schäft in Bulgarien von einiger Dauer sein, ob sie es verstehen werde, die Ordnung ausrecht zu erhalten, ihren Entschließungen Achtung durch die Armee zu verschaffen. Das sei zu hoffen im Interesse des von der Anarchie bedrohten, allen Aengsten der Ungewißheit preisgegebenen Landes. Die Fürsorge der Mächte, an welche das Ministerium in Sofia appellirt habe, werde Bulgarien sicherlich nicht fehlen. Das Land werde aber gut thun, sich dieser Fürsorge würdig zu erweisen, indem es wenigstens bis zur Festsetzung seiner Geschicke die materielle Ordnung aufrechthalte. Das Journal weist darauf hin, daß die auswärtige Presse mehrfach geltend gemacht habe, daß die Entthronung des Fürsten gestatte, die orientalische Angelegenheit mit mehr Ruhe in's Auge zu fassen. Die Ansicht sei von der Ueberzeugung dictirt, daß -ie drei Kaiserreiche mehr als je darin einig seien, den Frieden zu erhalten und den Ereignissen in den Donauländern den localen Character zu wahren. Die Begegnung in Franzensbad werde solche Zuversicht nur stärken können. Sie wird des weiteren Zeugniß davon ablegen, daß die kaiserlichen Regierungen entschlossen seien, ihre Action in Einklang zu bringen, sich durch die Ereignisse nicht fortreißen zu lassen, daß sie es verstehen werden, die Ereignisse im Interesse des allgemeinen Friedens zu beherrschen.
— Nach amtlichen bis zum 21. August reichenden Berichten dürften die Ergebnisse der diesjährigen Getreideernte des europäischen Rußland theils befriedigende, Heils nur mittelmäßig sein, da der letzte anhaltende Regen die Einbringung des Wintergetreides, namentlich des Roggens, vielerorts, wie in den Gouvernements Orek, Pensa, Samara, Saratow und Simbirsk, behinderte.
Belgrad, 27. August. Man versichert, daß die Zeitungsnachrichten von einer angeblichen Mobilisirung der serbischen Armee vollkommen unbegründet sind.
Bukarest, 27. August. Der Metropolit erhielt vom Hofprediger Kocy aus Lemberg folgendes' Telegramm: In Bulgarien herrscht keinerlei Unruhe, kein Tropfen Blut wurde vergossen. Ich reiste unbehelligt durch das ganze Land und fand eine fast einmüthige Entrüstung über die Ehrlosigkeit der Verschwörer gegen den Fürsten Alexander.
Bukarest, 27. August. Der „Epoca" zufolge ist der Abgeordnete Tirnowas, Gradiarow, mit einem Schreiben Seambulow's eingetroffen. Er wartet hier Nachrichten von Hofprediger Koch und v. Riedesel ab, welche dem Fürsten entgegengereist sind. ,
— Der König kehrt heute nach Sinaja zurück. Bratiano hat sich nach Florrca begeben.
Konstantinopel, 27. August. Dem Vernehmen nach erwiderten die Machte auf das Rundschreiben der Pforte vom 23. d. M., sie warteten weitere präcise Nachrichten über die Ereignisse in Bulgarien ab, bevor sie das Rundschreiben beantworten könnten.
Konstantinopel, 27. August. Einer Meldung aus Philtppopel vom 25. d. M. zufolge ging der Kommandant der ostrumelischen Truppen, Oberst Mandurow, mit zwei Regimentern und einer halben Batterie nach Sofia, um die Anhänger des Fürsten zu unterstützen. Sämmtliche bulgarischen Truppen, ausgenommen 3500 Mann, hatten sich geweigert, der revolutionären Regierung den Eid zu leisten.
Jugenheim, 27. August. Prinz Alexander erhielt heute Mittag durch ein Telegramm vom Fürsten von Bulgarien die Nachricht, daß er um 9 Uhr Morgens die russisch-österreichische Grenze passirt habe und um 2 Uhr in Lemberg einzutreffen gedenke. _____________
Lemberg, 28. August. sPrivatdepesche.j Heute früh ist Hierselbst Prinz Ludwig von Battenberg eingetroffen. Ueber die Weiterreise des Fürsten Alexander verlautet bisher nichts.
Bulgarien.
Dem „Pesther Lloyd" entnehmen wir den folgenden ausführlichen Bericht eines Augenzeugen über den Staatsstreich in Sofia:
„Ich befand mich in der Nacht auf Samstag in Gesellschaft. Es war 2 Uhr, als wir den Heimweg antraten, der am Palais des Fürsten vorbeisührte. Als wir uns dem Palais näherten, hörten mir plötzlich den gleichmäßigen Schritt ebner an- marschirenden Truppe. Bald darauf entstand ein dumpfes Gepolter auf der Schloßwache; ein schrecklicher, markerschütternder Angst- und Hülferuf durchzitterte die Stille des heraufdämmernden Morgens, dann war Alles wieder still, todtenstill. Einige Wachsoldaten, die Widerstand leisten wollten, waren niedergemacht worden, die Uebrigen fügten sich lautlos. Es waren ein Bataillon von Küstendil und zwei Compagnien, bestehend aus Zöglingen der Junkerschule, welche aufmarschirten und alle Zugänge zum Schlosse besetzten. Das war zu dieser Zeit überhaupt die ganze Besatzung von Sofia, denn alle übrigen Truppen waren in den letzten Tagen nach Slivnica verlegt worden, theils zu den Hebungen, theils vorsichtshalber und der „serbischen Rüstungen" wegen. Wie es sich nämlich jetzt herausstellt, sind schon seit Wochen systematisch falsche vertrauliche Berichte der bulgarischen Regierung zugemittelt worden, des Inhalts, Serbien rüste im Geheimen und beabsichtige einen plötzlichen Ueberfall. Diese fortwährenden Verdächtigungen Serbiens führten zum ersehnten Ziele der Zankowisten. Die bulgarische Hauptstadt war von Truppen entblößt, und mir ein Bataillon, dessen Commandant Gruew, ein junger, ehrsüchtiger Streber, mit Zankom und dem Metropoliten Klement im Einverständnisse war, blieb in Sofia zurück. Während alle Eingänge des Schlosses besetzt wurden, erwachte auf das Geräusch ein Hofbeamter, der im Parterre schlief. Dieser hatte kaum einen Blick in den Hofraum geworfen, als ihm die Situation vollkommen klar war. Es muß dabei bemerkt werden, daß der Fürst Freitag Vormittags einen anonymen Brief erhalten hatte, der das ganze Complot mittheilte.
Der Fürst lachte jedoch über die Drohung, las sie seinem Vertrauten vor und warf dann das Schreiben in den Briefkorb. Der obenerwähnte Hofbeamte stürzte sofort in das Zimmer des Prinzen Franz Joseph; dieser trat in den Hof hinaus, den Verschworenen entgegen. Es entspann sich ein heftiger Wortwechsel, der so laut geführt wurde, daß Fürst Alexander durch denselben aufgeweckt wurde. Wenige Minuten später erschien er bereits nur halb angekleidet im Hofe an der Seite seines Bruders und rief: „Was geht hier vor?" Die gebieterische Gestalt des Fürsten und seine Kaltblütigkeit machten einen imponirenden Eindruck auf die Verschwörer, die sich unwillkürlich beim Erscheinen des Fürsten verneigten und verstummten. Gruew, der mit zwei Offizieren in der vordersten Reihe stand, nahm nun das Wort und setzte in ruhigem, gemessenem Tone dem Fürsten auseinander, daß das Wohl Bulgariens seine Abdankung erheische. Der Fürst wies diese Zumuthung kurz zurück, ohne sich übrigens in einen Austausch von Meinungen mit den Verschwörern einzulassen. Gruew wurde darauf dringender, zeigte beim Fenster auf die vor dem Schlosse aufmarschirte Truppe hin und sagte, die ganze Armee verlange stürmisch die Abdankung des Fürsten und den Schutz des Czars aller Russen, den Der Fürst so schwer beleidigt habe.
Der Hinweis auf die unten aufgestellte Truppe, der Anblick der hoffnungsvollen militärischen Jugend Bulgariens, die ihren ersten Schritt in's junge Leben mit einem Verrathc ihres Kriegsherrn begann, der persönlich die Bildungsanstalt geschaffen und eingerichtet hatte, Übte auf den Fürsten eine erschütternde Wirkung aus. Die Stirne an die Glasscheibe gelehnt, blickte der Fürst einen Moment sinnend durch das Fenster auf die Truppe hinaus, dann wendete er sich um und sagte nicht ohne Weichheit in der Stimme: „Wohlan, verfassen Sie die Abdankungs-Urkunde, ich werde Sie unterschreiben. Wenn mich meine Truppen verlassen, meine Offiziere und Soldaten, die ich zum Siege geführt, im Stiche lassen, dann habe ich in diesem Lande nichts weiter zu suchen. Schreiben Sie, was Sie wollen, aber schnell!" Dann verließ der Fürst das Vestibüle des Parterres, in welchem diese Scene stattgefunden hatte, stieg die Treppe in den ersten Stock hinauf, wo sich das Schlafzimmer befand, um sich völlig anzukleiden. Die Verschwörer hatten die Urkunde schon fertig in der Tasche, folgten daher dem Fürsten auf dem Fuße, ließen ihn nicht mehr aus den Augen und legten ihm oben im Zimmer das Actenstück zur Unterschrift vor. Der Fürst nahm schweigend die Urkunde, schrieb mit sicherer Hand darunter: „Alexander. Gott schütze Bulgarien!" Darauf wurde dem Fürsten in sehr dringlicher Weise nahegelegt, sofort abzureisen. Er zeigte sich hierzu bereit, verlangte aber, in Gesellschaft seines Bruders die Fahrt anzutreten. Das wurde zwar bewilligt, ihm jedoch zugleich bedeutet, daß der Prinz nur in einem zweiten Wagen ihm folge, ferner auch, daß Niemand von der fürstlichen Umgebung sich anschließen dürfe. Im Ganzen wurde dem Fürsten höflich begegnet, nur titulirten ihn die Verschwörer nicht mehr „Hoheit", sondern „Knas“ (Fürst). Er beendete seine Toilette und begab sich, geleitet von einem Spalier Soldaten, ferner von 'Gruew und zwei Offizieren, in das etwa 150 Schritte seitwärts des Palais liegende
KriegsMinisterium, wohin auch später Prinz Franz Joseph gebracht wurde. Inzwischen fuhren zwei Wagen vorhin welchen Alexander und der Prinz mit je zwei Offizieren und einem bewaffneten Soldaten Platz nahmen. Einige Kavalleristen eröffneten und schlossen den Zug. Es war 3Vr Uhr Morgens, als die beiden Kaleschen sich auf der Straße gegen Berkovicza und den Ginci-Paß in Bewegung setzten. Vor der Abfahrt sagte der Fürst zu Gruew: „Ich habe gar kein Geld bei mir, lassen Sic doch Herrn Menges kommen." Letzterer, ein Deutscher und erprobter Vertrauensmann des Fürsten, verwaltete nämlich die Privat-Schatulle. Den Verschwörern war vor Allem darum zu thun, den Fürsten schleunigst aus der Stadt zu bringen; in Folge dessen wollten sie in keinem Falle eine Begegnung desselben mit irgend einer Person seines Gefolges gestatten. Daher sagte Gruew, er werde selber dafür Sorge tragen, daß Menges dem Fürsten Geld nach Lom-Palanka nachsende, was thatsächlich am selben Tage noch geschehen ist.
Nach der Abreise des Fürsten gingen die Verschwörer zum Metropolit Klement, tiber mit Zankow als die Seele der Bewegung zu betrachten ist. Inzwischen war das anze Bataillon in kleinere Wachabtheilungen aufgelöst, welche die öffentlichen Gebäude und jene Häuser besetzten, in denen die Minister, distinguirte Fremde und die bekannteren Anhänger Karawelow's wohnten. Aus diesen Häusern wurde Niemand heraus- gelassen, nicht einmal die Dienstboten, die des Morgens Wasser holen wollten. Niemand wurde in dieselben hineingelassen. Gleichzeitig durchzogen Patrouillen die Straßen und trieben alles Volk, das keine Ahnung von dem Vorgefallenen hatte, in die Kirche; jedem in die Kirche Eintretenden wurden von eigens dazu aufgestellten Leuten ein bis zwei Rubel in die Hand gedrückt. Einen besonders guten Eindruck machte dieser Vorgang bei jenen Leuten, die mit ihren Producten auf den Markt gefahren kamen und sehr angenehm überrascht waren, Geld zu erhalten, ohne die Maaren, absetzen zu müssen. Vor 5 Uhr hielt der Metropolit einen Gottesdienst, wobei er den Gläubigen verkündete, Gott jhabe das bulgarische Volk von dem Prinzen Battenberg erlöst und es wieder dem Schutze des mächtigen Czars aller Russen gnädigst zugeführt. Nach dem Gottesdienste gab die kleine Truppe vor der Kirche drei Salven ab, um das „freudige Ereigniß" zu feiern. Diese Salven weckten erst die der besseren Hälfte angehörige Bevölkerung, die erstaunt auf die Straße eilte und sich nicht zu fassen vermochte, als sie erfuhr, der Fürst habe abgedankt, sei bereits abgereist uno die neue Regierung gebildet. Die Volksmenge wurde inzwischen zum russischen Eonsultat getrieben. Dieses ist ein einstöckiges Haus mit einem Balkon. Auf dem Balkon standen Bogdanow, der russische Consular-Verweser, zu seiner Rechten der Metropolit Klement und zur Linken Zankow, im Hintergründe Gruew.
Der Metropolit erhob beide Arme und sagte, er. wolle das Volk segnen, und- dieses kniete nieder, um den geistlichen Segen zu empfangen. Die Agitatoren riefen inzwischen Ural)! und flehten Bogdanow um Hilfe an, welche dieser im Namen des Czars auch zusagte. So verliefen die Dinge und nur wenige Leute hatten eine Ahnung von der Wahrheit, daß nämlich nur eine Handvoll Leute das Ganze arrangirt hatten. Erst viel später, im Laufe des Tages, als allmählich die Wahrheit offenbar wurde, kam das Publikum zur Besinnung und verfluchte offen die Missethäter, die den Fürsten verjagt hatten. Was für Mittel die Verschworenen angewendet, ist aus Folgendem, zu ersehen- Es durfte Niemand die besetzten Häuser verlassen; ohne Unterschied wurde Jedem mit Erschießen gedroht. Der Sofianer Vertreter des Baron Hirsch durchbrach diese Ordre, worauf ihm zwei Kugeln um die Ohren pfiffen und er es oorzog, um- zukehren und ruhig in seiner Wohnung zu verbleiben. Samstag und noch Sonntag wurden alle Depeschen und Befehle mit den Namen Karawelow's und des Kriegs- Ministers Nikiforow unterzeichnet. Beide proteftirten und drohten; besonders Nikiforow geberdete sich wie wüthend. Trotzdem dauerte die Fälschung fort, und nur dieser Fälschung ist der geringe Erfolg zu danken, der ursprünglich erzielt worden war- Inzwischen wurde unter das gemeine Volk reichlich Geld ausgetheilt; aber die gebildeten Leute murrten laut trotz des terroristischen Regiments. Vor Allem wurde verordnet, daß keinerlei Depeschen abgeschickt werden dürfen, nicht einmal Seitens der Diplomaten und Vertreter. Darauf verständigten sich der deutsche und der österreichisch-ungarische Vertreter und sendeten ihre Berichte mit einem Vertrauten ab, der sie in Pirot nach. Wien und Berlin aufgeben sollte. An der Grenze wurde jedoch der Bote aufgehalten. Er wollte nach Sofia telegraphiren, um dem deutschen Vertreter das Geschehene zu melden, die Depesche wurde jedoch nicht angenommen- Da kam er selbst zurück. Der deutsche Vertreter begab sich hierauf zu Zankow und sprach mit diesem in einem Tone, welcher der richtige gewesen zu sein scheint, denn alsbald gab Zankow augenblicklich den Befehl, den Boten passiven zu lassen, Dieser ging ab und kam glücklich nach Pirot. Solche Intermezzos kamen einige vor, aber nur der deutsche Vetreter hatte mit seiner Reklamation Etwas erreicht. Ueber den Fürsten und seinen Verbleib wußte man in der Stadt bis zu meiner Abreise gar nichts. Mit jeder Minute jedoch wuchs die ihm günstige Partei und gewann an Muth. Die größte Entrüstung bemächtigte sich des Publikums, als man erfuhr, daß etliche Schurken nicht nur dem Fürsten Gewalt angethan, sondern ihn auch durch Lüge und Betrug entfernt hatten- Am Sonntag sah man nur noch bezahlte Leute, die gegen den Fürsten sprachen. Der Belagerungszustand war proklamirt und damit trat auch für Die Gegenpartei Schweigen ein.*
Univerfität- - Ghrorrik.
— Der am 16. Juni d. I. verstorbene Professor Dr. Cunitz hat, nach Abzug einiger unbedeutender Legate, sein Vermögen im Betrage von etwa 180,000 JL der Kaifer-Wilhelms-Unioersität zu Straßburg vermacht. Der Testator hat datan diL Bedingung geknüpft, daß dasselbe 20 Jahre verzinst werden muß. Ueber die Verwendung soll jährlich eine Commission von je 3 protestantischen Mitgliedern der fünf, Fakultäten bestimmen. Stipendien sollen damit nicht gegründet werden.
Lokales.
Gießen, 28. August. Zum Abschiede von Herrn Regierungsrath v. Bechtold, welcher als Kreisrath von hier nach Erbach versetzt worden ist, hatte sich gestern Abend eine größere Zahl seiner Freunde und Bekannten in Stein's Garten dahier eingefunden. Die Feier verlief aufs Schönste und dürfte dem Scheidenden den letzten Abend seines Hierseins noch besonders angenehm gemacht haben. Der Genannte kann davon überzeugt sein, daß sein freundliches gefälliges Wesen und seine pünktliche Dienstführung ihm hier viele Freunde erworben hat, welche ihn nur ungern von hier scheiden sehen. ______________________
Vermischtes.
x Darmstadt, 27. August. Heute Morgen 9 Uhr begannen die Verhandlungen gegen die s. Z. in Haft gewesenen Studirenden der Technischen Hochschule wegen. Zweikampfs mit tödtlichen Waffen. Die Anklage vertrat der Staatsanwalt Dr. Schmidt. Rach nur sehr kurzen Erhebungen erhielten sämmtliche Angeklagten eine Festungsstrafe von 3 Monaten. Vertheidiger war Rechtsanwalt Hallwachs. Wie wir hören, haben sämmtliche Betheiligten Berufung eingelegt.
— Ein schweres Gewitter hat am Dienstag Nachmittag einen Theil von Starkenburg und Rheinhessen heimgesucht. In Biblis fiel ein furchtbarer Platzregen mit starken Schloßen, es war fast ganz dunkel; der Blitz tödlete ein Pferd und eine Kuh. Auch in Lampertheim tobte das Unwetter in heftigster Weise, der Blitz dachte ein Haus ab, ein anderer Strahl lähmte einen Bäcker am Arm. In Sprendlingen bei Offenbach schlug der Blitz in die Kirche und an verschiedenen anderen Stellen ein. In Langen schlug der Blitz in einen Stall und tödlete zwei Kühe. In Mainz fielen, wie man uns von dort schreibt, solche Regenmassen, daß die Straßen- bahn ihren Verkehr einstellen mußte, da das Wasser in die Wagen lief. In Büdesheim fiel starker Hagel. Das Wasser stand fußhoch in den Straßen und auf der Chaussee lag die abgeschwemmte Erde über einen halben Meter hoch. In Aspisheim äscherte der Blitz ein Haus ein. In Worms zog sich Abends gegen 6 Uhr, wie die „W. Z." schreibt, ein Gewitter zusammen, welches mit außerordentlicher Heftigkeit stundenlang anhielt ur.b von strömendem Regen begleitet war. Die unterirdischen Canäle konnten die Wuisermassen nicht alle aufnehmeu und so wälzten sich die Fluthen durch die Straßen, allen Verkehr hemmend, in vielen Häusern drang das Wasser in die Keller (in der Puffertsgasse stand das Wasser 13/a Meter hoch im Keller). Das Unwetter war auch von starken Schloßen begleitet, welche viele Vögel erschlugen; mehrere Bäume wurden vom Blitz getroffen und gänzlich gespalten. Mehrmals erfolgten starke Blitzschläge in nächster Nähe, deren einer das Gebälk der Andreas- kirche auf dem Fruchtmarkte traf, ohne jedoch zu zünden- Der Bahnhof war in einen vollständigen See umgewandelt. In der Bahnhofstraße lagen mehrere hundert getödtete


