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Bfilniir jii -lir. .>1 »esflicßener Anzeiger

Politische Uebersicht.

GirKeu, 1. Mürz.

Der Kaiser hat sich von seiner letzten Unpäßlichkeit nunmehr wieder vollständig erholt und unternimmt der hohe Herr bereits seit einigen Tagen wie­der die regelmäßigen Spazierfahrten.

Die neue kirchenpolitische Vorlage in Preußen hat seitens der leitenden Centrumspreffe eine ziemlich unfreundliche Beurtheilung gesunden, Da man auf dieser Seite die in der Vorlage der Kirche gemachten abermaligen Zugeständnisse als ganz selbstverständlich betrachtet und noch ganz andere Dinge verlangt. In Rom selber ist man aber von dem Entwurs durchaus befriedigt, wie aus einer bezüglichen Korrespondenz des officiösenMoniteur de Rome" hervorgeht, weshalb sich dieGermania" in sehr gereizter Sprache gegen das vatikanische Preßorgan «endet es ist wieder einmal die alte Geschichte, daß das tonangebende Centrums.Organ päpstlicher sein will, als der Papst selbst! Uebrigens ist der kirchenpolitischen Vorlage die königliche Verordnung, welche die neue Vereidigung der preußischen Bischöfe betrifft, auf dem Fuße nachgefolgt und von officiöser Seite wird ausdrücklich bemerkt, daß diese Verordnung eine Ergänzung des kirchenpolitischen Entwurfes vom 13. Februar 1887 bilde und zusammen mit demselben bestimmt sei, bisher noch offene Fragen im versöhn­lichen Sinne zu lösen.

Die in voriger Woche wieder ausgenommemn Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses standen ersichtlich noch unter oem Eindrücke der Reichstags-Wahlergebnisse, denn die Sitzungen erwiesen sich als noch recht schwach besucht, während die verschiedenen Gegenstände der Tages­ordnung meist glatt und rasch erledigt wurden. Zu einer etwas bewegteren Verhandlung führte am Freitag die erste Lcsung des Entwurfes über die Thei- lung von Kreisen in Posen und Westpreußen, wobei sich eine lange Discussion über die politische Stellung und Wirksamkeit der Landräthe entspann; die merk­würdigeLandraths-Debatte" endete schließlich mit Ueberweisung des Entwurfes an eine besondere Commission. Die Erörterungen über die Thätigkeit der Land­räthe spielten unter stellenweise großer Heiterkeit des Hauses auch in die folgende erste Berathung des Entwurfes einer Kreis- und Provinzial-Ordnung für Rheinland hinein; letzterer Entwurs wurde schließlich ebenfalls einer besonderen Commission überwiesen.

Die Eröffnung des neugewählten Reichstages am nächsten Donnerstag wird dem Vernehmen nach durch den Reichskanzler Fürsten Bis­marck erfolgen.

Auf dem Gebiete der hohen Politik ist die immer bestimmter auftrelende Meldung zu verzeichnen, daß die Verlängerung des Bündnisses Italiens mit Deutschland-Oesterreich behufs Gewährleistung des gegenseitigen Besitzstandes als gesichert zu betrachten sei. DieKöln. Ztg." will sogar wissen, es seien Italien bei Erneuerung dieses Bündnisses gewisse weitere Vortheile zu- gestanden worden. Die Richtigkeit dieser Meldungen vorausgesetzt, hätte also die italienische Ministerkrisis die Erneuerung der deutsch-österreichisch-italienischen Friedens-Alltanz durchaus nicht verzögert, worüber man jedenfalls nur Genug- thuung empfinden kann. Schade nur, daß über diegewissen weiteren Vor­theile", welche Italien hierbei derKöln. Ztg." zufolge herausgeschlagen haben soll, so ganz und gar nichts zu erfahren ist!

Die sranzösische Regierung hat den anläßlich der elsässischen Wahlen aufschäumenden Gefühlen der Chauvinistenblätter durch die Verhaftung Peyramont'«, des Chef-Redacteurs der PariserRevanche", einen kleinen Dämpfer aufgesetzt. Wollte indessen Herr Goblet sämmtliche Redacteure der sranzöfischen Blätter, die sich durch den Ausfall der elsässischen Wahlen zu Revanche-Demonstrationen und Revanche-Arttkeln begeistert fühlen, einsperreu, so müßte gleich ein besonderes französischesPlötzensee" eingerichlet werden und so wird die Regierung schließlich auch Herrn Peyramont wieder laufen lassen. Dies um so mehr, als sich immer mehr juristische Zweifel geltend machen, ob man Herrn Peyramont vor Gericht stellen kann und wahrscheinlich dürste man ihn mit einer kleinen Ermahnung, andere Male ein bischen vorsichtiger mit seinen patriotischen Gefühls-Aeußerungen zu sein, wieder entlassen. Auf alle Fälle gehört aber nun Peyramont in den Augen der Patrioten-Liga zu den 1 politischen Märtyrern.

Aus Tongking meldet eine osficielle Depesche, daß die Provinz Phnyen nunmehr beruhigt sei und die dort in Thätigkeit gewesene französische Colonne | ihren Marsch gegen die Provinz Brindnih sortsetzen werde.

r.m, t dem deutschen Nachbar wieder einmal einen seit-

famen Freundichaitlbewers gegeben. Der russische R-ichrrath erhielt einen Ukas «im" et o^filiae« ©Infuferaetbot für ausländischer Roheisen, r-sp. «ine all.' tnäüge Erhöhung der Eisenzölle verfügt. Die deutsche Industrie ist der Haupt- lieserant für den russtschen Eisenmarkt und mithin bedeutet jene Verfügung, die

* au!* ®efe6e«ftaft erlangen wird, einen neuen directen Schlag gegen die deutsche Ersenindustrie. Und dar trotz der angeblich so warmen politischen Freundschaft zwischen Berlin und Petersburg! *

Di« herrlichen Gestade am mittelländischen Meere, die er, bfm. Namen der Riviera wegen ihrer milden Klima« und ihrer Natur- schönheit einen Weltruf haben, sind von einer schweren Katastrophe heimgesucht worden. Die Erderschütterungev, welche in voriger Woche ganz Oberitalien bir w-tt'n dar südliche Frankreich hinein durchzuckten, haben gerade indenpara diestschcn Grfilden von Nizza, Mentone, San Remo, Castellamare, Porto Mau- Ä- ' ®, l$re "efsten Spuren hinlerlassen und außer großem materielle« ,^? ust zahlreicher Menschenleben zur Folge gehabt. Am stärksten ist d e itaUenlsche Seite der Riviera betroffen worden, wo wiederum ®aioln^e,n£? üon 300 Tobten und verwundeten, Diano Marina, roo Tobte und Verwundete, Buffana, wo 86 Tobte und Verwundete, Diallo wo 30 Tobte und mehrere Verwundete und Castellamare, wo 30 Tobte und viele verwundete gezählt wurden, als am härtesten heimgesucht erscheinen. In Frank- reich wurden die Erschütterungen bi« nach Lyon verspürt und selbst au» Grie­chenland werden solche gemeldet.

Darmstadt, 26. Februar. Seilens des Großherzoglichm Ministeriums der Finanzen ist die nachstehende Propvsikion, betreffend die Erbauung einer Neben­bahn von Stockheim nach Gedern, der zweiten Kammer der 8^ zu- , . Den bei dem Bau der Nebenbahn von Stockheim über Ortenberg und Hirnen- 14 hi 1.*"» ntmC<nb? ""bLnt"efsenten ist nach dem Gesetz vom

k rr* ci Herstellung mehrerer Nebenbahnen, außer der unentgeltlichen

30 000 Mferie® CÜUn0 ®cIänilt§ aud> cin baarer Zuschuß zu den Baukosten von , , Das gefammte für den Bahnbau erforderliche Gelände ist mm unter ent- e n®orben s°°rden und betragen die Geländeerwerbskosten ein- fchließlich aller Nebenkosten ungefähr 69,100 x. Dieser Betrag ist durch bindende Klärungen der betheiligten Gemeinden und Interessenten auch sichergestellt, während leistenden baaren Zuschuß zu den Baukosten von den Gemeinden -c. nur wie A 3? 24,62°* übernommen werden konnten, so daß also

5396 X 87 H, rund 5400 X, noch ungedeckt sind.

6at von den Gemeinden und sonstigen Interessenten, nachdem die- IvfASnft f6r.*?Un0,; ber ^umme »°n 93,703 X 13 ihre finanziellen Kräfte erschöpft haben, nicht mehr zusammengebracht werden können, da die Gemeinden des Vogelsbergs, welche an dem Bahnbau betheiligt sind, zu den mindervermögenden des Landes gehören. Auf der anderen Seite kann aber wegen des fehlenden, verhältniß- mäßig geringen Betrages der Bau der Bahn nicht wohl in Frage gestellt werden, b die sonstigen Jnteresienten zu solch bedeutenden

nJ! cn Ir erklärt haben und die Aussetzung des Bahnbaues schwere wirthschast- liche Nachthetle zur Folge haben würde. Es erscheint hiernach billig, den fehlenden Betrag auf me Staatskasse zu übernehmen, wobei selbstverständlich angenommen wird, daß die nach Art 5 des Gesetzes vom 29. Mat 1884, die Nebenbahnen betreffend demnächst emtretende Verzinsung und Amortisation des baaren Zuschusses sich nur auf den von den Gemeinden und sonstigen Interessenten wirklich geleisteten Betrag zu erstrecken haben wird.

u r. , Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs beehrt sich daher das unterzeichnete Ministerium, an die Stände des Großherzogthums und zwar zunächst an die zweite Kammer das Ansinnen zu richten:

Die Zustimmung dazu zu ertheilen, daß den betheiligten Gemeinden zur vollständigen Aufbringung des gesetzlich geforderten baaren Zuschusses zu den Baukosten der Nebenbahn Stockheim-Gedern eine staatliche Bei- hilfe von 5400 JL aus den Ueberschüssen der laufenden Finanzperiode gewährt werde.

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