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28.11.1886 Zweites Blatt
 
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278 Zweites Blatt Sonntag den 28. November 1886.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

11 a t Drei- vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit PäsytUSs.

Bnreati: Schukftraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl &0 v-

Amtlicher Theil.

Nr. 34 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 24. d. Mts-, enthalt: (Nr. 1689.) Gesetz, betreffend die Bürgschaft des Reichs für die Zinsen ec. einer ägyptischen Staatsanleihe. Gießen, am 27. November 1886. Großherzogliches KreiSamt Gießen.

Dr. Boekmann. ___

Vom 14. November 1886.

Gefunden: 2 Broschen 1 Armband, 1 Paar Glacehandschuhe, 1 Portemonnaie, 1 Mütze, 1 Frauenrock, 1 Facher, 1 Mefflngring.

«ießen, am 27. N.vember 1886. Gr.ßherzoglicheS Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Wochen * Ucberficht.

Gießen. 27. November.

Im Mittelpunkte der Wochen-Begebenheiten auf innerpoli« tischem Gebiete stand diesmal die am Donnerstag seitens des Staatssecretärs v. Bötticher vollzogene feierliche Reichstags-Eröffnung, welche, wie schon vorher angekündigt, im Weißen Saale des königlichen Restdenzschloffes zu Berlin erfolgte. Auch die hiermit eröffnete letzte Session der laufenden Legislatur- Periode des Reichstages birgt hochwichtige Entscheidungen in ihrem Schooße, an deren Spitze diejenige über die neue Militär-Vorlage steht, welche noch vor dem Zusammentritte des Parlamentes bereits die Zustimmung des Bundesrathes gefunden hat. Außerdem ist der Reichstag diesmal in einer auch auf auswär. tigern Gebiete bewegten Zeit zufammengetreten, noch immer harren die Völker Europas der Lösung des jüngsten orientalischen Problems und bei der Macht­stellung Deutschland» ist es begreiflich, daß man allseitig den Aeußerungen der Thronrede über die europäische Lage mit Spannung entgegensah und sowohl nach dieser Richtung hin, als auch bezüglich der den Reichstag erwartenden Aufgaben hat die Thronrede dem Interesse, mit welchem man ihrer harrte, entsprochen.

Entgegen anderweitigen Gerüchten, soll die erste Lesung der Reichshaushalts - Etats doch noch vor derjenigen der Mllitär-Vorlage erfolgen, und zwar heißt es, daß die Generaldebatte über den Etat am nächsten Dienstag beginnen werde. . , , m,

Aus kirchenpolitischem Gebiete liegt bte bemerkenswerthe Mel­dung vor, daß der Papst der Bitte des kranken Fürstbischofs von Breslau um Einsetzung eines Coadjutors zur Zeit nicht stattgegeben habe. DerEchtes. Volksztg.", welche diese Mittheilung bringt, muß hierfür die Verantwortung überlaffen bleiben; bekanntlich war der Bischof von Fulda, Dr. Kopp, als Ver- tretet des Fürstbischofs Robert in Aussicht genommen worden.

Zum Kapitel der socialistifchen Agitationen und Ausschrei­tungen liegen wieder neue Nachrichten vor. In der Provinz Schleswig-Holstein und den angrenzenden LandeStheilen sind am Sonntage viele Tausende von Exemplaren einer socialdemokratischen Flugschrift verbreitet worden, die den Zweck verfolgte, unter der ländlichen Bevölkerung Propaganda für die Social­demokratie zu machen; selbst Friedrichsruhe, der gegenwärtige Aufenthaltsort de» Reichskanzlers, ist in den Vertheilungskreis der erwähnten Flugschrift mit einbezogen worden. Eine ganze Anzahl von Personen wurde bei Verbreitung der Flugschrift verhaftet, alle auffallender Weife sehr junge Leute. Ferner sind fast zu gleicher Zeit zwei wichtige Proceffe, in denen es sich um ernste Aus­schreitungen von Anhängern der Socialdemokratie handelte, beendigt worden. Vom Cottbuser Schwurgerichte wurden die Rädelsführer in dem zweiten Sprem- berget Arbeiter-Krawalle zu Gefängntßstrasen von l'/r bis herab zu 3 Monaten veruttheilt, womit wohl endlich die Serie von Proceffen, welche die ©premberger Exceffe zur Folge hatten, ihren Abschluß gesunden hat. Empfindlicher wurden dagegen verschiedene Theilnehmer einer im vergangenen September in und um Leipzig stattgesunden-n socialdemokratischen Demonstration, bei welcher einige Polizeibeamte schwere Mißhandlungen erlitten, bestraft, indem das dortige Schwurgericht den Hauptschuldigen zu 4 Fahren Zuchthaus, drei seiner ermit­telten Genoffen zu je 2Vi Jahren Zuchthaus verurtheilte und außerdem für die Berurtheillen auf entsprechenden Ehrenrechtsverlust erkannte- Wird diese schwere Strafe für diejenigen Bekenner der socialistifchen Theorie, welche die Auflehnung gegen Ordnung und Gesetz als eine Art Sport zu betreiben scheinen, endlich eine Lehre sein? Zur gleichen Zeit spielte vor dem Reichsgericht zu Leipzig unter Ausschluß der Oeff-ntlichkeit wieder ein Landesverraths-Proceß, die be­kannte Affaire des Redacteur» Prohl. (Das Urtheil haben wir bereits in gestriger Nummer veröffentlicht.) In dem Proceffe fungirte u. A. auch der wegen Landesverrathes zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilte ehemalige dänische Kapitän Sarauw als Zeuge, welcher inzwischen vom Kaiser zu 6 Jahren Ge- sängniß veruttheilt rooroen ist. Endlich begannen am genannten Tage vor dem Reichsgerichts die Verhandlungen in Sachen der gegen die Reichstags-Abgeord­neten Dirichlet und Hasenclever eingeleiteten Diätenproceffe, welche s. Z. an das Reichsgericht als letzte Instanz verwiesen wurden. Die von den Verurlheilten eingereichte Revifion wurde zutückgewiesen.

In Breslau ist bis jetzt kein weiterer Cholerafall vorgekommen, doch werden die daselbst getroffenen umsaffenden Vorfichtsmaßregeln bis auf Weitere» noch streng aufrechterhalten und dasselbe gilt von sämmtlichen größeren oberschlefifchen Eisenbahn-Stationen mit Einschluß der Grenz-Stationen. Hoffent- lich bleibt nunmehr Deutschland von einem Besuche des ungebetenen astatischen Gastes verschont.

Zwischen den deutschen und englischen Darnpsschis fsahrts- Gesellschaften wurde eine Erhöhung der Paffagepreise nach New-York ver­einbart. Dieselben betragen fortan aus den englischen Linien 85 JL, beim Norddeutschen Lloyd, der Hamburg-Amerikanischen'Packetsahrt-Actien-Gesell- schaff und derUnion" 110, 100 und resp. 90 X, wobei jedensalls die Zwi- schendecks-Paflage gemeint ist. , , 1(3/ . .. .,,,

Im österreichischen Kaiserstaate concentnrt sich das öffentliche Interesse noch immer aus die Delegations-Verhandlungen. Nachdem dieselben endlich einmal das Thema der hohen Politik verlaffen haben, kommen in ihnen die inneren Fragen aus's Tapet. Ob sich hierüber zwischen ^n beiderseitigen Delegationen eine ebensolche Uebereinstimmung ergeben wird, wie dies hinsichtlich der auswärtigen Politik der Fall war, dürste noch abzuwarten sein. Bis letzt deutet der glatte Verlauf, den die Specialberathung des Budgets in der öster­reichischen wie in der ungarischen Delegation nimmt, allerdings nicht darauf hin, daß besondere Schwierigkeiten existiren. t

gn Pest erwartet man dieser Tage den Besuch des Serbenkänigs Milan, besten politische Bedeutung unter den obwaltenden Umständen sich nicht leugnen lassen würde. .. r .

Aus der französischen Republik erregen neben der Ernennung Bihourd's, des seitherigen Residenten in Tunis, zum General-Residenten m Tongking dis merkwürdigen Vorgänge in der Depuiirtenkammer anläßlich» der Budgetberathung allgemeines Interesse. Der kaum beseitigte Consiict zwischen dem Finanzminister Sidi Carnot uno der Kammermehrheit in der Finanzfrage ist von Neuem ausgebrochen. Am Dienstag wie am Mittwoch sind von der Kammer eine ganze Reihe von Abstrichen am Budget gemacht worden, obgleich sich Sidi Carnot und der Ministerpräsident Freycimt entschieden gegen dtefe Sparsamkeit aussprachen. Die von der Kammer vorgenommenen Streichungen betreffen auch die Beamtengehälter im Finanzministerium, wie in anderen Mini­sterien, so daß vier Unterftaatssecretäre bereits ihre Entlastung eingereicht haben. Herr Sidi Carnot selber hat allerdings seine Entlastung noch nicht eingereicht, aber dies wird und muß geschehen, wenn die Kammer halsstarrig bleibt und von keiner Verständigung in der Budgetfrage hören will. Da aber das übr ge Cabinet die Finanzpolitik Carnot's vollständig billigt, so scheint eine abermalige allgemeine Miwsterkrisis in Frankreich vor der Thür zu stehen. .

Die irischenMondscheinler" haben kürzlich wieder einmal ein Lebenszeichen von sich gegeben. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch kam es bei Castle Island, Grafschaft Kerry, zu entern blutigen Zusammenstoß zwischen der Polizei und einer starken Bande derMondschemler , wobei be­sonders von der Feuerwaffe ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Von der Polizei wurden fünf Gefangene eingebracht. In der letzten Zeit wurden in Irland überdies wieder eine Anzahl agrarische Verbrechen begangen, was m Verbindung mit dem Vorfall bei Castle Island gerade nicht wie ein Ent­schlummern der Agrarbewegung aussieht.

QUr orientalischen Krisis liegt diesmal von englischer Seite keine besondere Kundgebung vor. Lediglich ist eine Unterredung^zu verzeichnen, welche der russische Botschafter in London, v. Staat, am Mittwoch mit torö Salisbury hatte. Herr v. Staat verläßt in diesen Tagen London mit längeren Urlaub und will man dies als eine Antwort Rußlands auf die Salisbury sche Rede beim Londoner Lordmayors-Bankett betrachten.

x Darmstadt, 25. November. (Telephon-Verbindung Darmstadt- Frankfurt a. M.) 'Jiacpbem burd) bie $emübun0eit @r.

Handelsaereins Darmstadl-Bessungen es gelungen rst, den von der -berv°ftbehw°e n Berlin verlangten Garantiefond für die telephomsche: Vcrbinbung ZwilchenDarmftabt^ Frankfurt zu sichern, wirb bi- Ausführung biefer Anlage "ldm nächsten Tagen gönnen werden, so daß auch unsere Stadt gleich den anderen Städten -s^honischer Mainz zum Wohle und Vortheil des Handelsverkehrs mit Franksurt in teiepyomicher

Verbindung steht.

Hic llnluft mancher Kindrr M Musik

ÄS*- .klavicrarbcitcift .violinfchmtzen.

Tie Musik muß ein lieber Spielkamerad werden, mit dem man pch gerne die Zeit das Hauptstrebeu der musikali schen Iugendpost.

Preis nebst vielen Musikstücken I fflark.

Bestellungen nehmen alle Luch- u. Musikalienhandlungen, sowie sämtliche Postanstalten und deren Briefträger entgegen. Berlaqvon p. A. Tanger,KSlrn

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