Ausgabe 
14.8.1887 Drittes Blatt
 
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je 900 eX Gehalt. Mit der einen Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschuie zu Unter-Seibertenrod mit einem Gehalt von 900 <X Mit der Stelle ist Orga­nistendienst verbunden Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschuie zu Ober-Roden mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1500 JL Eine nut einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Monzernheim mit einem Gehalt von 900 «X Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirschgarten mit einem Gehalt von 900 «X

Vermischtes.

A Mainz, 11. August. Der soeben erschienene Jahresbericht der Mainzer Handelskammer spricht sich über die wirthschaftlichen Verhältnisse in Deutschland dahm aus, daß bei der Fortdauer der gleichen wirthschaftlichen Grundbedingungen dte Ver­hältnisse keine wesentlich andere Gestalt angenommen und so auch in den Jahren 1885/66 die Lage von Handel, Gewerbe und Industrie sich nicht in der Weise gebessert habe, wie man es bei dem rastlosen Streben, dem angestrengten ernstlichen Bemühen und der Anschauung aller geistigen und wirthschaftlichen Kräfte erwarten zu dürfen glaubte. Die noch nicht zum Abschluß gebrachte Krisis dauere nunmehr länger als eine ihrer Vorgängerinnen. Der Grund hierzu liege wohl in den großartigen Um­wälzungen, welche nach und gleichzeitig mit der Politischen Einigung in Deutschland sich aus wirthschaftlichem Gebiete vollzogen. Die schnelle Entwickelung der Maschinen­industrie und der technischen Wissenschaften suchte die Arbeitskräfte möglichst billig zu gestalten und so verdrängte der Dampf und die Mechanik den Menschen. Die ver­besserten Verkehrseinrichtungen hätten den Zwischenhändler in den Stand gesetzt, seinen Bedarf in kürzerer Zeit von dem Producenten zu beziehen und er schränke daher sein Lager nach Möglichkeit ein. Der Producent habe durch den verminderten Begehr die Preise fallen gesehen und suche diesen Ausfall an Gewinn durch eine möglichst gesteigerte Production einzuholen. Auf diese Weise hätten sich die Producenten gegenseitig eine Concurrenz geschaffen, die auf die Preise noch ungünstiger einwirken müßten. Von wesentlichem Einfluß auf die Entwickelung der wirthschaftlichen Zustände bezeichnet der Handelskammerbericht ferner die Aenderung in der Zollpolitck der bedeutenderen europäischen Staaten. Fast alle Länder seien nach und nach dazu übergegangen, ihre eigene vaterländische Arbeit zu schützen. Und wie jedwedes Eingreifen der Gesetzgebung in die freie Entwickelung der wirthschaftlichen Kräfte, eine jede Uebertragung der politi­schen Gewalten auf das wirthschaftliche Gebiet Schädigungen Einzelner Herbetführen müsse, so sei es auch mit der Einführung der Schutzzölle gewesen. Daher hätten diese Bestrebungen, nachdem ihnen die Gesetzgebung der meisten Staaten willig gefolgt, wie sie für den deutschen Markt die theilwerse Beseitigung der englischen und französischen Suprematie bedeuteten, in anderen Ländern in gleicher Weise auch eine Beschränkung der deutschen Einfuhr herbeiführen müssen, und so habe erwiesenermaßen die deutsche Exportindustrie durch die Schutzzollpolitik der anderen Eulturstaaten alte Handels­beziehungen aufgeben oder einschränken oder dieselben doch nur unter den größten Opfern mühsam aufrecht zu erualten suchen müssen, lieber den Einfluß der Politik auf die Gestaltung der wirthschaftlichen Verhältnisse beißt eS in dem Bericht, daß wenn auch im Allgemeinen der politische Einfluß mehr als früher zurückgetreten, so seien doch die politischen Störungen, welche die letzten Jahre mehrfach gebracht, nicht ohne eine schädigende Rückwirkung auf die Geschäftslage geblieben und hätten wiederholt den Anfang einer wirthschaftlichen Besserung gehemmt.» Gleichwohl bedeuteten auch die beiden letzten Jahre für Handel und Industrie einen Abschnitt verhältnißmäßig ruhiger Entwickelung, in welchem das Vertrauen auf den weiteren Erfolg der deutschen Friedens­politik alle aus der jeweiligen Lage abzuleitenden Besorgnisse doch immer wieder mehr oder weniger in den Hintergrund dränge.

Literarische».

Von der Octav-Ausgabe vonlieber Land und Meer" (Stuttgart Deutsch, i Verlags-Anstalt) liegt uns jetzt das erste Hest des vierten Jahrgangs vor.' Deutle ; nicht schon das Erscheinen des vierten Jahrgangs darauf jtn, daß diese Ausgabe i florirt, so würde man aus diesem Hefte selbst eS ersehen, ^>enn hier wird io viell i Schönes und Interessantes in Wort und Bild geboten, wie das nur ein Unternehmen ; welches fröhlich gedeiht, seinen Lesern darreichen kann. Es ist ein wahres 23eranüaen* $ in diesem handlichen und doch nobel ausgestatteten Heft zu blättern, und wer sich in seinen Inhalt vertieft, wird erst den rechten Genuß erhalten. Wir können hier nur } eine gedrängte Aufzählung der Reichhaltigkeit dieses monatlich erscheinenden Ein- - markheftes" geben, aber auch dies nur, indem wir das besonders Hervorstechende erwähnen. Wir finden in diesem Heft zwei Novellen: eine irische von Johanna Feilmann, eine geniale Eriminalerzählung von Jacobsen :Der Fall gegen Unbekannt" und einen Dorfroman von M. Schmidt:Der Bubenrichter von Mittenwald": bann Novelletten von Landsberger, Heoesi; ferner ein hochinteressantes Memoirenbrüchstück aus den Erinnerungen des Grafen von Schack und einen sehr eingehenden biographi­schen Artikel, Fr. Vischers achtzigsten Geburtstag behandelnd; dann Essays über Berliner- Künstlerleben, den Hamburger Zollanschluß, über Freiburg im Breisgau, die Musik­verhältnisse in Berlin, Barnum in New Aork und schließlich eine Fülle von kleineren Artikeln, alle Gebiete berührend. An Bilderfchmuck enthält dies Heft außer btr großen Menge von Illustrationen im Text noch sieben im feinsten Farbenton hergestellte Kunst' beilagen wahrlich, das ist erstaunlich für den Preis von nur 1

Landwirtschaftliche Nachrichten.

sZur Ernte des Sommerraps.) Für die Ernte des Sommerraps, die meist August und September vorgenommen wird, gilt ebenso, wie für die des Winter­raps, die Regel, daß die Ernte so spät als möglich vorgenommen werden soll. Denn die Erntemenge und die Qualität, der Oelgehalt der Körner sind bei Raps, der früh geerntet wird, weit geringer als bei solchem, der später geerntet wird, wie eingehende Versuche auf der Versuchsstation zu Darmstadt gezeigt haben. Wenn ausreichende Arbeitskräfte vorhanden sind, empfiehlt sich am meisten der Schnitt mit der Sichel, der ungefähr 10 Tage später oorgenommen werden kann als der Schnitt mit dec Sense oorzunehmen sein würde, welcher letztere sich am vortheilhastesten ausführen läßt, wenn sich die Körner der untersten Schoten zu bräunen beginnen und das ganze Feld einen gelblichen Schimmer zeigt. Je später der Schnitt erfolgt, desto mehr Hal man allerdings ein Aufspringen der Schoten und ein Ausfallen beim Schneiden zu befürchten. Es empfiehlt sich deßhalb, das Schneiden eines gut ausgereiften Rapies in der Nacht oder am Morgen vorzunebmen, da dann die Pflanzen mber sind. Th.

Handel und Verkehr.

Berlin, 6. August. Mit der Ankündigung eines angeblich in naher Aussicht stehenden neuen Wuckergesetzes schloß, wie man derFranks. Ztg." meldet, Professor Schmoller seine diesjährige Sommer-Vorlesung. Nach dem genannten National- Oekonomen wäre dieses Ergänzungsgesetz bestimmt, den berufsmäßigen Ereditverkehr zwischen Gelddarleiher und Landwirth zu treffen, um hier die Ausartung in Wucher zu hintertreiben. Als Mittel solle ein strenges Concessionssystem und beständige poli­zeiliche Beaufsichtigung dienen; der solide Gefchäftscredtt bleibe aber auch durch das neue Gesetz unbehelligt.

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