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Kilage zu Jlr. 56 des ,Achmer Anzeiger".

Der Aufstand in Rustschuk.

Der Äölu Rtg." wird au» Rustschuk unlerm 3. März berichtet: Heute m..u nprbuletö bei Kommandant von Rustschuk und Tommandeur der 3. Brr- X Th r Ufunorn, den Präsecten und viele regentschaftetreue Dfficure der Sarniiar, Rüstichuk und versuchte dann die zwei noch treu verbliebenen B-. affi n des S Regiment- zu entwaffnen. Dieser B-rsuch mißglück,e; beide Äataffione, meist aus R-cruten besteh-nv, behaupteten unter dem Hauptmann Na kow einen Theil der Stadt und die Kasernen, die von fünf Pionier-Com. ownien umstellt wurden. Früh um 6 Uhr begann ein lebhaste- Gefecht, das Wd in der ganzen Stadt wogte und an dem sich nach uno nach unaufgefordert mehrere Hundert Bürger zu Gunsten der Regentschaft beteiligten. Der Kampf wurde von diesen mit Erbitterung geführt; an Tobten und Verwundeien zählt man auf beiden Seiten etwa 70 bis 80; darunter tobt Lieutenant Panew und Unter-Lieutenant Kaschkanaldschiew von den Ausständisch-n. Zwei Deutsche wurden aus Zufall im Straßenkampf erschoff-n. Gegen Mittag erschien von der ruwänischen Seite her ein Boot unter weißer Flagge, dessen Jnsaffen von d-m bulgarischen Kriegsschiff Golubtschick ausgenommen wurden. Am Rach- miitage, nachdem die Ausständischen versucht hatten, mit dem Hauptmann Buikow in unterhandeln, begannen die Bürger einen nachdrücklichen Angriff unter lautem Hurra!), während die in der Kaserne eingeschloff-nen Soldaten unter den Klängen der Nationalhymne Schuma Maritza zum NuSsall vergingen, trotz des Feuers au- zwei Geschützen und trotz der heftigsten Salven der Pioniere. Es kam zum Bajonnetgefecht, in dem die Aufständischen sehr bald geworfen wurden und lheils sich ergaben, teils aus der Stadt flüchteten. Usunow, der­selbe, welcher Widdin ruhmvoll gegen die Serben verteidigte, und Dfcert lieutenont Filow, den ich Ihnen neulich als verdächtig bezeichnete, mit noch einigen Dfficieren waren kurz vorher in zwei Booten entflohen, doch nur bi« zu der Sandiusel gelangt. Ein Haufe Bürger hatte sich am User gesammelt und eröffnete ein heftiges Feuer auf die Boote, vor dem Filow, Usunow und Ge­nossen in den Sandlöchern der Insel Schutz suchten. Zum allgemeinen Erstau­nen erschien alsdann das Dampfboot Golubtschik, dessen Capitä» Draganow sich als regerttschaststreu erwies, und machte Jagd auf die Flüchtigen, wobei zwei Oificiere ertranken und andere, darunter Filow und Usunow, verwundet wurden. Ais auf dir zwei Ertrunkenen wurden alle Flüchtlinge gefangen. Es stellte sich daraus, daß die Insassen des zuerst von Golubtschik gekaperten Boote» Major Ochmp-Panow und Capitän Kirdschiew waren, ein wertvoller Fang. Inzwischen l>atte Abmds gegen 6 Uhr das Gefecht sein Ende erreicht und unter dem leb- baftesten Enthusiasmus beglückwünschte und küßte man sich gegenseitig unter Freude^thränen. Hauptmann Vulcrw, Hauptmann Sapunow, Präfett Mantow und sein Seccetär Urdanow wurden begeistert begrübt und geküßt. Ju diesem Augenblicke brachte man die durch Golubtschik eingekrachten Gefangenen, die, umheult von einer wüthenden Volksmenge aller Nationalitäten der Stadt, kaum vor der V-Mwuth geschützt werden konnten. Bemerkenswerth war die Enngie der Wachen, die alle Gefangenen zu schützen wußten, während die durch Blut und Puloerdampf aufgeregte Menge verlangte, man solle die Gefangenen vor die Leichen der Erschossene« führen und sie dort in Stücke reißen- Herr

v. Löper, der deutsche Consulatsverweser, erschien mehrmals während des hefti­gen Straßenkampse» aus den Straßen in der Uniform des dritten Garde- Regiment», bereitet von Kawaffen, «ährend sein österreichischer College zu Hause einige kleine Beschädigungen, welche sein Flaggenmast durch schlecht gezielte Kugeln erlitten hatte, geräuschvoll beklagte und in erstaunlicher Unkenntniß der Ver­hältnisse den Regentschafts-Truppen jede moralische Kraft absprach. Jetzt herrscht vollkommene Ruhe in der Stadt. Die Cafös sind gefüllt. Die Soldaten wer­den reich beschenkt und gespeist. In vielen Häusern hört man Wehklagen, denn auch mehrere Kinder find durch Zufall erschossen worden. Die öffentlichen Ge­bäude find illuminirt. Die Schlüffe, die sich aus den Vorgängen aus die intel- lectuellen Urheber der blutigen Rebellion machen lassen werven Sie selbst ziehen. Ich füge nur hinzu, daß das Scheitern des Putsche einerseits dem schneidigen und treuen Verhalten der auf sich selbst angewiesenen Truppen und dem ent­schiedenen Mangel an Begeisterung aus Seiten der Menterer zuzuschruben ist. Von Rasgrad sind 200 Freiwillige hier eingetroffen, um gegen die Feinde der Regentschaft zu kämpsen. Aus Tirno-va ist ein Bataillon des dortigen Regi­ments und Major Petrow, Chef des Generalstabs, zur Uebernahme des Ober­befehls in Rustschuk angekommen. Aus Sofia und der Provinz laufen zahl­reiche Glückwunsch-Schreiben ein. Die Zahl der Tobten und Verwundeten steht noch nicht fest; der Zustand Filow's ist hoffnungslos. Außer Filow und Usunow befindet sich im Krankenhause noch der Lieutenant Bollmant, von russischer Ab- ftammung. Grue« nahm an dem Putsch Theil, er ist an der Schulter schwer verwundet; Filow erhielt einen Schaß in die Brust, Usunow zwei Kugeln in den Unterleib. Einer der ertrunkenen aufständischen Officiere ist der Lieutenant Matew, deffen Bruder an der Bekämpfung des Ausstandes thättgsten Äntheil nahm. Die Regentschaft ist heute stärker denn je.

Universität- - Ghrouik.

Im Namen der Berliner Hochschulen hat nun der Ausschuß der Studenten­schaft den folgenden zweiten Aufruf an die Comilitonen in ganz Deutschland gerichtet: Nachdem der Gedanke an eine von der gesammlen akademischen Jugend unserem Kaiser und König zum 90. Geburtstage darzubringende Huldigung in den Herzen aller deutschen Studenten begeisterten Widerhall gefunden hat, können wir Euch heute die freudige Mittheilung machen, daß Seine Majestät mit Freude und Anerkennung von dieser patriotischen Bewegung Kenntniß genommen und gern genehmigt haben, daß am 21. März ein Fackelzug und am 22. ein Wagenzug stattfinde. An Euch, Comilitonen, liegt es nun, auch Eurerseits an dem schönen Gelingen dieser nationalen Studentenfeier in entsprechender Weise beizutragen. Wir fordern Euch daher auf, officielle Vertreter mit der Universitätsfahne am 21. und 22. Marz nach Berlin zu entsenden. Insonderheit ergeht die Aufforderung auch an die verehrlichen Korporationen, von denen wir jeder einzelnen, wenn sie sich rechtzeitig anmeldet, Plätze auf dem Feft- commers für drei bis fünf Ehargtrte sofort reserviren wollen. Alle Comilitonen laden wir zu recht zahlreicher Betheiligung an der ganzen Feier nochmals auf das Herzlichste ein. Anmeldungen werden bis spätestens zum 15. März bei dem Ausschuß erbeten. Programm: Am 21. März bei einbrechender Dunkelheit Fackelzug, hierauf Festcommers in der Philharmonie, Bornburgerstraße 22 »/23. Am 22. März: Abholen der Fahnen und Banner aus der Philharmonie, Wagenzug der Chargirten an dem Palais des Kaisers vorüber, darauf musikalischer Frühschoppen, Festspiel, Festessen der ofstcicllen Vertreter in Kroll'S Etablissement."

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Gießen, Sen 9. Januar 1887. 260

H. Diesener, Archüeki.