Ar. SST Dienstag den 1. November 1887»
Meß euer Anzeiger
Amts- und Anzcigcblatt für den Kreis Gießen. *
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Deutschland.
Berlin. 29. October. (Osficiell.) Die Erkältung« ■ Erscheinungen bei Sr Maj. dem Kaiser bestehen unverändert fort und haben die letzte Nacht wie« d-rbolte Störungen der Nachtruhe verursacht; der Verlauf der Unwohlseinr bietet nicht« Ungewöhnlicher und giebt zu keinerlei Besorgniß Veranlassung. Se. Maj!stät war in den Mittagsstunden ausgestanden und arbeitete ohne ^t'^ Baden-Baden. 29. October. Ihre Maj. die Kaiserin verläßt Baden- Badm am 31. October und begiebt stch von hier um 11 Uhr Vormittags mittelst Exlrazuge« nach Koblenz.
Hesterreich.
Wie», 29. October. In der Antwort der Kaiser» auf die Ansprachen der Delegationr-Präsidenten wird constatirt, daß die aurwärtigen Beziehungen unverändert günstige und erfreuliche sind. Die bulgarische Frage werde hoffen - lich ihren localen Charakter bewahren und schließlich d-n Wünschen der Bul- „aren, sowie den europäischen Verträgen und Interessen entsprechend gelöst mrden Trotz der in Europa sortdauernden Unsicherhettrgesühles sei die Annahme berechtigt, daß die eifrigen Bemühungen und dar enge Zusammenschlüßen her für die Wahrung des Frievens eintretenden Mächte eine Störung der Friedens auch ferner hintanhalten werden.
Dänemark.
Kopenhagen, 29. October. Die Tochter der Prinzen von Waler, Prinzessin Luiie, ist an den Masern erkrankt. Die Genesung der übrigen fürstlichen Patienten schreitet günstig fort.
Frankreich.
Pari», 29. Octbr. In einer Mittheilung der Ministerium, der Aeußern wird die in mehreren Blättern ausgestellte Behauptung, daß bei Gele«°nheit der Schuäbele-Affaire dem Ministerrath ein Gesetzentwurf, betr. eine Mobilmachung, ■ unteibieltet worden sei, al» unbegründet bezeichnet.
— Die Commission für die Untersuchung der Ordens-Angelegenheit wird ,am nächsten Donnerriag Erklärungen de» Minister-Präsidenten Rouvier ent- ! gegennehmen.
Italien.
Mailand, 29. October. Ihre K. und K. Hoheit die Frau Kronprin- iefjtn ist mit dem Prinzen Heinrich und der Prtnzefstn Victoria auf der Rückreise von Monza hier eingetroffen und nach kurzem Aufenthalte nach Baveno weitergereist. ______________________
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Coerespondenr'Brrrearr*
Berlin, 30. October. Se. Majestät der Kaiser hat in der vergangenen Nacht mit geringer Unterbrechung gut geschlafen. Gestern Abend hatte der Kaiser den Prinzen Wilhelm empfangen und sich um 9 Uhr zur Ruhe begeben.
Potsdam, 30. October. Heute Nachmittag um 2 Uhr fand in Gegenwart Ihrer Königl. Hoheiten des Prinzen und der Prinzessin Wilhelm, des Oberprasidenten Achenbach, des Landesdirectors v. Leoetzow, des Eonsistortalpräsidenten Hegel, des Oberbürgermeisters Rote und vieler Prooinzialsynodalmitglieder die feierliche Einweihung des Betsaales in der neubegründeten Heil- und Pflegeanstalt für Epileptische statt. Gleichzeitig wurde auch der neugewählte Anstallsoorsteher Pastor Burk erngefuhrt. Der Generalsupertntendent Kögel hielt die Weihrede und vollzog die Einführung. Rach einer Ansprache des Landesdirectors v. Leoetzow und einem Schlußwort des eingefuhrten Vorstehers Pastor Burk wurde die Feier durch ein von dem Superintendenten Petzholtz gesprochenes Gebet und Segen geschlossen. Ihre Königl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Wilhelm machten hierauf unter Führung des Landesdirektors v. Leoetzow einen Rundqang durch die Anstalt. rrri, , .
PariS, 30. October. Der „Temps" sagt, das Ministerium werde sich einer Untersuchung der Ordensangelegenheil nicht widersetzen, denn es sei seit gestern eine Aenderung der Sachlage eingetreten, insofern als Wilson selber auf der Untersuchung bestehe, um einer parlamentarischen Commission vollständige und genaue Aufschlüsse zu geben. „$rance« sagt, Präsident Greoy habe niemals von Demission gesprochen. Die Opportunisten hatten dies Gerücht verbreitet, um den Rücktritt Grevy's herbeizuführen.
Paris, 30. October. Die „Agence Havas" bestätigt, daß der Präsident Greoy keine Einwendungen gegen die Einleitung der Untersuchung in der Ordensangelegenheit erhebe und werde daher das Ministerium den Antrag nicht bekämpfen, sondern bei der Bcrathung der Kammer über denselben lediglich Vorbehalte machen in Betreff des Ganges der Untersuchung, sowie ihrer Ausdehnung, der ihr zu gebenden Tragweite, und endlich in Betreff einer Verwirrung in Den Eompetenzen, welche vermieden werden müßte. ... „p,c , _
- Das gestern Abend in Umlauf gesetzte Gerücht, daß der Präsident Grevy einen Ohnmachtsanfall gehabt habe, wird formell dementirt.
— Eine Versammlung der Bureaus der Gruppen der Linken und vielleicht auch eine Versammlung aller republikanischen Deputirten werden sich voraussichtlich am nächsten Donnerstag mit der Prüfung der Frage, betreffend die Untersuchung der Ordensangelegenheit beschäftigen.
Madrid, 30. October. Nachdem durch Dekret vom 27. ds. Mts. angesrdnet war, daß die Einfuhr ausländischen Alkohols nur bei Zollämtern erster Classe stattfinden darf, wird durch einen in der heutigen amtlichen „Gaceta" enthaltenen königlichen Erlaß verfügt, daß, sobald das Dekret vom 27. d. M. zur Ausführung gebracht
sein wird, der Erlaß vom 30. September ds. Js., betreffend die für deutschen Alkohol erforderlichen Bonisikationsatteste aufgehoben wird.
Rom, 30. October. In den Abruzzen sind die Flüsse^aus ihren Ufern getreten und haben auf einem ausgedehnten Gebtele sehr beveutenden Schaden angerichtet. Dem Vernehmen nach sind auch Menschen dabei um's Leben gekommen.
Lokale«.
Gießen, 31. October. Seit mehreren Wochen schon wurden den Bewohnern der Südanlage, Bleichstratze, Gartenstraße, Ludwigsplatz und Ludwigsstraße, sowie den Bäckermädchen die Brödchcn des Morgens früh aus den Hofraithen und Körben entwendet. Der Dieb ist in der Perlon eines jugendlichen Taugenichts von 15 Jahren, der schon eine Reihe von Diebstählen auf dem Gewissen hat, erwischt und zur Anzeige gebracht worden.
— Am vergangenen Freitag Nachmittag ließ ein Gefreiter des hiesigen Regiments seinen Koffer von einem an der Bahn berumlungernden fremden Menschen in eine Wirthschaft der Bahnhofstraße tragen. Nachdem der Fremde seinen Lohn empfangen und gehört, daß der Gefreite seinen Koffer später abhvlen lassen werde, entfernte er sich, um gegen Abend bei der Wtrthin mit dem Bemerken zu erscheinen, er sei von dem betreffenden Gefreiten geschickt, um dessen Koffer zu holen. Dieser wurde ihm auch ohne Argwohn verabfolgt. Am anderen Morgen fand man den Koffer erbrochen in der Liebigstraße hinter der dort befindlichen Wasserbude vor. Der Dieb ist am Samstag Nachmittag durch die Schutzmannschaft in hiesiger Stadt in der Person eines 15jährigen Jungen Namens Hofmann aus Wetzlar verhaftet worden.
— In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurden von roher Hand diverse Dachkandeln an Häusern des Ludwigsplatzes demolirt. Die ermittelten Herren werden wohl für den Schaden aufkommen müssen.
— Eine arge Holzerei am Samstag Morgen gegen V>4 Uhr wird wohl beide Parteien vor das Gericht bringen.
A Mainz, 30. October. Von 2 Uhr heute Morgen an tobte den ganzen Tag über in hiesiger Gegend ein äußerst heftiger Südweststurm, der bis zum Tagesanbruch mit schweren Niederschlägen begleitet war. In exponirten Gegenden hat der Sturm an Gebäuden und Pflanzungen vielfach Schaden angerichtet, wie auch die leichteren Fahrzeuge auf dem Rhein tn ihren Fahrten sehr behindert waren und die größte Vorsicht walten lassen mußten.
— Seitens des Mtlitärfiscus ist soeben der Verkauf der äußerst geräumigen Caoalleriecaserne „zum Löwenhof", die durch die neuen Casernements in der Neustadt überflüssig geworden, an einen Bauunternehmer bethätigt worden. Die Kaserne wird niedergelegt und das ausgedehnte, an einer der schönsten Straßen von Mainz, der „großen Bleiche", gelegene Terrain zu Bauplätzen parcellirt werden. Durch diesen V-rkauf erwächst sowohl der städtischen Verwaltung wie auch der Hessischen Ludwigs- bahn bet ihren Terrainverkäufen eine sehr unangenehme Concurrenz, indem die bevorzugte Lage der Löwenhofskaserne jetzt sicher die Bauliebhaber und Häuserspeculanten auf sich lenken wird.
— Die Entschädigung für die Erweiterung des Exercierplatzes auf dem „großen Sand" ist jetzt von Berlin eingetroffen und haben die betreffenden Grundeigenthümer von Mombach verflossene Woche einstweilen 180000 at ausbezahlt bekommen. Die Taxationssumme ist etwa 43 000 JL mehr, welchen Betrag der Mtlitärfiscus streichen wollte, aber schließlich auf Zureden der Verwaltungsbehörde doch anerkannte.
— Am Samstag erschoß sich auf einem Außenfort ein Soldat des 2. Nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 88. Die Kugel ging dem Unglücklichen direct durch das Herz. hundertjährige Jubelfeier des „Don Juan" wurde heute Abend in unserem Stadttheater durch eine Festfeier begangen. Bei festlich beleuchtetem, vollständig ausverkauftem Hause fand mit neuen Decorationen und Costümen „Don Juan" statt und zwar mit der Sem-Recitation mit Clavierbegleitung. Der trefflichen Vorstellung ging ein Festprolog von E. Schulter voraus.
— Einen Selbstmord mittels Dynamit beging ein Bergmann aus einer bei Myslowitz belesenen Grube. Aergerlich über die geringe Löhnung, welche freilich nur die Folge säumiger Arbeit war, band er sich eine Dynamitpatrone mit einer Zündschnur auf die Brust, setzte sich vor die Thür seines Wohnhauses und entzündete die Schnur Die Wirkung 6er Explosion war fürchterlich. Nicht blos wurde der Selbstmörder in kleine Stücke zerrissen, sondern auch alle Scheiben des Hauses barsten.
— sAllerheiligen.) Am 1. November feiert die katholische Kirche das Fest, welches dem Gedächtniß ihrer Heiligen und Märtyrer gewidmet ist, dem Gedächtniß jener Männer und Frauen, welche wegen ihres frommen Lebenswandels auf Erden nach ihrem Tode an der Regierung der Welt theilnehmen und Fürsprecher am Throne des Höchsten sind. Im Volke fand der Glaube an die wirkungsvolle Fttrsprache der Heiligen und Märtyrer (Blutzeugen) schon frühzeitig Boden und das um so leichter, als er demselben gleichsam einen Ersatz bot für die Untergottheiten, ©entert unb Halb- aottbeiten, welche die zum Ehristenthum Bekehrten als Heiden verehrt hatten. Die Todestage der Märtyrer wurden gefeiert, in den Kirchen verlas man vor der andächtigen Gemeinde ihre Namen und ihre Leidensgeschichten, errichtete auf ihren Grabern Altäre, Capellen und Kirchen und stellte ihre Reliquien zur öffentlichen Verehrung aus. Wo das geschah, da entwickelten sie sich allmälig zu besonderen Schutzheiligen und Patronm für Kirchen, Städte und Länder, und so finden wir den heil. Antonius als ^chutzge st von Padua, den heil. Georg in England, St. Stephan in Ungarn, St. Wenzel in Böhmen, St. Stanislaus in Polen u. s. w. Ebenso haben verschiedene Stande und Handwerke ihre besonderen Schutzheiligen wie die Schuhmacher den heiligen Crispin, die Zimmerleute den heil. Joseph, die Ma er den heil. Lucas, die Musiker die heil. Cäcilie und die Studenten den heil. Gregorius. Gegen besondereKrankheiten- von der Pest bis zu den Zahnschmerzen - sollen die Fürbitten bestimmter Heiliger von Wirkung sein. * Im Mittelalter gingen die Heiligsprechungen vielfach von den Klostern aus die damit ein Geschäft verbanden, so daß Karl der Große schon ein Verbot gegen die Anbetung neuer Heiligen erließ, ©eit bem Papst ^anber III. (Cn des 12. Jahrhunberts) übt bas Recht der Heiligsprechung ausschließlich der papfl liche Stuhls Amtsgericht zu Apolda ist unlängst in einem P^^öesie die Frage aufgeworfen worden, ob zu ben üblichen nid)t gut £u ^^ein
Hanbelsherrn zur Last fallenben Ausgaben seines Hanbelsreisenben gehöre, je Leinskat 2) ein Kaffeeskat, 3) bie bei den sog. .Schnapszahlen" im
I Schnäpse insbesondere theuere Sorten. Die v^nommenen ^ü^nbefre bejaht. Die j Gasthofsbesitzer, haben die erste und dritte Frage veinetn , ' gütliches
Entscheidung des Gerichts über die interessante Frage ist icdocy ourcy gmi u, j Abkommen der Streittheile umgangen worden.


