Abg. Trimborn berichtet als Referent, daß man in der Commission über eine Verschärfung des Viehseuchengesetzes einig war, sich nur nicht über die dahin führenden Liele verständigen konnte. Die Commission hat die Ablehnung beschlossen.
Cs lagen einige Abänderungsvorschläge vor, die der Minister Dr. Lucius abzulehnen bittet.
Die Berathung wird morgen fortgesetzt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- UUfot» Korrespondenz - Brrrea«.
Bremen, 25. Februar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd, „Fulda", ist heute Vorinittag 11 Uhr in Southampton eingctroffen.
Straßburg, 25. Februar. Der Landesausschuß lehnte das Gesetz, betreffend Grundeigenthum, Hypothekenwesen und das Grundbuchgesetz ab und verwies das Gesetz, betreffend Ausstellung gerichtlicher Erb - Bescheinigungen, an die Justiz- Comniission.
Wien, 25. Februar. Der „Polit. Corr." wird aus Belgrad gemeldet: Der hiesige Vertreter der Pforte schlug heute dem Minister Garaschanin für den Friedensvertrag einen Artikel vor, der mit dem von Garaschanin beantragten fast identisch ist; gleichzeitig machte Madjid Pascha denselben Vorschlag bei Mijatowic. Nach einer Petersburger Meldung betrachtet der Minister von Giers den serbischen Vorschlag als dem Friedensschlüsse günstig. Die Circularnote Garaschanin's wird heute übergeben.
— Freiherr v. Teschenberg, außerordentlicher Gesandter, derzeit im Ministerium des Auswärtigen, ist gestorben.
Triest, 25. Februar. Der Lloyddampfer „Aglaja" ist heute Nachmittag aus Konstantinopel hier ein getroffen.
Paris, 25. Februar. Kammer der Deputirten. Bei Eröffnung der heutigen Sitzung gab ein Individuum vorder Tribüne aus zwei Neoolverschüsse in die Luft ab und warf einen Brief in den Saal. In die Quästur geführt, gab der Mensch an, daß er an Cleinenceau geschrieben habe und daß dieser wisse, was dies zu bedeuten habe. Der in den Saal hingeworfene Brief war an Clemenceau adressirt und wurde von diesem alsbald dem Präsidenten Floquet ausgehändigt. Wie sich weiterhin herausstellte, war der Revolver, obgleich in die Luft abgeschossen, doch scharf geladen gewesen, denn die Kugel wurde in einem Halbrund des Saales am Boden aufgefunden. Der Urheber der Scene hat auf Befragen erklärt, daß er die Aufmerksamkeit der Regierung auf seinen Proceß habe lenken wollen, welche neue Einzelheiten über die Kapitulation von Metz und die Anwesenheit deutscher Spione in der Armee enthüllen werde. Der Mensch heißt Pionnier und tft 35 Jahre alt. — Die Kammer trat sodann in die Berathung des Madagaskar-Vertrages ein.
London, 25. Februar. Unterhaus. Bryce erklärte betreffs des französisch- chinesischen Vertrags, England habe in Peking verlangt, daß die Bestimmungen über die meistbegünstigten Nationen auf die britischen Untertbanen Anwendung finden und dieselben alle diejenigen Vortheile erhalten, welche den Franzosen gewährt würden. Childers erklärte, die Negierung sei mit dem Entwürfe einer Bill beschäftigt, betreffend Entschädigung der Opfer der Londoner Unruhen aus dem städtischen Polizeifonds.
— Lord Salisbury beabsichtigt, in nächster Zeit zur Kräftigung seiner Gesundheit eine Reise in das Ausland anzutreten.
Madrid, 25. Februar. Der Oberkriegsrath bestätigte die Verurtheilung des Herzogs von Sevilla zu 8 Jahren Gefängniß und Verlust des Grades.
Petersburg, 25. Februar. Der „Nowoje Wremja" zufolge, wird der bisherige russische General - Consul in New - 3)ork, Baron Rosen, nach Sofia versetzt werden.
Bukarest, L25. Februar. General Angelescu ist zum Kr'.egsminister ernannt worden.
Newport, 25. Februar. Schatzsecretär Nanning hat sich in einem Briefe dahin ausgesprochen, daß die von Morrisson vorgeschlagene Herabsetzung der Zölle eine Verminderung der Staatseinnahmen um 12 Mill. Doll, verursachen würde, wenn man den Werth der Einfuhr des verflossenen Jahres zu Grunde lege.
27. November 1885, den Fabrikinhaber für den Unfall haftbar; das vom Beschädigten selbst begangene Versehen durch Unterlassen der gebotenen regsten Aufmerksamkeit ist ihm in diesem Falle nicht anzurechnen.
— [Trucksystems Die Bestimmungen der §S 115, 146 der Reichs-Gewerbeordnung, nach welchen die Gewerbetreibenden bei Strafe verpflichtet find, die Löhne ihrer Arbeiter baar in Reichswährung auszuzahlen und denselben keine Maaren creditiren dürfen, finden, nach einem Urthcil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 18. December v. I., auch auf Personen Anwendung, welche bei Gewerbetreibenden nicht zur Gewinnung ihrer Lebensbedürfnisse arbeiten, sondern nur durch gelegentliche Arbeiten einen Nebenverdienst suchen. Dagegen finden diese Bestimmungen keine Anwendung, wenn der Arbeiter seinen baar ausgezahlt erhaltenen Lohn sofort oder später dazu verwendet, um aus dem Waarenlager des Arbeitgebers Maaren zu kaufen, diese Verwendung bei seinen Mitarbeitern üblich ist und voni Arbeitgeber erwartet wird, ohne daß aber über diese Verwendungsart ein förmliches Abkommen zwischen Arbeitgeber und Nehmer getroffen ist.
— Die Einführung der Taschentücher stieß auf manche Hindernisse; es gab Zeiten, wo selbst die feinsten Französinnen diesen Gegenstand nicht zu kennen sich den Anschein gaben, der in anständiger Gesellschaft durchaus nicht benutzt werden durfte, den selbst in den thränenvollsten Scenen kein Schauspieler, keine Schauspielerin anzuwenden wagte. Mademoiselle Duchenois war, wie die „Gartenlaube" schreibt, die erste, welche den Muth hatte, auf der französischen Bühne ein Taschentuch in der Hand zu tragen, aber wenn das Stück die Erwähnung dieses verpönten Stückchens Battist verlangte, sprach sie van ihm als dem „zarten Gewebe". Entrüstungsrufe wurden laut, als einige Jahre später de Bigne den „Othello" auf die Bühne brachte und das Wort „Schnupftuch" ohne Scheu ausgesprochen wurde. Die Kaiserin Josephine machte dieser Prüderie ein Ende. Sie hatte schlechte Zähne und versteckte diese hinter einem mit kostbaren Spitzen besetzten Taschentuch, das sie fast beständig vor den Mund hielt. Die Hofdamen folgten diesem hohen Beispiel und das Taschentuch nahm seine hervorragende Stelle unter den Gegenständen weiblicher Toilette ein.
— [(Sin Wort GrLvy's.^ Man schreibt der „Wiener Allg. Ztg." aus Paris: „Im Elysäe fand vor einigen Tagen ein Kinderfest statt. Mme. Wilson fragte ihren Vater um Rath, ob sie ihr Töchterchen, die kleine Marguerite, im Style Louis XIII« oder Louis XV. kleiden solle. Der Präsident sagte seiner Tochter lächelnd: „Erweise wir die Ehre und kleide meine Enkelin mit Rücksicht auf meine Wiederwahl im Genre Gr4vy II." — „Wie ist dieses?" fragte Mme. Wilson neugierig. „So einfach, so sparsam wie möglich, und glaube mir, diese Mode wird sich über kurz oder lang in der ganzen Welt Bahn brechen."
Gingesandt.
Gießen, 26. Februar.
Einsender wohnte am verflossenen Sonntag Abend dem Winterfeste des Manner- turnvereins in Slein's Garten bei. Der schöne Verlauf des Festes sowohl wie die verschiedenen Aufführungen wurden bereits in Ihrem geschätzten Blatt am Montag hervorgehoben. Ich gestatte mir noch auf einen Punkt hinzuweisen, der gewiß der Erwähnung verdienen dürste. Es ist dies die von Herrn Assistent Spreng componirte Musik zum Festreigen und die Leitung und Direction der Gesangesvorträge. Herr Spreng hat es verstanden, zu dem so schönen Reigen eine ebenso harmonisch klangvolle Musik zu schaffen, wie die schönen Figuren denselben zur Ausführung brachten. Er hat überhaupt gezeigt, daß er ein tüchtiger Leiter und Dirigent des Gesanges wie Componist in der Musik ist. L.
HamdeL rrnd Verkehr,
— Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industrieller belief sich die Roheisenproduction des deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat Januar 1886 auf 294 069 Tonnen, darunter 149 017 Tonnen Puddelroheisen, 11780 Tonnen Spiegeleisen, 39 375 Tonnen Bessemerroheisen, 63 287 Tonnen Thomasroheisen und 30 610 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im Januar 1885 betrug 319 801 Tonnen.
8 v k a l e S.
Gießen, 26. Februar. Trotz der so lange anhaltenden Kälte wurde heute Vormitlag auf dem Kreuzplatze ein lebender Schmetterling (Nachtfalter) auf gefangen und uns vorgezeigt.
Bermiscdtes.
Großen-Buseck, 23. Februar. Einen Fang von ungewöhnlicher Art haben vor einigen Tagen die in Reiskirchen ftationirtcn Gensdarmen Ehrhardt und Lindt in dem benachbarten Bersrod gemacht, indem es denselben gelang, einen sogenannten Tropfenträger oder Gängler in einer Wirtschaft in flagranti zu ertappen. Bei der Visitation kamen aus dem sehr umfangreichen Ueberzieher und Rocktaschen desselben zur Erheiterung der Anwesenden bedeutende Vorräthe von Pflaster, Pillen, Tropfen und sonstigen weltbeglückenden Heilmittelchen zum Vorschein, welche jedoch sämmtlich nebst dem vorgefundenen Gelde des unglücklichen Besitzers von der unerbittlichen Gensdarmerie confiscirt wurden. Dem also Gemaßregelten steht außerdem wegen unerlaubtem Verkaufe von Heilmitteln, deren Vertrieb nur in Apotheken gestattet ist, ein unangenehmes gerichtliches Nachspiel bevor. (N. H. V.)
Darmstadt, 24. Februar. Die Generalversammlung des hessischen Landes- lehrer-Vereins wird nun bestimmt in Offenbach stattfinden und zwar die Delegirten- Versammlung am 28. und die General-Versammlung am 29. April.
— Für Viehhändler ist in höchster Instanz eine wichtige Entscheidung getroffen worden. Vor den Viehmärkten findet bekanntlich oft schon mehrere Tage zuvor der sogen. Vorverkauf in Ställen statt. Mehrere Viehhändler wurden auf geschehene Anzeige unter Anklage der Gewerbesteuer-Umgehung gestellt, weil sie auf diese Art, ohne im Besitz eines Gewerbescheins zu fein, ge- und verkauft hatten. Die Angeklagten gingen bis an die höchste Instanz, wurden aber überall abgewiesen und in Strafe und Kosten verurtheilt.
— [Haftpflicht für jugendliche Arbeiter.) Die Verwendung eines jugendlichen, durch längere Arbeit bereits ermüdeten Fabrikarbeiters zu einer gefährlichen, unausgesetzt hohe Aufmerksamkeit erfordernden Arbeit ohne Beaufsichtigung, bei welcher derselbe verletzt wird, macht nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Civilsenats, vom
Limburg, 24. Februar. Rother Weizen X 1425, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10 20, Gerste X 8.15, Hafer X 6.50, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00.
Kirchliche Anzeigen der Stndt Metzers.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Sonntag Sexagesimä, 2 8. Februar.
Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dinaeldey.
Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser.
Montag, den 1. März, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinder- schule, 1. Johannesbrief Kap. 5, von Vers 6 an. Pfarrer Dr. Naumann.
Donnerstag, den 4. Marz, Abends 6 Uhr, Erbauungsstunde in tor Kirche: „Frauenarbeit in der Kirche", Pfarrer Schlosser.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 28. Februar bis 6. Marz besorg)
Pfarrer Schlosser.
Katholische Gemeinde.
Sonntag Sexagesimae.
Don 7 Uhr an Beichte.
Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Eommunio».
„ VelO Uhr: Hochamt und Predigt.
„ 2 Uhr: Jubiläums-Andacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 515 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 620 Uhr.
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