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Pr. 209. Freitag ein 9. September 1887.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstr'aße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MoniagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Vf. mit Bringerlobn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Die Gemeindekrankenkaffen. Gießen, am 6. September 1887.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglicheu Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Wir fehen Ihren Berichten binnen acht Tagen darüber entgegen, ob und welche Vergütung den Rechnern für Führung der Gemeindekrankenkaffen

Gießen, am 5. September 1887.

Betreffend: Reblausangelegenheiten.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Die nachfolgende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Gemeinden aus ortsübliche Weise verkündigen laffen.

Dr. Boekmann.

s Bekanntmachung.

Die vielen in Biebrich gefundenen Reblausherde und die Feststellung der Thatsache, daß durch Abgabe von Reben aus dem Schloßgarten, seien es bewurzelte oder blinde gewesen, die Verbreitung stattgefunden hat, lasten die Möglichkeit zu, es könnten auch nach Hessen Einschleppungen stattgefunden haben.

Ich fordere deshalb alle Diejenigen, welche überhaupt fremde Reben in den letzten Jahrzehnten angepflanzt haben, namentlich aber Diejenigen, welche aus dem Biebricher S^loßgarten, der Buffestchen Obstschule zu Cannstadt oder Simon'schen Anstalt zu Plantiöres bei Metz solche bezogen haben, auf, mir sofort Kenntniß davon zu geben. Die Untersuchung der Stöcke wird dann umgehend angeordnet werden.

Es bedarf wohl kaum eines Hinweises auf die große wirthschastliche Bedeutung des Weinbaues für unser Land und die Gefahr, welche demselben durch Verbreitung der Reblaus droht, um Jeden, der ein Herz für unseren Nationalwohlstand hat, zu veranlassen, seinerseits mitzuwirken solche ganz abzu- wenben oder wenigstens so lange hinzuhalten, als menschliche Kräfte es vermögen.

Pfeddersheim, am 29. August 1887. T. Moellinger, Reichscommissär.

Ediktalladung.

Nachdem wider den Musketier Heinrich Heidt der 7. Compagnie 2. Großh. Hessischen Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116, geboren am 13. Januar 1864 zu Gießen, Kreis Gießen (Wohnsitz der Eltern in Londorf), der förmliche Desertionsproceß eröffnet worden ist, wird derselbe hiermit auf­gefordert, sich sofort bei seinem Truppentheil zu gestellen, spätestens aber in dem auf Montag den 19. Deeewber 1887, Vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Termin zu erscheinen, widrigenfalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschlossen, er in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldstrafe von Einhundert und Fünfzig bis Dreitausend Mark verurtheilt werden wird.

Darmstadt, den 6. September 1887.Großherzogliches Gericht der Großh. Hessischen (25.) Division.

Deutschland.

AuS Hessen, 7. September. Nach den statistischen Zusammenstellungen über den Erwerb und den Verlust der hessischen Staatsangehörigkeit im Jahre 1886 liegt uns Folgendes vor. In diesem Jahre haben in Hessen 271 Per­sonen die Staatsangehörigkeit erworben und zwar 200 Personen aus deutschen Bundesstaaten und 71 Ausländer. Den größten Zuzug hatten wir aus Bayern mit 121 Personen, dann folgt Preußen mit 51, Oesterreich mit 37, Amerika mit 15, Griechenland mit 9, Baden und Sachsen mit je 8, die übrigen waren aus Württemberg, Mecklenburg, der Schweiz, Rußland, den Niederlanden, Eng­land und Belgien. Ausgegeben wurde in demselben Zeiträume die hessische Staatsangehörigkeit von 610 Personen; von diesen wanderten 460 nach Amerika, 39 verzogen nach Preußen, 18 nach Oesterreich, je 16 nach Württemberg und England, 20 nach der Schweiz, 10 nach Frankreich, die übrigen nach Baden, Bayern, Belgien, Rumänien, den Niederlanden, der Türkei und Spanien.

Italien.

Rom, 7. September. Das Dekret des Königs erklärt die Kammer­sesston für geschloffen.

DerOffervatore Romano" ist ermächtigt, die Nachrichten einiger Blätter über die vom Vatikan betreffs Bulgariens angeblich verfolgten Absichten als gänzlich unbegründet zu erklären. Dergleichen Insinuationen könnten nur 'der Böswilligkeit gegen den Vatikan oder etwaigen nicht schwer zu begreifenden politischen Absichten zugeschrieben werden.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenr-Bnrearr.

Babelsberg, 7. September. Se. Maj. der Kaiser machte Vormittags eine Spazierfahrt im Park. Zum Vortrag wurden Perponcher und Wilmowski empfangen; 8um Diner erfolgten einige Einladungen.

Berlin, 7. September. Laut Bekanntmachung des Ministers des Innern ist Mr das Jnslebentreten der neugebildeten Kreise in den Regierungsbezirken Posen, Brom- -üerg, Danzig und Marienwerder der 1. October d. I. bestimmt.

Königsberg, 7. September. Heute Nachmittag stürzte die Decke des Ana- Nomtegebäudes ein, auf das ein neues Stockwerk gesetzt wurde. Nach den bisherigen Ermittelungen sind sieben Personen verletzt, von denen drei bereits gestorben iltm sollen.

~ , Bad Kisfingen, 7. September. Der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, ist Nachmittags 3 Uhr hier eingetroffen und hat sich alsbald zum Reichs- kbnzler Fürsten v. Bismarck begeben.

~ Königsberg i. Pr., 7. September. Bei dem gestrigen Paradediner brachte «e. Kgl. Hoheit Prinz Albrecht einen Toast aus, in welchem er die hohe Ehre betonte,

die ihm geworden, als Stellvertreter L>r. Majestät des Kaisers die Parade abnehmen zu dürfen, und auf die zahlreichen Veranstaltungen und Ehrenbezeugungen hinwies, welche die Stadt und die Provinz zum Empfange Sr. Majestät getroffen habe. So bedauerlich es sei, fuhr der Prinz fort, daß Se. Majestät der Kaiser sich nicht selbst habe davon überzeugen können, wie Königsberg für den Empfang Allerhöchstdesselben sich gerüstet habe, so möge die Stadt doch das Bewußtsein trösten, daß das Befinden Sr. Majestät fortdauernd in der Besserung begriffen sei. Ihm, als Vertreter Seiner Majestät des Kaisers, sei die Aufgabe zugefallen, die vorzügliche Haltung der Truppen des ersten Armee-Corps heroorzuheben und seinen Dank auszusprechen. Sein Toast gelte dem ersten Armee-Corps und der Provinz, der dasselbe entstamme. Der com- mandirende General v. Kleist erwiderte hierauf: Er habe bereits acht Jahre die Ehre, Chef des ersten Armee-Corps zu sein und habe sich in dieser Zeit bemüht, das Corps in seinem früheren Stande zu erhalten, damit, wenn Seine Majestät der Kaiser dasselbe riese, es bereit und gerüstet wäre. Der General schloß mit einem Hoch auf Se. Maj. den Kaiser. Nach dem Diner fand ein Besuch des Theaters statt. Die Stadt war glänzend illuminirt. Das Wetter ist schön geworden.

Heute Vormittag hat sich Se. K. Hoheit zum Corpsmanöoer begeben. Nach­mittags empfängt Hochderselbe die anwesenden Mitglieder des Johanniterordens, hieran schließt sich das große Diner, zu dem die Inhaber der vier großen Hofämter, die Spitzen der Behörden bis zu den Räthen vierter Classe, die angesehensten Großgrundbesitzer der Provinz, die höhere Geistlichkeit, hervorragende Künstler, der Prorector, sowie der größte Theil der zur Zeit anwesenden ordentlichen Professoren der Universität, sämmtlicbe Berufsconsuln und die durch ihre Stellung hervorragenden Wahlconsuln. ferner mehrere Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten, sowie die Rechtsritter dcS Johanniterordens, im Ganzen 330 Personen, geladen sind.

London, 7. September. Dem Bureau Reuter wird aus Teheran gemeldet, daß Ejub Khan vor einigen Tagen auf afghanischem Gebiete eingetroffen, daraus aber wieder vertrieben worden ist und sich gegenwärtig in dem persischen Districte Ghäen aufhalte.

Paris, 7. September. DasJournal des Debats" bemerkt bezüglich der Differenz mit England wegen der Neuen Hebriden, cs sei schon unter Freycinet ein Einvernehmen in dieser Frage hergestellt worden, Flourens habe sich jedoch geweigert, den Vertrag zu unterzeichnen, bevor eine Verständigung über die Neutralität des Suez­kanals erzielt sei. Betreffs dieser Frage sei nun über die meisten Punkte allmälig eine Verständigung erreicht, übrig bleibe nur noch ein letzter Punkt. Deßhalb über­reichte der Botschafter Waddington Lord Salisbury einen Entwurf, demzufolge eine internationale Commission beauftragt werden solle, an den Ufern des Canals eine Zone zu bestimmen, innerhalb deren die Anlage von Befestigungen und die Concentratton von Truppen nicht gestattet seien.

London, 7. September. DaS Oberhaus hat die Vorlagen, betreffend den Be­trieb der Kohlen- und anderer Bergwerke und den Erwerb kleiner Pachtgüter du.ch Bauern in zweiter Lesung angenommen.

Kopenhagen, 7. September. Anläßlich des 70. Geburtstags der Königin ist die Stadt festlich geschmückt. Im Schlosse Fredensborg fand Vormittags eine musikalische Feier statt, während welcher ein neues Werk Niels Gade's aufgemhrt wurde. Die Studentenschaft trug darauf eine Cantate vor und zahlreiche Deputationen überbrachten Glückwünsche. Nachmittags war im Schlosse Familiendiner. Bei an­brechender Dunkelheit setzte sich ein glänzender Fackelzug nach dem Schlosse zu in Be--