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Die Pensionirung der Volksschullehrcr betr. wird der neulich wörtlich mit- getheilte Ausschutzantrag einstimmig angenommen.

Nächste Sitzung: Morgen Vormittag 9 Uhr.

Berlin, 27. Mai. In der heutigen Stadtverordneten-Sitzung widmete der Vorsteher Büchtemann dem verstorbenen Leopold v. Ranke, Ehrenbürger der Stadt Berlin, einen äußerst warmen Nachruf. Die Versammlung erhob stch zu Ehren des Verstorbenen von den Sitzen.

Bei der Wahl von 9 unbesoldeten Stadträthen wurden Haack, Sarre, Wolff, Halske, Mamroth und Krause wieder-, Generalarzt Wassersuhr und die Stadtverordneten de Neve und Schäfer neugewählt.

Arankreich.

Varis, 27. Mai. Der vom Ministerrathe bezüglich der Prinzen festge- siellte Gesetzentwurf besteht aus zwei Artikeln. In dem ersten Artikel wird der Minister des Innern ermächtigt, den Mitgliedern der Familien, welche früher in Frankreich geherrscht haben, den Aufenthalt in Frankreich zu untersagen, in dem zweiten Artikel sind die Strafen festgesetzt, aus welche im Falle einer Uebertre- tung des Aufenthaltsverbots durch das Zuchtpolizeigencht zu erkennen ist; die höchste Strafe beträgt 5jähriges Gesängniß. Der Gesetzentwurf wird heute in dec Deputirtenkammer eingebracht, die Regierung wird sür denselben die Dring­lichkeit beantragen und bei Vorlegung des von der Commission zu erstattenden Berichts erklären, sie sei gewillt, das Gesetz sofort zur Anwendung zu bringen.

Deputirtenkammer. Die Dircusston der Interpellation Michelin über die Verhältniffe in Decazeville wird aus Samstag festgesetzt. Der Justiz­minister Demole verliest den Gesetzentwurf, betr. die Ausweisung der Prinzen. In den daran geknüpften Erläuterungen erinnert der Minister daran, daß die Republik die gegen die Prinzen gerichteten Gesetze abzeschafft habe und deshalb wohl erwarten durfte, daß die Prinzen die Institutionen des Staates respec- tiren würden. Diese Erwartung wurde getäuscht, die Prinzen hätten jede Ge­legenheit ergriffen, um die Republik zu erschüttern. Die Regierung erachte daher dm Zeitpunkt für gekommen, um diesem Stande der Dinge ein Ende zu bereiten. Der Minister wurde während der Verlesung der einzelnen Artikel des Entwurfs vielfach durch mißbilligende Zurufe von der Rechten unterbrochen. Der Dmutirte Maillä erhielt einen Ordnungsruf. Die vom Minister bean­tragte Dringlichkeit für die Beralhung der Vorlage wurde angenommen und der Gesetzentwurf an die Bureaus verwiesen.

Tüegra-Hische Depesche«.

Berlin, 27. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm in zweiter Lesung den Gesetz­entwurf, betreffend die Heranziehung der Militärpersonen zu den Gemeindeabgaben, an. und genehmigte in dritter Lesung die Canaloorlage, den Beitrag Preußens zum Nordostscekanal und das Gesetz über die schwebende Schuld.

Paris, 27. Mai. Gestern Abend hat in Bordesur eine Windhose beträchtliche Verwüstungen angerichtet. Zahlreiche Personen wurden verletzt.

London, 27. Mai. Im auswärtigen Amte fand heute eine große, von Glad­stone einberufene Versammlung liberaler Deputirter statt. Gladstone soll die Absicht erklärt haben, eine wichtige Modificirung der Home-Rnle-Vorlage bezüglich der Be­stimmung, welche von der Theilnahme der irischen Deputirten am Reichsparlament handelt, oorzuschlagen. Wenn das Parlament in zweiter Lesung die Vorlage annähme, würden die Einzelheiten nur in einer Connnissionsberathung vor Herbst in Erwägung gezogen werden. Zu dieser Zeit sollte eine Specialsession für die irischen Vorlagen berufen werden. Inzwischen würde die Home-Rule-Vorlage derartig modificirt sein, daß neue Bestiinmungen bezüglich der Theilnahme der irischen Deputirten im Reichs- Parlament eingcfügt werden können. Chamberlain und Hartington wohnten der Ver- j sammlung nicht bei.

Die Zeitungen veröffentlichen eine Zuschrift Ehamberlain's, worin er jedem Versuche zur Organisation der liberalen Partei, welche eine schwere Krisis durch­zumachen habe, besten Erfolg wünscht und die Hoffnung ausspricht, es werde durch Mäßigung und gegenseitiges Entgegenkommen noch möglich sein, die liberale Partei wieder zu einigen.

In der heutigen Rede Gladstone's bei der Versammlung der liberalen Depu­tirten gab derselbe, anlangend die Theilnahme an den Verhandlungen des britischen Parlaments, die Erklärung ab, er sei bereit, die irischen Deputirten bei allen Be- rathungen zuzulassen, wo es sich um Angelegenheiten des ganzen Köniäreichs handle. Es sei ja schon bisher zugestanden, daß die irischen Deputirten an den Beratungen des britischen Parlaments über Steuern und Abgaben theilnehmen sollten.

London, 27. Mai. Unterhaus. Gladstone erklärt, falls eine zweite Lesung der irischen Verwaltungsbill erfolge, werde die Negierung eine weitere Berathung der Bill innerhalb des Umfanges einer gewöhnlichen Session vom Hause nicht verlangen. Healy bekämpft ein Eingehen auf Einzelberathung der irischen Waffenbill mit dem Unterantrag, daß die Bill, die zur Durchführung der Proklamation des irischen, aus Organisten bestehenden Geheimenraths bedürfe, befriedigend und unparteiisch nicht gehandhabt werden könne. Healy wünschte ferner die Geltungsdauer der Bill auf ein Jahr beschränkt. Dillon unterstützte das Amendement Healy's. Morley lehnt Healy's Modification betreffs der Waffenbill ab. Die einjährige Dauer derselben werde von den Parnelliten verlangt, weil sie glauben, wir werden dann nicht mehr im Amte sein, aber wir haben keinen Grund, dies zu glauben. Sollte es nöthig sein, die Prokla­mation auf andere Districte auszudehncn, so werde dies prompt geschehen. Morley befürwortet auf's Dringendste die unveränderte Annahme der Bill. Das Haus ver­warf mit 180 gegen 104 Stimmen Healy's Unterantrag und trat hierauf in Special­debatte ein.

Rach einer Meldung des Reutcr'schen Bureaus aus 'Yokohama nimmt die Cholera in Südjapan zu., Dasselbe Bureau meldet aus Chicago vom 27. ds.: Ein hiesiges Haus schloß einen Contract mit der französischen Regierung, 7 Mill. Pfd. präservirtes Fleisch in Blechbüchsen für die Armee zu liefern.

Newyork, 27. Mai. Der Proccß gegen Johann Most wegen Aufreizung zum Aufruhr hat gestern begonnen.

Rom, 27. Mai. Cholera-Bericht. Vom 26. bis 27. Mai, Mittags, kamen in Venedig 20 Erkrankungen und 13 Todesfälle vor. In Bari 2 Erkrankungen und 1 Todesfall.

Lokales.

Gießen, 27. Mai. Uebcr das Unwetter vom Sonntage erfahren wir noch weiter: In Ockstadt wurden am Kirfchberge mehrfach ganze Bäume entwurzelt und obgedreht und vom Winde fortgeführt, so daß man sie erst in weiten Strecken wieder land. Auf der Haselhecke wurden Dächer abgedeckt, die Fensterkreuze eingeschlagen, Eisstücke schlugen auf den Polstermöbeln inmitten einer Stube die Ueberzüge entzwei. In Ober - Mörlen stehen die Leute händeringend auf der Straße, die Häuser sind Ruinen, es sieht aus, als ob eine Schlacht stattgefunden habe, bei welcher das Dorf bombardirt worden sei. Die Windhose und der Hagel gingen über den Hausberg weiter in der Richtung nach Wetzlar und richteten auf dem Wege ganz unberechenbaren Schaden an. Wir erfahren darüber, daß in den Gemarkungen von Hausen, Hoch- Weisel, Münster, Maibach, Fauerbach v. d. H., Pohl-Göns und Ebers-Göns das Ge­witter großen Schaden angerichtet hat. Die noch kurz vorher in üppiger Fülle strotzenden Fluren sehen aus, als seien sie gewalzt worden. Am schlimmsten litt Fauerbach und Hoch-Weisel. Die Windhose entwurzelte auch hier viele Bäume. Es hagelte so stark, daß alsbald Straßen und Felder bedeckt waren. Schloßen fielen |in der Dicke eines Taubeneies. Der Hagel tödtete viele Singvögel und ihre Brut. Hunderte von Fenster- Icheiben wurden zertrümmert. In Nieder-Erlcnbach schlug der Blitz in die Schützen­

halle ein, welche abbrannte, in Hausen bei Usingen schlug der Blitz in eine Scheune,, welche gleichfalls abbrannte. Das Vieh konnte kaum noch gerettet werden. In Mainz tobte der Sturmwind über eine Stunde mit ungeschwächter Heftigkeit. In Wiesbaden war gegen 5 Uhr ein furchtbares Gewitter, welches von Süden nach Norden zog und bedeutenden Hagel mit sich führte. Es hagelte fast zehn Minuten. In Eltville und in anderen Ortschaften des Rheingaues gingen heftige Hagelschläge nieder; Eisstücke von der Größe eines Eies sind gar keine Seltenheiten gewesen und sind die Weinberge und die übrigen Felder sehr arg mitgenommen worden. In Bingen hat das Wetter die besten Lagen,Eifel" undScharlachberg", getroffen und ganz kolossalen Schaden verursacht. .

Gießen, 28. Mai. Freunde einer hübschen Fußtour machen wir darauf auf­merksam, daß seit 14Tagen auf der Diana bürg wiederum ein neuer Förster wohnt,, welcher mit seinen schmucken drei Töchtern dem Touristen eine schmackhafte Flasche Bier und den nöthigen Imbiß zu billigem Preise verabreicht.

Wie wir erfahren, wird das nächsten Sonntag, den 30. d. M., stattfindende Confluentia-Bergfest" (bei Coblenz) auch von Mitgliedern unseres hiesigen Turn­vereins besucht werden. Das Wetlturnen, welches in Freiweit- und Freihochsprung, sowie Steinstoßen und Stabhochsprung besteht, wird nach der Deutschen Wettturn- ordnung gewerthet.____

Ä-ermisch-teS.

A Der Verband mittelrheinischer Bildungs-Vereine hat am 23. ds. Mts. in Dar mpadt seine 9. Jahresversammlung abgehalten, welche mir schwach besucht war. Eröffnet wurde dieselbe durch einen höchst interessanten und lehrreichen Vortrag des Herrn Prof. Kumpa von Darmstadt über Farbenlehre und ihr,e pädagogische Be­deutung und den Handfertigkeits-Unterricht in seiner neuesten Entwickelung. Ter Ver­band erstreckt sich über Hessen, Nassau und die Pfalz bis Saarbrücken hin, er besitzt zwei Wanderbibliotheken, ein Skioptikon und eine große Anzahl Bilder für dasselbe,, welche zu Vorträgen und Vorführungen interessanter Gegenstände aus der Natur- und Kunstgeschichte dienen. Die Einnahme des Verbandes betrug 365.73 JL, die Ausgabe 116.89 Jt., das Vermögen aus früheren Jahren 546.86 JL, so daß jetzt 795V2 zur Verfügung stehen.

Ein Vorschlag des Vorsitzenden, den Vorort, welcher seit 9 Jahren in Frankfurt ist, abwechfeln zu lassen und demnächst Darmstadt damit zu betrauen, fand nicht ge­nügende Unterstützung.

Günstigen Bericht erstattete der anwesende GeneralsecrEtär der Gesellschast, Dr. Wislic enus, über die Entwickelung der letzteren, welche in den letzten Jahren auch gestockt hatte, jetzt aber wieder erfreulichen Fortgang nehme, so daß der Central- Vorstand beschlossen habe, allen seinen directen Mitgliedern die Zeitschrift der Gesell­schaft, denBildungs-Verein" unentgeltlich zukommcn zu lassen.

Die Jahres-Versammlung der Gesellschaft findet Ende Juni in Wiesbaden statt und wird voraussichtlich sehr interessant werben.

Der Verband hat schon früher seine Satzungen dahin abgeändert, daß nicht blos Vereine, sondern auch persönliche Mitglieder ausgenommen werden können. Um eine möglichst große Zahl derselben zu gewinnen, soll der Beitrag für sie auf Grund des § 4 der Ges.-Satzungen herabgesetzt werden.

Offenbach, 24. Mai. Die Mainkette für die künftige Schleppschifffahrt ist nunmehr von Aschaffenburg bis Oberrad in den Fluß versenkt. Dieselbe ist 500 Meter oberhalb der Aschaffenburger Mainbrücke verankert und bis nach Oberrad 85 Kilo­meter lang. Sie fetzt sich zusammen aus 170 kleineren Ketten von je 500 Meter Länge,, welche durch Schlösser, sogen.Kuhmäuler", miteinander verbunden sind. Jedes laufende Meter Kette wiegt 15 Kilo und besteht aus 15 Gliedern im Gewichte von je 1 Kilo. Demnach wiegt jede einzelne Kette 150 Centner und die ganze Kette 25,500 Centner. Die Verbindungskette von Oberrad bis Mainz wird erst nach Fertig­stellung derselben, welche demnächst zu erwarten ist, gelegt. Bis längstens 1. Juli wird die Kette dem Gebrauche übergeben und werden dann drei Schleppboote von je 52 Zentimeter Tiefgang und 130 Pferdekräften den Verkehr auf unserer Wasserstraße vermitteln. Ursprünglich sollte die Kette bis Wörth gelegt werden, wozu aber bis jetzt die erforderliche Concefsion von der bayerischen Regierung noch nicht eriuirft werden konnte. Wie dieNeuen Hess. Volksbl." schreiben, wurde die Kette in den Eisenwerken Algiers, wenn auch aus deutschem Eisen, geschmiedet und via Antwerpen ihrem Bestimm­ungsorte zugeführt.

sBismarck - Spende.^ Der erste Glückliche, der durch die Bismarck-Spende bedacht wurde, ist der Oberlehrer Rhaydt am Gymnasium zu R'atzeburg. Er hat 1000 JL erhalten, um nach England zu gehen und die dortigen Turnspiele genau kennen zu lernen.

Der Heidelberger Stadtrath hat das große Faß durch einen Mathe­matiker neu ausmessen lassen. Es faßt 283,229 Flaschen.

Nürnberg, 20. Mai. Verschiedene hiesige Bürger, zum größten Theile Groß­industrielle mögen jetzt recht saure Gesichter machen; sie haben nämlich die Aufforderung erhalten, die zur vorjährigen Nürnberger internationalen Metallausstellung gezeichneten Garantiebeiträge voll einzuzahlen. Die Gesammtsumme dieser.Beiträge hat die Höhe von rund 100,000 JL Das Deficit der Ausstellung beläuft sich auf rund 103,000 sie war bekanntlich vom bayerischen Gewerbemuseum in's Leben gerufen._____________

Temperatur der Lahn.

Am 28. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14°, Lust 15° R. im Schatten.

L. Chr. Rübs am en.

Kirchliche Anzeigen der Stadt MetzeN».

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Samstag den 29. Mai.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.

Sonntag Rogate, den 30. Mai.

Vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Feier des heiligen Abendmahls. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Katechismuslehre für die Gymnasiasten und Stadtschüler, Nachmittags 2 Uhr in der Kirche, Pfarrer Schlosser.

Katechismuslehre für die Realschüler, Vormittags 11 Uhr in der Fried- Hofskapelle, Pfarrer Dingeldey.

Montag, den 31. Mai, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinder- schule, Matth. Kap. 7, von Vers 15 an. Pfarrer Dr. Naumann.

Am Himmelfahrttage, den 3. Juni, wird der Nachmittagsgottesdienst um 2 Uhr in der Friedhofskapelle gehalten werden.

Am Sonntag Exaudi, den 6. Juni, Nachmittags 2 Uhr, findet die Vor­stellung und Prüfung der zu confirmirenden Mädchen statt.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 30. Mai bis 5. Juni besorgt Pfarrer Dingeldey.

Katholische Gemeinde.

5. Sonntag nach Ostern (ßogate).

Von 6 Uhr an Beichte.

Hm 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion- h V2IO Uhr: Hochamt und Predigt.

w 2 Uhr: Maiandacht.

, Christi Himmelfahrt.

Von d Uhr an Beichte.

Hm 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl- Comrmrniom

V2IO Uhr: Hochamt und Festpredigt.

» 2 Uhr: Festandacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 7" Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr- Samstag Abend 850 Uhr.