1887
Donnerstag bin 10 Februar
Nr.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf-
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Duresrrr Schulstratze 7.
Amts- und Anzcigcblatt für den Kreis Gießen
ist im Sange. Der Kaiser hatte der Marineschule bereit« feinen Besuch juge- sagt; doch unterbleibt derselbe nunmehr.
Vor einigen Tagen hat der deutsche Botschafter eme längere Audienz beim russischen Kaiser gehabt. -„Die Audienz de« deutschen Bot- sch-sler« be.m Kaiser wird in Petersburg allgemein im friedlichsten Sinne be« sprachen. - Am 6. d. M. ist der Befehl eingetroffen, daß der älteste Jahrgang der Sarde Mangfchaft.n der sonst Anfang« März zur Entlassung kommt, in vielem Jahre schon Mitte Februar entlasten werden soll.
Stanley, der unermüdliche Afrika-Reisende, hat sich mbsi seinen Begleitern am Sonntag Nachmittag in Suez nach Zanzibar emgeschiffr, woselbst die Ankunft Ende dieser Woche erfolgen durfte. In Zanzibar gedenkt Stanley die Ausrüstung der Expedition zur Aussuchung Emm Pascha« möglichst zu beschleunigen und erwartet man, daß ihn hierbei die Regierung de» Sustan« Bargasch Ben Said nach Kräften unterstützen wird, lieber den Weg scheint Stanley noch nicht deffnitiv schlüssig zu sein und hingt er von den Nachrtchlen, die er in Zanzibar erhalten wird, ab, ob die Route über ^n Victoria- und Albert-Nyanza oder die Congo-Route gewählt werden wird. Jedensall« bedarf die Meldung, Stanley werde die letztere wählen, noch der Bestätigung.
London, 8. Februar. Ein soeben veröffentlichte« Blaubuch über bie Verschwörung gegen den Bulgaren-Fürsten enthält Depeschen bU zum 17. De« cembet. Eine Depesche von Giers vom 11. November an Staat flieht Dem Botschafter die Anschauungen de« Kaiser« über die Sachlage bekannt und fügt blnsu Rußland wünsche nicht die bulgarische Unabhängigkeit anziigreisen, habe ober da« Recht und die Pflicht, die vebrückung be« Bulgaienvol e« durch eine Minorität von Agitatoren zu verhindern. Der Kaper fei bestrebt, diese Z ele nnf iriedlichem Wege zu erreichen, ohne von seinen vertragimäßigen ^erpflt^' Sflen abSS SU andere Mächte dieselben ebenfalls respectiren. In feiner Antwort erklärt Lord Jdbetleigh am 8. Decemder, die Eindrücke Ruß. land« betreffs der Ereigniffe in Bulgarien wichen zwar von denjenigen der Urttt^en Neuerung ab welche glaube, hierin wefentlich mit den anderen Hegte« rLm üb^rLüstimmen die britische Regierung wünsche indeffen gleich der russischen die Ausrechthaltung der Verträge, die Losung der Fragen auf fried.
und die freie Ausübung der Autonomie Bulgarien,; sie werde n^9 an ’ Beratbungen der Signatarmüchte bei Berliner Vertrages zur Erreichung dieser Ziele theilnehmen. Diese Berathungen sollten jedem Beschlüsse, c . neuen Herrschers, vorangehen. D«e britische Regierung
ziehe er vor, ihre Meinung hierüber sich vorzubehalten, bi« die Bedingungen für die bulgarisch- Union geprüft und geregelt feien.
- Der Fackelzug durch die Hauptstraßen der Westend« womit die Soc.a. rm.n h„n b,u!iaen ->ahre«'ag der mit Ruhestörungen und Plünderungen verbundenen vorjährigen Kundgebung auf Trafalgar Square zu feiern beabsichtigten, t wurde von der Polizei verboten. .
— Die ^Times" bezeichnet das Schreiben Jakobim» al» ein neue» Ele- k.r des Friedens. Das Schreiben werbe unzweifelhaft die
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LM sdsÄÄ»»-. der Ordnung. Die Debatte wurde hierauf vertagt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Corresponbenr-Brrrean.
Glockenangelegenheit zur Sprache. - 6 Angriffe gegen den Bürger-
m-ist^und Lan^ waren; er habe den Bürgermeister angewiesen,
bet weiteren Angriffen die der^wndungsttage zu Erheben insgesammt
- Die emgegangene Vorlage für o e ^ecu^ Zg Z^ ooO für neue £eÄtti;ÄÄ*für-lü,900 und für Bahnhass- beUte" l4’Ä Jsenburg-Birstein
°ngwst"datz'iüe Rechte beTReichstags b«*b^a4t®p’^Ument«if4eir^lS«b|nbluwn trächtigt würden, dagegen durch haustge Wiederleyr yar erzeugt werbe. Auch sr jsäS'ÄSS» »SS-. u * ».tato™®' «um «W.
gestorben.
Politisch- Ueberfkcht.
Gießen, 9. Februar.
Der »ReichS'Anzeiger" schreibt zur 90. Geburtstag,.Frier de« Sai,Lt‘ m.i.ftst dem Kaiser und König sind Anträge von Vereinen zuge. «angen dA welch'Utzterc die gute Absicht äußern, Allerhöchstbenfelben zur ^vorstehenden Feier der Vollendung des 90. Lebensjahre« ihre Gesinnung-treus mnv Ver-Hrung durch persönliche Huldigungen zu bethätigen. So woh.thuend gfie Kundaedung-nSe. Mai-stät berühren, so sehen Allerhöchstbiese den sich doch durch^ba« Bedürsniß der Ruhe und^Schonung zu Allerhöchst'>hreu> lebhaf en Bebauern genöthigt, auf derartige Beweise der Th-tlnahme zu ve.z chstw D recte und verfönliche Kundgebungen dieser, welche zum 22. März geplant werden sollten würden daher im Jntereste der Schonung der Kräfte Sr. Maz stät rurückr'ubalten sein. Um solchen wohlgemeinten Absichten zeitig vorzubeugen, haben^Se Majestät zu bestimmen geruht, daß Dllerhöchstchre Wlllen-memung durch die öffentlichen Blätter zur allgemeinen Kenntnrß gebracht werde.
Berlin, den 6. Februar 1887. . .
Der Reichskanzler und Präsident des Staatsanmstenums, v. B i L m a r ck.
Bezüglich eines Anlaufbasen» süc die deutschen Post-Dampf- schiffe ist dem Bundeirathe eine Mittheilung wie folgt ^gegangen. Zn vom Bunde-rathe genehmigten $ampfer.Subüention«.$ertrage t)om 374. JuU 1885 sind al« »nlausstellen für die australische Hauptlin e zw schm »de» und Australien (Adelaide) die Tschago« - Inseln bestimmt Die b i den biSh-ngen Fahrten auf der Linie gemachten Erfahrungen haben lndessin ergeben, baß die Ergänzung bei Kohlenvorraths, welche zwischen Aden unb Adilarbe unter Um ständen erforderlich und auch der einzige Zweck de» Anlaufen» der T'chagos Inseln ist für Dampfer der hier in Rede stehenden Art unter wett gunsttgern Verhältnissen in Colombo (Ceylon) ersolgen kann. Durch da» ^laufen diese» letzten Hajens seitens der Dampser aus der australischen L'.me würde überdies eine 14lägige birecte Verbindung Deutschlands und Borber-Jnbienr h"S^llt werden, war für den Verkehr Deutschland« dorthin von nicht zu unterfchätzend m Werths fein würde. Der Bunderrath beschloß daher, dem von dem Norddeut scheu Lloyd geäußerten Wunsche gemäß, zu genehmigen, dah al« Anlaushasen der australischen Hauptlinie zwischen Aden und »delaibe an stelle br Tschg Inseln der Hasen von Colombo bestimmt werde. Der Bundesrath hatte be schloffen, dem Anträge zuzustimmen. , .
Der vreubische Minister für Land»nthschaft hat ganz kürz lich den BezEks-Regierungen ein Rundschreiben ub-rsandt welche« dt-Förderung der Hagelversicherung zum Inhalte hat. Er har sich $ ..9 QU(fi sowohl, bei den Verhandlungen be« deutschen Lanow rthschasttrath» al« u-y anderwärts die Thatsache öffentlich beklagt wordenst.baßde Versichung ] aenen Hagelschaden gerade bei der bäuerlichen und kleinbäuerlichen «evoilerung Äg.mSn wenig SB.Mung Uj». ».. W«f “J'.ÄÄ Klaffen bei dem Eintritt einer bebeutenben Hagelschabenr nicht selten in ihr ErhallungSstanbe bedroht finb. Deshalb erscheine e, al« e ne A^gabe der StaaUbchörben, mit den ihnen zu Gebote l^henben Mitteln auf ! >gu g dieses den öffentlichen Jntereffen roiberftrebenben 3urwnM bm uetrten .^D somit werben die Regierungen veranlaßt, bie ländliche Bevölkerung fl - 3 ffleü'e auf die wirthschaftlichen Vortheite ber Hagelversicherung und bie ^tigei ügten darauf LuweHn, daß nach oer bestehenden Gefetzgebung im Falle be« Hag-lschadenr kein Erlaß der Grundsteuer eintntt
Au« Tongking finb neue günstige Berichte in Par « infl gangen. Dieselben befugen, baß bie Trupp-nabthe,lungberin Thanhoaop-r rennen Oberst Briffaub am 2. d. Mr. bie stark befestigte Stellung ber »ui ständifch-n bei Hufanvuilou (?) befetzl habe und daß Makao vonben Chi ^f unb Annamiten geräumt worben fei. Ganz glatt ist e* 9 J , h , =n adgeganzen, denn bie Berichte melden daß der Widerstand e« F- nd-s^em ernster gewefen fei und daß bie französischen Truppen h ,r».stbenten gehabt hätten. Einigermaßen bebenklich au biefen, vom Gf ^.Residenten Bihourd in Hue eingefanbten Mittheilungen ist nur, daß dieselben wiederum von einer Teilnahme der Chinesen an den Kämpfen im nördlichen Tongking berichten. Es erhellt aus ber Depesche Bihaurd « nicht, ob e, sich hurvei u reguläre chinesische Soldaten ober nur um chinesische Banden hand-l , w lch Schwarzflaggen im Kampse gegen die Franzofen unterstützen. Er st ziemlich .gieichgiltig, denn ix jedem Falle steht fest, daß die auillän miten auch sttzt noch von China her Zuzug erhalten nnd da r^eint e» begreiflich, wenn die Franzofen mit dem räuberischen Gesinde im Nor h ostasiatifchen Co'.ontalbesitze» noch immer nicht fertig werden fön"en‘
Sa« griechische Cabinet Tricupi, fährt m erfreulicher Weife fort feine F^iedenrpolitik zu manifestiren. So meldet ein Athener Ti' g ,
nehmen russischen Namen», hat sich erschoflen. Eine umianenuc


