Ausgabe 
28.11.1886 Zweites Blatt
 
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1886

Brei* vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit tUU^aldbc

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark K» Tg.

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Mx. 27 « Bestes Blatt. Sonntag b;n 28. November

die lainsche Literatur und die Schönheiten gut geschulter Teclamation em Herz ^abCL Ziehen, 27. November. [Thea ter.] Zum 25jährigen Dichterjubiläum von Adolph L'Arronge fand gestern eine Aufführung von des DichtersWohl- thätigen Frauen' statt, welche von dem überaus zahlreich erschienenen Publikum sehr beifällig ausgenommen wurde. Jedenfalls war es für manchen. ^^aterfrcund eine willkommene Abwechselung, wieder einmal ein Stuck ernsteren Inhalts zu sehen zu bekonmen. Dem äußeren BeisaL nach zu urtheilen amusirt sich das Publikum: aller- dina4 besser bei den übermüthigen Possen und durfte in diesem Sinne der neueste Schvank von KneiselSie weiß etwas" welcher gegenwärtig nttt -robem Erfolg über alle Bühnen geht, bei seinem ersten Erscheinen am Montag Abend allseittg mit Freuden begrüßt werden. .

r^isveretn 1 In der «estrigen constituirenden Sitzung des Vorstandes wurden gewählt: £err Bansa als Vorsitzender, Herr Noack als Stellvertreter, Herr Balser als Kassier. Außerdem fand eine Verkeilung der theilwetse sehr zeitraubenden und mühevollen Geschäfte auf die übrigen Vorstandsmitglieder statt. Mochten dieselben bald Gelegenheit finden, ihre Opferwilltgkeit zu beweisen.r ,,

97 November In Bezug der von uns tn Nr. 272, o. -ülatt, ge- brauten ÄoHi beS Deutscher Werkmeister- Derb and" teilen wir berichtigend mit, daß die Mitgliederzahl nicht 3000, sondern 8000 betragt.

Lokales.

Gießen, 26. November. Der Cyclus dramatischer Vorträge des Herrn Oscar Lack welcher am 14. October d. I. mit ShakespearesKaufmann von Venedig begonnen, fand am letzten Mittwoch Abend mit ShakespearesRomeo und Julia vor äußerst zahlreichem Auditorium einen würdigen Abschluß.

Die Anforderungen, welche das Drama an den Vortragenden ftAt, sind keine geringe? und 'dennoch ° überwand derselbe alle Klippen mit sichtlichem Gesch.ck, mdem er uns eine ganze Scala tiefgreifender Empfindungen von dem hohen Liede der Liebe bis rum höchsten Ausbruch des Schmerzes in der Wiedergabe der beiden L,des Stückes vorführte während beider vortrefflichen Zeichnung der anderm^Personen^bft Modulattonsfähigkeit des Organs roieber üb-rraschmd w-r. D-e ?rniPirrpn (Sharartcre traten so lebhaft vor den Hörer hin, daß man sich vollständig M iS haben mag. m£n Ju bür[en| daß S-rr Lack durch leine WM*

und lehrreichen Varttäge sich die »ollen Sympathien Aller erworben hat, welche ,ur

handel «ns Berketzr.

Gießen. 26. Novbr. Der Auftrieb zu dem am 23. und 24. d. Mts. dahier abaehaltenen Viehmarkt war bedeutend, an Rindvieh waren 1536 Stuck und ©djroetne 1089 Stück aufgetrieben. Bei Rindvieh machte sich eine Aenderung in den Preisen nicht bemerkbar, dagegen wurden Schweine höher bezahlt als auf den vorhergehenden

Nächster Markt Dienstag den 7. und Mittwoch den 8. Teeember d. I., am letzteren Tage auch Krämermarkt.

rmn n nT Hrhi»s 1 Noch einem Beschluß der Vereinsverwaltungen muß künftig bei Po^tp ack^en*($ Ifa flSßniteS Geld Gold- oder SUbersachen

oder sonstige kostbare Gegmstände enthalten, dre Adresse unmittelbar auf die Umhüllung des dacktts ^geschrieben E^itz^stzndnisien maLm wir daraus aufmerksam baß sich diese Vorschrift nur auf Postpackete nach dem Auslande bezieht. In den bezüg­lichen Bestimmungen über die Anbringung der Aufschrift bei Postsendungen im inneren Verkehr tritt eine Aenderung nicht ein.

rTpIpnrammaebübrentartt] Wir wollen nicht Unterlasten, diejenigen unserer Les» für welche es von Interesse ist, von betn i-weiligen Eintritt wesentlicher SkkbOTnaen der telegraphischen Gebühren rechtzeitig unterrichtet zu werden, darauf aufmerksam zu machen, daß vom Reichspostamt m Berlin em abgekürzterTarif

Literarisches.

Die Ferber'sche Universitäts-Buchhandlung wie auch die Ricker'sche Verlagshandlung versenden soeben ihren WeihnachtS'Eatalog. Derselbe bringt in reichlicher Auswahl Bücher für Jung und Alt und sei derselbe den Lesern bestens empföhle ru

Das Christfest mit all seinem poetischen Zauber, seinem ewig jungen Reiz steht wieder vor der Thür, jenes Fest, welches wie kein anderes unser Heim , den engsten Familienkreis zum Hintergründe hat. Und wer das ganze Jahr hindurch die Schmerzen des Alleinstehens in der Welt nicht empfunden hat - wenn er an diesem Tage dre glücklichen Kindergesichter sieht, ihr fröhliches Jauchzen hort und all den Duft und Glanz der Weihnachtszeit athmet da schleicht sich doch em sehnsüchtig wehmuthlges Traumen in sein Herz ein seltsames Heimweh nach der glücklichen Kmderzeit, da er sich Mst noch auf Weihnachten freuen bürste . Wie traulich unb heimlich ist es

aber auch zur Weihnachtszeit in einem eblen brutschen Hauswesen. Es laßt sich mcht befiniren, bieses Wohlbehagen, bas uns barin umfangt unsichtbare Fabm umweben uns mit dem Traumschleier des Glücks. Eine vor allem aber ist es, die mit ihren stillen finniaen Walten den Sauber der Weihnachtszeit tn alle Raume des Hauswesens ?ägt die' eusiche Hausfrau Sie ist es, welche durch ihr geheimnißvolles Schaffen dem Gatten und den Kindern und allen Gliedern der Familie das Haus zur liebsten Stätte wandelt. Heil dem Haufe, in welchem solch nn Geist herrscht! Daß aber unser Volk viele Tausende solch glücklicher Familien zahft, das beweist uns beispielsweise der Umstand datz ieneS Familienblatt, welches d,e Sorge für das deutsche Hauswesen zu seinem eigensten Zwecke gemacht hat', die tresfliche Wochenschrift .Fürs Hau»-, binnen wenigen Jahren eine so außerordentliche Verbreitung gefunden hat. Denn darüber Herr cht wohl kein Zweifel: wo dieses vorzügliche Blatt mit Stutzen gelesen wird - da waltet der echte, edle Geist, der deutschem Wesen eigen ist. ®er $retä btefe? SlatfeS beträgt vierteljährlich nur 1 Mark. Probenummern gratis durch zede Buchhandlung, sowie auch durch die Geschäftsstelle vonFürs Haus" in Dresden.

(<)icl;citcr Anzeiger

Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen.

Eingesandt.

Großen-Linden, 26. November. Welch' einem dringenden Bedürfnisse die Errichtung der am 1. November d. I. eröffneten HaltestelleGrotzen - Lmben" ent- sprachen hat, zeigt bie über alles Erwarten starke Benutzung derselben hauptsächlich von Seiten der Orte Leihgesterii und Großen-Lmden Selbst solche die mit den Localverhältniffen bekannt sind, hatten doch einen solchen Verkehr nicht erwartet, der sich seit Eröffnung der Haltestelle von Tag zu Tag mehr steigert Mittwoch den 24. d. M. benutzten wohl zwifchen 70-80 Personen den 7 Uhr 53 M n. Dorrn. nach Gießen fahrenden Zug. Wartestube und Vorhalle waren fo von P^sonen überfüllt, baß der größere Theil derfelben unter freiem Simmel auf den °°" Lang-Gons kommenden Zug warten mutzten. Beim Einsteigen in den Zug stMe slchheraus, daß Nicht Platz mr alle Miffahrende vorhanden war. Solche, die 4.-Klasfe-8lllete gelöst, mußten in 3. unb 2. Klasse untergebracht werben, in 3. Klasse war ber Raum zwischen den Sitz­plätzen mit stehenden Passagieren gefüllt. Wir mochten daher die Bitte aussprechen, an den Tagen, an welchen in Gießen Markt abgehalten wird, einen Wagen mehr ,n den Zua einstellen zu wollen.

Reiskirchen, 25. November. Heute wurde dahier durch den Untersuchungs­richter ein junger Mann verhaftet, welcher aus gerinafügiger Ursache seine Stiefmutter mit einem Stiefel derart mißhandelte, daß an oem Aufkommen der Frau ge­zweifelt wird.

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenz-Drrreau.

26. November. DieRheinisch - Wefalifche Zeitung" meldet: Gestern or, K her Kecke Hibernia" eine Entzündung schlagender Wetter statt,

^enb fand auf °^j,f°^l'etzt Ursache unbekannt. Der Betrieb ist ungestört. Sieben Personen wu d°^mbe^ ' ^Prager Abendblatt" zufolge beabsichtigt der ^ni-ft.'vrviickof Graf Schönborn demnächst nach Berlin sich zu begeben.

Fursterzvttckos orm $ßte die Abendblätter melden, trifft die Regierung

Jrlandk^orbk/eitungen Lppin nach mehreren Punkten Irlands zu enden, um der 9fnitrttinn zur Verhinderung von Pachtzahlungen wirksam entgegenzutreten.

Dublins 26 November. Gestern wurde Hierselbst ein außerordentlicher Rath nboebalttn an wAch'em der Vicekönig, der Staatssecretar für Irland, der Lord-Kanzler tlAkneral - Vrokurator , der Oberkommandwende in Irland und der ^neral Buller Teilnahmen. Wie es heißt, wäre beschlossen worden, ^^^^olEffsar General Buller lyeunay^ Theiles der Presse zu ergreifen,

bezwecken, Wtiablungen zu ver-

binbern. November. Die englisch-rumänische Convention, ben Hanbels-

,ertra0®S?renb unb bis 1891 verlängernd, ist heute unterteilet worden. Der aiCrtTa@afi«i^6 Noveuiber Der deutsche Generaleonsul zeigte der bulgarischen SRe^ gierun^S«T=t bÄrar=r6Äabe, die Vertretung der russischen Schutz- besohlenen^in^u^garttn^zU bübernehmen. * längeren Audienz bU

dem Sultan heute nach Odessa abgereift. Der Sultan verlieh ihm das Großkreuz beB Medschibjeorbens.

I>euischland.

Berlin, 26. November. Der Kaiser nahm heule Vorträge Perponcheri und de« Grasen Stolberg entgegen, empfing später den Petersburger Militärbe- vollmächtigten, Oberstlieutenant Villaume, sowie den Grasen Hochberg und machte Nachmittag» eine Spazierfahrt, wobei er General Beyer einen Besuch ab« stattete. Um 4 Uhr erscheint der Staattsecreiär Bitmarck zum Vortrag.

Der Reichstag wählte auf Antrag Windthorst'r da» bisherige Präfi« dium und da» birherige Bureau durch Acciamation wieder. Dienstag findet die erste Etatilesung statt.

Hesterreich.

Wien, 26. November. Da»Fremdenblatt" erblickt in der Thronrede Kaiser Wilhelm« eine gewichtig- Friedenskundgebung und eine feierliche Bekräf­tigung der Friedenspolitik des mächtigen deutschen Kaiserreich», zu deffen Herr­scher, einem wahren Fürsten de» Frieden», die Völker Europa» verehrend emporblicken. Der hohe Werth der sreundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland für den Frieden könne nicht hoch genug angeschlagen werden, wenn man erwäge, wie sehr diese Beziehungen geeignet seien, andere sriedensgesährliche Staaten-Gruppimngen abzuwehren.

DiePresse" erkärt er durch die Rückstcht aus die Friedmrltebe der Re­gierungen, wenn in der Thronrede die Freundschast für den russischen unb ben österreischischen Kaiser nebeneinander gestellt und ohne besondere Hervorhebung de» Bündnißverhältniffe» zu dem österreichischen Kaiser erwähnt wird.

Da»Neue Wiener Tagblatt" sieht in den Worten de» Kaiser» einen klaren Hinwei» darauf, daß e» ihm abermals gelungen sei, durch den unwtder- stehlichen Einfluß seiner Persönlichkeit einen Zusammenstoß von unberechenbaren Folaen zu verhüten- , m t ..

DieNeue Fr. Presie" bezeichnet den die auswärtigen Angelegenheiten betr. Theil der Thronrede als in jedem Falle beruhigend und geeignet, über­große Befürchtungen zu entkräften. Er enthalte eine Mahnung zu nüchterner und besonnener Bcurtheilung der internationalen Verhältnisse.

Amerika.

New-Aork, 25. November. Dem Gesuch um Hinausschiebung der Hinrichtung der sieben in Chicago verurtheilten Anarchisten ist stattgegeben worden Die Hinrichtung wird mindestens so lange verschoben werden, ms der höchste Gerichtshof des Staates Illinois sich in einer Plenarsitzung über bie Rechtsfragen, welche zu Gunsten eines neuen Processes geltend gemacht wurden, ausgesprochen haben wird.

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