liegen. „De es der Fulste", sagte der Herr, „da do häste die 5 Selvergrosche!" Drickes gähnt und spricht: „Häär, sitt so gut und steckt se mech en de Täsch!"
Landwirthschaftliche Nachrichten.
— Die großblumigen Stiefwütterchen - Sorten werden am besten im Monat August ausgesät, weil dann bessere, widerstandsfähigere Pflanzen erzielt werden als wenn die Aussaat, wie das häufig geschieht, schon im Juli vorgenommen wird aum Zwecke der Anzucht aus Samen bedarf es keiner großen Vorbereitungen, es kann sowohl in Mistbeete, in Blumentöpfe als auch auf's freie Land gesäet werden. Hauvt' bedingung ist nur, daß die Samen möglichst dünn in nahrhafte, lockere, etwas sandiae Erde höchstens einen halben Zentimeter tief kommen. Sodann ist nur darauf »u achten, daß das Beet rc. nicht austrocknet, eS ist deßhalb nöthigenfalls zu beschattm Vom Samenbeet kann man die jungen Pflanzen, nachdem sie ungefähr drei Blätter angesetzt haben, auf ein anders Beet zum Auswachsen verstopfen ober wenn man fit in Töpfen ziehen will, gleich in diese einsetzen.! e. p.
— (Schießen der Kohlrabi.j In vielen Gegenden wird in diesem Jahre ungemein darüber geklagt, daß so viele Kohlrabi in Blüthe schießen. Der Grund wird da die Erscheinung so allgemein ist, nur selten in der Behandlung des Bodens in einer falschen Pflege zu suchen sein, sondern in den Witterungsverhältnissen- und dagegen gibt es nun kein Recept. Manche Hausfrau denkt aber vielleicht, wenigstens den Samen der geschlossenen Kohlrabi ernten und verwenden zu können, jedoch davon ist dringend abzurathen. Denn die so leicht in Samen gegangenen Kohlrabi sind mehr oder weniger entartet, und die falsche Sparsamkeit durch Benutzung der von ihnen gewonnenen Samen würde sich gewiß durch eine noch größere Mißernte rächen.
— [Die Erdbeerzucht.j Mit der Ausbreitung des Anbaus von Erdbeeren und der fortschreitenden Züchtigung neuer, besserer Sorten hat die Nachfrage nach Erdbeeren so zugenommen, daß dieselbe noch immer nicht in genügendem Maaße befriedigt werden kann. Für den Gärtner und Landwirth bietet sich also durch die Anlegung von Erbbeerpflanzungen ein lohnendes Erwerbsmittel. Da diese Anlage am besten im Monat August vorgenommen wird, so geben wir unseren Lesern in Nachfolgendem einige Winke darüber.
Was zunächst die Sorten anbetrifft, so ist darauf zu achten, für welchen Zweck der Anbau geschieht. Für Hausgärten, in denen Erdbeeren zum eigenen Gebrauch gezogen werden sollen, wie auch in herrschaftlichen Gärten sind besonders empfehlens- werth Blanche d’Orl^ans und Avenir, die sich durch ausgezeichnetes Aroma hervorthun, aber nicht sehr reich tragen.
Beim Anbau für den Verkauf ist mehr den reichtragenden Sorten der Vorzug zu geben, und nennen wir als solche „Riese von Franken", „Theodor Mutter", „König Albert von Sachsen" und die bekannte „Mammuth-Erdbeere". Wo die Erdbeeren nicht in der Nähe abzusetzen sind, sondern auf einen weiten Transport gerechnet werden muß, empfiehlt sich der Anbau der Sorten „Fürst Bismarck" und „Her Majesty", die beide durch ihre Festigkeit und Dauerhaftigkeit ausgezeichnet sind. Man bezieht die Pflanzen von einer renommirten Handlung und zwar so viel, als man im ersten Jahre anzubauen gedenkt. Die Anlage größerer Plantagen kann dann später leicht durch Theilung der Pflanzen ermöglicht werden. Monaterdbeeren werden auch mit gutem Erfolg aus Samen gezogen, für andere Sorten empfiehlt sich das jedoch nicht.
Lebevsverficherungsbank für Deutschland zu Gotha.
Stand Anfang August 1887.
Versichert waren 69,180 Personen mit 521,000,000 Jt. Neu beantragt wurden irn vorigen Monat 404 Versicherungen über 3,175,700 JL und zum Abschluß gelangten 345 Versicherungen über 2,669,800 JL Die Zahl der angemeldeten Sterbefalle betiu« 102 mit 708,100 JL Versicherungssumme. Im Ganzen wurden seit Beginn dieses Jahres 2853 Versicherungen über 21,425,500 JL Summe beantragt und 2474 neue Versicherungen über 18,564,100 JL abgeschlossen. Sterbfälle wurden in dem gleichen Zeiträume 800 mit 5,692,400 JL Versicherungssumme angemeldet. Die seit dem Bestehen der Anstalt ausgezahlten Versicherungssummen beziffern sich auf zufammeir ca. 180,650,000 vM. Der Bankfonds beträgt jetzt ca. 139,000,000 Jt. Die Ueberschüsse werden voll und unverkürzt an die Versicherten als Dividende zurückgcwährt. In diesem Jahre wird nach dem alten System eine Dividende von 43 pCt. der Jahresprämie und nach dem neuen „gemischten" System eine Prämiendividende von 33 pEt. und eine Reseroedividende von 2,4 pEt. vertheilt. In Procent der Jahresprämie ausgedrückt, berechnet sich im laufenden Jahre nach dem letzteren System die Gesammtdtvidende für die jüngsten dividendenberechtigten Versicherungen, auf 34 pEt., für die ältesten schon auf 125 pEt.
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