vom Himmel sieh darein". Die Gemeinde begann mit der Klage über der Kirche Noth (Lied 151). Der erste hiesige Geistliche brachte dieselbe in der Liturgie zum Ausdruck mit Psalm 12, an den Luthers Lied anknüpft. Es folgte eine kurze Ansprache des zweiten Geistlichen, in welcher die der Liturgie zu Grunde liegenden drei Gedanken entwickelt wurden. Dann erklang die Kantate selbst, in ihrem ersten Satz ein gewaltiges Tonwerk, dessen Stimmgewirr und kunstvolle Dissonanzen die Gedanken des genannten Psalms und Lieds anschaulich malten. Die Bedenken mancher, größere Soli in dem evangelischen Gemeindegottesdienst zur Verwendung zu bringen, mußten schwinden durch die für die Gemeinde unsichtbare Aufstellung des Kirchenchors, der, wie er gewünscht,, durch die Altarschranken verdeckt war, sodann durch den Eindruck, den der geschulte von tüchtigen Kräften ausgeführte Vortrag in seinem echt kirchlichen Stile machte. Wir halten den Versuch für geglückt, die Bach'sche Kantate wieder für den Gemeindegottesdienft zu erobern, wenn es auch auf Seiten der Gemeinde noch gar sehr des wachsenden Verständnisses und der Ueberwindung mancher Einwände bedürfen wird. So mag cs nicht in Verwunderung setzen, wenn eine nicht unbeträchtliche Zahl der Hörer vielleicht noch mehr von dem (auf die durch den Liturgen zum Ausdruck gebrachte Verheißung der Hilfe Gottes für seine Kirche, Ezech. 34), sehr frisch gesungen von Psalm 96 sich angezogen fühlte und diese Stimmung zur weihevollen ward, als nun auf die liturgische Mahnung, bereit zu sein zum Empfang des Helfers (Matth. 25) noch der majestätische Choral „Wachet auf! ruft uns die Stimme" die vortreffliche Leistung des Vereins würdig beschloß. Unser bewährter Organist, Herr Lehrer Jäger, begleitete sowohl Gemeinde- wie Chorgesang mit gewohnter Meisterschaft auf Orgel und Harmonium, welches letztere uns Herr Förster jun. hier mit uneigennütziger Güte aus seinem reichhaltigen Jnstrumentenlager zur Verfügung stellte. — Schön war auch eine kleine Nachfeier in dem fürstlichen Park dahier, wo noch einige Quartette in gelungenster Weise vorgetragen wurden. Wir können nur wünschen, daß die Anregungen des unter seinem hochbegabten und eifrigen Dirigenten, Herrn Dr. Walter, und unter der hingebenden Leitung des Herrn Pfarrer Schlosser so schön blühenden Gießener Kirchengesangvereins dahier wieder zur Reconftttutrung des im vorigen Jahre leider eingegangenen hiesigen gemischten Ktrchenchors in enger Fühlung mit der Kirche, der er ja dienen will, führen möge. — Dem Gießener Verein möchten wir aber neben unserem herzlichen Dank ein freundliches Auf Wiedersehen zurufen.
A Mainz, 5. August. Wegen des am verflossenen Sonntag in Frankfurt stattgehabten Eisenbahnunfalls ist auf Antrag der Kgl. Staatsanwaltschaft in Frankfurt auf Grund des § 316 des Strafgesetzbuches das Strafverfahren gegen den Lokomotivführer des betreffenden Ludwigsbahnzuges, Joseph Limburg von Mainz, gegen den zur Unfallszeit diensthabenden Stationsassistent der Bebraer Bahn in Frankfurt und gegen den unmittelbar vor der Unfallsstelle stationirten Bahnwärter eingeleitet worden. Die Untersuchung führt Dr. Fabricius, von welchem neben den eben angedeuteten Beschuldigten bereits eine große Reihe von Zeugen, Bahnpersonal und Passagiere der verunglückten Züge vernommen worden sind.
A Vom Rhein, 5. August. In Koblenz herrscht seit gestern eine sieberhafte Auf» regung. Ein in einem Manufakturwaarengeschäfte bediensteter junger Mann entfernte sich am Abend mit der Bemerkung, baden zu gehen. Mehrere Personen sahen den jungen Mann in Gesellschaft mit zwei bis jetzt noch nicht ermittelten Männern nach dem Moselbadeplatz gehen, wovon der junge Mann nicht mehr zurückkehrte. Am Morgen wurden nun durch Schiffer die Kleider des jungen Mannes gefunden und zwar in einem Zustand, der sicher darauf schließen läßt, daß an dem Vermißten ein Raubmord verübt worden. Das zerrissene blutige Hemd hat man gefunden; an demselben sind die Aermel oberhalb der Hand- börtchen abgerissen, und befinden sich die Letzteren wahrscheinlich noch zugeknöpft an der Leiche. An der Weste war noch ein Theil der abgerissenen Uhrkette; die Uhr selbst fehlte, ebenso auch alles Geld. Daß ein Kampf stattgefunden, dafür spricht das zerrissene Hemd und scheint es, daß der junge Mann in dem Augenblicke, als er das Hemd ausziehen wollte, überfallen und ermordet worden ist. Die Leiche ist bis jetzt noch nicht ausgefunden, ebenso fehlt auch noch jede Spur von dem Thäter.
Dillenburg. Die Firma C. D. Magirus in Ulm hat die mit dem Feuerwehrtag verbundene Ausstellung sehr reichhaltig beschickt mit Gegenständen zur persönlichen Ausrüstung des Feuerwehrmanns, wie Helme, Gurten, Beile, Leinen, Laternen; ferner ist ausdrücklich zu erwähnen die große Petroleumfackellampe mit mechanischer Dochtregulirung, ohne Gewinde, neue einfachste Construction, von hervorragender Leuchtkraft. Von Rettungsgeräthen sind ausgestellt: Rettungsschlauch, Rettungssack, Sprungtuch, Selbstrettungsapparate, worunter der Gurthaken mit Bremsvorrichtung besondere Beachtung verdient.
Eine große Anzahl sehr schön ausgeführter Photographien erregen das Interesse der Sachverständigen in hohem Grade; auf diesen photographischen Abbildungen sind mechanische Feuerleitern von 12 bis 26 m Höhe mit Mannschaften bestiegen zu sehen, diese Leitern sind nicht angelehnt, sondern ganz freistehend. Die Anfertigung solcher großer Leitern ist eine Specialität der Magirus'schen Fabrik und finden wegen ihrer anerkannten Vorzüge nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch im Ausland, worunter sich sogar England und Frankreich befinden, große Verbreitung. Je nach Länge der Leiter richtet sich die Construction derselben und sind die verschiedenen Con- ftructioncn durch eine Anzahl Modelle vertreten, welche dem Beschauer den Ueberblick erleichtern.
Die von Magirus ausgestellte Maschinenleiter ist 14 m lang und wird mit einer Hand in drei Sekunden aufgerichtet. Trotz dieser überraschend leichten Handhabung bietet die Leiter eine außerordentliche Sicherheit und Tragfähigkeit.
— Am 14. August, Morgens, rückt der Metzer Turnverein in neun bis zehn Eolonnen und versehen mit gegen 1OOO frischen Kränzen aus, um, wie dies seit 1874 ihm heiliger Brauch geworden, die rings um Metz liegenden Gräber der im August 1870 für Deutschlands Ehre und Größe gefallenen Helden zu schmücken und nach Beendigung dieses Aktes in der Schlucht von Gravelotte eine Gedächtnißfeier abzuhalten. Falls die Angehörigen der dort in Gott ruhenden Helden, wie dies seit vielen Jahren geschieht, auch in diesem Jahre eine Blumenspende aus der Heimath senden, oder den Turnverein mit einem bezüglichen Auftrage betrauen wollen, wird gebeten, dies baldigst zu thun und etwaige Sendungen so einzurichten, daß dieselben bis zum 13. August an die Adresse „Metzer Turnverein, postlagernd in Metz" eingehen.
— ^Falsches Geld.j Nachstehendes, näher bezeichnetes falsches Geld ist im Deutschen Reich in Umlauf: 1) Falsche Fünfmarkscheine (Kennzeichen: die Pflanzenfasern sind mit Tusche ausgezeichnet). 2) Zwanzigmarkstücke (Münzzeichen D., Jahreszahl 1879, matter Klang, fettiger Griff). 3) Zehnmarkstücke (leichteres Gewicht, hellerer Klang, fettiger Griff). 4) Einmarkstücke (matte Färbung, unreine Prägung, dumpfer Klang). 5) Fünfzigpfennigstücke (weiches Metall, biegsam, in Farbe und Prüguna aber gut). 6) Zwanzigpfennigstücke (Rand unrein ausgeprägt, schwerer Klang und hell). Außerdem sind in neuerer Zeit falsche goldene Zehn- und Fünfmarkstücke, beide von preußischem Gepräge und mit den Jahreszahlen 1875 und 1877 aufgetaucht, beide Fälschungen sind im October hergestellt, mittelst Dukatengoldes vergoldet und so ausgeführt, daß man sie nur am leichteren Gewicht von den echten Stücken unterscheiden kann.
Greßen, 5. August. Der am 2. und 3. d. Mts. dahier abgehaltene Viehmarkt war mit 1696 Stück Rindvieh und mit 586 Stück Schweinen befahren. Die Preise aller Viehgattungen standen niedriger als auf den letzten Märkten.
Nächster Markt Dienstag den 16. und Mittwoch den 17. d. Mts., am letzteren Tage auch Krämermarkt.
Gießen, 6. August. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 1.00—1.10, Hühnereier p. St. 5-6 H, Enteneier St. 0-0 Käse pr. St. 4-8 H, Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 17 H, Linsen 30 H, Tauben per Paar 40 bis 60 Hühner per Stück JL 0.80-0.90, Hahnen pr. Stück JL 0.50-0.80, Enten per Stück JL 1.40—1.70, Gänse per Pfund 00—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 62 bis 64 ^>, Kuh- und Rindfleisch 54—56 Schweinefleisch 54—60 H, Hammelfleisch 50 bis 62 Kalbfleisch 40—45 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 7.00—10.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner A 7.50—8.00, Kirschen per Pfund 15—20 H.
Brodpreise
vom 7. bis 21. August 1887.
1
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1
2
1
2
3
der Bäcker
Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .
d.) Weißbrod .
2 P
'4 P
2 P
. 27
. 54
„ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte
bei I. Lein, K- Haas, L. Keil, 63
Gießen, den 6. August 1887.
d.) Schwarzbrod 1. Sorte 24
^4 P b.) Schwarzbrod 1. Sorte 48
, fb.) Schwarzbrod 2. Sorte 21
’4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42
Kgr.
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(6 „ ) Schwarzbrod i
2 „ ) Zchwarzbrod 2. N?
C4 w ) Schwarzbrod 2
(6 , ) Schwa/zbrodtRS
’2 Pfd.) Weißbrod 4
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts W,» (Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.) «ufgebots.
Juli: 30. Wilhelm Junker, Werkführer, ein Wittwer, dahier, mit Hartmann, geb. Wagner, Wittwe von Taglöhner Konrad Hartinann LS August: 1. Dr. Georg Otto Friedrich Ernst Suff^rt, practischer Arzt ru mit Mathilde Minna Thekla Nanny Bertha Rouge daselbst. 2. Wilhelm Buchbinder zu Düsseldorf, mit Anna Katharine Zinn daselbst. 4. Wilhelm Schullehrer zu Gießen, mit Johanna Klara Elise Maria Anna Friederike öarfteir^ Holzheim. * 1 01 *
Eheschließungen.
August: 3. Georg Düringer von Trais-Horloff, Fußgensdarm zu Main, m- Marie Margarethe Debus dahier.
Geborene.
Juli: 24. Dem Schneider Jakob Büttner eine Tochter, Marie. 28. Du Telegraphenvorarbeiter Eduard Bruns ein Sohn, August Wilhelm. 28. Dem Ledr meister bei der Main-Weser-Bahn August Dornicke ein Sohn. 30. Dem $q1q Johannes Rühl eine Tochter. 30. Dem Schneider Anton Belte ein Sohn, Clemens. 31. Dem Dienstmann Heinrich Münker eine Tochter, Johanna Elisabch-. August: 1. Dem Zugführer bei der rechtsrheintschew Eisenbahn Heinrich Röch Tochter, Ida Caroline.
«esiorbetre.
Juli: 30. Clara Martha Heppert, 22 Stunden alt, Tochter von HDnbeÜ« bei der Oberhessischen Eisenbahn Adam Heppert dahier. 31. Marie Trcchsler, 1 Ich- alt, Tochter von Dienstknecht Peter Trcchsler dahier. August: 1. Sophie hinklr:, 5 Jahre alt, Tochter von Cigarrenmacher Jacob Hinkler II. von Steinberg. 2.tzlMm Wilhelm Stroh, 68 Jahre alt, Landwirth von Waldhausen. 3. Margarethe Cttc, 30 Jahre alt, Dienstmagd von Altenburg. 3. Andreas Müller, 39 Jahre alt, Top löhner von Ilbeshausen. 4. Katharine Ache, geb. Griebel, 51 Jahre alt, Ehefrau aa Landwirth Jacob Ache von Leun. 4. Heinrich Fritz von Harbach, 56 Jahre ig Schäferknecht zu Hochelheim. 4. Georg Schmidt, 71 Jabre alt, Taglöhner von Hausir 4. Dr. Martin Ignatz Blum, 39 Jahre alt, practischer Arzt dahier.
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Wärmegrade der Lahn und der Luft
nach Reaumur gemessen am 6. August, Mittags zwischen 11 und 12 Ufr- Wasser 17 Grad, Luft im Schatten 20 Grad.
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Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gieße».
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 3. August. Georg Düringer, Fußgensdarm zu Mainz, und Mne Margarethe Debus, Tochter des Färbers Georg Debus zu Gießen.
Eetaufte.
Den 31. Juli. Dem Schreiner Adolf Laudon eine Tochter, Minna, geböte den 4. Juli.
Denselben. Dem Gelbgießer Justus Rinn eine Tochter, Martha Maria Wabrch, geboren den 10. Juli.
Denselben. Dem Schuhmacher Friedrich Hainer eine Tochter, Emm, gebomr den 4. Juni.
Denselben. Dem Schuhmacher Ernst Koch ein Sohn, Ernst Ludwig Theoia Carl, geboren den 30. Juni.
Denselben. Dem Schreiner Heinrich Carl Dickhardt eine Tochter, Wgantx, geboren den 7. Juni. ,
. Denselben. Dem Universitäts-Quästor August Orbig eine Tochter, Wtihrimoe Hermine Erna, geboren den 26. Mai.
Denselben. Dem Bremser Johannes Weber eine Tochter, Maria, geboren w
28. Juni. L „
Denselben. Dem Schlosser Christian Marx eine Tochter, Marie, geboren -
25. Juni. ^3,
Denselben. Dem Eisenbahn-Schaffner Konrad Kaus eine Tochter, Slnna Hat»
Katharine Elisabeth, geboren den 9. Juli. _
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