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folgt und ihr Leiter verhaftet worden. Der Zorrilla nahestehende Progrso, dessen Leiter SoliS nach Paris gegangen ist, hat die Veröffentlichungen eime- stellt; der Herausgeber des Witzblattes Motin ist ebenfalls verhaftet Worten. Die Verhaftungen in der Provinz dauern fort. Während die reactionäen Blätter ihre hohe Befriedigung über das entschiedene Vorgehen der Regiermg aussprechen, tadeln die demokratischen Blätter und die der dynastischen Lilien die übermäßige Strenge.

Bulgarien.

Sofia, 22. September. Der Gedanke einer Wiederwahl des Fürsten Alexawer ist in maßgebenden bulgarischen Kreisen vollständig aufgegeben.

Der Hauptmann Weltschew, welcher in Philippopel die Gegenrevolution n's Werk setzte, wurde bekanntlich einige Zeit in Haft gehalten, weil er entschlossen nar, sich der Abreise des Fürsten Alexander mit Gewalt zu widersetzen. Weltschew ärgirte sich darüber nicht wenig, beruhigte sich aber schließlich, weil er meinte, der First komme doch bald wieder nach Bulgarien. Einen solchen Mann aber an der Sptze eines rumelischen Regiments zu lassen, erschien, wie derDeutschen Zeitung" gemeldet wird, dem Kriegsminister Nikolajew gefährlich, und da Nikolajew dieAkademiker" nicht leiden kann (die Verräther Grujew, Benderew und Dimilriew waren ebenfclls akademisch gebildete Officiere) ernannte er Weltschew zum Stabschef in Rustschuk. Dieser weigerte sich, dorthin zu gehen, und als der Abmarsch angeordnet war, sielte er sich trotz des Verbots des Kriegsministers an die Spitze seines Regiments uib marschirte nach Ostrumelien ab. Nun heißt es, daß Weltschew auf telegraphiscten Befehl in Bukarest verhaftet worden sei.

Amerika.

Chicago, 25. September. Die Staatsbehörden von Illinois beschlossen, dm- tausend Stück lungenseuchekranken Viehes in Chicago und Umgebung zu lobten, im die Seuche auszurotten.

Telegraphische Depesche«.

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Lüttich, 26. September. Heute fand hier eine Arbeiterkundgebung statt, m der sich gegen 5000 Personen betheiligten. Nach einem Umzuge durch die Haupt­straßen der Stadt zerstreuten sich die Theilnehmer, Ruhestörungen sind nicht vir- gekommen.

Bukarest, 26. September. Auf Veranlassung des Comitös der liberalen Partei fand heute hier eine öffentliche Versammlung statt, welcher, zahlreiche Delegirten ars den Districten und die Notablen des Handelsstandes, sowie auch mehrere Mitglieder des Senats und der Deputirtenkammer beiwohnten und bei welcher der frühere Minister Campineanu den Vorsitz führte. Es wurde eine Resolution angenommen, in weläer dem Ministerpräsidenten Bratiano Namens der Bürger der Hauptstadt und der De'.e- girten der Districte deren Anhänglichkeit und vollstes Vertrauen versichert und He Bitte ausgesprochen wird, daß Bratiano fortfahren möge, mit Muth und Energie fir die Consolidirung der Institutionen des Landes und für dessen Entwickelung weiter zu wirken, derselbe könne versichert sein, daß die nationalliberale Partei, welche die große Mehrheit des Landes repräsentire, ihn jederzeit unterstützen werde. In einer zweiten Resolution wird die Regierung ersucht, mit aller Energie die Gesetze gegen diejenigen Personen zur Anwendung zu bringen, die sich außerhalb derselben stellen. Zum Schluffe wurde eine Resolution angenommen, welche das Centralcornitä der liberalen Parteien auffordert, sich mit den Districten in unausgesetzte Beziehungen zu setzen, damit das Vorgehen derer bekämpft werden könne, die durch ungesetzliche Mittel das Land und seine Existenz gefährdeten.

Belgrad, 26. September. Die serbische Regierung hat auf eine Anfrage der bulgarischen Regierung, ob sie einen diplomatischen Vertreter Bulgariens acceptiren werde, geantwortet, daß sie in Gemäßheit der zwischen dem König und dem früheren Fürsten Alexander getroffenen Verabredungen bereit sei, einen bulgarischen Special­abgesandten zu empfangen, um mit demselben über die Grundlagen zu verhandeln, auf welche die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern gestellt werden solle.

Der frühere Kriegsminister, General Nikolics, ein Verwandter des Königs, ist gestorben.

Lokale-.

Gießen, 27. September. Die Mittheilung im Sonntasgblatte betreffs der Feier des 25jährigen Stiftungsfestes des hiesigen Vereins Gabelsberger Stenographen bedarf der Berichtigung insofern, als jene Feier für den 6. und 7. November l. I. lediglich im Allgemeinen projectirt, dagegen in Einzelheiten noch nicht festgestcllt ist. Namentlich über eine Ausstellung von Schülerarbeiten ist nichts bestimmt.

Das Eisenbahnunglück im Potsdamer Bahnhof;u Berlin.

Den amtlichen Bericht über die Katastrophe, von der am Freitag Reservemann­schaften der Garde betroffen wurden, haben wir bereits unter den telegraphischen Mit- theilungen in der Sonntagsnummer veröffentlicht.

Ein Bericht derPost" gibt noch folgend? Einzelheiten: Allabendlich pflegt einer der vom Potsdamer Bahnhof coursirenden Lokalzüge in der Halle zu verbleiben, um am Morgen gleich zur Stelle zu fein. Der Zug hat seinen Platz auf dem westlichen Geleise des Mittelperrons. Es besteht nur eine Vorschrift, daß in der Halle selbst Wagen nicht gereinigt werden dürfen. Um die Reinigung des oben erwähnten Zuges vornehmen zu können, war der diensthabende Rangiermeister genöthigt, den Zug zurück- schieben zu lassen. Dabei kam unbemerkt der letzte Wagen über dm Distancepfahl hinaus und in die Weiche hinein, welche nach dem ersten, zum westlichen Seitenperron führenden Geleise geht. Diese Weiche liegt kaum 20 Schritte vom Central-Weichen- thurme entfernt. Im Dunkel der Nacht wurde auch von hier das Uebergreifen des Wagens nicht bemerkt. Ebensowenig fiel es dem diensthabenden Stationsassistenten auf, der allerdings verpflichtet ist, den Bahnhof bei Uebernahme des Dienstes genau zu revidiren. Als der Potsdamer Extrazug, der aus Maschine, Gepäckwagen und 12 Personenwagen bestand, auf das westliche Geleise einfuhr, kam Maschine und Gepäckwagen an der Weiche zwar noch vorbei, bte< beiden darauf folgenden Personen­wagen aber, die von breiterer Construction waren und Mittelperron hatten, stießen mit voller Wucht an den Wagen an und wurden vollständig zertrümmert. Die Aufregung, die der Katastrophe folgte, war eine ganz ungeheure. Die Reservisten sprangen er­schrocken aus den Wagen, aus den Trümmern aber ertönten entsetzliche Schmerzens­rufe. Die Sitzbänke waren vollständig ineinander geschoben und hatten Alles, was zwischen sie gekommen, zermalmt. Die allgemeine Aufregung und der Mangel an Hülfskräften, wie er in so früher Stunde erklärlich ist, verzögerten zunächst die Rettungsarbeiten. Inzwischen hatte aber bereits der Telegraph überallhin die Kunde verbreitet und allmälig kam denn auch ärztliche Hülfe in ausreichendem Maße. Die Verletzten wurden aus den Trümmern hervorgeholt und in den der Unglücksstelle fast gegenüberliegenden Dienstraum gebracht, in dem Pelze und dergl. aufbewahrt werden. Sanitätsrath Feig und mehrere andere Aerzte aus der Nachbarschaft und später auch in ganz hervorragender Weise Generalarzt Palentini bemühten sich unter Assistenz der Heilgehülfen Schneider und Tescowowitz, vor Allem Nothverbände anzulegen. 11 Ulanen waren schwer, 7 andere leicht verletzt, die übrigen Insassen der beiden Wagen und -einige aus anderen Wagen sind mit Quetschungen und Coutusionen davon gekommen, die so leichter Natur sind, daß ein sofortiger ärztlicher Eingriff nicht nothwendig war. Die leichter Verwundeten wurden per Droschke, die übrigen per Tragbahre weggebracht, zuerst nach dem Elisabeth-Krankenhause, bann, als um 8 Uhr Mannschaften des 2. Garderegiments mit Tragkörben anrückten, nach dem in der Scharnhorststraße Gelegenen Garnisonlazareth. Der Transport dehnte sich trotz der größten Eile, die angewendet wurde, doch bis nach 9 Uhr aus. Ter Anblick, den die Unglücksstelle 1)arbot, war entsetzlich. Große Blutlachen zeugten von der Schwere der Katastrophe. Dennoch gelang es verhaltnißmaßig schnell, die Trümmer zu entfernen und, da die Geleise selbst nicht beschädigt waren, die Sttecke wieder befahrbar zu machen.

Den ganzen Vormittag über war der Bahnhof von Menschenmassen umlagert, die oft in ergreifender Weise ihrer Theilnahme an dem schmerzlichen Unglücksfalle Aus- druck gaben.

Vermischtes.

Köln, 21. September. Wann ist der Gebrauch der Nothleine gestattet und wann ist er strafbar? Mit dieser Frage wird sich nächster Zeit wohl das Reichs­gericht zu beschäftigen haben, denn es ist wohl anzunehmen, daß sich die Eisenbahn­behörde mit einem jedenfalls interessanten Urtheil eines hiesigen Schöffengerichts nicht zufrieden geben, die Sache vielmehr durch alle Instanzen durch verfolgen wird. Drei Landleute nämlich aus der Umgegend Kölns hatten sich Billets bis nach Longerich ge­löst, vergessen aber dort das Aussteigen; als der Zug schon weiterdampfte, merkten sie ihr Versehen, zogen dann die Nothleine und glaubten, als der Zug ftillstand, in aller Gemüthsruhe aussteigen zu können. Man verlangte indeß, weil sich der Thäter nicht melden wollte, von jedem 30 A für Mißbrauch der Nothleine. Da die drei Land­leute sich dessen aber weigerten, so trug die Eisenbahnbehörde auf richterlichen Ent­scheid an. Das Schöffengericht indeß, welches die Sache erstinstanzlich zu entscheiden hatte, wies den Eisenbahnfiskus mit der Klage ab. Zunächst erwog es, daß es Pflicht der Schaffner gewesen wäre, in Longerich die Coupöthüre zu öffnen, und dann sei dem Publikum gegenüber der Begriff vonNoth", unter welchen der Gebrauch der Zugleine, resp. Nothbremse, gestattet fei, nicht klar präcisirt und es sei meist dem Urtheile des Passagiers selbst überlassen, darüber zu entscheiden.

Eine äußerst vereinzelte und unrühmliche Ausnahme unter den vielen Hunderttausenden von Tapferen des Krieges von 1870 machte der bayerische Oberst- lieutenant Oskar Freiherr v. Waldenfels. Um den Schlachten zu entgehen, zog er feine Uniform aus und nahm die Stelle eines Mühljungen an und wurde auch in der Tracht eines solchen verhaftet. Wegen Feigheit zum Tode verurtheilt und zu Zucht­haus begnadigt, ist er dieser Tage in Waldmünster gestorben.

Köln, 22. September. Heute Vormittag gegen 11 Uhr brach in einem an der Ecke des Weiden- und Rothgerberbaches gelegenen Material- und Colonialwaaren- geschäfte, angeblich durch Entzündung von Benzin, Feuer aus. Dasselbe erfaßte im Nu die im Laden lagernden, leicht entzündbaren Waarenvorräthe und ergriff mit rasender Eile die oberen Stockwerke. In 18 Minuten waren die Flammen bis zum Dache gestiegen. Der Inhaber des Geschäftes und dessen Frau retteten die im Erd­geschoß sich aufhaltenden Kinder. Die Schwester der Frau warf aus dem ersten Stockwerk ein Kind herab, den unten Stehenden in die Arme; sie selbst sprang dann aus dem Fenster heraus und wurde ebenfalls glücklich aufgefangen. Bet den raschen Fortschritten des Feuers wurde es leider unmöglich, einem anderen Kinde, welches im ersten Stockwerk in seinem Bcttchcn lag, Hülfe zu bringen. Dasselbe erstickte und wurde hinterher gänzlich verbrannt aufgefunden. Das Dienstmädchen, welches sich beim Ausbruch des Brandes im zweiten Stockwerke befand, sprang hofwärts aus einem Fenster und erlitt einen Beinbruch, sowie schwere Kopfverletzungen. Es wurde nach dem Hospital geschafft. Als die Feuerwehr zur Stelle eilte, war das erste und zweite- Stockwerk bereits durchgebrannt. Sofort griff sie das Feuer mit 8 Schläuchen an und es gelang ihr, dasselbe von den Nachbarhäusern, namentlich auch von einem im Nebenhause lagernden Petroleurnvorrathe abzuhalten. Bei den vorgenommenen Lösch- und Rettungsarbeiten hat sich die Hönig'sche Thurmleiter wieder vortrefflich bewährt. Außer der Feuerwehr waren auch der Polizeipräsident und der Polizei-Jnspector sofort zur Stelle. Um 12 Uhr war die Gefahr beseitigt. Außer dem energischen Einschreiten der Wehr ist es den auf dem Mauritiussteinweg beschäftigten Pferdebahn-Arbeitern, welche zuerst Hülfe leisteten, zu danken, daß nicht noch größeres Unheil beklagt werden muß.

Essen, 24. September. Zur Ergänzung des Telegramms über das Gruben­unglück bei Schalke theilen wir den ersten Bericht derRhein. - Westf. Zeitung" mit. Derselbe lautet: Heute Vormittag 10 Uhr ist auf der ZecheKonsolidation" bei Schalke, bekanntlich einer der ersten und vornehmsten im Oberbergamtsbezirk Dort­mund, im Schacht II der Zeche auf Flötz r Süden eine Entzündung schlagender Wetter entstanden, welche sich bis nach Flötz q ausgedehnt hat. Der Katastrophe sind, soweit bisher die Nachrichten reichen, 61 Mann zum Opfer gefallen. Von denselben wurden 45 tobt aus der Grube gefördert; die anderen sind verwundet, und zwar 8 Mann schwer verwundet, zu Tage gebracht worden. Unter den Todten befindet sich auch der Steiger Oligmüller. Die Ursache der Entzündung ist gänzlich unbekannt. Noch un­längst hat der betreffende Nevierbeamte die Wetterführung für vorzüglich erklärt. Auch war das Schießen am Ort für Flötz r verboten. Ein Mitglied der Ober­bergbehörde, Herr Oberbergrath Harz, hat sich sofort aus Dortmund zur Unglücks- stelle begeben.__________"_________________________________________________________________________

Schiff-Nachrichten.^

Bremen, 24. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer General Werder, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. September von Bremen abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 25. Septbr. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Saale, Capt. H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 15. September von Bremen und am 16. September von Southampton abgegangen war, ill gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newvork angekommen.

Schiff- Bewegung

der Post-Dampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetsahrt-Actien-Gesellschast.

Hamburg, 25. September. Das Hamburg - New-Aorker Post-Dampfschiff Hammonia", Capitän Schwensen, welches am 12. September von hier und am 14. September von Havre abgegangen, ist am 24. September, Mittags 12 Uhr, wohlbehalten in New - Z)ork angekommen.

Landes «ns Verkehr.

Grünberg, 25. September. (Fruchtpreise. 1 Weizen 16.70, Korn vM 14.50, Gerste A 11.30, Hafer A 11.00, Erbsen A 14.70, Linsen A 30.00, Lein A 00.00, Samen A 20.00, Kartoffeln A 0.00, Wicken 00.00.

Frankfurt, 25. September. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter A 4.005.00, Eier das Hundert A 5.005.50, Butter per Pfund A 1.00 bis 1.10, Weißkraut per Stück 1012 H, Rothkraut per Stück 2023 Kohlrabi per Stück 34 H, Ochsenfleisch per Pfund 4570 Kuh- u. Rindfleisch 4560 Kalbfleisch 4060 H, Schweinefleisch 6570 H, Hammelfleisch 5070 H, 1 Hahn A 0.70-1.80, 1 Huhn A 1.002.50, 1 Ente A 2.003.00, 1 Gans A 3.007.00 1 Taube 4070 Welsche A 0.0000.00.

Kirchliche Anzeigen der evsngel. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelftunde in der Kleinkinderschule, Marcus Kap. 1, Pfarrer vr. Naumann. ________________

Mepertoir der vereinigten Htadttheater zu Aranksurt a. Ar.

Opernhaus.

Dienstag den 28. September: Barbier von Sevilla. Hierauf: Ballet. Große Preise.

Mittwoch den 29. September: Blaubart. Kleine Preise.

Donnerstag den 30. September: A Id a. Große Preise.

Freitag den 1. October: Silvana. Große Preise.

Samstag den 2. October: Der Prophet. Große Preise.

Sonntag den 3. October: Don Juan. Große Preise:

Schauspielhaus.

Dienstag den 28. September: Fromont jun. und Risler sen. Große Preise.

Mittwoch den 29. September: Egmont. Große Preise.

Donnerstag den 30. September geschlossen.

Freitag den 1. October: Neu cinstudirt: Das Gefängniß. Hierauf: Herrn Kandels Gardinenpredigten. Große Preise.

Samstag den 2. October: Das Gefängniß. Hierauf: So sein se Große Preise.

Sonntag ben 3. October: Maria Stuart.

Montag den 4. October: Fromont jun. und Risler een, Große Preise.