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Zusammenkunft des Ministers mit dem Fürsten Bismarck nunmehr noch im Laufe dieses Monats stattfinden werde. Fürst Bismarck wird vielleicht schon Mittwoch, spätestens aber Donnerstag, Gastein verlosten; er kommt sicher nach Berlin, wo er sich jedoch nur wenige Tage aushalten will, und geht dann wahrscheinlich nach Varzin.
Die Petersburger Ossiciösen haben Ordre erhalten, gegen die antideutschen Hetzartikel der russischen Panslavisten-Preffe energisch Front zu machen. In einem bezüglichen osficiellen Communiquö heißt es: In der letzten Zeit sind in verschiedenen russischen Zeitungen Artikel erschienen, welche Besprechungen der politischen Lage enthalten; in denselben wurden vollständig willkürliche und unrichtige Ansichten über die zwischen der kaiserlich russischen Regierung und anderen Mächten bestehenden Beziehungen ausgesprochen. Diese Beziehungen haben sich im Lause dieses Jahres keineswegs verändert und sind auch keinerlei Umstände in Aussicht, welche Grund zu der Befürchtung zuließm, daß diese Beziehungen gestört und die kaiserliche Regierung zu einer Aenderung ihrer Politik veranlaßt werden könnte. — Es ist in der letzten Zett über das Verhältniß Rußlands zu Deutschland und Oesterreich — und zwar in der ge- sammten europäischen Preste — erschrecklich viel zusammengeschrieben worden und die tpfiften Behauptungen uyd Ansichten wurden mitunter laut. Nun hat es die t#?. h- Regierung selber für angemesten gehalten, die Fortdauer der guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland-Oesterreich zu constatiren; hoffentlich werden nunmehr die völlig grundlosen „Krieg- in Sicht"-Artikel aus den Spalten der Zeitungen verschwinden.
Jenseits der Pyrenäen scheint es wieder', einmal ziemlich bunt zuzugehen. Die carlistische wie die radicale Partei treiben ganz ungenirt ihr Wesen und aus den verschiedensten Theilen Spaniens wird das Austauchen carlistischer und republikanisch - socialistischer Banden gemeldet. Schon seit einigen Wochen wird die spanisch-französische Grenze auf das Strengste überwacht und werden noch immer größere militärische Abtheilungen nach den Garnisonen im Nordosten und Osten des Landes abgesendet. Hand in Hand mit dem Treiben der regierungsfeindlichen Parteien geht eine allgemeine Unsicherheit in Spanien; zahllose Uebelthaten werden begangen und wenn dieselben auch gerade keinen revolutionären Character tragen, so zeugen sie doch hinlänglich von dem in den unteren spanischen Volkskreisen herrschenden Geiste. Mordthaten und Mordanfälle kommen fast täglich vor, unter ersteren figuriren nicht weniger als fünf, die an Polizisten und Gensdarmen begangen wurden, Brandstiftungen, räuberische Uebersälle einzelner Gehöfte, von Posten und Eisenbahnzügen sind ebenfalls an der Tagesordnung und es hat sich dergestalt ein Banditenthum entwickelt — Bandolerismus, wie man jenseits der Pyrenäen sagt — wie es seit zehn Jahren in Spanien nicht mehr beobachtet worden ist. ES scheint in den behördlichen Kreisen die größte Confusion zu herrschen, wofür aus Susqueda (Provinz Geron) ein drastischer Beleg gemeldet wird. Es war nach diesem meist carlistisch gesinnten Städtchen eine Regierungs- Commission entsendet worden, um verschiedene Hausdurchsuchungen vorzunehmen. Der Herr Bürgermeister ließ aber die Regierungs-Commiffare verhaften, weil er, von der obersten Provinzialregierung von ihrer Absendung ununterrichtet, dieselben für — verkleidete Gauner hielt; erst nach einem Tage Haft stellte sich die Eigenschaft der vermeintlichen Gauner heraus. Es müssen im Lande der Kastanien nette Zustände herrschen.
Deutschland.
Berlin, 24. August. Der Kaiser verlieh dem französischen Botschafter Courcel die Insignien des Schwarzen Adler-Ordens.
Hesterreich.
Wien, 23. August. Alle Kreise, politische und unpolitische, sind einig in der Verurteilung des unsittlichen Verraths in Sofia. Ueber die gestrigen Geschehnisse ist übrigens bisher keinerlei nähere Meldung eingetroffen, und darum hält man Vorsicht für geboten, insbesondere gilt die Lifte der acht Regenten für fraglich. Man bemerkt, daß Niemand aus Ost'Rumelien darunter sei. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß die diesseitige Regierung an dem Erergnrß unbeteiligt ist. Biegeleben, der gegenwärtig auf Urlaub in Wien weilt, war ebenso überrascht wie alle Welt und zu Thränen erschüttert, auch der englische Consul Lascelles, zur Zeit in Gastein, gab seiner großen Ueberraschung Ausdruck. Trotzdem wird allseitig betont, daß der Friede durch bindende Abmachungen allgemeiner Art gesichert sei. Die meisten höheren Officiere Bulgariens sollen beurlaubt im Aur lande weilen. , ,
— In Gries starb Felomarschall Graf Samuel Gyulay, der letzte Sproß des berühmten Grasengeschlechtes, 83 Jahre alt. Der Name des.
Politische Ueberficht.
Gießen, 25. August.
Die Ereignisse in Bulgarien nehmen noch immer das volle Interesse in Anspruch, welches sie denn auch verdienen. Wir entnehmen den nachstehenden orientirenden Artikel der „Köln. Ztg.", welche sich in diesem Falle -als sehr unterrichtet bewährt hat. Es heißt dortselbst:
„An dem weitern Vordringen des Panslaoismus auf der Balkan-Halbinsel sind, abgesehen von Rußland und dem eigentlichen Leidtragenden, der Türkei, direct nur England und Oesterreich beteiligt. Englands hervorragendster Staatsmann der letzten Jahre, Lord Beaconsfield, hatte die Wichtigkeit dieser Frage für die englischen Interessen klar erkannt und sie erfolgreich auf dem Berliner Congresse verfochten; ihm gelang es, nicht nur mit kühnem Griffe sich Cyperns zu bemächtigen und damit zugleich die englischen Interessen im Orient mächtig zu verstärken, sondern auch die russischen Sieger auf friedlichem Wege zur Nachgiebigkeit, ja, sogar zum Zurückweichen zu zwingen. Freilich, was nun geschaffen wurde, war von Anfang unfertig und halb und trug den Keim der gssähilichsten Verwickelungen in sich; dieser Keim wäre unschädlich gemacht worden, hätte Beaconsfield's Nachfolger es verstanden, die türkischen Interessen mit den bulgarischen zu einem festen Bande zu verknüpfen. Beaconsfield's Nachfolger aber zeichnete sich ebenso sehr durch Unfähigkeit wie Eigendünkel aus, er «suchte eine neue Lösung, die England keine Opfer zumuthete, und das Er- gebniß war, daß er zwar beiden Theilen stete Hoffnung einflößte, sie aber that- sächlich immer weiter auseinanderbrachte. Was Gladstone hier nicht blos zum Schaden der Bulgaren, sondern auch Englands selbst gesündigt und verfehlt hat, das wird erst die spätere Geschichtschreibung in'S volle Licht setzen. Heute hat sich nur die Schlußabrechnung seiner dilettantenhaften Politik vollzogen, eine Abrechnung , die auch die kräftige Hand eines Salisbury nicht mehr abwenden konnte. Oesterreich aber, der letzte Betheiligte bei der fernern Entwickelung der orientalischen Frage, kann zur Zeit den jetzigen Schritten mit Ruhe zusehen; es weiß, daß die gegenwärtigen Schritte nur vorläufige sind, daß erst die endgültigen auch aus seine Jntereffen-Sphäre einwirken, daß aber — eben Dank dem Drei-Kaiser-Bündnisse — diese endgültigen Schritte sich nicht vollziehen werden, ohne daß auch seine Interessen Berücksichtigung finden, und wenn somit heute sich ein Ereigniß vollzieht, wie es seit langer Zeit sich in Europa nicht bedeutungsvoller abgespielt hat, so ist das durch den überlegenen Geist des Fürsten Bismarck geschaffene und befestigte Drei-Kaiser-Bündniß die wesentliche Grundlage, die den friedlichen Ausgang verbürgt und fast zur unumstößlichen Gewißheit erhebt. Unschlüssig, wie immer, standen die Weisen der Pforte dem neuen Räthsel gegenüber; aus der einen Seite freundliche Verlockungen und Süßigkeiten, deren Bedeutungslosigkeit sie schnell erkannten, auf der andern Seite fortgesetzte Einschüchterungen und Drohungen, die ihren Zweck nicht verfehlten. Mit Bangen und Zagen sahen Alle, die dem Fürsten wohlwollten, auf die gefährliche Wunde, welche die Botschafter-Conferenz in dem Beschlüsse über die Durchsicht des organischen Statuts der bulgarischen Vereinigung geschlagen hatte; hier lag die Gefahr eines Wundfiebers, und dieses Fieber ist denn auch mit rascher Entwickelung verhängnißvoll ausgebrochen. Unterstützt und befördert wurde es durch die verfassungsmäßigen Freiheiten, die in diesem rohen Lande der Bestechlichkeit und der Selbstsucht — dem dortigen Ersatz der Vaterlandsliebe geradezu ein Hohn für die freiheitlichen Versassungsrechte unserer civilisirten Staaten sind. Schon vor einigen Monaten konnten wir mit allen Einzelheiten eine Verschwörung entdecken, die der russische Kapitän Nabokow, ein Neffe des gleichnamigen russischen Justizministers, von langer Hand vorbereitet hatte, als sich der Fürst der Landesgrenze am Schwarzen Meere näherte. Jetzt hat man eine neuerliche Gelegenheit, wo der Fürst der Landesgrenze nahe und seine Aushebung leicht durchzusühren war, mit besserem Glück ausgenutzt. Sein eigener erkaufter Minister Karawelow, ein früherer Schullehrer, hat den ihm volles Vertrauen schenkenden Fürsten eingeschläsert und verrathen, wie feige Diebe haben sie ihn überfallen und wehrlos gemacht: sie sind ihr Gewissen los geworden."
Die Nachricht von der Absetzung des Fürsten Alexander von Bulgarien hat in Berlin ungemein überraschend gewirkt. In Hoskreisen sowohl, wie in der militärischen Wett und im Volke erfreut sich Fürst Alexander namentlich durch seine heldenhafte Vertheidigung Bulgariens gegen die Serben großer persönlicher Zuneigung und man bedauert allgemein sein Schicksal. In maßgebenden Kreisen wird wiederholt die Ansicht betont, daß die Vorgänge lediglich als eine innere Angelegenheit Bulgariens aufzufassen und eine Ein- milchur.; der Mächte daher ausgeschlossen sei. Auch bringt man den wiederholten Aufschub der Reise des Ministers v. Giers mit diesem von langer Hand geplanten Ereigniß in Verbindung und will wissen, daß die viel und oft geplante
Es wird zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß der Geschäftsführer der Section IX der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft Herr 4B, Bayer zu Dortmund von der Sektionsversammlung als Beauftragter für den Bezirk dieser auch den Kreis Gießen umfassenden Sektion gewählt worden ist.
Gießen, am 23. August 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
_________________________________________________________I. V.: v. Bechtold. _______________________________________
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M. S97 Donnerstag den 26 Angust 1886.
Gießen
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