Aus Marseille wird eine hochgradige Erregung der französischen Arbeiter gegen die dortigen zahlreich vertretenen italienischen Arbeiter gemeldet. Die Italiener arbeiten billiger, daher der Haß ihrer französischen Colleaen; es ist zwischen beiden Parteien schon wiederholt zu blutigen Schlägereien gekommen und soll die gegenseitige Erbitterung noch im Wachsen be- griffen sein. __________________________________________
B e » r» i - ch t e s.
— Zum hundertjährigen Geburtstage Ludwig Ubland's sind nicht nur eine Menge Gedächtnißrcden gehalten und viele Biographien erschienen, sondern auch manche kleine Züge und Anekdoten aus dem Leben des Dichters wieder ausgeirtscht worden. Hier nur Einiges. „Jedes Ding hat zwei Seiten", sagte einmal Uhland vor einem Kreise von Freunden im Beisein seiner Gattin Emilie. „Da muß ich widersprechen", warf diese ein. Alles stutzte. „Ausgenommen, mein lieber Ludwig sind Deine Briefe", fuhr Frau Uhland scherzend fort, „die kommen nie über die erste Seite." Der Dichter mußte lochen, er konnte nicht widersprechen. — Bei einem Feste, das zu Ehren einer in Tübingen tagenden Naturforscheroersammlung in dein naben Bade Niederau gegeben wurde, schlug ein Fremder einen Toast auf Ludwig Uhland vor. Auf Uhland's ablehnende Entgegnung, das Fest gelte den Naturforschern nickt den Dichtern, rief ein anderer Fremder entrüstet aus: „Werft den Kerl zur Thur hinaus!" Natürlich zur großen Erheiterung Derer, die Uhland kannten. Er selbst lachte, daß ihm die Thränen in den Augen standen und sagte, das sei eine der merkwürdigsten Ovationen, die ihm je zu Theil geworden. — Unter musikalischer Nachbarschaft, die für die Stunden der Arbeit und ebenso für die der Erholung so störend wirkt, hatte auch unser Dichter zeitweilig zu leiden. Dazu noch Anderes. So schreibt Uhland an Karl Meyer über eine gewisse Trägheit, die sich seiner bemäch-' ngt: „Nur selten komm' ich aus dem Zimmer, doch will die Arbeit nicht vom Ort- -eoffnet sind die Bücher immer, doch rück' ich keine Seite fort. Bald spielt mein Nachbar auf der Flöte und führt mir die Gedanken hin, bald steht am Fenster beim Frlete die angenehmste Nachbarin." Was ihn von beiden wohl am meisten aestört haben wird? ö '
— Man hört so oft von Pferdekraft sprechen, aber die Wenigsten wissen, welche Kraft dieser Ausdruck darstellt. ^Pferdekrafl" bezeichnet in der Industrie eine Kraft, welche im Stande ist, in einer Sekunde ein Gewicht von 160 Pfund 3 Fuß hoch zu heben. Die Pferdekraft stellt demnach der am meisten angenommenen Schätzung gemäß die Arbeitskraft dreier Zugpferde dar; das Zugpferd vertritt die mittlere Kraft
7. Arbeitern ; daher gleicht die Pferdekraft in ihrer Wirksamkeit den Leistungen von 21 kräftigen Arbeitern.
— lDer Dynamitesser.) Wenn man so die Zeitungen liest und täglich von verschlepptem Dynamit hört, dann die Attentatsversuche in Petersburg und Gatschina umständlich geschildert bekvmmt, dann ist's nicht zu verwundern, wenn auch ein Mann der den Vortheil der Geburt hat, nicht Ezar aller Reußen sein zu müssen, wenn sagen wir, auch em solcher Mann mißtrauisch gegen jedes Packet wird, das ibm aus Nuß-
lonb zukommt. Em solches Gefühl der Beängstigung erfaßte dieser Tage auch einen ^^'^mten emes großen Instituts, als ihm der Packetträger ein Ding über-
das nach der Form der Packhülle eine Büchse sein mußte und das Rußland als Herkunftsland erkennen ließ. Nur mit Zagen löste der in seiner Stellung zu »er- sonllchem Muthe nahezu verpflichtete Empfänger die ersten Schnüre und bald wurde r flar' der Inhalt des Packets war eine Blechbüchse. Eine Blechbüchse aus Rußland — das war nicht geheuer. Der Mann entschlug sich sofort aller weiteren Neu- ßteA'/L nM tiefer eindrinqen, sondern schellte seinem Diener, dem er die halb entblößte Buchse mit dem Bemerken übergab, er solle dieselbe nur vorsichtig öffnen konnte wohl gar Dynamit darin sein. Der Diener entfernte sich mit der Höllen- maichme und ging in seinem Schlupfwinkel mit aller Vorsicht daran, das Ding xu orrnen. Drinnen lauschte der Herr ängstlich, ob ihm nicht etwa im nächsten Moment schon das Haus mit einem katastrophalen Knall überm Kopf daoonfliegen werde. Der
aber in seiner Kammer, der war nicht so ängstlich, ja, er wurde, je mehr sich die Buchse das Biegen oder Brechen mit der Zange gefallen ließ, immer zutraulicher immer sicherer, und endlich brachte er es auch zu Wege, das Innere des Mordgefäßes vollständig bloszulegen. Aus der Büchse lächelte ihn der kniffligste graue Kaviar an und, ehrlich wie der in Rede stehende Diener sein konnte, wenn die Versuchung nickt gar zu zudringlich wurde, nahm er die Büchse, um sie seinem Herrn zu bringen. Dieser aber, durch das lange Ausbleiben seines Dieners noch mehr geängstigt, wurde plötzlich von einer Panik ergriffen, unter deren Eindruck er auch schon die Treppe binabstürmte um auszugehen. So sich allein überlasten, konnte der treue Diener nicht länger wider- stehen; er holte sich vom nahen Bäcker ein halbes Dutzend prächtiger Semmeln und bald bekam das Innere der Büchse ein so hohläugiges Aussehen, daß nun der Dynamit- effcr von Angst ersaßt wurde. Bald hatte sich in seinem Hirn der Plan gebildet
Herrn m dem glücklichen Verfolgungswahn zu lasten. Er wollte ihm sagen, daß die Buchse beim Versuche, dieselbe zu öffnen, verdächtig geknackt und daß er es darum für kluger gehalten habe, gar nicht weiter zu forschen, um nicht etwa gar das ganze HE-uns damit seinen geliebten Herrn in die Luft zu sprengen. Der Plan gelana vollstandlg; der Herr war froh, so billig davongekommen zu fein, bis er dieser Taae einen Brief des ihm befreundeten Grafen Solohub, eines russischen Krösus, erhielt worin die Worte sich befanden: „Lieber Freund. Ich habe Ihnen eine Büchse des deukatesten Jrka (flüssiger Kaviar) gesendet. Ich will hoffen, daß Sie sich denselben gut haben schmecken lassen" u. s. w. Als di- Büchse nun in ihre Ehren und Würden eingesetzt werden sollte, da fand sich's, daß der treue Diener zu viel gewagt hatte Der Dynamüeffer wurde, wie gebührlich, entlassen.
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onnc ®er der neuen Postagentur wird durch die oben genannte
Landpost, welche wochentaglich zweimal, an Sonntagen einmal verkehrt, verfolgt f^stgescht^"^'"'^"' f“r ben Serfcöt mit bem Publikum werden wie
a) an Wochentagen:
von 9 Uhr Vorm. bis 12 Uhr Vorm. und
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b) an Sonntagen und den nicht auf einen Sonntag fallenden gesetzlichen Feiertagen:
von 8 Uhr Vorm. bis 9 Uhr Vorm. und
m 5 n Nachm. „ 6 „ Nachm.
Postsendungen wird in Bobenhausen an Wochentagen
Uo\ ^ohnfelb, sowie die Mühlen Rappelmühle, Schneidmüble' Hahnmuhle, Lohmühle und Heutzmühle zugetheilt. '
Darmstadt, den 27. April 1887.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
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