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Beilage zu Ur. 252 -esGießener Anzeiger".

Die Arbetter-Iachvereine.

Man schreibt derSocial-Corr.": Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß dieFachvereine" der Arbeiter und Gesellen (von denOrtsvereinen" der Gewerk­vereine ist hier also keine Rede) zum allergrößten Theile, bewußt oder unbewußt, direct oder indirect, von der Socialdemokratie beeinflußt und dirigirt werden, sowie daß sic es sind, von denen in der Regel der Anstoß und Antrieb zu den in neuester Zeit wieder häufiger auftretenden Arbeitseinstellungen, besonders innerhalb des Hand­werks, ausgeht. Dies wird u. A. auch in den soeben erschienenenAmtlichen Mit­tbeilunyen aus den Jahresberichten der mit Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten" constatirt. So z. B. heißt es in dem Bericht aus dem Aufsichtsbezirk Zwickau iIn den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat sich im Allgemeinen bis jetzt leider noch keine Wendung zum Bessern vollzogen. Die früher guten, fast freundschaftlichen Verhältnisse haben ganz ausgehört und werden in Folge der Organisation der Fachoereine, der von einzelnen Mitgliedern derselben fortwährend genährten Unzufriedenheit und des dadurch heroorgerufenen Hasses immer gespannter." (Vergl. auch die Aeußerung in dem Bericht für den Aufsichtsbezirk Leipzig, aus Anlaß einer Arbeitseinstellung der Former in der Eisengießerei einer Maschinenfabrik, durch welche die Arbeiter in große Verluste geriethen, S. 42 des Werkes.)

Sehr empfindlich macht sich der Einfluß der Fachvereine auch den Innungen gegenüber geltend. Diese letzteren sind bekanntlich der Socialdemokratie besonders widerwärtig. Denn die Macht dieser Partei beruht wesentlich mit auf der Organisation; die Innungen aber stellen der socialdemokratischen, lediglich auf den Kampf angelegten Organisation eine solche von conservativer Natur und Richtung gegenüber. Zugleich find sie bestrebt und vom Gesetz berufen (S 97, Ziffer 2 der G.-O.^, eingedeihliches Verhältniß zwischen Meistern und Gesellen" zu pflegen und zu fördern; zu dem Ende sollen die letzteren an der Verwaltung der auf das Gesellenwesen bezüglichen Ein­richtungen betheiligt werden. Die Gewerbeordnung schreibt nun vor (S 100 c), wie dies ja auch in der Natur der Sache liegt, daß zu dieser Verwaltung, mithin auch zur Wahl des Gesellen-Ausschusses u. s. w., nur die bei Jnnungsmeistern beschäftigten Gesellen herangerogen werden sollen. Hier ist der Punkt, wo die Fachvereine einzu­sehen pflegen, indem sie die Gesellen bestimmen, das gesetzlich unerfüllbare Verlangen zu stellen, daß zunächst an der Wahl des Gesellen-Ausschusses die gesammte Gesellenschaft des betr. Gewerbes betheiligt werde, und falls dies verweigert wird, sich der Wahl zu enthalten. Auf diese Weise wird es, besonders in Bezirken, wo die Socialdemokratie dominirt, den Innungen vollkommen unmöglich gemacht, ihrer gesetz­lichen Aufgabe nach dieser Seite hin zu entsprechen. Auch sonst suchen die Fachvereine, z. B. in Bezug auf das Herbergswesen und den Arbeitsnachweis, durch Gegenver­anstaltungen die Innungen möglichst lahmzulegen.

In den Kreisen der Handwerker begegnet man daher häufig dem Wunsche, daß der Thätigkeit der Fachoereine durch ein Einschreiten der Staatsgewalt, am liebsten durch einfache Unterdrückung derselben, ein Ende gemacht werde. Aber auch ander­wärts, in der Presse und sonst, wird das gleiche Verlangen laut. Der Einsender dieser Zeilen muß sich nun ganz entschieden dagegen erklären; es scheint ihm nicht nur un­gerecht, sondern auch unklug, wenn der Staat die Arbeiter-Vereinigungen unterdrücken und auf diese Weise gegen die Arbeiter und für die Arbeitgeber einseitig Partei nehmen würde. Etwas Anderes ist es selbstredend, wenn sich ein Fachverein erweislich einer Uebcrtretung des Socialisten- (oder auch des Vereins-) Gesetzes schuldig gemacht hat, kurz, wo ein gesetzlicher Grund hierzu vorliegt; ob dies bei den neuerdings, namentlich in Preußen vorgekommenen Auflösungen von Fachvereinen thatsächlich der Fall gewesen ist, können wir mangels der nöthigen Unterlagen, nicht sicher beurtheilen. So lange sich aber die Fachoereine in den Schranken des Gesetzes halten, wird man sie gewähren lassen müssen, wie unbequem für die Arbeitgeber und wie nachtheilig für den socialen Frieden ibre Thätigkeit auch immer sein möge. Denn andernfalls würden die Arbeiter Staat und Regierung als ihnen feindlich, als Verbündete der Arbeitgeber betrachten und alle Hoffnung verlieren, durch den Gebrauch der Vereinigungs- und Coalitions- rechte, überhaupt auf gesetzlichem Wege, ihr wirkliches oder vermeintliches Klassen- intereffe wahren zu können, und die Folge davon wäre, daß sie erst recht der Partei der socialen Revolution in die Arme getrieben würden. Zugleich würde an Stelle der öffentlichen Organisation eine geheime, um so viel gefährlichere,

treten, denn ausrotten läßt sich der Trieb der Vereinigung bei den Arbeitern ja doch nicht.

In ganz ähnlichem Sinne spricht sich, wenn auch zunächst nur in Bezug auf das Versammlungs-, nicht auf das Vereinsrecht, der bekannte Reichstags-Abgeordnete Oechelhäuser in seiner kürzlich erschienenen Broschüre:Die Arbeiterfrage" aus. Er betont nachdrücklich, daß der Staat sich in die Lohnkämpfe nicht weiter einmischen solle und dürfe, als es die Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung und der Schutz gegen Bedrohungen erfordert.Auch der Umstand", sagt er u. A.,wenn die streikenden Arbeiter sich etwa zur socialdcmokratischen Partei bekennen, sollte keine Veranlassung geben, aus dieser Reserve herauszutreten und ohne dringende Veranlassung das Ver­sammlungsrecht nach dieser Richtung zu beschränken. Lieber hier etwas zu viel ge­statten, als zu wenig. Ob die Streiks das richtige Mittel sind, die Arbeiterinteressen zu fördern, ist eine andere Frage. . . . Allein wie sich die Unternehmer zum Zweck der Preiserhöhungen ihrer Maaren den Abnehmern gegenüber einigen dürfen, ohne daß solches staatsgefährlich erscheint, so muß ein Gleiches unbedingt den Arbeitern hinsichtlich der Arbeitslöhne zustehen und umsomehr, als ja die Erhöhung des Niveaus der Löhne die Lösung der sogen, socialen Frage im Wesentlichen bedingt" u. s. w.

Vermischte».

Lauterbach, 23. October. sBahnbauten.j Gegenwärtig werden die Ver­messungsarbeiten für die projectirte Bahnstrecke SalzschlirfSchlitz ausgeführt; in den nächsten Tagen sollen auch die Vermessungssrbeiten der Strecke GedernSalzschlirf vorgenvmmen werden. (L. A.)

Der kleinste Staat Europas, 6 Quadratkilometer groß, ist das «Territorium Moresnet, zwischen Verviers und Aachen. Dasselbe enthält reiche Zinkgrubcn, welche von der Gesellschaft Vieille Montagne ausgebeutet werden. Im Jahre 1815 war eine Commission damit betraut worden, die Grenze Preußens und der Niederlande fest- rustellen; über alle Punkte wurde eine Einigung erzielt, nur über Moresnet kam eine solche nicht zu Stande. Jede der beiden Mächte forderte die Zinkgrubcn oder eine an- aemessene Entschädigung; schließlich beschloß man, das armselige Stück Land, das bei Den Zinkwerken nur 50 elende Hütten aufwies, unabhängig und neutral zu lassen. Die Verhältnisse des Territoriums haben seitdem sich gewaltig geändert. Es gibt jetzt 800 Häuser daselbst, hübsche, gut ausgestattete Läden; die Einwohner sind zum Theile wohlhabend. Das Gebiet ist neutral geblieben und es herrschen daselbst patriarchalische Zustände. Preußen und Belgien haben bet diesem Staate je einen Commissar, die alle etwaigen Schwierigkeiten in Güte ausgleichen, sonst aber nicht einschreiten. An der Spitze des Staates steht ein Bürgermeister, der sich selbst seine zehn Beisitzer wählt; er verwaltet die Archive, hat den Katasterplan unter sich und ist der unbeschränkte Gebieter. Seit zwei Jahren ist es der Bauer Schmitz, der sich als ersten Beisitzer einen alten, von Jedermann gekannten Arzt gewählt hat. Diese Beiden sind that­sächlich dieRegierung", alle anderen Beisitzer stimmen zu, es gibt nur einstimmige Beschlüsse. Der ganze Staat verausgabt jährlich für seine Verwaltung 12,000 Franken, der Einwohner zahlt an Steuern durchschnittlich 6 Franken pro Jahr. Damit werden die Wege und Schulen erhalten. Militärdienst existirt nicht; die öffentliche Macht be­steht aus einem einzigen Manne, der eine Specialuniform trägt als Amtszeichen der Republik Moresnet". Da der Ort in einem lieblichen Thale liegt, auch ein hübscher See, an dessen Ufer eine! alte Burg aus Karls des Großen Zeiten emporragt, die Gegend verschönt, sind oft die Bürger der Städte Aachen und Verviers Sonntags in derRepublik" zum Weingclage gemächlich vereint.

sJndirect.jIch denke, Sie sind Vegetarianer! Und dabei essen Sie Hammel­braten?"Ja, ich bin auch nur indirecter Vegetarianer; ich esse nämlich nur Fleisch von solchen Thieren, die sich von Pflanzenkost nähren."

Schiff-nachrichteu. $

Bremen, 24. October. (Per transatlantischen Telegr^vh.j Der Postdampfer Elbe, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 16. October von Bremen und am 17. October von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Neywork angekommen.

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