Ausgabe 
10.4.1887 Zweites Blatt
 
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Nr. 84 Zweites Blatt. Sonntag dm 10. April

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

V«rea«r Schul straffe 7. Erscheint mit Ausnabme des Montaus. Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Lf. mit Brinoe-rlobn.

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Literarisches.

Das Kind der Straße. Von H. Schobert. Der seit dem im vorigen Jahre inLchorer's Familienblatt" erschienenen RomanUlanenliebe" schnell bekannt und beliebt gewordene Autor gibt in seinem neuesten Roman den Beweis, daß wir es bet H. Schobert mit einem neuen Erzählertalent ersten Ranges zu thun haben, das in der Geschichte des deutschen Romans einst eine bedeutsame Stellung einnehmen dürfte. Der neueste RomanDas Kind der Straße", der zuerst in Paris, sodann aber an einem deutschen Fürstenhofe spielt, zeichnet sich nicht nur durch die spannende Hand­lung, sondern durch die lebenswahre Schilderung der Situationen und Menschen und den innigen warmen Ton aus, mit welchem eine fesselnde Herzensgeschichte zum Vor­trag gebracht wird. Auch dieser Roman erscheint inSchorer's Familienblatt".

Schiffs - Bewegung

der Post-Dampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft.

Bavaria", 24. Februar von Hamburg nach Westindien, 27. März in Colon angekoinmen.Suevia", 29. März von Hamburg nach Rew-Aork.Albingia", 24. März von Hamburg nach Westindien, 29. März von Havre weiter.Slaoonia", 30. März von Rew-Z)ork nach Stettin.Rugia", 30. März von Rew-Aork nach Hamburg. Rhenania", 10. März von St. Thomas, 30. März in Hamburg angekommen. Holsatia", 30. März von St. Thomas nach Hamburg.Lessing", 31. WJari Rew-Iork nach Hamburg.Polynesia", 31. März von Hamburg nach Rew-^mr. Moraoia", 19. März von Rew-Aork, 1. April in Hamburg angekommen. ^Thurlngia , 11. März von St. Thomas, 2. April in Hamburg angekommen.Saxonia , 4. Marz von Hamburg nach Mexico, 2. April in Vera Cruz angekommen.261110111(1 , z. ^pru von Hamburg nach Mexico.Gellert", 24. März von New-Aork nach Hamburg, 3. April von Cherbourg weiter.Rhaetia", 3. April von Hamburg nach Rew-Borr. Wieland", 20. März von Hamburg, 3. April in Rew-Aork angekommcn.

Ostereier.

Plauderei von Johannes Trojan.

sNachdruck verboten 1

c a «nem ©ongc durch die Straßen hat man jetzt die beste Gelegenheit, einmal Ostereierwelt zu studiren. Auf diesem Gebiet hat sich mit der Zeiten m QU r* bcI^.rotC Lmtr mit jedem Jahre zunimmt. Längst schon be- ld) mehr auf die Eier, sondern hat ihnen auch die muthmaßlichen Legelhtere.^uZugefugt. Unter dreien fehlt merkwürdiger Weise, so weit meine Beob- 1r(erldV\9te^e% ber nicht feiten fein muß''denn feine Gier finden |id) bei allen Sonbitoren in Menge vor und stellen sich im Preise billiger als die des in iphpr ..t,k n L-ij c 's. .' O s er ase von Chokolade und

Zucker, in jeder Große jinb verschiedenartig in der Auffassung. Gewöhnlich kommt nhnipffiipinh hfmi- r ~ tre solche Reihe größerer Zuckerhasen, die

abwechselnd blau- und rosaserdene schleifen um den Hals tragen, nimmt sich ur- ittfffp fitidpn fes ganz kleine, die auch der weniger Bemittelte kaufen kann, und dann wieder so große und fette aus demselben Stoffe, könne ^nbjVld) theilen und sich doch noch den Magen verderben

21 u? -Id) ""d da große ^alonhasen in natürlichen Farben, von denen

? ^üei6, -°S 1te ff-irfcn f.lnb« ist der Hase mit dem Ei kombinrrt. Er tragt z. B. aus dem Rucken eine Kiepe, die mit Eiern gefüllt ist oder schiebt einen öor ,,cb ?er' Mitunter sitzt er auch als Bruthase in einem reizenden Körbchen von Eiern umgeben. 9

<tphprn?ÄCb^b^"Osterhasen tritt dasOsterhuhn häufig auf, sowohl als ausgewachsenes Federvieh als auch, und zwar mit Vorliebe, als Küken, das erst eben dem Ei ent schlupst ist. Im Kukenstande findet sich auch die Osterente, von der ich ausgewachsene Exemplare noch nicht gesehen habe. Sehr gewöhnlich ist der Osterkanarienoogel und nicht ganz unbekannt der Osterstorch. Aus der Gruppe der Säugethiere tritt außer riTm11 .=roeni0 Zweifelhaften Hasen das ganz unbedenkliche Osterlamm auf. Gewöhn­lich ist es aus Zucker aber doch nicht ausschließlich. Immer trägt es um den Hals em seidenes Band, ab und zu auch ein Glöckchen. Von dem Lamm führt der Weg zu anderen Quadrupcden. In der That bin ich an einem Schaufenster bereits Ostei - hunden und Osterschweinen begegnet. Im nächsten Jahre wird dann die Katzensamilie mit Oslertigern und Osterlowen an die Reihe kommen, während die Osterschlange noch einer spateren Zukunst vorbehalten bleibt.

Jetzt noch ein Wort über das Osterei selbst. Welch' ein Abstand zwischen dem gewöhnlichen, durch die Zwiebel gefärbten Hühnerei, das die Grundform oorstellt, und diesen Produkten einer raffinirten Industrie, von denen die feinsten schon als Kunst­werk betrachtet siin wollen. Schon in der Größe welch' ein Unterschied! Von Mandel- große werden sie gefunden bis zu einem Umfange, der die Annahme von dem Vor- handensein eines legenden Osterstraußes unabweislich macht. Und wie verschieden sind sie rn Beziehung auf den Stoff, auf die Art und die Kostbarkeit der Ausstattung ' Denn das einfache glatte Ei genügt längst nicht mehr, es stellt nur noch die ganz untergeordneten dorten dar. Bei den höheren Klassen wird es mit Bildwerken in Malerei oder so rehef bedeckt, mit kleinen Sträußen von künstlichen Blumen geschmückt, mit ^eldenbandern umwunden oder auch ganz mit Seide überzogen oder vergoldet. Denn dem Zuckerbäcker und Chokoladenmanne schließen sich andere Gewerbtrerbende 3Utl Vervollkommnung dieser Oster Industrie an. Es werden Eier hergestellt aus Holz, iw u* ^QLj.llnb l"JJr°fecr Zahl auch aus Seife. Es gibt sehr niedliche Eier, die als Arbeltskorbchen zu dienen bestimmt und dazu eingerichtet sind.

, - . e Eier treten auf als Einzel-Ei oder zu mehreren, in letzterem Falle oft auf c ? rbc Sran0irt in Netzen, in Körben oder auf Schalen, die für sich schon

sehr hübsch sind Von großer Bedeutung ist die Füllung des Eies. Die gewöhnlichste Sorte besttzt weder Gelb noch Weiß; sie sind einfach hohl von innen und enthalten

'j. lPaP = Ot eine Art da mit einem Guckloch, vor dem ein Glas sich befindet. A,urch dieses erblickt man mit Staunen im Innern des Eies ein Genrebild, eine @arteiuanofd)aft, eine Marine, eine historische Begebenheit oder gar ein Motiv aus 7f PIn- m Eier, die dem Spielwaarenhandel angehören, sind mit niedlichen Spielsachen, Puppenausstattungen und dergleichen gefüllt, die Eier der Conditoreicn mit Eonsituren und Zuckerwerk von mehr oder weniger köstlicher Art.

Em guter Onkel, der am Ostersonntag nicht unbeladen in den Derwandtenkreis treten will, kann wohl, wenn er am Schaufenster eines Ladens so viel verschieden- asZge Herrlichkeiten sieht, in Zweifel darüber kommen, wie er wählen soll. Ihm diene 5.. p.T'l0er$l? ble$: ,ba& Kindeshand leicht gefüllt wird und daß für Erwachsene als CterfuUung ein Gemisch von Chokoladenplätzchen und goldenen Fünfmarkslücken immer am meisten zu empfehlen ist.

Wochen - Ueberficht.

Gießen, 9. April.

Der Kaiser ist nunmehr von der Unpäßlichkeit, welche er sich bei den Festlichkeiten anläßlich seines 90. Geburtstages zugezogen, wieder völlig herge­stellt und konnte er am Dienstag die erste Ausfahrt unternehmen. Die Feier des Osterfestes in der kaiserlichen Familie hat diesmal dadurch eine besondere Weihe erhalten, daß ihr die Confirmation der beiden jüngsten Töchter des kronprinzlichen Paares, der Prinzessinnen Sophie und Margarethe, vor­ausging. Die heilige Handlung fand am Dienstag Mittag in der Kapelle des kronprinzlichen Palais in Berlin statt und wohnten ihr die Kaiserin und die übrigen, zur Zeit in Berlin und Potsdam anwesenden Mitglieder des Königs­hauses, dann aber auch viele andere hochgestchte Persönlichkeiten bei, so daß der feierliche Act aus dem Rahmen einer sich lediglich im Familienkreise bewegenden ernsten Festlichkeit, wie ursprünglich gemeldet wurde, heraur-trat. Am Grün­donnerstag sand die herkömmliche Adendmahlsseier bei den kaiserlichen Maje­stäten statt.

Der Bundesrath hielt am Dienstag seine letzte Plenarsitzung vor den Osterferien ab. In derselben wurde der Gesetzes twurs, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung (JnnungSwesen). den zuständigen Aueschüffen überwiesen und wird man nun wohl etwas Näheres über seinen Inhalt erfahren.

Das französische Parlament ist am Dienstag in die Osterferien gegangen, nicht ohne daß vorher in der Deputirtenkammer eine Kraftprobe fischen der Rechten unv der Linken zum Austrag gelangt märe. Es handelte stch um die Neuwahl der 33 Mitglieder, aus denen die Budget-Commission besteht und nahm die Wahl die Kammer am Montag wie am Dienstag aus­schließlich in Anspruch, da sich die Froctionen dec Rechten und der Lmken über die Zahl der monarchistischen Commissions-Mitglieder nicht zu einigen ver- mochten. D'e Monarchisten verlangten 9 Sitze, welche Forderung nicht unbillig erscheint, wenn man erwägt, daß von den 579 S tzen Der französischen Depu­tirtenkammer 177 in den Händen der Monarchisten sind und letztere konnten wohl Anspruch darauf machen, durch 9 Abgeordnete in Der wichtigsten aller Commissionen vertreten zu sein. Die Republikaner wollten aber den Monarchi­sten nur 4 Sitze zugestehen, was monarchistischerfeits abgelehnt wurde und so kam es, daß die conservativen Fractionen schließlich einfach majorisirt wurden, mdem die Kammer am Dienstag lauter republikanische Abgeordnete in die Budget'Commission wählte. Daß das Verfahren der Fractionen der Linken gegen die Monarchist,sche Mindethet von besonderer Nobleffe zeugte, läßt sich gerade nicht behaupten!

,u Die Umbildung des italienischen CabinetS nach der schon längst signalisirten Richtung hin ist endlich in dieser Woche zur Thatsache ge- worden. Von dm neuen, den Reihen der Opposition entnommenen Cabinets- Mttgliedern genießt Crispi, der Minister des Innern, den Ruf eines sehr tüch- tlgen Verwoltungsmannes und der neue Ches des Justizwesen-, Zanardelli, wird auch "er seinen politischen Gegnern wegen seiner Ehrenhaftigkeit und strengen Unparteilichkeit hoch geschätzt. Bertole Viale, der neue KriegSminister, galt schon immer als der denkbar geeignetste Nachfolger Ricotti's und vom Senator Sa- rocco , wUcher das Bauten-Ministerium on Gemala's Stelle übernommen hat, i* r irian ^p^narn^lt als eine Haupteigenschast, die in den überquellenden italienttchen Bauetats auch erforderlich ist. Durch den Eintritt von vier bisher oppositionellen Politikern in das Cabinet Depretis wird dasielbe die ihm so nothwendlge Stärkung erhalten, da die Anhänger Crispi's und Zanardelli's im greine mit der eithengm Regierungspartei einen mehr als genügenden Rück- yau für Die Negierung bilden und wenn trotzdem die sog. Pentarchisten-Partei,

in ihrer oppositionellen Haltung verharren will, so wird der Effect dieser Opposition kein großer mehr sein.

R®r 1,*en Angelegenheiten ragt die neuerliche euro« Sta u Vertrauensmannes der bulgarischen Regierung, des Justiz- Ministers Stoiloss, als bemerkenswerthes Eretgmß hervor. Herr Sloiloff ft» Jn im Hnn.»U« Hrebun« n' ble er 1" Wien mit den maßgebenden Persönlich.

nff S T 1Mem mit dem Grafen Kalnoky felber, 17kI08sn' :.er ärt'rT®u[9Qlien fall« Europa noch immer nichts thue, ftlbst dazu schreiten mstffe, dar gegenwärtige peinliche Provisorium durch ein

t61 Th Unb ötoüoff auf eine Erweiterung der Vollmachten der Regentschaft und deren mehr.ährige gesetzliche Fixirung hin Au« der Ent- gegnung Kalnoky s ist zu entnehmen, daß Oesterreich gegen ein solches Vorgehen mchts einzuwenden haben würde, vorausgesetzt, daß sich Bulgarien innerhalb der Grenzen der bestehenden Verträge halte. Welche Stellung d'e üLen Mächte urtbeilun/^ ^aV n,Äent »-denken entzieht sich indeffen noch der B-. di?a-vl-nte Regentschaft hat den bulgarischen Unabhängtgkeilr.Comitös ftph»nhP»n ra Proklamirung derKönigreiches Bulgarien" anläßlich des bevor­stehenden Geburtstages des Prinzen Alexander v. Battenberg verboten.

. ... en9LHd>e Unterhaus wird wegen der Svecialberatbuna der irischen Zwangsbill seine Osterferien möglicher Weise erst nach dem Feste an- TaHif 'hnrtnÄrfi® / ®labR.onianer und Parnelliten setzen ihre Verschleppungs-

Dienstag eingebrachte Antrag Samuelien, .mh °ufzugeben, beweist; doch wird dies Aller

Herrn Gladstone und seinen irischen Freunden schließlich nicht» nützen.

... Bevollmächtigten für die neuen, in Petersburg

34 führenden Verhandlungen über die endgiltige Feststellung der asghanischen