Ausgabe 
12.5.1887 Zweites Blatt
 
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3) In den Straßen einer Stadt gehe man lieber in der Mitte, als an den Seiten der Häuser; besonders ist die Nähe solcher Stellen, wo das Wasser in starken Güssen von den Dächern niederstürzt, zu vermeiden.

4) In Gebäuden hüte man sich, mit seinem Körper die vorhandenen Lücken einer unterbrochenen Leitung auszufüllen. Solche Stellen sind z. B. unter Kronleuchtern, welche an metallenen Ketten hängen, unter Drahtzügen, in der Küche unter dem Schornstein, weil der Ruß ein guter Leiter für den Blitz ist. Der beste Platz ist in der Mitte des Zimmers. Die Nähe des Ofens, Spiegels, Elaviers, eiserner Fenster­stangen ist zu vermeiden. Im Allgemeinen ist man im Erdgeschosse sicherer als in der Höhe der Gebäude. Die Fenster während des Gewitters verschlossen zu halten, ist nicht nöthig; eher dürfte vom Schließen eines mit Menschen angefüllten Raumes abzurathen sein, weil dadurch die Beklommenheit und Schwüle nur vergrößert wird und die Gefahr des Erstickens in dem Falle, daß wirklich ein Blitzstrahl ins Zimmer dringen sollte, vermehrt wird. Es ist rathsam, während eines starken Gewitters das Feuer im Ofen auszulöschen, weil der aufsteigende Rauch ein guter Electricitätsleiter ist.

5) Metallische Gegenstände trage man während eines nahen Gewitters nicht ohne Noth bei sich.

~ 6) Für Gebäude gewährt der von Franklin erfundene Blitzableiter den besten

Schutz; die Leistungsfähigkeit desselben muß aber öfters geprüft werden.

Metz, 5. Mai. lieber den schrecklichen Selbstmord des Feldwebels Lobsien berichtet dieStr. P." noch Folgendes: Eine Verzweiflungsthat, nicht ohne Vorgang, jedoch immerhin ganz außergewöhnlicher Art, vollzog sich heute Nachmittag 3Vs Uhr in der am Friedhofsthore gelegenen König-Johann-Kaserne, bezw. in dem linken der beiden langen Flügel des Gebäudes, in welchem eine Abtheilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 31 casernirt. Im Erdgeschoß gegen den Hof zwischen beiden Flügeln befinden sich nebeneinander mehrere in der ganzen Breite des Gebäudes gewölbte Geschützschuppen (die zweistöckigen Mannschaftsräume darüber), in denen die während des Tages zum Exerciren dienenden Kanonen verwahrt werden. Zur genannten Zeit erschütterte eine furchtbare Detonation den Bau in seinen Grundvesten; alle Mannschaften beider Kasernentheile eilten in's Freie, worauf sich alsbald in dem ersten der erwähnten GeschStzschuppen ein entsetzliches Bild darbot. In Folge eines von Tätlichkeiten be­gleiteten Streites mit dem Obergefreiten O'Brien hatte sich der Feldwebel Wilhelm Lobsien, 4. Batterie genannten Regiments, geborener Schleswig-Holsteiner, 28 Jahre alt, unoerheirathet, Strafandrohung zugezogen, was den während 8jährtger Dienstzeit gut beleumundeten, erst vor vier Wochen zum Feldwebel beförderten Mann der Be­sinnung beraubt zu haben scheint. Man erzählt, der Unglückliche habe mit einem Kameraden wie im Scherze das vorderste der in dem Schuppen verwahrten vier Ge­schütze (gezogene 8,8 Centimeter-Feldgeschütze) mit einer Kartätsche, 76 Kugeln enthaltend, geladen, dann unter einem Vorwande den Zeugen zu entfernen gewußt, worauf er in kürzester Zeitfolge die Schreckensthat an sich vollbrachte. Der Thai bestand beweist un­zweifelhaft, daß Lobsien mit Stricken sich vor die Mündung der Kanone festgebunden hatte und mit einem an die Schlagröhre befestigten Bindestrick das Geschütz mit eigener Hand auf sich abfeuerte, Die Wirkung in ihren sämmtlichen Einzelheiten entzieht sich der Beschreibung; auf dem mit den Kugeln besäeten, von Blut überströmten Estrich fand man als zusammenhängende Körpertheile nur mehr den Unterleib und die beiden Füße. Der Kopf, gänzlich vom Rumpfe getrennt, lag eine Strecke davon, im sonstigen unverletzt und mit ganz ruhigem Gesichtsausdruck. Nur erwähnt sei noch, daß der linke Arm detz Selbstmörders lange Zeit vermißt wurde; den Blutspuren an der Gewölbedecke folgend, fand man denselben unter verschiedenen Geräthen im hintersten Winkel des Raumes, etwa 10 Meter vom Orte der schauerlichen That. Die endlich zusammengefundenen Körperreste wurden nach amtlicher Feststellung des Tatbestandes nach dem Militärlazareth verbracht. In der Stadt wurde der Vorfall erst am späteren Abend bekannt. Erinnert wird übrigens bei dem traurigen Anlaß daran, daß schon einmal, im Jahre 1874, in dieser Kaserne auf ganz gleiche Art, einige sagen, in dem gleichen Geschützschuppen, ein Artillerist seinem Leben ein Ende machte. In einem vor­gefundenen Briefe soll Lobsien in kurzen Worten, seinen verzweifelnden Vorsatz be­kennend, von seinem Hauptmanne Abschied genommen haben.

fEin Trost.)Herrgott, was man für Aerger über die Jungens, hat. Da ist mein Emil auch wieder zum zweiten Male in Tertia sitzen geblieben. Was sind die Eltern glücklich daran, die nur Töchter haben, die können doch wenigstens nur einmal sitzen bleiben."

LandwirthschaftlicheS.

Frankfurt a. M., 9. Mai. sDeutsche Landwirthschaftliche Ausstellung zu Frankfurt a. M.) Die Ortsausschüsse, die sich auf Anregung des Frankfurter lanb; wirthschaftlichen Vereins gebildet hatten, um die Deutsche Landwirthschafts-Gesellschaft

ta.x0?? Skalen Angelegenheiten, welche die Abhaltung der kommenden Ausstelluna

It£S .brwgt, mit Rath und That zur Seite stehen, befinden sich nunmehr in voller Mttgkeit Fall täglich finden Sitzungen derselben statt und die meisten dieser Aus­schüsse entfalten nunmehr mit aller Energie ihre practische Wirksamkeit. Schon seit einiger Zell tft die Platz- und Baucommission beschäftigt, den mannichfachen Ansprüchen welchen sich bte zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten entaegenstellen, nach Möglichkeit en/'prec^cn und hat dabei das Glück, nicht blos von dem Frankfurter landwirth- schaftlichen Verein, sondern vor Allem auch von den Behörden der Stadt, auf deren Terrain sich die Ausstellung theilweise erstreckt, in entgegenkommendster Weise unter­stützt zu werden. Es ist dies ein besonders erfreuliches Zeichen, da bei ähnlichen Gelegenheiten anderwärts nur allzu oft der gerade in solchen Fällen so ganz unberechtigte Gegensatz zwischen Stadt und Land sich geltend zu machen suchte. Der Verkehrs­ausschuß setzt sich mit den vielen Hunderten von Ausstellern schon jetzt in directe Ver­bindung, welche in den ersten Tagen des Juni die Verkehrsanstalten der Stadt namentlich aber die des Hanauer Bahnhofs, in vielleicht noch nie dagewesener Weise in Anspruch nehmen werden. Von diesem Punkte nämlich werden Thiere sowohl als Geräthe und Producte vornehmlich nach den 4 Haupteingängen des Ausstellungsplatzes gebracht werden müssen, von Denen jeder für eine bestimmte Gattung von Ausstellungs­gegenständen bestimmt ist, um die Gefahr der Eolltsion derselben nach Möglichkeit zu vermeiden. Die locale Finanzcommission hat noch wenig Veranlassung, direct einzu- grerfen, da die bisherigen größeren Ausgaben des Unternehmens direct von der deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft berichtigt werden, welche die ganze Verantwortlichkeit derselben in dieser Hinsicht trögt. Dagegen hatte die Futtercommission Verträge für die Lieferung des Futters und der Streu für die 1500 Thiere abzuschließen, welche wahrend 7. Tagen mit der größten Sorgfalt und Regelmäßigkeit mit allen Bedingungen einer Derbaltnißmafeig behaglichen Existenz umgeben werden müssen. Von den Special- ausschussen für Thiere, Geräthe und Producte hat namentlich der erstere eine schwere und verantwortliche Aufgabe zu lösen und eine Reihe wichtiger Fragen zu entscheiden die das Wohlbefinden dieser werthoollsten und empfindlichsten Erzeugnisse der Land- wirthschaft betreffen, Nicht geringere Ansprüche stellen nunmehr auch die zu erwartenden menschlichen Gäste an den Wohnungsausschuß, der zunächst durch eine Umfrage bei den hiesigen Hotels die Zahl der zur Verfügung stehenden Zimmer festzustellen sucht wobei es wohl unnöthig ist, darauf aufmerksam zu machen, daß die Stadt Frankfurt und ihre Gasthöfe in ihrem wohlverstandenen Interesse die Gelegenheit nicht benutzen werden, um den zu erwartenden Tausenden von Fremden die Erinnerung an den hiesigen Aufenthalt in pekuniärer Hinsicht minder angenehm zu machen. An die Er­wähnten schließt sich dann ein Ausschuß für Präsenzliste, Kartenausgabe und Anmelde- bureau, ein Ausschuß für die von der Gesellschaft in's Auge gefaßten wissenschaftlichen Versammlungen, ein Ausschuß für Vergnügungen, ein solcher für Excursionen und endlich ein Ausschuß für die Wirtschaften auf dem Ausstellungsplatze an, kurz: die bloße Aufzählung dieser Ausschüsse, die sich alle bemühen, den Besuchern den Auf­enthalt in Frankfurt nützlich und angenehm zu machen, beweist, daß es der Stadt nicht weniger ernst ist, als der Deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft, ihre Aufgabe in würdiger Weise zu lösen.

Schiffs- Bewegung

der Poftdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actten-Gesellschast.

Teutonia", ab Hamburg, 2. Mai in Vera Cruz angekommen;Wieland", von Hamburg nach Newyork, 3. Mai von Havre weiter;Allemania", von Westindien kommend, 3. Mai in Hamburg eingetroffen;Rhaetia", von Newyork kommend, 5. Mai in Hamburgs eingetroffen;Gellert", 5. Mai von Newyork nach Hamburg;Slavonia" 6. Mai von Stettin nach Newyork;Sorrento" von Hamburg nach Newyork, 6. Mai Dover passirt;Borussia", 6. Mai von Hamburg nach Westindien;Holsatia", von Hamburg nach Mexiko, 6. Mai von Havre weiter;Bavaria", von Westindien nach Hamburg, 7. Mai Lizard passirt.

Rugia", ab Hamburg, 3. Mai in Newyork angekommen;Taormina", ab Ham­burg, 5. Mai in Newyork angekommen;Lessing", ab Hamburg, 6. Mai in Newyork angekommen.

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Allgemeiner Anzeiger.

Vergebung non Erb- unö Maurer-

Arbeiten.

Die Ausführung der weiteren Erd- und Maurerarbeiten zum Neubau einer Krei-straße von Beuern nach Allertshausen soll auf dem Bureau des Unterzeichneten

Montag den 16. d. M., vormittags 10 Uhr, loosweife im Wege schriftlicher Sub­mission vergeben werden.

A. Erdarbeiten,

I. Loos, veranschl. zu 340, JL ». 1422,40

B. Maurerarbeiten,

I. Loos, veranschl. zu 580 «A

H. n w k 384

Kostenvoranschlag und Bedingungen, sowie Pläne und Erdberechnung sind auf dem Bureau des Unterzeichneten rinzusehen.

Gießen, am 6. Mai 1887.

Der Kreisingenieur: 3669 Gnauth.

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Die Arbeiten und Lieferungen zur Er­bauung eines Schulhauses in der Ge­meinde Pohlgöns sollen auf dem Sub­missionswege vergeben werden:

It. Kostenüberschlag Maurerarbeit 2988 JL 45 4

Steinhauerarbeit 1766 40

Zimmerarbeit 4012 23

Dachdeckerarbeit 1230 w

Schreinerarbeit 2859 68

Schlosserarbeit 1298 50

Glaserarbeit 851 94

Weißbinderarbeit 2920

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Butzbach, den 9. Mai 1887.

3705

Metzger, Bezirks-Bauaufseher.

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