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Beilage zu Nr. 197 desGießener Anzeiger".

Der Obstbau und die Gbstbaumpflege iu der Landwirthschast und an den öffentlichen Straßen-

Von Direcstor Göthe in Geisenheim.

lieber diesen Gegenstand hielt der eben Genannte gelegentlich der Versammlung der deutschen Landwirths-Gesellschaft in Dresden einen Vortrag, der nach demTag­blatt der Wanderversammlung" in folgendem gipfelt.

Es ist eine wohl kaum zu bestreitende Thatsache, daß der deutsche Obstbau trotz aller Belehrungen und Anregungen, die von allen Seiten her gegeben werden, noch nicht diejenige Stellung einnimmt, welche ihm gebührt. Dies zeigt zur Genüge der Nachweis über die Einfuhr von fremdem Obst, welche sehr bedeutend genannt werden muß. So wurden im Jahre 1884 627 842 Doppelcentner frischen Obstes im Werthe von über 11 Millionen Mark und von getrocknetem Obste 218 223 Doppelcentner im Werthe von über 8 Millionen Mark eingeführt. Dem steht gegenüber eine Ausfuhr von frischem Obste mit 302 856 Doppelcentner und von getrocknetem Obste mit 3243 Doppelcentner im Gesammtwerthe von etwa 6,5 Millionen Mark. In Summe führte 1884 Deutschland für ca. 13 Millionen Mark mehr Obst ein, als aus. Mit anderen Worten: Deutschlands Obstproduction ist zur Zeit noch durchaus ungenügend und unser Vaterland ein sehr lohnendes Absatzgebiet für fremde Obstproduction.

Daß dies anders werden muß, liegt auf der Hand. Wenn sich auch für gewisse Artikel und in gewissen Jahrgängen die Einfuhr nicht beseitigen lassen wird, so sind doch unsere Verhältnisse in ihrer Mannigfaltigkeit für Obstbau so günstig, oaß man die Einfuhr mit einiger Anstrengung auf ein bescheidenes Maß einschräuken kann.

Das Ungenügende unserer Obstproduction ist erst in den letzten Jahren so scharf hervorgetreten. Wenn wir von der fremden Eoncurrenz ziemlich plötzlich über­rascht und geworfen werden konnten, so liegt das unzweifelhaft zum Theil an der großen Rührigkeit, mit welcher man in fremden Ländern die Obstcultur in Betrieb gesetzt hat. In der Hauptsache aber ist die Schuld an der übermäßig starken Einfuhr in gewissen Fehlern unseres heimischen Obstbaues zu suchen, die wir beseitigen müssen, wenn es anders werden soll.

Als solche Fehler sind zu nennen:

1. Ungenügende Kenntniß der großen Bedeutung des Obstbaues für die Land- wirthschaft. In dem Maße, in welchem der deutsche Landwirth Obst und Obstproducte aus seinen Pflanzungen in der Haushaltung verwendet, vermindert er die Ausgaben für dieselbe oder kann andere landwirthschaftliche Producte, die in der Haushaltung starken Verbrauch finden, in größeren Mengen als sonst auf den Markt bringen und seine Einnahmen dadurch verbessern. Vermehrte Anpflanzungen von Obstbäumen steigern den Werth eines Besitzthums und erhöhen den Credit des Besitzers. Aus dem directen Verkauf von Obst und Obstproduction können bedeutende Einnahmen erzielt werden.

2. In der ungenügenden, des bestimmten Zieles entbehrenden Ausführung des Obstbaumes. Man behandelt diese Cultur noch viel zu sehr als unwesentliche Neben­sache, man pflanzt noch viel zu häufig ungeeignete, werthlose Sorten und überläßt die Bäume sich selbst, anstatt sie so zu pflegen, wie es Culturpflanzen verlangen.

3. Eine mangelhafte Obstverwerthung, deren Producte mit fremden Erzeugnissen dieser Art nicht concurriren können. So lange der deutsche Landwirth noch rathlos vor reichen Obsternten steht und sie nicht gehörig zu verwerlhen weiß, befindet sich unser Obstbau auf einer niedrigen Stufe und kann leicht durch fremde Eoncurrenz zu Boden gedrückt werden.

Werrvifchtes

Berlin. Verschiedenen Blättern wird gemeldet, daß bei den Truppen während der bevorstehenden Herbstmanöver Conserven in größerem Maßstabe als bisher zur Verpflegung in Anwendung kommen sollten, um den Werth und die Einwirkung der­selben genauer prüfen zu können. Diese Angabe bestätigt sich dem Vernehmen nach. Wenn aber außerdem hinzugefügt wird, die Conserven sollten in solchem Umfange ver­braucht werden, daß die Ouartierwirthe keine Verpflegung zu gewähren und Die be­treffenden Truppen sich lediglich selbst die Speisen zu bereiten hätten, so liegt hierin, wie verlautet, eine starke Uebertreibung. An eine derartige ausschließliche Verwendung von Conserven hat man amtlicherseits nicht gedacht; auch ließe sich eine solche wohl kaum durchführen.

fDie Spiegelgallerie des Schlosses zu Herrenwörth.j In Nr. 33 bringt die Gartenlaube" eine Reihe von Illustrationen aus dem Schlosse König Ludwig II. auf Herrcnwörth, unter welchen namentlich die berühmte Spiegelgallerie hervorgehoben zu werden verdient. Die Gallerie enthält zwanzig hohe Bogenfenster, welchen gegenüber ebenso viele Spiegelscheiben von gleicher Größe angebracht sind; auch die Thüren sind zolldicke Spiegel. In den Fensternischen stehen ungeheure Bronceoasen mit meter- breiten Höhlungen und versilberte Tafelaufsätze, an den Pfeilern Büsten der römischen Kaiser aus den verschiedensten Marmorsorteu zusammengesetzt, wunderbare italienische Arbeit, lieber den Eingängen zu den Nachbarsälen schweben Genien in bunten Ge­wändern plastisch aus dem Mauerwerk heraus; zwischen den Spiegelscheiben und dem Plafond erstreckt sich durch den ganzen Saal ein funkelndes Gewirr von lebensgroßen vergoldeten Relieffiguren. Der mächtige Saal, durch den man wie durch ein Traum­reich wandelt, wurde auf Befehl des Königs durch zweitausend in prächtigen Kron­leuchtern angebrachte Kerzen erleuchtet. Vierzehn Diener pflegten alle die Lichter in der kurzen Zeit von einer Viertelstunde anzuzünden.

Der Anekdoten vom alten Fritz sind unzählige. Die folgende, bisher un­bekannte wird derVoss. Ztg." zur Verfügung gestellt: Unter der Regierung des Königs ward in einem Niederlausitzer Dorfe ein alter Unteroffizier als Pfarrer angestellt, der Sonntag für Sonntag dieselbe Predigt hielt. Das erregte Unzufriedenheit und ein besonders Wüthiger kam nach Berlin.Sein Pfarrer soll stets dasselbe reden!", herrscht Friedrich den Besucher an.Wohl, Majestät!"Wie geht die Rede?" Der Besucher schweigt.Was? Er weiß das nicht? Lasse er sich die Predigt noch ein paar Jahre halten, bis er sie sich gemerkt hat." Der Beschwerdeführer mußte abziehen, der Unter­offizier aber blieb im Amt.

Literarisches.

Von allen Naturfreunden wird Nr. 34 der ^Gartenlaube" mit besonderer Freude begrüßt werden. In derselben beginnt nämlich die Veröffentlichung einer Reihe höchst interessanter Characterdarstellungen unserer Raubthiere und Raubvögel aus der Feder der berühmten Brüder Adolf und Karl Müller. Wiesel und Marder er­öffnen in dem ersten Artikel den Reigen. Treffliche IllustrationenHermelin, einen Hasen überfallend",Kleines Wiesel, dem Geheck Beute zubringend", undEdelmarder auf der Taubenhatze" erleichtern das Verständniß der meisterhaften Schilderung der Gebrüder Müller, welche als die gründlichsten Kenner unserer heimischen Thierwelt allgemein bekannt sind. Auch sonst bietet die Nummer noch viel Interessantes und wir möchten namentlich auf die humoristische PlaudereiDer Druckfehlerteufel" von Rudolf Kleinpaul Hinweisen.

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