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M. 107 Dienstag den 10. Mai 1887.

Amts- und Anzkigkblatt für den Kreis Gießen.

Burcanr Schulstraß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. WKWNWZMWNkk

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Deutschland.

X Darmstadt, 7. Mai. [II. Kammer der ßanbftänbe.] Die Verhandlungen werben um 9 Uhr eröffnet und mit ber Berathung über bie Eingabe des Darmstädter Localoereins der allgemeinen Deutschen Kunstgenoffenschaft, betreffend Herstellung eines neuen Gebäudes zur Unterbringung der unter der Gesammtbezeichnung des Großh. Museums begriffenen Kunstsammlungen, fortgesetzt.

Hierzu sind noch ferner zur Discujsion gestellt: /

1. Die Eingabe des Ausschusses des historischen Vereins für das Großherzog- thum Hessen, betr. Errichtung eines Gebäudes für die Sammlungen des Großh. Museums, ferner:

Der Antrag der Abgg. Heinzerling und Ohly auf Beseitigung der Mißstände, welche mit der bermaligen Unterbringung und Aufstellung der Kunst- und sonstigen Sammlungen im Großh. Residenzschlosse verbunden sind.

Geh. Staatsrath Knorr gibt hierzu bie Erklärung dahin ab, daß eine von Großh. Regierung berufene Commission zur Prüfung dieser Frage sich mit derselben beschäftigt habe; dieselbe habe sich nun dahin ausgesprochen, daß die bermaligen , Räumlichkeiten zu ihrem Zweck burchaus unzweckmäßig seien unb baß diesem Uebelstand nur durch einen Neubau abgeholfen werden könne. Es habe sich nun eine Sub- commission gebildet, welche die Raumbedürfniffe prüfen werde und womöglich die Bauplatzfrage in Erwägung ziehen werde.

Die Großh. Regierung habe aus verschiedenen Gründen Abstand genommen, dem gegenwärtigen Landtage noch eine Vorlage zu machen. Die Regierung stehe dem Antrag Heinzerling sympathisch gegenüber und werde dem Vorschläge ber Gesammt- Commission beistimmen.

Abg. Tecklenburg regt hierbei noch bieFrage an, ob es nicht thunlich sei, bie Sammlungen unseres Museums häufiger zugänglich zu machen zum Nutzen unserer Gewerbetreibenden.

Der Ausschuß beantragt, die Eingaben und den Antrag Ohly und Heinzerling für erledigt zu erklären und tritt die Kammer diesem Antrag einstimmig bei.

Das Gesuch des Hautboisten 1. Classe i. P. Ernst Pullmann in Darmstadt um Bewilligung einer Vergütung wegen unverschuldeter Nichtverwendung im Civildienst, beschließt bie Kammer einstimmig für erledigt zu erklären und dem Bittsteller anheim- zugeben, sein Gesuch bei der zuständigen Militärbehörde vorzubringen.

Hiernach folgen die Anträge ber Abgg. Haas, Arnold unb The obalb, sowie bas Gesuch des Stabtvorstandes zu Heppenheim, bie Subventionirung ber höheren Bürgerschulen baselbst aus Staatsmitteln betr. unb gibt ber Vertreter Großh. Regierung Geh. Staatsrath Knorr, bie Erklärung, daß nach Ansicht Großh. Negierung dem Bebürsniß nach höheren Schulen durch bie bereits bestehenden Gymnasien, Real­gymnasien und Realschulen zur Zeit in ausreichendem Maße genügt sei unb baß kettle Veranlassung vorliege, sich für bie gestellten Anträge auszusprechen.

Auch der Ausschuß glaubt bem Hause vorschlagen zu sollen, nicht eher in bie Behandlung dieser Materie einzugehen, bis bie Großh. Regierung Bericht abgegeben habe über die Anträge Jöst unb Ulrich, bie Einführung allgemeiner obligatorischer Volksschulen und bie Uebemahme ber Kosten auf ben Staat betr., sowie über bcn Antrag Lantz unb Genossen beffelben Inhalts. Um nun einen gcschäftsorbnungs- mäßigen Abschluß herbeizuführen, beantragt ber Ausschuß ferner, bie gesummten Anträge für erlebigt zu erklären unb schließt sich bas Haus biefem Antrag an.

Hinsichtlich ber Vorlage Gr. Ministeriums ber Finanzen über bie rechtliche Natur des Dienstverhältnisses ber dermalen vorhandenen zehn Brückenwärter an den fliegenden Brücken bei Oppenheim u. s. w., sowie des Antrages des Abg. Schröder auf wider­rufliche Anstellung der Brückenwärter an ben fliegenben Brücken bei Oppenheim, Gernsheim unb Kostheim unb Aufnahme berfelben in bas Civilbiener-Jnstitut beschließt bie Kammer, ben Antrag Schröder für erledigt zu erklären, nachdem die Großh. Regierung noch die Erklärung abgegeben hat, daß sie damit einverstanden ist, daß den nunmehr widerruflich angestellten Brückenwärtern an den Ueberfahrten auch diejenige Dienstzeit angerechnet werden kann, während welcher sich dieselben auf Grund einer Verfügung der Oberbaudirection bezw. ber Ministerial-Abtheilung für Bauwesen bisher in diesem Dienst befunden haben.

Sodann tritt bie Kammer in bie Berathung des Bach-Gesetzentwurfs unb gelangt hierbei bis zu Art. 4, welcher zu lebhafter Debatte Veranlassung bietet. Wegen vorgerückter Stunbe werben bie Verhandlungen abgebrochen.

Dienstag Morgen Sitzung.

Berlin, 7. Mai. Der Kaiser nahm heute Vormittag mehrere kurze Vorträge entgegen, conserirte bann längere Zeit mit Albedyll unb Caprivi, machte Nachmittags eine Spazierfahrt und empfing nach ber Rückkehr ben Prinzen Wilhelm.

Abgeordnetenhaus. Zweite Lesung der Vorlage über die Thellung mehrerer Kreise der Provinzen Westpreußen und Posen. Minister Puttkamer ergreift wiederholt das Wort und führt aus, die Vorlage sei eine rein politische und bezwecke die Ausrechterhaltung der Integrität Preußens gegenüber den immer weiter um sich greifenden polnischen Agitationen, die aus die Herstellung des Königreichs Polen abzielten. Der Minister widerlegt namentlich die Be­hauptung, daß die Polen 1815 gemachten Zusagen nicht gehalten; dieselben hatten zur ausgesprochenen Voraussetzung, daß die Polen gute Preußen seien und blieben. Das Haus genehmigte die Theilung resp. Neugestaltur g der Kreise Adelnau, Birnbaum, Fraustadt, Ltffa, Gostyn, Grätz und Neutomischl nach den Commissions-Beschlüssen. Fortsetzung Montag.

Dresden, 7. Mai. Soeben sand die Eröffnung der ersten internatio­nalen Gartenbau - Ausstellung hier in Gegenwart des Königs und der Königin, des Hofes, der höchsten Militär- und Civil-Chargen, der Delegirten der aus­ländischen Regierungen und geladenen Ehrengäste, durch eine Rede des Ober­bürgermeisters Dr. Stübel statt. Das Wetter ist prächtig.

Hesterreich.

Wien, 7. Mai. DiePresse" meldet: Die österreichisch-ungarische Zollkonferenz wurde aus den 12. Mai einberufen, um die für die Durchführung der Zollnovelle erforderlichen Verordnungen festzustellen.

Prag, 7. Mai. Der anläßlich des Jubelfeste» des Prager Turnver­ein»Sokol" geplante Festzug wurde von der Polizeidirection verboten,

Irankreich.

Havre, 7. Mai. Bei der Eröffnung der maritimen Ausstellung hielt Goblet eine Rede, in der er hervorhob, daß namentlich unter der Republik sich große Fortschritte vollzogen hätten. Die dafür gemachten Ausgaben hätten zu fruchtbaren Resultaten geführt. Die Ausstellung in Havre sei eine neue Mani­festation der wahren Gesinnungen Frankreichs, welches den Wunsch hege, in gutem Einvernehmen mit den andern Ländern zu leben und seine commercielle und industrielle Größe zur Entwickelung zu bringen. Diese Ausstellung möge den Weg bahnen für die Ausstellung von 1889. Ein Volk, welches von solchen Sorgen in Anspruch genommen sei, könne nicht in dem Verdacht stehen, als ob es Angriffspläne nähre. Ohne die Sorge für die Vertheidigung der Ehre und Würde außer Auge zu lassen, verfolge die Nation, indem sie sich jetzt an die andern Völker wende, den Zweck, sie zu Kämpfen auf dem Gebiete der Arbeit zu veranlassen und ihnen loyale Gastfreundschaft zu bieten. Man möge die Hoffnung hegen, daß dieser Rus Gehör finden werde.

Italien.

Rom, 7. Mai. Nach einem Telegramm desPopolo Romano" aus Chieti wurde der zum Nuntius in München ernannte Erzbischof Ruffo Scilla durch eine imposante Kundgebung der Bevölkerung an der Abreise verhindert. Man spannte die Pferde des Wagens aus und geleitete den Bischof in da» Palais zurück. Zugleich wurde eine Depesche an den Papst abgesandt, worin er gebeten wird, Ruffo Scilla als Erzbischof von Chieti zu belassen.

Spanien.

Madrid, 7. Mai. Die Deputirtenkammer nahm mit 206 gegen 50 St. die Einführung der Geschworenengerichte an. Die Republikaner und die Reform­partei stimmten für, die Conservativen gegen die Vorlage.

Rußland.

Petersburg, 7. Mai. Ein Gesetz wurde promulgirt, wodurch der Einfuhrzoll aus Roheisen, Eisen, Stahl, Eisen- und Stahlfabrikate erhöht wird. Der Dornänenminister und Finanzminister find zugleich beauftragt worden, bald­möglichst eine Gesetzvorlage über Maßnahmen auszuarbeiten, welche in den west­lichen Grenzgebieten zu treffen seien, damit dort der weiteren Entwickelung bestehender und der Gründung neuer Gußeisen-Schmelzereien und Eisenwerke, bie mit ausländischem Material und ausländischen Arbeitern arbeiten, vorge­beugt werde.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Corresporrdenz-Vurea«.

Havre, 8. Mai. In einer Rede, welche ber Ministerpräsibent Goblet bei einem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett hielt, sprach berfelbe ber öffentlichen Meinung, welche Die Regierung bei den jüngsten Zwischenfällen durch Klugheit unb patriotische Einigkeit unterstützt habe, seine Anerkennung aus; er hob hervor, wie Frankreich unter bem Einflüsse ber Freiheit sich ein neues Temperament angeeignet habe, in welchem Kaltblütigkeit unb Entschlossenheit jene Nervosität, jene etwas unftäte Hitze ersetzten, welche ben Franzosen häufig vorgeworfen worben fei.Befestigen wir uns in biefem neuen Charakter, wir können es nöthig haben; bie Zeit ber Prüfungen ist vielleicht noch nicht vorüber. Wenn solche wieber über uns kommen sollten, so werden nicht wir es sein, die sie heraufbeschworen haben. Habe ich nöthig, zu wiederholen, daß Frank­reich den Frieden will? Wenn die Völker jemals den Krieg wünschen könnten, so wäre das gewiß nicht ein Volk wie das unserige, welches in voller Umbildung begriffen, den lebhaften Wunsch hegt, seine Kraft unb Thätigkeit bafür einzusehen, um befinitio die Herrschaft der Demokratie zu begründen, indem es sich selbst in Frieden, Arbeit und Freiheit regiert. Aber wenn wir des Friedens bedürfen, wenn Niemand an unserem Willen zweifeln kann, ihn zu erhalten, so kann auch Niemand daran zweifeln, daß wir fest entschlossen sind, ihm weder unsere Rechte noch unsere Ehre zu opfern. Frankreich, das sich aus seinem Unglück erhoben, hat Vertrauen zu sich selbst gewonnen; weit entfernt, irgend ein Volk zu bedrohen, ist es bereit, freudig und in herzlicher Gegenseitigkeit die Sympathien anderer Völker anzunehmen." Frankreich würde, wenn es nöthig wäre, nicht weniger bereit fein, ungerechten Angriffen die Stirn zu bieten. Diese Haltung allein entspreche der Würde einer großen Nation und könne auch allein die Wohlthaten des Friedens verbürgen.Weil wir annehmen konnten, daß dieses die einstimmige Meinung des Landes sei und weil wir das Herz von ganz Frankreich in Wallung gerathen sahen, so können wir, wie ich hoffe, heute ohne Hintergedanken und ohne neue Sorge die Beschäftigung mit unseren inneren Angelegenheiten wieder aufnehmen." Die Hauptschwierigkeit liege in der Spaltung der Republikaner. Es fei notbroenbig, gute Orbnung in ben Finanzen unb ein wirkliches Gleichgewicht im Bubget wieder herzustellen; bie letzten Bubgets feien nicht befriebtgenb gewesen, aber es würde nicht möglich sein, lediglich durch Ersparungen im Budget das Gleichgewicht zu er­reichen, vielmehr erscheine eine Erhöhung gewisser Steuern notbwenbig.

Havre, 8. Mai. Der Ministerpräsident Goblet unb der Handelsminister Lockroy, welche den Ministerpräsidenten hierher begleitet hatten, besichtigten im Laufe des Vormittags den Hafen und die Docks. Nachmittags 2Vi Uhr werden dieselben

nach Paris zurückkehren.

Havre, 8. Mai. Nach hier eingelaufener Nachricht ist das PacketbootEham- pagne" von der transatlantischen Gesellschaft, welches gestern früh nach Renmark^aus­gelaufen war, auf der See um Mittag mit dem italienischen SchiffeDillederw zu­sammengestoßen und, da es seine Reise nicht fortsetzen konnte, ist es bei Aromancy auf den Strand gelaufen. Der Unfall war durch starken Nebel verursacht - Die Passagiere desChampagne" wurden von dem englischen Dampfer autg unb sind gegen Morgen hier eingetroffen. Wie verlautet, waren bei de Z stoße etwa 20 italienische Arbeiter um's Leben gekommen. . .. t almmvaane"

Das bei Aromanche auf ben Stranb gelaufene Packet b P 0 hatte 900 italienische Auswanderer und gegen 100 andere Passagiere an -ooro. Der