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Ar. 1^2. Dienstag den 9. August (gg?.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzcigkblatt für den Kreis Gießen.

Oureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Bringerlokrr.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheiü

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Großh. Kreisarzt vr. Köhler zu Gießen vom 8. August bis 1. September l ^s beurlaubt und mit dessen Vertretung der Großh. Kretsassistenzarzt Or. Drescher in Grünberg beauftragt worden ist. Derselbe wird jeden DienStaa vo« 8Vs bis 10 Uhr Vormittags auf dem Bureau Großh. Kreisgesundheitsamts Gießen Nordanlage Nr. 27 zu sprechen sein-

Gießen, den 6. August 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________________________________________Dr. Boekmann.__

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß mit dem diesjährigen Friedberger Hcrbst.Pferbemarkt eine Verloosuna von Vierden und Wen Gegenständen verbunden wird. Es dürfen höchsten» 10000 Loose i 1 JL 50 ausgegeben und müssen 9400 zum Ankauf von Gewinnaeaen- ständen verwendet werden. 0

Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat den Verkauf der Loose im Großherzogthum gestattet.

Gießen, den 6. August 1887. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Politische Ueberficht.

Gießen, 8. August.

Zu denjenigen Ländern, in denen stch der Deutschenhaß in mehr oder mniger brüsker Weise zu äußern pflegt, gehört auch das kleine Dänemark. Hiervon liegen gerade aus den letzten Jahren zahlreiche Beweise vor, die Dänen Rnnen es eben nicht verschmerzen, daß ste das schöne,meerumschlungene" Vtleewig-Holstein verloren haben und sehnen ingrimmig den Tag herbei, an welchem ste ihreRevanche für Düppel" nehmen können. Auch der nunmehr Ibtglnnenbe Bau des Nordostsee-Kanals trägt mit zu dem dänischen Haffe gegen Deutschland bet, denn erstens wird durch diese Nerbtndung der dänische See- handel und Küstenverkehr allerdings empfindlich geschädigt und dann würde sich die Mt Dänemarks in einem Kriege in Folge des Nordostsee-Kanals zu einer ganz nebensächlichen gestalten, da letzterer die gegenseitige Unterstützung der deut­schen Ostsee- und Nordsee-Flotte gestattet. In den leitenden Kopenhagener Kreißn selbst macht man au» den seindseligen Gesinnungen gegen den deutschen Nachbar gar kein Hehl; die Rede, welche der KrtegSmintster Bahnson vor einiger Zett aus der Insel Laaland anläßlich der Frage der Befestigung Kopenhagens hielt, war förmlich gespickt mit Drohungen gegen Deutschland. Es kann kaum «noch einem Zweifel unterliegen, daß Dänemark bei einem Weltkriege mit aus vetten der Gegner des deutschen Reiche» zu finden sein würde; ebenso gewiß t'st aber auch, daß man diese Wahrscheinlichkeit in Berlin längst mit in Betracht «gen hat und sich von einem dänischen Angriffe durchaus nicht überraschen Wen wird.

Die Cholera-Epidemie auf Si eilt en ist nun doch, wie zu be­achten stand, nach dem italienischen Continente übergesprungen. Aus Neapel, la und Restna werden mehrerecholeraarttge" Krankheitsfälle mit tödtltchem Ausgange gemeldet und es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß es sich am die wirkliche Cholera handelt. Speciell in Neapel findet dieselbe leider einen aur A günstigen Boden vor; die harten Lehren, welche die furchtbare Epidemie aom Jahrs 1885 der städtischen Verwaltung Neapels ertheilte, scheinen nichts Liihaberi, denn die sanitären Verhältnisse der Stadt sollen nach wie i; ..r J? ^mlich Alle» zu wünschen übrig laffen. Außerdem leidet Neapel schon hnr. ? unter dem Versagen der städtischen Wasserleitung und das versüg- L,,,,^"U^Lffer ist von höchst zweiselhaster Qualität, was die Ausbreitung der hS? T begünstigen kann. Auch auf der Insel Malta ist die Cholera ausge- lMen und zwar gleich sehr hestig.

"Object" für den im September bevorstehenden französischen obilisirung»-Versuch wird jetzt allgemein da» 10. Armee-Corps iWffinh Mobilisirung würde also im äußersten Nordwesten des Landes iJÄ und hiermit entfällt jeder Anlaß für die Nachbarn Frankreichs und nhhori ®eulf4(anb> flch wegen der Probemobilmachung besonders zu beun- Wnm nun jetzt bet derselben nicht Alle» klappt, dann müßte e» aller-

2 l 'Flamen Dingen zugehen, denn der Commandeur des 10. Armee-Corps 0^ wahrhaftig genug Zett, Alles auf'» Schönste vorzuberetten l

bem Ehrenhandel zwischen Ferry und Boulanger scheint nicht» w-rtiipin®°aen Ferry soll jetzt mit einem Male die Annahme de» Duells bQ ct °uf die von den Zeugen seine» Gegners gestellten Bedingungen c roia- Da in Frankreich die Verweigerung eine» Duell» etwa» Ä , /O macht die Haltung Ferry's nicht geringe» Aufsehen, um so mehr, ^tch die Forderung Boulanger's angenommen hatte. Es wäre b(;1 Fett) " etnßr ^^umph für den General, wenn sein Gegner freiwillig

>°il r>.^»^??bhabung de» bekannten russischen Ausländer-Ukase» °bwalten. Gerüchtweise verlautet au» Petersburg, daß in s^ehpnMi*t9 Cill?n9llrCr*en ble Frage erörtert werde, ob sich bet dem Ausländer- ^letchterungen gewähren ließen. Bereits ist die Verfügung

Entsernung jder Ausländer aus den Stellungen bet der Verwaltung |

privater und commercieller Unternehmungen einstweilen wieder ausgehoben wor­den. Ferner wurde den provinzialen Gouvernements vorgeschrieben, die Ueber- nahme ausländischer Industrieller in russische Unterthanenschast möglichü zu erleichtern.

Feutschland.

Essen, 6. August. Der verstorbene Geh. Kommerzienrath Krupp hat wie dieRheinisch-Westfälische Zeitung" mittheilt, eine Schenkung von 1,000,000 Mark zur Gründung einer müden Stiftung für seine Arbeiter gemacht.

Hesterreich.

«ad Gastein, 6. August. Se. Maj. der Kaiser Franz Josiph traf heute Nachmittag 2 Uhr hier ein und fuhr sofort zur Freitreppe de» Bade­schlosse», an deren Fuße da» ganze Gefolge de» deutschen Kaiser» zur Be­grüßung versammelt war. Nachdem der Kaiser jedem der Herren die Hand gereicht hatte, stieg er unter Vorantritt des Hosmarschalls, Grafen Perponcher, und geleitet von dem Statthalter, Grasen Thun, und dem General-Adjutanten, Grafen v. d. Goltz, die Treppe hinan und trat dann in da» Vestibüle, woselbst Allerhüchstderselbe von Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm in herzlicher Weise em- psangen wurde. Beide Monarchen reichten sich die Hände und umarmten sich, woraus Allerhöchstdieselben sich in den EmpfangS-Salon zurückzogen. Die ganze Stadt ist aus'» Reichste geschmückt und mit Flaggen geziert.

An dem Diner, welches Se. Maj. der Kaiser Franz Joseph bei Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm einnahm, nahmen außer dem beiderseitigen Gefolge der deutscke Botschafter Prinz R.', und der Graf Dohna, sowie die Grafen Deym, Revertera, Thun, Chorinsky, Palffy, Prinz Rohan und Dr. Unger Theit. Die Tafelmusik wurde vom Kur-Qrchester ausgesührt.

«ad Gastein, 6. August. Um 6 Uhr unternahmen Ihre Majestäten der Kaiser Wilhelm und der Kaiser Franz Joseph gemeinschaftlich eine Aus­fahrt nach Böckstein. Kaiser Wühelm fuhr bei dem Hotel Straubinger vor, woselbst Kaiser Franz Joseph bereits wartete und in den Wagen stieg. Von der den ganzen Platz vor dem Hotel Straubinger ansüllenden Menge wurden die Majestäten mit begeisterten Hochrufen begrüßt.

Wien, 6. August. DieWiener Abendpost" schreibt: Se. Majestät der Kaiser ist heute Mittag in Gastein eingetroffen, um dort seinen zur Kur weilenden erlauchten Freund und Verbündeten Kaiser Wilhelm zu begrüßen. Längst gewohnt, in diesen seit einer Reihe von regelmäßig wiederkehrenden Begegnungen der beiden mächtigen Monarchen ein sicheres Unterpfand des Friedens zu erblicken, begleitet die öffentliche Meinung Europas auch die dies- ährige Zusammenkunft der beiden innig befreundeten Herrscher mit ihren vollen Sympathien. Die Völker Oesterreich-Ungarns aber wenden ihre Blicke voll freudiger Hoffnung nach dem herrlichen Alpenbade in der Ueberzeugung, > das zwischen dem altehrwürdigen Reiche der Habsburger und dem beut* chen Reiche zum beiderseitigen Heile bestehende überaus herzliche Einvernehmen durch das persönliche Zusammentreffen der erhabenen Gebieter beider Staaten nur gekräftigt werden kann-

Wien, 6. August. Die Blätter begrüßen die Kaiserzusammenkunst in Gastein mit sympathischen Artikeln. DasFremdenblatt" hebt hervor, wenn Europa in diesem Jahre vor der entsetzlichen Katastrophe eines großen Krieges lewahrt worden, so sei das in erster Linie dem mächtigen und unerschütter- ichen Friedensbunde, den Deutschland und Oesterreich-Ungarn in ihrer innigen Verbrüderung repräsenttren und der herzlichen innigen Freundschaft beioer Monarchen, die sich in diesem Gefühle eins wissen mit den Völkern ihrer Reiche, zu danken. Auch ganz Europa, soweit es einer Friedenspolitik ehrliche Sympathie entgegenbrinae, blicke vertrauensvoll auf diesen Bund, der gegen Niemand seine Spitze kehre, jeden Theilnehmer an der Friedensarbeit freund­lich begrüße und der noch nie seine Ziele verleugnet, noch nie seine mächtige friedliche Einwirkung versagt habe.