Ausgabe 
6.2.1887 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Gießen, am 3. Februar 1887.

Betreffend: Wie umstehend.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Gr otzherzoglichrrr Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen Sie, unsere beutige Bekanntmachung obigen Betreffs sofort spätestens bis zum 12. I. M. in Ihren Gemeinden, sowie in den Ihnen zugetheilten besonderen Gemarkungen ortsüblich bekannt zu machen.

Ihrem Bericht über den Vollzug dieser Anordnung sehen wir unfehlbar bis zum 13. l. M. entgegen.

Dr. Boekmann.

Vermischtes.

Cassel. DieH. M.-Z." schreibt:Aufsehen machte ein vor dem hiesigen Schwurgericht kürzlich verhandelter Meineidsprozeß, bei welchem um ein paar Näh­nadeln drei Meineide geschworen sind. Angeklagt waren der Lumpensammler Friedrich Dehnhardt aus Ermschwerdt bei Witzenhausen wegen Verleitung zum Meineide und die Gebrüder Nikolaus und Heinrich Schmidt, sowie der Metzger Hermann Holzapfel, sämmtlich aus Witzenhausen, wegen Meineids. Der Sachverhalt ist folgender: Dehnhardt kaufte beim Kaufmann Vogt tn Witzenhausen am 20. Mai Band, Zwirn und ein Päckchen Nähnadeln für 52 Pfg. ein. Die Waare lag auf dem Ladentisch, als Vogt hinaustrat, um mit dem vorübergehenden Hausarzt zu sprechen. Dehnhardt steckte rasch die Nähnadeln fort und verlangte sie zum zweiten Mal. Vogt weigerte sich, da er bestimmt wußte, daß er die Nadeln dem Dehnhardt bereits gegeben; es kam zu Streitigkeiten, gegenseitigen Vorwürfen, und da die Nadeln nirgends zu finden waren, mußte Dehnhardt schließlich seinen Ranzen öffnen und siehe, da fanden sie sich. Dehnhardt behauptet nun, um sich von dem Verdacht des Betruges zu reinigen, Vogt habe ihm einen Schabernack gespielt und die Nähnadeln in den Ranzen gesteckt. Da wegen einer Schuldforderung Differenzen entstanden, kam es zum Prozeß und später zeigte Vogt auch die obige Betrugsaffaire mit den Nähnadeln an, was zur Folge hatte, daß Dehnhardt mit 8 Tagen Gefängniß vom Schöffengericht bestraft wurde. Er legte nun Berufung hiergegen ein und brachte im Verhandlungstermin vor der Strafkammer zu Cassel die heute mitangeklagten Gebrüder Schmidt und den Metzger Holzapfel als Entlastungszeugen mit, welche beschworen, daß sie dabei gewesen seien, als kurz nach dem Vorfall Vogt in die seinem Laden gegenüber befindliche Siebold'sche Wirthschaft gekommen sei, dem Dehnhardt 25 Pfg. (die dieser noch herauszubekommen batte) brachte und sagte, er (Vogt) habe allerdings dem Dehnhardt die Nähnadeln aus Scherz in den Ranzen gesteckt. Diese Aussagen waren gänzlich-falsch abgegeben und wurden alle drei Angeklagten von den Geschworenen für schuldig befunden. Bei Hermann Holzapfel wurde fahrlässiger Eid angenommen und er nur zu 9 Monaten Gefängnißstrafe verurtheilt. Dagegen wurde wegen wissentlichen Meineids Nikolaus Schmidt zu 3 Jahren Zuchthaus und Heinrich Schmidt (weil erst 18 Jahre alt) zu 3 Jahren Gefängniß verurtheilt; der intellectuelle Urheber der ganzen scheußlichen Meineidsaffaire, der Lumpensammler Dehnhardt, aber wegen Anstiftung und Verleitung mit 5 Jahren Zuchthaus bestraft. Also fast 12 Jahre Zuchthaus um ein Dutzend Nähnadeln.

Barmen, 31. Januar. Einem förmlichen Banditenstreich ist gestern Abend 11 Uhr hier ein junger Mann zum Opfer gefallen, indem ihm auf dem Heimwege ein ihm begegnender Bandwirker ohne jede Veranlassung und ohne jeden Wortwechsel, wie Zeugen bekunden, ein Dolchmesser in die Brust stieß, in Folge dessen der Ver­wundete besinnungslos zusammenbrach, in's Krankenhaus transportirt wurde und dort nach Verlauf weniger Stunden, ohne wieder zur Besinnung gekommen zu sein, verschied. Der frivole Mörder, ein 20jähriger Fabrikarbeiter, wurde sofort verhaftet. Erst heute Mittag gelang es, den Ermordeten als den 22jährigen braven Sohn hiesiger achtbarer Burger zu agnosciren. Man kann sich den Schmerz der Eltern denken!

Die Muß mancher Kinder M Mhre'l Arbeiibübcrbürdung, nicht nn Tkägyeit oder TalenUostgkeit. Suchen wir der H Jugend das schwere Studium der Tonkunst leicht u.interessantzumachen. Es heißt: .klavierarbeitrn' .violinschwitzen'. 8

Die Musik muß ein lieber Spielkamerad werden, mit de»? man sich gen« die Zeit das Hauptstreben & muMalischenIugendpost. | Preis nebst vielen Musikstücken I Mark. S

Bestellungen nehmen alle Buch- u. Musikalienhandlungen, sowie sämtliche 93 Postanstalten und deren Briefträger entgegen. Verlag von P. I. Tong«r,HSln W

Verzeichniß

der Mittel-reise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen

vom Monat Januar 1887.

Je 50 Kilogramm kosten:

rs

öS

JL^\ji.&

./M

JL3>

^4

jl^

JLS»

1450

24-

20-

23

25 50

2 14

14-

24-

90

7 32

6 33 3

0

5 50

75

7 39

8 83

©

JL

N

t2) jCS>

R

B CQ

X3,

0 77

-S

63

55

Je Vs Kilogramm kostet:

50

58

20

17

12

65

19

50

15

8

1 Liter.

CV

76

d Q

Q'Z

Q SS

«1»

*5*8* Q- 5

a V

Z

-bd

" 4

,80

3

22

Z.L

JL

1 45

a <£>

5-

I 27

JL S) 1.58

Dienstag d. 8. Februar l. I

Nachmittags 1 Uhr, soll die Jagd hiesiger Gemarkung

für weitere sechs Jahre auf hiesigem Rathhause meistbietend verpachtet wer­den.

Hausen, am 1. Februar 1887. Großh Bürgermeisterei Hausen.

Dern- 780

Bekanntmachung.

Mittwoch den 23. Februar 1.1.,

Vormittags 10 Uhr, soll die hiesige Gemeindejagd circa 700 Hectare, von denen 200 Hectare Wald, haltend unter den vor der Verpachtung bekannt ge­macht werdenden Bedingungen auf 6 Jahre im Gasthaus zum Hessischen Hof dahier verpachtet werden.

Bemerkt wird noch, daß das Jagd­gebiet circa vier Kilometer von der Oberhessischen BahnstationMücke" entfernt ist und daß zwischen letzterer und Freienseen eine 2 malige Postver- dindung täglich besteht.

Freienseen, den 30. Januar 1887. Großh. Bürgermeisterei Freienseen.

Münch. 763

Aeilgeöotenes.

Gut erh. Wiener Flügel bes- f. Vereine geeign., billig zu verkaufen- _ Wo? sagt die Exped. d- Bl.__699

789 Ein gebr. Sopha billig zu verk. Frankfurterstr. 63 in.

Ein Garten im Riegelpfad mit schönem steinernem Gartenhaus, Pumpe und sehr guten Obstbäumen ist zu verkaufen. 811

Näheres Wallthorstraße 51.

Allgemeiner Anzeiger.

Rein wollenen schwarzen Cachmire

das Beste, was zu den betr- Preisen zu liefern ist. 737

Qual. I, li, ui, iv, v, vi, vii, viii, ix.

per Meter JL 1.50, 1.90, 2.25, 2.50, 2.70, 3.00, 3.40, 3.80, 4.20.

empfehlen G-ebr. Stamm;

Wichtig für Damen!

Von meinen rühmlichst bekannten Wollschweißblättern ohne Unterlage, die nicht kühlen und nie Flecken in den Taillen der Kleider entstehen lassen, halten für Gießen und Umgegend in bester Güte auf Lager: Herr Louis Kattrcin, Ecke der Sonnen- und Schulstraße, Herr Robert Haas, Seltersweg. Preis per Paar 50 3 Paare 1 JL 40 Wiederoerkäufer Rabatt. 8912

Frankfurt a./O., im December 1886._____________Robert v. Stephani.

Möbelfabrik und -Lager

von

Carl Stüekrath

empfiehlt größte Auswahl in 849

Möbeln jeder Art

«"esp zu außergewöhnlich billigen Preisen, «mss»

PREIS­

MEDAILLE - 1879 ,

* a

Äs:

a

5$

« e w

&

Für Ausstattungen

Einen großen Posten Prima-Leinen für Leib- und Bettwäsche in nur soliden Qualitäten, ferner Chiffon, Damast, Pr'qus und Gebild in reichster und gediegenster Auswahl zu außergewöhnlich billigen Preisen.

Damenhewden, Jacken, Beinkleider in neuesten Fayons und bester Ausführung.

3W Trüb gewordene Damenwäsche unter Preis.

Schulstr. 5. Joseph Mark, wpr. 5.

Speeialität: Wäsche und Weißwaaren. 662

c=> c sr

ta

o

=53 ä: sr er cS"

*1

Dem bauenden Publikum Gießens und der Um­gegend erlaube ich mir die ergebene Mittheilung zu machen, daß ich mich an hiesigem Orte n oder- gelaffen habe und mein Bureau sich Sud-A-,Iaae Nr. 15 befindet.

Gießen, den 8 Januar 1887. 260

H. Dlesener, Architekt

Restauration Kessler

Neuenweg

566 per Pork

Warmer Sauerbraten 20 Ä

Beesfteat m. geröft. Kartoffeln 50

Schinken 15

Roulade io

Kartoffeln 10

Gebratene Leberwurft 10

1 Taffe Bouüion 5

1 Teller Suppe 5

1 Taffe Kaffee 5J

Ich verkaufe im Auftrage einer feinen Familie wegen Raummangel:

3 hochfeine S^ttstellen mit Sprung- und RoßhaAmatratzen, ein Bicycle (Speeialität Herold), fast neu, sehr gut erhalten, Sopha, Kommoden, Consolschränk- chen, Kleiderschrank, runde und ovale Tische, sowie sonstige Möbel.

Die Sachen sind theilweise noch neu, zum Thell sehr gut erhalten und ohne jeden Fehler.

Hermann Werner,

683 Bismarckstraße 68.

per Pfund

Fleisch ohne Knochen 25 $

Lenden im Schnitt 40 ,,

Rauchfleisch zum Roheffen 50

Roulade 40

Pökelfleisch 40

Cervelatwurst 80

Verschwurst 40

Leberwurft 25 ,

Geräucherte Zunge, per Stück 60

Knoblauchwürftchen 10

M Messier,

567 Pferdemetzger.

Sopfeas

in gediegenem Fantasiestoff und Damast-

Überzug, sowie

fertige Betten

empfiehlt 554

Willi« Kutsschrad,

Tapezier, Kaplansgasse 27.