M. 79 Erstes Blatt. Sonntag den 3. April 1887.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Vu«a«, Sch ulst raße 7. Erscheint täglich mit Busnaluue des M-ntags.
Amtlich er Hß eil. '
Gefunden: 2 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Handschuh.
Gießen, am 2. April 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Aeutschkand.
Darmstadt, 1. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog werden mit dem hohen Brautpaare, Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen und Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Irene, sowie Sr. Königl. Hoheit dem Erbgroßherzog morgen Vormittag 10 Uhr 20 Min. mittelst Extrazugs hier ankommen. Am Bahnhof der Main-Neckar»Bahn findet osficieller Empfang statt.
— Das aus Großh. Compagnien neu formirte Infanterie Bataillon wird Montag, Vormittags 9V2 Uhr, von hier an den Ort seiner Bestimmung abrücken.
Darmstadt, 30. März. Das Großh. Regierungsblatt (Beilage Nr. 7) -enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Aushebung des Königlich Preußischen Rernortte-Depots Oberseener-Hof, im Kreise Schotten, betreffend.
2. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Lauterbach, die Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse für die israelitische Religionsgemeinde Crainfeld, im Kreise Lauterbach, für 1887/88 betreffend.
3. Ueberstcht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1887/88 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal- Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Dieburg.
4. Ueberstcht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1887/88 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürsniffe in den Gemeinden des Kreise- Bensheim.
5. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Offenbach, den Steuerausschlag zur Bezahlung des Gehalts des Rabbinen zu Offenbach für das Jahr 1887/88 betreffend.
6. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Okarben mit einem jährl. Gehalt von 900 A Mit der Stelle ist Organtstendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Michelbach mit einem jährl. Gehalt von 900 JL Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rudingshain mit einem jährl. Gehalt von 900 JL Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Elbenrod mit einem jährl. Gehalt von 900 JL. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Waschenbach mit einem jährl. Gehalt von 900 <A Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rodau mit einem jährl. Gehalt von 900 «A Mit der Stelle ist Lesegottesdienst verbunden. Dem Großh. Kreisrath zu Bensheim und dem Ortsvorstand zu Rodau steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Freimersheim mit einem jährl. Gehalt von 900 «A Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
>< Darmstadt, 1. April. (Zweite Kammer der Landstände.j Die Verhandlungen über den Gesetz-Entwurf Anschaffung und Unterhaltung des Fassel-Vieh's wird fortgesetzt.
Vorher findet die Wahl des Abg. Vogt-Butzbach an Stelle des verstorbenen Abg. List in den III. (Petittons) Ausschuß statt. Ein Antrag auf Vertagung der Kammer bis Mai d. I. wird abgelehnt und beschlossen, daß die Verhandlungen am Donnerstag nach Ostern wieder beginnen.
Von obigem Gesetz steht Art. 4 zur Berathung. Derselbe lautet: Die sachverständige Begutachtung der Fasse! hat in jedem Kreis durch die vom Kreisausschuß auf drei Jahre zu ernennende Kör-Commission zu erfolgen, die aus drei Mitgliedern und ebensoviel Stellvertretern für den Fall der Behinderung ordentlicher Mitglieder zu bestehen hat. Ebenso hat der Kreis-Veterinärarzt der Commission als Mitglied beizutreten.
Gegen diesen Art. sprechen: v. Rabenau, Kredel, Wo!z, welche die Anwesenheit des Kreis-Veterinär-Arztes als Mitglied der Commission bekämpfen.
Für den Art. 4 sprechen: Schade, Sturmfels, Ellenberger.
Nachdem ein Antrag des Abg. Haas auf Uebernahme der Kosten für die Kreis- thierärzie auf den Staat abgelehnt wird, findet der Art. 4. gegen 8 Stimmen die Annahme der Kammer.
Es folgt die Berathung über Art. 5. Derselbe Im t:
Art. 5: Die Kör-Commission hat alljährlich die Uuii der Gemeinde gehaltenen Fasse! zu ^besichtigen. Sie kann zur geeigneten Zeit öffentliche Fasseischau abhalten, um über die Tauglichkeit von nicht zur Zucht in den Gemeinden verwendeten Fasseln zu entscheiden.
Die regelmäßige Besichtigung kann auch, aber nicht häufig als ein um das andere Jahr, durch nur ein Mitglied erfolgen.
Derselbe findet nach fast einstündiger Debatte die Genehmigung der Kannner.
Art. 6. Die Kosten, die durch alljährliche Besichtigung der Fasset und durch öffentliche Fasselschauen entstehen, hat die Kreiskasse zu tragen. Die Kosten für Besichtigung einzelner Fasse! hat. wenn dieselbe nicht gelegentlich der Anwesenheit der Kör-Commission an dem Ort oer Besichtigung erfolgt, derjenige zu tragen, der die Besichtigung beantragt hat. Die den Mitgliedern der Kör-Commission zu leistende Vergütung setzt der Kreisausschuß fest, findet ebenfalls die Annahme des Hauses^
Art. 7 des Gesetzes wird gestrichen und dem Art. 3 beigefügt.
Art. 8 lautet: Gemeindebeamte und Bedienstete, sowie andere Halter von Fassel- vieh weiden mit einer Geldstrafe bis zu 100 Jt bestraft, wenn sie den Vorschriften des Art. 3 zuwider Fassel zum Sprung zulassen, ohne daß die kreisamtliche Erlaubniß hierzu ertheilt worden ist, wird ebenfalls angenommen.
Nach Abstimmung über das ganze Gesetz findet dasselbe nach fast dreitägiger Verhandlung mit 26 gegen 12 Stimmen Annahme der Kammer.
Es steht heute ferner zur Berathung:
I. Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Gesetzentwurf die Anlegung vormundschaftlicher und pflegeschaftlicher Gelder, sowie die Aufbewahrung der Werthpapiere und die Verhängung von Ordnungsstrafen bei Vormundschaften und Pflegeschaften betr.
Der Ausschuß empfiehlt mit Ausnahme einiger Abänderungsvorschläge die Annahme des Gesetzes.
Gegen den im Art. I. als Strafe festgesetzten Verzögerungszinsfuß von 6 pCt. bei Anlegung von Vormundschaftsgeldern, sprechen die Abgeordneten Wasserburg, Schröder, Osann.
Der Art. findet sodann nach dem Antrag Schröder mit 17 gegen 13 Stimmen Annahme.
Die Sitzung wird um 1 Uhr abgebrochen. Heute Mittag 4 Uhr Sitzung.
Berlin, 1. April. Der Kaiser empfing Vormittags die Generale Sanitz und Westerweller, nahm einen Vortrag Wilmowski's entgegen und ertheilte daraus dem Statthalter Fürsten Hohenlohe Audienz.
— Der Großherzog und die Prinzessin Irene von Hessen kehren heute Abend vom Prinzen Heinrich begleitet nach Darmstadt zurück.
Dänemark.
.»Kopenhagen, 1. April. Mtzau's Bureau" meldet: Nach authentischen Informationen fand kein Attentat aus den Czaren statt, noch überhaupt etwas, was das Gerücht hätte veranlassen können. Das Königshaus erhielt im Gegentheil nur gute Nachrichten aus Gatschina.
Italien.
Rorrr, 1. April. Ein Telegramm der „Agenzia Stefani" aus Maffauah vom 31. März meldet: „Unsere Baschi-Bozuks hatten am 27. März einen Kampf mit einer Bande Debebs, welche einen Mann verloren haben soll. Am 28. März wurde eine Compagnie unserer Tirailleure bei einer Excursion von Arkiko gegen Ghedam von einer Bande Debebs mit Gewehrschüssen empfangen. Letztere zog sich nach kurzem Kampfe aus eine Anhöhe bei Ghedam zurück. Ihr Verlust soll 4 Todte und 20 Verwundete betragen. Die Italiener hatten einen Todten und 3 Leichtverwundete.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Brrreau*
Berlin, 1. April. Dem Reichskanzler wurden anläßlich seines heutigen Geburtstages im Laufe des Vormittags und Mittags von den Musikkapellen des 2. Garderegiments Kaiser Alexander, des Kaiser Franz Grenadier-Regiments und des Potsdamer Garde-Husaren-Regiments Ständchen dargebracht. Die Prinzen Wilbelm, Heinrich, Alexander und Georg brachten persönlich ihre Glückwünsche dar. Nachmittags 4 Uhr begab sich der Reichskanzler zum Kaiser, welcher ihm seine Glückwünsche auszusprechen wünschte. Von hier wie aus dem Reiche und dem Auslande gingen von Früh ab unausgesetzt Glückwunschschreiben, Telegramme und Geburtstagsspenden em. Die Minister und Staatssecretäre gratulirten persönlich. Mehrere Hundert gaben
Karten ab.
— Die „Post" bringt anläßlich der Aeußerung französischer Blätter über die von dem Beamten des französischen Kriegsministeriums, Egcoller, angeblich dem deutschen Militärbeoollmächtigten geniachten Mittheilungen einen längeren Artikel, worin sie ihr Erstaunen darüber ausdrückt, daß die Presse eines Landes, von welchem seit Jahren ein unerhörter Svionendienst auf deutschem Boden organisirt worden, bei einem Vorgänge, den französische Blätter selber als jeder Bedeutung ermangelnd bezeichneten, mit beleidigenden Anschuldigungen und maßlosen Entstellungen nicht zurückhält. Sie verweist auf die Landesverraths - Processe Kraszewski, Jenfsens, Sarauw, Prohl und auf das von dem Pariser Bureau in Deutschland organisirte Spionenuetz, auf die Betheiligung des französischen Obersten Samuel Vincent an der Sarauw unO Consorten gestellten Aufgabe. Auf die von der französischen Presse verlangte Abberufung des deutschen Militärbevollmächtigten könnte nur mit gleichzeitiger Abberufung des deutschen Botschafters g-antwortet werden. Die „Post" zählt eine lange Reihe anderer Falle auf, wo Franzosen, selbst höhere Osfictere, auf Sptonendienst in Deutschland in flagranti ertappt, indessen aus Rücksichten der Versöhnlichkeit geschont wurden. Sie schließt: Das Spionenwesen, welches in französischer Phantasie auf französischem Boden von Deutschland in's Werk gesetzt wird, wird auf deutschem Boden durch
Franzosen verwirklicht.
Berlin, 1. April. Im Laufe des Tages gingen dem Reichskanzler noch überaus zahlreiche persönliche, briefliche und telegraphische Glückwünsche zu. Die Zahl der Telegramme allein überstieg bis Mittag 500, darunter befanden sich solche vom König von Rumänien und vom König von Württemberg. . f.
Wien, 1. April. Mittheilungen aus Travnik (Bosnien) zufolge fand getlern Nacht ein fünfzehn Sekunden dauerndes fchwaches Erdbeben ohne ledes 1
W**W L-nd-n, 1. April. Im Unicrhauic th-itt- der L-It-r d-sft-bm, Mr. Smtt^ mit, er werde in der heutigen Sitzung die Abstimmung über LVqLj.-.t.yM tz-z irischen Strasrechtsnovelle beantragen. Harcourt protestirte g-g-n Me JnSWing H Debatte-Schlusses und Morley legte Derwahrung dagegen em, daß die zweite U un&


