Ar» Z7 Mittwoch dm 9. Marz 1887.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vureaur Schulstraße 7.
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Amtlicher Hheiü
Nr. 7 des Reichs-Gesetzblatt«, ausgegeben den 4. d. Mts., enthalt: (Nr. 1702.) Bekanntmachung, betreffend die technische Einheit im Eisenbahnwesen. Vom 17. Februar 1887. Gieße«, den 7. März 1887. Großherzogliche« Kreisamt Gießen-
Dr. Bsekmann.__
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PolLtifehs Keberfi^t.
Gießers, 8. März.
Der den regierungsfreundlichen Parteien so günstige Ausgang der ReichStagrwahlen ist auch an Allerhöchster Stelle mit Genuglhuung ausgenommen worden. Wie ein zuverlässiger Privalbericht ,u melden weiß, hat Kaiser Wilhelm einem hohen Osficier gegenüber geäußert, daß er sich durch den Wahlaussall um 20 Jahre verjüngt fühle, sein Volk hätte ihm kein schönere» Geburtstags- und Ostergeschenk machen können.
Die Taufe de« jüngstgeborenen Sohnes de« Prinzen Wilhelm von Preußen findet nunmehr bestimmt nächsten Samrtag, den 12. März, im Potsdamer Stadtfchloffe statt. Der Kaiser gedenkt dieser Feierlichkeit, fall« e» ihm sein Gesundheitszustand nur irgendwie gestaltet, beizuwohnen.
Ueber die angeblich vierte Kundgebung der Papste» hat fich eine lrbhaste Preßpolemik entspannen. Die „Köln. Volksztg." wußte zu melden, daß der Papst den Wunsch ausgesprochen haben sollte, da» Lenlrum möge au« den Wahlen in alter Stärke hervorgehen und unter seine« biiherigen Lettern fortbestehen. Die „Köln. Ztg/ behauptet nun, daß aus der Münchener Nuntiatur von einer derartigen Aeußerung Leo XIII. nicht da« Mindeste bekannt sei und datire der letzte päpstliche Brief, den Monfiznare Di Pietro empfangen, vom Ende Februar; diese» letzte Schreiben enthalte die bekannten Wünsche de« Papste» hinsichtlich der Stichwahlen. — Aus dieser Thema weiter einzugchen, erscheint ziemlich überflüssig.
Die deutsche Thronrede hat im Aurlande, soweit fich die« aus den vorliegenden Preß-Eommentaren beurtheilen läßt, im Allgemeinen einen günstigen Eindruck gemacht. Auch die Pariser Preffe äußert, mit wenigen Aut- nahmen, ihre Befriedigung über den der Hoffnung aus Erhaltung ver Frieden« gewidmeten Paffus; nur von russischer Seile lagen in voriger Woche noch keine Aeußerungen zur Thronrede vor.
Die gemeldete Verlängerung des Bünd»isser Italiens mit den mitteleuropäischen Katsermächten, welche bitlang vielsach be- zweifelt wurde, erfährt jetzt seitens der „Opmione" ihre Bestätigung. Da« Blatt meint hierbei, die getroffenen Vereinbarungen erstrebten ohne Zweifel die Erhaltung des Friedens und Vermeidung jeder Angriffrpolitik. Die „Opinione" hofft, daß die italienischen Jnlereffeu durch die vom römischen Cabinet getroffenen Vorkehrungen auf alle Fälle gesichert seien. Uebrigen» scheint auch die „Opinione" über den Inhalt des neuen deutsch-österreichisch-italienischen Der- trage« nicht Specielle» zu wissen.
Die bulgarischen Vorgänge werden vom Petersburger „Regier.- Anzeiger" natürlich als ein neuer Beweis für die in Bulgarien herrschenden anormalen Verhältnisse betrachtet. Einige emigrirte bulgarische Offictere — schreibt da, amtliche Blatt — welche die besten Elemente der bulgarisch-n Armee bilden, konnten nicht ruhig zusehen, wie die bulgarische Armee ein blinder Partei- Werkzeug wurde. Doch würde die russische Regierung, die Hoffnung auf Wiederherstellung der Ordnung nicht ausgebend, in ihrer gegenwärtigen Haltung gegenüber der bulgarischen Frage verharren. Da» heißt also, die russischen Agenten werden in Bulgarien insgeheim fortwühlen!
Dar „Journal be St. Pölecsbourg" dementirt die Nachricht, der russische Botschafter in Konstantinopel, Nelidoff, habe fich gegen die Mission Riza Pascha» nach Sofia ausgesprochen; doch glaubt das Blatt nicht an den Ersolg dieser Misfion.
Darmstadt, 4. März. Der Gesetzgebungs-Ausschuß der zweiten Kammer hat bis heute die Berichte über da« Feldberemtgungsgesetz, über da» Gesetz, die Haltung de» Faselviehs betr., und über den Antrag des Abg. v. Rabenau auf Revision der allgemeinen Bauordnung im Sinne größerer Berücksichtigung der ländlichen Verhältnisse fertiggestellt und da» Gesetz über die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewäffer nahezu vollständig durchberathen. Morgen erfolgt der Abschluß dieser Berathung und der Eintritt in diejenige über da« Gesetz, die Landercultur-Genoffenschasten betr. Für den zweiten Theil nächster Woche sind die mit der Regierung gemeinschastltchen Sitzungen in Aussicht genommen. Dem Vernehmen nach wird der Zusammentritt der zweiten Kammer Donnerstag, 24. d. Mts., erfolgen, sosern nicht besondere Hindernisse eintreten. Ueber den obenerwähnten Antrag v. Rabenaus hat der Abg. Schade Bericht erstattet. Wenn auch der Ausschuß zu einem Antrag auf Revision der Bauordnung nicht gekommen ist, so hat er doch folgende, auf Beseitigung bestehender Mißstände gerichtete Anträge gestellt: 1) Im Interesse weiterer Kostenersparmß Verfügung zu erlassen, daß die Rauhbau. Revision, auch wenn mit solcher die Untersuchung neuer Feuerungsanlagen verbunden ist, nur durch Einen Sachver- ständigen, in der Regel einen tüchtigen Maurermeister, vorzunehmen sei; 2) bei Hauptveränderungen an der äußeren nach der Straße gehenden Seite eine» bereit« bestehenden Gebäudes, wenn solche nicht al» Neubauten, sondern lediglich
al« Reparaturen sich charaklerlsiren, von der Vorlage eines Situation»planes abzusehen sei, an Stelle de« vollständigen Bauplans ein die vorzunehmende Lende- rung genau bezeichnender Handriß genüge und nach dem Ermessen der Local- Polizeibehörde die Rauhbau-Reoifion mit der regelmäßigen Visitation der Feuerstätten zu verbinden sei; 3) ferner im Interesse der Bauerleichterung, der Beschleunigung des Verfahrens und der Kosteneifparniß in geneigte Erwägung zu ziehen, inwieweit uni) in welchem größeren Umfang die Ueberwachung de» Bauwesens und die Beobachtung der bau- und feuerpolizeilichen Vorfchristen in den Landgemeinder! der Ortrpolizeibehörde übertragen werben können und bett Ständen baldthnnlichst Mttheilung, event. Vorlage zu machen. (Fr- Journ.)
][ Darmstadt, 7. März. Die diesjährigen Manöver der Großh. (25.) Divlsion werden in der Provinz Oberheffen abgehalten werden und zwar, wie wir au« zuverlässiger Quelle vernehmen, in dem nördliche« Theile der Provinz. Die Stadt Alsfeld wird bereits al» Kantonnement» des Hauptquartier« bezeichnet.
— Gelegentlich der zum 1. April d. Js. bevorstehenden militärischen Neuorganisationen wird unser Feld-A.tillerie-Regiment Nr. 25 (Sroßh. Artillerie-Corp«) eine neue Fuß-Batterie errichten, sodaß da« genannte Regiment in Zukunft sechs Fuß-Batterien, die in zwei Abtheilungen formirt sind, und eine reitende Batterie zählen wird. Die zwei Abtheilungen Fuß- Batterien verbleiben int Kriegsfälle al« Dioisionr-Artillerie bei der Großh. (25.) Division, während die reitende Batterie irgend einer zu formirenden Kovallerie-Division zugetheilt wird, ein Commando, da« sie mit bet gleichfalls vereinzelt dastehenden badischen reitenden Batterie gemein haben würde. Die beiden erwähnten Batterien hatten eine derartige Verwendung bekanntlich schon im letzten Kaiser-Manöver im Elsaß. _____________________________
Reichstag.
E. E. Berti«, 7. Mär, 1887.
Aus der Tagesordnung steht die erste Lesung der Militär-Vorlage.
Kriegsminister Bronsart von Schcllendorf: Er werde die Vorlage, die ja genügend erörtert sei, nicht noch einmal begründen; cs möge vergessen werden, was hinter uns liegt, man möge vorwärts blicken in die Zukunst, wenn auch deren Ernlt Niemand im Hause unklar sei. Möge die Vorlage mit großer Majorität angenommen werden: das Wort müsse beherzigt werden: Wer den Frieden wolle, müsse zum Kriege gerüstet sein. (Lebhafter Beifall.)
Abg v Bennigsen (natlib.): Di-Wahlen haben entschieden und die Parteien für die Vorlage bilden eine Mehrheit, deren Verstärkung im nationalen Interesse wünschenswerth sei. Di- überaus heftig gewesene Wahlbewegung wird in den Verhandlungen des Reichstags einen Ausdruck finde», wenn auch nicht an dieser Stelle. Eine unmittelbare Einwirkung aus den Gang der politischen Verhältnisse ist den- Reichstage nicht gegeben, er ist aber im Stande, die Politik des Deutschen Reiches zu verstärken, wenn er kurz entschlossen unter Vermeidung allen Haders die volle Ucber- einstimmung der Reichsvertretung und der Regierung vor aller Welt darstellt. (Leb- hafter Beisalb) $Binbt^orft (6tr.) „klärt sich mit schneller Erledigung der Vorlage einverstanden, kann aber eine bestimmte Erklärung seiner Partei zur Vorlage gegenwärtig noch nicht abgebcn, weil noch eine Reihe einflußreicher Mitglieder in Folge der Stichwahlen fehlen. Bei der zweiten Lesung werde diese Erklärung erfolgen. Auf die allgemeinen Verhältnisse werde er nur eingehcn, wenn er dazu genothigt werde. (BeifalD>b (cenf.) empfiehlt ebenfalls die einstimmige Annahmecher
Vorlage, indem er sich dabei aus den Ausiall der Wahlen beruft. _ ,
Aba Richter (dsr.): Unser Standpunkt hat sich seit der Auflösung des Reichstags nicht geändert, wir werden den Antrag Stauffcnberg bei der zweiten Berathung wieder einbringen, ebenso die Resolution auf Beschaffung der erforderlichen Mittel durch eine Reichseinkommensteuer. Der Redner wiederholt die Grunde, die die freisinnige Partei bei ihrer früheren Abstimmung geleitet und betont die Rothwendigkeit der Einführung der zweijährigen Dienstzeit; er erklärt, daß auch er auf eine Polemik über den Wahlkampf in diesem Moment nicht eingehen wolle.
Abg. v Rarborff (Reichsp.) befürwortet einstimmige Annahme der Vorlage, indem er zugleich einen Appell an das Centrum richtet, von feinem Standpunkt der Vorlage gegenüber abzugehen und für das Septennat zu stimmen.
Abg. Singer (Socdem.) erklärt, daß er und seine gartet fcer Vorlage unverändert gegenüberstehe, weil nach seiner Überzeugung die politische Lage sich seit der Auflösung des Reichstags nicht geändert habe und das Volk die Kosten nicht tragen könne.
Während^der^Rede' As^ Abg" Richter war Fürst Bismarck im Saale erschienen.
Nächste Sitzung Dienstag. ...
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Corresporrderrz-Bureau.
Berlin, 7. März. Gestern Nachmittag empfing Sc. Mas. der Kaiser bie Präsidenten bcs Reichstags. Der Kaiser bemerkte, er habcsichschwtt-ntschl ff^,.^ letzten Reichstag aufzulosen, er sei zedoch dazu 6enothigt gew s , o Opposition die befohlenen Darlegung hinsichtlich des Uebergewtchts_be ch ^willigte. Man hätte Militärvorlage in dem als nothwendig erkannten Umfange


