— Die französische Mobilmachung hat auch die Zerstörung eines jungen Eheglückes auf dem Gewissen und das kam so: Der Vicomte Henri de . . der Name rhut nichts zur Sache, wies seiner theuren Ehehälfte seine Einderufungskarte vor. Der Vicomte gehört nämlich, wie er seiner bestürzten jungen Gattin mittheilte, der Terrt- torialmilü als Soldat an und mußte zum 17. Corps stoßen. Der Abschied war rührend, die kleine junge Frau weinte bittere Thränen und beschwor ihren Henry, sich ja recht zu schonen und sich nicht unnöthigen Strapazen auszusetzen. „Und schreibe mir recht oft", war die letzte Bitte der jungen Frau an ihren Gatten. „Gewiß, jeden Tag", und thatsächlich kamen tagein, tagaus hastig mit Bleistift gekritzelte Postkarten und Briefe, in denen der junge Landsturmmann in aller Eil» tausend glühende Küsse sendete. Die Briefe kamen bald aus Toulouse, bald aus Montaubau, bald aus Castel- naudary und mit begreiflichem Interesse folgte die Vicomtesse auch in den Zeitungen allen Marschbewegungen ihres Mannes. Ach, und was sie da las, schnürte ihr das Herz zusammen. Welche Strapazen ! Und wie mußte der Aermste unter den Unbilden des Wetters leiden. Dieser Wolkenbruch, dieser unaufhörliche Regen! Es war entsetzlich! Dem mußte abgeholfen werden. Wie leicht zieht man sich eine Lungenentzündung zu. Nichts Besseres, um das zu verhüten, als ein Wollhemd. Das packte die sorgsame Gattin denn auch ein und da sie einmal beim Packen war, packte sie auch gleich das Nothwendtgste für sich selber in ein Dutzend Koffer, Schachteln und Körbe und fort ging es nach Toulouse, um ihren wackeren Gatten und Krieger mit Wollhemd und Küssen zu überraschen. Wie wurde aber der jungen Frau, als sie in Toulouse an competentester militärischer Stelle vernahm, daß ein Vicomte Henri de . . . niemals die Ehre gehabt, dem 17. Corps zugethetlt zu sein. Geknickt reiste sie nach Paris zurück, wo sie abermals eine Menge „in aller Eile im Bivouak auf den Knien geschriebener Briefe" des Treulosen oorfand. Empört spürte sie ihrem Gatten nach und bald hatte sie ihn -- was bleibt einer Frau auf die Dauer verborgen? — gefunden. Gain in der Nähe von Paris lebte er auf einer reizenden Villa in Gesellschaft einer blonden Operettendiva sehr mobil und von den Strapazen war er durchaus nicht sonderlich mitgenommen. Ein Abschluß dieser „Mobilmachung" ist noch nicht erfolgt
Literarische-.
— Eine eigenthümliche Erscheinung unserer Zeit ist es, daß, während die Nahrungsmittel und alle sonst den materiellen Bedürfnissen dienenden Dinge immer t-eurer werden, die geistige Nahrung unseres Volkes, unsere Literatur, in ganz auffälliger Weise von Jahr zu Jahr wohlfeiler wird. Viele Leute behaupten, bas sei ein schlimmes Zeichen und ein Beweis für den Umstand, daß in Folge des schlechten Absatzes der Bücher diese dem Publikum zu Spottpreisen aufgedrängt würden. Das mag für manch ein schlechtes Machwerk wohl zutreffend sein, aber im Uebrigen können wir uns nur darüber freuen, daß viele Verleger in neuester Zeit dem Volke die geistigen Schätze unserer Nation zu einem möglichst wohlfeilen Preis zugänglich machen Die Verleger sind freilich nur dann in der Lage, so billige Bücher herzustellen wenn sie vom Publikum durch fleißiges Kaufen derselben unterstützt werden in ihrem lobens- werthen Bestreben. — Ein recht erfreuliches Beispiel für das Zusammenwirken von Verleger und Leser gibt die rühmlichst bekannte Zeischrift „Schorer's ftamilien-
» r?« 5 Salon-Ausgabe. Es ist geradezu staunenswerth, was diese vorzüglich geleitete Zeitschrift für einen billigen Preis alles darbietet. Auf 140 Seiten in Lerikon- format bringt sie allmonatlich eine derartige Fülle von Unterhaltung und Belehrung tn reichhaltiger Abwechselung, einen solchen Schatz von prachtvollen Holzschnitten, alles für 75 daß man sich über den erstaunten Ausruf: „Wie ist das möglich!" durch- wundert. Das Familienblatt hat freilich in den letzten Jahren solche Fort- fchritte in der Sympathie der Leierwelt gemacht, daß der Verleger in Folge der kolossalen Auflage in den Stand gesetzt werden konnte, für wenig Geld so Vorzügliches zu Dielen. Es ist unverkennbar: Die Salon-Ausgabe von „Schorer's Familienblatt"
t heute obne Zweifel die beste und billigste illustrirte Monatsschrift der Welt.
Telegraphischer SchiffSbericht
der „Red Star Line" Antwerpen.
„ Philadelphia, 27. Septbr. Der Postdampfer „Nederland" der
Sine , welcher am 14. Sept, von Antwerpen abging, ist heute wohlbehalten hitV™ gekommen. v vuucn 9‘cr am
„ Newyork, 28. September. Der Postdampfer „Belgenland" der Red Star angekommen^ 1?‘ September von Antwerpen abging, ist heute wohlbehalten hier
Schiffs - Bewegung
der Post-Dampfschiffe der>Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellsch „Rhaetia", von Hamburg nach New-York, am 21 Sevtembor *
weitergegangen. „Taorminas am 21. September von Hamburg ^nack N-m m gegangen. „Bavaria", von Hamburg nach Vera Cruz an? 21 ab*
St. Thomas angekommen. „Bohemia", von New-York nach Hamburg am 99P^CT J® in Lissabon angekommen. „Gellert", von New-York, am 22 SeMemblr angekommem „Hammonia", am 22. September von New-York nach gangen. „Suevia", von New-York, am 23. September in öambur^ Qb0c „Slavonia", am 24. September von New-York nach (Stettin'abocannaen 8 am 24. September von New-York nach Hamburg abgegangen8 9 Rbenan'i?"0 ° ' 24 eeptem&er von Hamburg nach Colon abgegangen. „Thuringia"" von nach St. Thomas, am 25. September von Havre wei ergeganaen ' Mfi£«mBur0 New-York nach Hamburg, am 25. September Dover passirt Don
25. September von Hamburg nach New-York abgegangen. „Rugia" " von XrA ant am 20. September in New-York angekommen. „Marsala", von Hamburg am 22 tember m New-York angekommen. „Wieland", von Hamburg, am 23.8Se?temb^ New-York angekommen. ^rpiemoer in-
Landwirthfchaftliche Nachrichten.
—„ Das Koppen der Pferde, bekanntlich ein Fehler, der, zumal er al? mangel gilt, den Werth des Thieres sehr h-rabdrückt, ist durchaus nicht entsteht immer erst bei älteren Pferden. Er besteht bekanntlich darin dah da^ 'bi» indem cs die Vorder,ähne aufsetzt, Luft verschluck!. Manche benutzen zum Auiiedm die Krippe und dergleichen, andere ihr eigenes Knie und noch andere Koppen ohne Aufsetzen durch eine schnappende Bewegung des Kopses und Hals Abgesehen von der Unart an sich leiden kappende Pferde leicht an Blähungen die m!r- dauung wird durch das Fullen des Magens mit Lust gestört und es tritt’»« *
Krasiversall em. Der Grund für die verderbliche Anaewabnb ir Z meist die Langeweile. Wenn Pferde wenig beschäftigt werden, lange im Stalle bm müssen, kommen sie ,um Zeitvertreib aus das Koppen, das leicht so zur Leidenschasi wird, daß es ihnen nicht wieder abzugewöhnen ist. Das.einzige Mittet hierzu ergibt sich aus der Entstehung der Gewohnheit, man muß, um die Angewöhnung zu ntrbü m obc.r um die Abgewöhnung zu versuchen, die Thtere viel beschäftigen. Pferde di- ost! k-in- Z-U und Lust zum Koppen. Medikamente h-ism nichts, es kann daher von beten Anwenbung nur abgeralhen werben.
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