Ausgabe 
12.6.1887 Drittes Blatt
 
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Air. 183 Drittes Blatt. Sonntag »tu 1Z. Juiil

1887.

reßener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

B*re<ttt r Schulßraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Drei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit

Durch d,e Poft de»oaen vierteljährlieb 2 Mart <

Amttichcr Hheil.

Betr.: Schießübungen.

Bekanntmachung.

du geskchamäß^s Einzclschikben in 'der Sandgrube bei Wieseck mit da Schichcichiung gegen'de?LangMe^n°rnchmen°" Das^aruiü^weicket^an^ *"***" - ****-** -d

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____ vi-. Boekmann.

Betreffend: die Ableistung des Huldigungs- und Berfaffungseides. / Gießen, den 10. Juni 1887.--------

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

" We Gr°,b-.,°,IIck«» »a-«-rn,-Ift-r.!-» t> «reifes »er in den Amts»..i«btsb.,i,k.» Griinber«, Homberg, Hungen, Nidda und Laubach liegenden Gemeinden. 8

ds. ber neu °ufg°n°mmenen Orts- und Staatsbürger an den bestimmten Tagen den 15. und 17l

Dieselbe wird stattfinden:

Mittwoch den 22. Juni 1. I., Mittags 1 Uhr in Griinbera und Donnerstag den 23. Juni I. I., Mittags 1'/, Uhr in Hungen.

Hiervon wollen Sie die betreffenden Personen sofort in Kenntniß setzen. ____________ Dr. Boekm ann.

Verwischte-.

-."ö, l0. Juni. Das hiesige Landgericht erließ in seiner vorgestrigen Atzung ein für Wemproducenten nicht unwichtiges Urtheil. Ein Landwirth von Siefersheim hatte erwiesenermaßen mehr Wein verkauft, als er selbst gezogen was eine Erklärung dann sand, daß er sowohl zu Herbstzeiten Most gekauft, als auch zwei schlechtere Jahrgange durch Zucker- und Wasserzusätze verbesserte und so naturgemäß auch vermehrte. Die Steuerbehörde ist nun der Ansicht gewesen, daß hier nicht mehr von steuerfreiem Verkauf eignen Wachsthums die Rede sein könne, sondern daß hier Wemhandel betrieben werde, zu welchem ein Handelspatent gehöre. Da der Landwirth em solches nicht besessen, so hat die Steuerbehörde Strafantrag gestellt. Das Gericht schloß sich der Ansicht der Steuerbehörde nicht an und erkannte, daß das Ankäufen Most wie auch die vorgenommene Verbesserung und Vermehrung durch Kucker­und Wasserzusatze nicht als Manipulationen anzusehen seien, durch welche die Annahme des Betriebs eines Weinhandels gerechtfertigt erscheine und sprach in Uebereinstimmuna mit der ersten Instanz den Angeklagten frei. 0

, t Um zu dem nächstjährigen Earnevals-Jubiläum rechtzeitig gerüstet zu sein, findet schon in diesem Monat - 22. - die geschäftliche Generalversammlung der Mainzer Narrhalla statt. In früheren Jahren fand diese geschäftliche Generalversamm­lung regelmäßig am 1|. November statt.

Aus dem Bahnhof in Frankfurt wurde vorgestern durch einen hiesigen Criminal- beamten die Verhaftung einer steckbrieflich verfolgten Wittwe von hier bethätigt, welche im vergangenen Jahr von den hiesigen Gerichten wegen Verleitung von jungen Mädchen zur Unzucht zu einer längeren Freiheitsstrafe verurtheilt worden war. Nach Verbüßung ihrer Strafe hat sie in Berlin das saubere Handwerk fortgesetzt, weßwegen sie nun neuerdings in die Hände der Polizei gekommen.

Mainz, 11. Juni. Ein Passagier des gestern gegen 6 Uhr von Köln hier ankommenden SalondampfersHansa" stürzte sich, als eben datz Schiff durch die neue Brücke bog, durch das erste Fenster der Vorkajüte in den Rhein. Der Betreffende, der, nach der Kleidung zu schließen, ein wohlhabender Landwirth zu sein scheint, war in Eoblenz auf das Schiff gestiegen und hatte es sich während der Fahrt beim Essen und Trinken noch ganz,wohl sein lassen. Der Kapitän des Schiffes hatte sofort die Schaluppe nach­fahren lassen; bei der starken Strömung, die der Rhein in Folge des hohen Wassers zur Zeit hat, gelang es indeß nicht, den Selbstmörder noch zu erreichen.

Eine Stunde später, als sich vorbeschriebener Fall abgespielt hat, fiel nicht weit von der Stelle, wo der Passagier in die Fluthen gesprungen, der sich in einem Kahn amusirende 13jährige Sohn des Floßmeisters Wagner von Kastel in den Rhein und ertrank.

Dem Irrsinn verfallen, ist der Baron Raymond de Seillidres, Bruder der Prinzessin von Sagan, in entsprechende Behandlung genommen worden. Er war über ein Jahrzehnt hindurch der freigiebigste, glänzendste aller Pariser Lebemänner. Nicht nur verlor er bei Spiel und Wetten die größten Summen mit verächtlichster Ruhe, sondern ließ sich betrügen und bestehlen, ohne auch nur ein Wort zu verlieren oder mit der Achsel zu zucken. Dazu kam eine tolle Gastfreiheit und Abenteuer aller Art. Bei all diesen Zerstreuungen und Verschwendungen blieb Seilliörcs fish stets gleich, hatte immer den Ausdruck eines Gelangweilten, eines Verächters der Welt. Nachdem er ungefähr 30 Millionen durchgebracht, wurde er entmündigt. Mit dem ihm zu­gebilligten Jahreseinkommen von 400,000 Franken vermochte er nicht zu leben, er war zu sehr gewohnt, mit Millionen zu zählen. Es war ein harter Schlag, der ihn tief berührte. Er machte eine Reise nach Amerika, angeblich, um durch neue Unter­

sten. Daß sich aber seit den Ausstellungen in den letzten 10 Jahren (Hannover Bremen, Hambrirg) ein Fortschritt in der Rindviehzucht Deutschlands aus der jetzigen Ausstellung conftahren ließe, glaube ich nicht behaupten zu dürfen. Es fehlt ja auch - rlbus!10 ^?^"dmehzucht in Deutschland immer noch das unerläßliche Fundament nämlich der Futterbau wie er nöthig wäre, das Vieh stets reichlich genug ernähren zu können. Mit der Rindviehzucht steht ja das Molkereiwesen in enger Verbindung Was ich nun von den ausgestellten Molkereiproducten gesehen habe, scheint mir auf einen wirklichen Fortschritt zu deuten. Ich glaube, Deutschland kann sich in dieser Hinsicht letzt mit federn anderen Lande wohl messen. e

Conserom -c. zeigt gleichfalls von einem bedeutenden Fortschritt sowohl itn Obstbau selbst als in der Verwendung des Obstes.

Die 1. Wander-Ausstellung der Deutschen Landwirthschastg- Gesellschaft ;u Frankfurt a. M.

I.

L.0. Frankfurt a. M., 10. Juni 1887.

^m Anschluß an meine Bemerkungen vom 7. d. M. will ich den Lesern weitere Mitthettung über die erste hier heute eröffnete Wanderausstellung derDeutschen Landwirthschafts-Gesellschast" machen, dabei aber Alles, was nur aufFörmlichkeiten" hinauskommt, vermeiden. Ich wähle deswegen für meine Mittheilungen dies fei nebenbe! benierft Briefform, weil ich mich, als alter, volksthümlicher, land- wirthschaftltch-r Schriftsteller, für berechtigt fialte, dem Theile des Publikums, welcher sich für Ackerbau und Viehzucht mteressirt, alsalter Freund" gegenüber zu treten .Nach diesem zur Sache. Die Ausstellung wurde heute unter den gewöhnlichen Förmlichkeiten von dem Präsidenten der deutschen Landwirthschafts - Gesellschaft Fürst zu Wied, eröffnet. Die Theilnahme des nicht direct interefsirten Publikums war dabei aber gerade keine große vielleicht, weil man das Eintrittsgeld auf fünf Mark für diesen ersten Tag feftgestellt hatte.

Um in diesen und in den folgenden Briefen möglichst wenig mißverstanden zu werden, glaube ich noch zwischenein bemerken zu müssen:

. Niemand kann es aberkennen, daß die landwirthschaftlichen Thierausstellungen oder Thier sch au en (diese bilden ja immer den Haupttheil der landwirthschaftlichen Aus- stellungen und zwar mit Recht, weil der Zustand der Viehzucht immer den Stand des ganzen übrigen Beiriedes anzcigt) in letzteren Jahren in hervorragender Weise dazu be,getragen haben, in D-uftchland den Sinn für die Hebung der Thicrzucht zu weck n und zu erhalten. Ader nicht das allem haben diese Ausstellungen bewirkt/sondern sie haben auch zur Belehrung aut dem Gebiete der Thierzucht in großem Maße gedient; sie sind, indem sie das B-kanntwerden deutscher und ausländischer hervorragender Thier: un^r<'?c^ srmikteln, die Veranlassung gewesen, daß diese zur Hebung der deutschen Thierzucht (wenn auch nicht stets in entsprechender Weise, doch im Ganzen fordernd) benutzt wurden. 0

Uebrigens wolle man nicht außer Acht lassen: Die Thierausstellungen repräsen- nUfT Zur Hebrmg der Thierzucht. Um den Zweck der Ausstellungen

3U förbeTH, muß ein Zusammenwirken derselben WittPh? inrja ganz Deutschland) angewandten Mitteln zur Hebung der thierzucht Hand in Hand gehen.

An erster stelle ist nun wohl die Frage eine berechtigte' öpfnt hi? iphin? yc,,8- IteÜung, daß sich die Viehzucht in letzteren Jahren in Deutschland gehoben ha?/ Diese Frage kann ich leider nut einem vollen ^a nicht beantworten; nur das kann ich sagen:

?* u Viehzucht in den letzteren Jahren wenigstens nicht zurückgegangen ist. Ulddasistchonmel, wenn man tn Betracht zieht, daß die ^gemeinen UnWxtV

~ sich seit 20 Jahren bedeutend verschlimmert haben. Uebrigens werde ich aus diese Frage zurückkommen tnnm hn$ Preisgericht" bei der Ausstellung sein Votum abgegeben hat '

. 6 3" B-tr-ff der ausgestellten P» er de mag für vorläufig schon bemerkt werden: daß sich darunter manche ausgezeichnete Thiere befinden. Die Pserdeausstelluna >euat aber auch leider davon, daß die deutschen Pserderapen w'länger ic mebr aus- sterben. Das halte ich sur sehr bedauernswerth; denn viele dieser Ra?m (öde?Schlägcs waren etwa für ihre Gegend werthvoller, als daß sie durch irgendwelche fremde Rare ober durch irgend em Kreuzungsproduct ersetzt werden könnten. Slnstatt sie durch bessere Haltung oder rationellere Züchtung zu heben, ist man dazu gekommen bk deut chen Pferdewegzuzuchten". - Was ist von Pferden zur Ausstellung gekommen ° Lngli ches Halbblut, Vicrtelblut u. s. w - sog. veredelte Pferde, wozu auch dft"us- «estellten hannoverschen, oldenburgcr und holsteinschen Pferde zu rechnen sind - dann nehmen auf der Ausstellung einen bedeutenden Platz ein: schwerere ausländische Pferde Normanner -Ardenncr, ogar Trabrenner. Rur für besondere Züchter können diese Pferde Vorthnl bieten, für den Landwirth niemals; denn sie paffen nicht in den Deutschen landwirthschaftlichen Verhältnisse. Durch fremdes Blut läßt sich die deutsche Pferdezucht überhaupt nicht heben, nur weiter verkrüppeln. ?ur wirklichen Hebung kann nur eine rationellere Zucht und eine geeignetere Haltung Dex Pferde, vom Fullen an, fuhren.

, . Das ausgestellte Rindvieh sieht sich schön an, schon weil es sich größteniheils in -inem gemästeten Zustande befindet. Die Hauptrapei, Deutschlands sind hierbei ver-