Ausgabe 
10.7.1887 Zweites Blatt
 
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Dr. Overlach

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Rettungswerk mußte aber aufgegeben werden, da der trichterförmige Strudel, welcher beim Versinken der Häuser entstand, die Rettungskähne umzuwerfen und zu verschlingen drohte. Von allen Leichen wurde bis jetzt keine einzige geborgen; sie liegen unter den Trümmern auf dem Grunde des Sees.

Rach der ersten Katastrophe um 4 Uhr hatte die Feuerwehr, welche sofort den Rettungs- und Sicherheitsdienst übernahm und dafür sorgte, daß die am meisten ge­fährdeten Häuser von den Bewohnern geräumt wurden, das Restaurant des Hotels Zürcherhof als Rettungslocal und ihr Hauptquartier dort eingerichtet. Schon waren alle Anordnungen für den Nachtdienst getroffen worden, als das Haus plötzlich zu wanken begann und so schnell versank, daß die Rettungsmannschaft selbst mit knapper Noth in eiligster Flucht ihr Leben retten konnte. Die Rettungsutensilien versanken spurlos.

Die Scenen, welche sich bei der Hauptkatastrophe abspielten, sind unbeschreib­lich. Die Mauern wankten wie bei einem Erdbeben; der Boden wich den Menschen unter den Füßen und in wilder Panik flüchtete sich Alles mit Aufwand aller Kräfte. Heute noch sieht man die Spuren der verzweifelten Flucht. Die fliehenden Menschen rissen die stärksten Gartenzäune und Eisengitter ein, welche sich ihnen auf der Flucht durch die verschiedenen Gärten entgegenstellten.

Heute, da Alle, welche das Unglück miterlebten, von dem ersten betäubenden Schrecken noch wie gelähmt sind, vermag Niemand die fürchterlichen Scenen zu be­schreiben, die sich abspielten. Die Menschen rannten wie besessen aus den Häusern, manche wurden ohnmächtig; wenige nur vermochten das Weinen zurückzuhalten. Nach allen Beschreibungen war die Katastrophe von einem fürchterlichen Dröhnen und Krachen, einem Knistern und Tosen begleitet, das Keiner, der es gehört, vergessen wird. Eine dunkle schwarze Staubwolke stieg über der Unglücksstätte auf, einige Augenblicke den unheilvollen Ort in einen dichten Schleier hüllend.

Als man wiederzukehren und die Größe des Unheils abzumessen suchte, sah man nur zertrümmerte Dachgiebel, Balken, Bretter, Baumkronen aus dem trüben Wasser ragen. Heute gleicht die Stätte einem wüsten Sumpfe, in den man den Schutt nieder­gerissener Häuser geworfen hat. Zwischen den traurigen Trümmern schwimmen Heu­bündel und Gegenstände des täglichen Gebrauches.

Die Stelle, welche im See'versank, hat zunächst am See, wo der Quai auf­geführt wurde, eine Breite von etwa 120 Meter; die Unglücksstätte hat sich nach dem Lande vqxbreitert, so daß sie sich wie ein Meereshafen ausnimmt; an der breitesten Stelle mag sie 150 Meter messen. Die Strecke, welche versunken ist, mißt vom ursprünglichen Rande des See's bis da, wohin jetzt die Wasser reichen, etwa 70 Meter. Vom Bahnhofe ist der Ort etwa 700 Meter entfernt. Der ganze umliegende Stadt- theil ist geräumt; die sogen. Vorstadt, eine Straße mit meistens alten Häusern, ist von Menschen verlassen.

Da die Gefahr weiterer Nachstürze es nicht rathsam machte, die Häuser zu be­treten, so wurden die Straßen abgesperrt. Den Bewohnern konnte natürlich nicht mehr gestattet werden, ihre Habe aus den mit Einsturz drohenden Wohnungen zu retten, da. sonst der Verlust weiterer Menschenleben zu befürchten gewesen wäre. Sofort wurde Mllitar aufgeboten, um die gefährdeten Orte abzusperren.

Erst heute Vormittag 10 Uhr wurde bekannt gegeben, daß die Bewohner der verlastenen Häuser zurückkehren und ihre Hobe reiten dürfen, nachdem festgestellt ist wie wert sich der Einsturz noch erstrecken wird. Der Anblick der eidgenössischen Mann- fchaft rm Waffenrocke, welche in festem Tritt die Straßen durchschreitet und Posten aufstellt wrrkt auf die schwer geprüfte Bevölkerung sichtlich beruhigend und flößt ihr Zuversicht und Heftigkeit ein. Die ruhige Haltung der Truppen, der Bevölkerung und namentlich der unermüdlichen Feuerwehr von Zug ist bewunderungswürdig. Mit größter Lebensgefahr waren d:e Feuerwehrmänner während des gestrigen Nachmittags rmd der ganzen Nacht thätig. Mit Ruhe und Umsicht trifft der Gemeinderath von rftnc Anordnungen. Er hat dafür gesorgt, daß die vielen Hundert obdachlosen Menschen Unterkunft m der Caserne und an andern Orten finden und daß es ihnen r? uothtgen Verpflegung nicht fehle. In der Caserne wird für die armen Menschen, denen ihr ganzes Besitztum buchstäblich im Erdboden versank, abgekocht und bereits hat ein Hilsscomit4 eine Proclamation erlassen und die Hilfe der Mit- Cldgenosten angerufen. 1 !

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Allgemeiner Anzeiger.

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I. A.: Vogt.

, Gegenstände können Montag Vormittag von 9 bis 11 Ubr besichtigt werden.

Nach der Ansicht des Herrn Prof. Heim pntfMnS k r

Folge einer Unterhöhlung des Bodens, sondern ?adurck nicht etwa n

Rutschen kam. wie es bet dem Unglück in Horgen geschah' f ecf$lamm imZ

hunderten uni) namentlich in neuester Zeit durch die Natur^.nh T S1 Don Jatz- aufgefullte Terrain ruht auf unsicherem Seeschlmnm wenn nun ^"schenhaw geräth, so sinkt das Erdreich mit den Häusern, die es "'s Rutsch^

stch naturgemäß in einiger Entfernung vom Ufer im^See^eine Ausbons^ Un\e§ büö» grundes. Dies muß auch hier stattgefunden habenL er äb^Z Katastrophe die in einiger Entfernung vom Strande' im sL ÄL? "ach welche unter der Wasserfläche gewöhnlich nicht sichtbar si^d vlöklill?Pfähl!,,

an die Oberfläche getrieben wurden. ' ' in die Höhe Uttö'

.. Bei dem Rundgange unter Führung von Prof. Heim murh? rc i , Ne Unglucksstatte genau untersucht und teilweise mit^Lebensaeiob? ^^reich Festigkeit geprüft. Die Erde senkt sich an einigen Orten tief nnh ßT ?uf feine Risse wie nach einem Erdbeben. Behutsam schreitet man bis n«C ten uni> grausigen Abgrundes.Zurück!" ruft ein Feuerwehrmann mit lauter d«z

wendet seine Schritte nach sicherm Ort und mit Recht. Denn

^aIb binsesturzten Häusern und prasselnd fallen neue Gebäudetheile nieber^ Tn bai Welch' trauriger Anblick!

Nach dem Erdbeben in Casamicciola sah es ungefähr so aus a b.olbes Haus; das zerrissene Dach neigt sich zum Falle; man sieht in i)ie eim einzelnen Stockwerke, da die Mauern und Wände auf einer Seite feM?» y'mmer bet versunken sind. Die Verwüstung ist namenlos. Da sieht man in einem ötn2m o&eren ©tocfmerfeä einen Militarrock und eine Militärmütze an der de L

Der Wind streicht durch den offenen Raum, der Regen peitscht hinein unh belÄ!?rrocf/§ ^"ern i.st Winde. Dort steht noch eiffXifS, wo^geftern bie Ä1 nichts Boses ahnend, ihr Mittagsbrod. Auf dem halb zerfallenen Hauslatze in kläglichen Tönen miauend umher/ Ich

rauf bem Stroh unter der Treppe lag der Haushund un? getreultch das halb zertrümmerte Gebäude; Alles hatte sich geflüchtet ak?r sU cx u elf Wachter, der feine Ahnung von dem Unheil hatte, hielt auf seinem Posten nua ar6t Im Huhnerftalle eingeschlossen gackern die Hühner; sie haben ib? - Morgeniutter heute nicht erhalten und in der allgemeinen Verwirrung denkt Mi stürmen kann IV°Ute bein H^se nähern, das jeden Augenblick versinken oder^^n-

Die meisten Häuser nahe der Unglücksstätte zeigen Risse; manche Svalten daran gewohnt und achtete nicht auf diese unscheinbaren Vorboten de Unheils. Prof. Henn hat Anordnungen getroffen, welche es ermöglichen eine m., ^wegung^der gefährdeten Stellen vorher zu beobachten und so vielleicht neues UnH

Die Bevölkerung von ganz Zug und der Umgebung drängt sich in den Strabo soweit sie nicht militärisch abgesperrt sind. Bei jedem Glockenschlag geht ein bunb die Leute, welche glauben, daß die Glocke neues Unglück verkünde Man iwJ ©rupfen schluchzender Kinder uni) weinender Weiber; keiner konnte 'bis ieht Schaden abmessen; weiß man doch noch nicht einmal, wie viele Menschenom-r grausige Katastrophe gefordert hat. ps-r die

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Gießen, den 8. Juli 1887.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm. 5186

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