Thauwetter gekommen und ist bei den ungeheueren Schneemassen, die letzter Tage in ganz Deutschland gefallen sind, eine Ueberschwemmung des Rheins und seiner Nebenflüsse kaum ausbleiblich. In den wenigen Nachmittagsstunden haben sich hier die Folgen des Thauwetters im Rhein bereits durch ein Steigen von mehreren Zentimetern gezeigt und gleichlautende Meldungen sind schon von Mannheim hier eingetroffen. Die hiesige Bürgermeisterei hat bereits alle Vorkehrungen für den Fall einer Ueberschwemmung getroffen und insbesondere die Räumung der Hafenmagazine angeordnet. Die städtische Pumpstation arbeitet schon tüchtig, um das Wasser aus den Canälen zu werfen.
— Wohl im Zusammenhang mit den Frankfurter Socialisten-Verhaftungen stehend, hatten in den letzten Tagen hier und in zwei umliegenden Ortschaften Haussuchungen nach socialistischen Schriften stattgefunden. Wie wir hören, waren diese Recherchen erfolglos.
— Zu dem Brüsseler Postdiebstahl bringt die „Allg. Ztg." folgende Mittheilungen: Seit dem Postdiebstahl überwachte die Brüsseler Post sehr sorgfältig alle aus England kommenden Correspondenzen. Es fiel nun auf, daß ein Deutscher Namens Eberhard seit ungefähr dem 20. November postlagernd zahlreiche Briefe theils aus England, theils aus Deutschland erhielt. Das Benehmen dieses Fremden, welcher sich gewöhnlich in Begleitung zweier anderen Deutschen befand, war um so verdächtiger, als die ihn bewachenden Beamten feststellten, daß der unter dem Namen Eberhard eingetragene in Wirklichkeit Karl Müller hieß. Am 15. ds. nun erhielt dieser Mann ein aus Leipzig datirtes Telegramm postlagernd ohne jede Unterschrift mit dem Inhalt: „Verkaufet Steine". Der Inhalt dieser Depesche, sowie der Mangel der Unterschrift, war aufgefallen und der Postdirector begehrte von Eberhard die Vorzeigung eines Passes. Eberhard zeigte einen solchen, der sich aber als gefälscht erwies. Leider war die hiesige Polizei so unvorsichtig, nicht sofort zur Verhaftung dieses Menschen zu schreiten. Der Gauner hatte gemerkt, daß er sich in Brüssel nicht mehr sicher fühlen könne. Er wußte die ihn bewachenden Beamten zu täuschen und flüchtete sammt seinen beiden Genossen nach Deutschland. Wie festgestellt wurde, haben die drei Gauner Mittwoch Nacht den Schnellzug nach Düsseldorf benutzt. Aus den mittlerweile aufgefangenen Briefen an den falschen Eberhard geht mit Gewißheit hervor, daß er und seine beiden Genossen der internationalen Bande angeboren, welche den Postdiebstahl vollbrachte. Das Signalement derselben wurde den deutschen Behörden telegraphisch übermittelt. Bei Durchsuchung der Wohnung Eberhards wurden die Umschläge mehrerer dem ausgeraubten Postwagen entstammender Geldbrtefe gefunden, sodaß jeder Zweifel an der Mitschuld desselben ausgeschlossen ist.
Literarische-.
— Unter den Damen- und Modenzeitungen, die alle mit dem Neuen Jahr in ein Stadium gesteigerter Thätigkeit, erhöhter Leistung eintreten, zieht die Jllustrirte Damenzeitung „Der Bazar" wieder einmal das Interesse der schöneren Hälfte der Menschheit in bevorzugter Weise auf sich. Das wohlgeleitete, von trefflichen Kräften bediente und auf umfassende Mittel gestützte altbewährte Journal zeigt sich des durch 32 Jahre erprobten Rufes als erste und wichtigste Damenzeitung durchaus würdig. Ausgezeichnet auf dem Gebiete der Mode, deren Neuerscheinungen es durch vorzügliche Bilder und äußerst praktische Schnitte den Damen zugänglich macht, excellirl das Journal durch seine Handarbeiten und giebt hier so Vieles und so Gutes, daß die Rivalität neben ihm sehr schwer sein dürfte.
Die literarische Nummer erhält sich auf der erstiegenen Höhe und schüttet über ihre Leserinnen ein förmliches Füllhorn an schönen und interessanten Novellen, Dichtungen, Aussätzen rc. aus, durchsetzt von zahlreichen trefflichen Bildern in musterhaftem Holzschnitt.
— Wohl niemals hat eine Zeitung einen so rapiden Aufschwung genommen, wie der „Berliner Lokal-Anzeiger", welcher, im November 1883 beginnend, sofort mit wärmster Begeisterung ausgenommen, — heute sich einer festen, treuen Abonnentenschaar von über 87 OOO rühmen darf. In der Reichshauptstadt selbst hat der „Berliner Lokal-Anzeiger" durchschnittlich in jedem Hause drei Abonnenten. Die Frage, worin diese enorme Popularität des Blattes, abgesehen von dem billigen Abonnementspreise, begründet ist, darf als wohlberechtigt anerkannt werden. Hier ist die Antwort auf diese Frage: das Publikum oben und unten, in allen Schichten der Gesellschaft, ist herzlich müde des politischen Ballastes, welchen die Parteiblätter täglich in die Welt- schicken. Der „Lokal-Anzeiger" drängt nicht Meinungen auf, sondern referirt nur in verständlichem Tone über alle Begebenheiten in der politischen Welt. Polemisch ist er nur da, wo es gilt, Mißstände, Härten, Unzuträglichkeiten im socialen und communalen Leben zu bekämpfen. Somit stellt sich der „Lokal-Anzeiger" nicht über das Publikum, sondern arbeitet mit dem Publikum, unter warmer, sympathischer Betheiligung des Letzteren. Diese Principien, welche in der „Stadt der Intelligenz" sehr schnell durchschaut und erfaßt wurden, haben dem „Berliner Lokal-Anzeiger" überall Freunde erworben und dem Blatte Eingang, selbst in die höchsten Schichten der Gesellschaft, verschafft. Der Abonnementsprels des „Berliner Lokal-Anzeiger", welcher (außer Montags) täglich 2Vr bis 6 Bogen stark in großem Format erscheint, beträgt monatlich 80 Pfennig und nehmen alle Postämter Deutschlands Bestellungen entgegen. Der bereits abgedruckte Tbeil des hochspannenden Romans: „Ein stolzes Herz" von Theodor Küster wird neu hinzutretenden Abonnenten gratis nachgeliefert. Anfangs Januar bringt der „Berliner Lokal-Anzeiger" unter Anderem auch eine Schilderung aus dem Berliner Verbrecherleben unter dem Titel: „Die Falschmünzer von Berlin" nach Aufzeichnungen des allbekannten Criminal-Commissars Weien.
Schiffs- Bewegung
der Postdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft.
Hamburg, 21. December. Das deutsche Dampfschiff „California", Capi- lan Winckler, ist am 21. December, 4 Uhr Morgens, wohlbehalten in New-York an- gekommen
„Monopol-Seide“. (Modebericht.) „Vom Fel« zum Meer" 1886 — Heft 8 schreibt:
• • • * "Durch Einführung der „Monopol-Seide“ hat sich der Zürcher Seiden« Industrielle <*. Henneberg ein wahres Verdienst um die nach einem ein- fachen und gediegenen Seidenstoff seit lange vergeblich Umschau haltende Damenwelt erworben. Das Gewebe ist dauerhaft wie Leder, weich wie Sammt, glänzend wie Atlas; aus reinster Seide auf Lyoner Stühlen gewoben, erscheint es als eines der solidesten und reichsten Fabrikate, welche die Webindustrie seit lange erzeugt. . .
Nur direct und nur ächt, wenn auf der Kante eines jeden mfetre eingedruckt ist 9178 | G. HENNEBERG’S „MONOPOL“ | umgehend.
& nunmehr 18 Jahre so beliebte, trotz aller Nachahmungen unüber« , . 77< troffene Haarwaffer von Retter, München (staatlich geprüft und begutachtet), welch, statt Oel od. Pomade tägl. gebraucht heftens zu empfehlen ist, verkauft zu 40 H u. M 1,10 I. H. K«hr, Sonnenstraße 25, Gießen. 775
Auszug aus den Staudesamtsregister« des Standesamts Gieße«:
(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)
Aufgebote.
December: 22. Johann Adam Hettche von Lohra, Kreis Marburg, Dienstknecht dahier, mit Katharine Heuser von Nordeck, wohnhaft dahier.
Geborene.
December: 13. Dem Gerber Karl Nelke ein Sohn, Paul. 15. Dem Schuhmacher Jacob Gilbert eine Tochter, Anna Marie Katharine. 18. Dem Maschinenarbeiter Ludwig Schäfer eine Tochter, Louise Ottilie Lina. 20. Dem Kutscher Christian Burk eine Tochter. 22. Dem Bahnarbeiter Johannes Weinandt eine Tochter, Anna Elisabethe.
Gestorbene.
December: 17. Sara Finkenstein, geb. Stern, 86 Jahre alt, Wittwe von Wolf Flnkenstein. 18. Dem Bäckermeister Friedrich Schreiner ein todtgeborenes Kind männlichen Geschlechts. 20. Der Unteroffizier Johann Friedrich Karl Andreas Zeh, 23 Jahre alt. 21. Dem Lokomotivführer Christian Träger ein todtgeborenes Kind männlichen Geschlechts. 21. Johannette Schmidt, geb. Lampus, 42 Jahre alt, Ehefrau von Schuhmacher Martin Schmidt. 22. Sophie Engel, geb. Ströhlein, 75 Jahre alt, Ehefrau von Büchsenmacher Heinrich Engel I. 22. Mathilde Rüti, 48 Jahre alt, lebig, Privatim 23. Ludwig Walldorf, 5 Monate alt, Sohn von Händler Isaak Walldorf.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Siadl Gießen.
Evangelische Gemeinde.
«ttaufte.
Den 19. December. Dem Landgerichts-Secretär Ernst Löwer ein Sohn, Ernst Karl, geboren den 14. November.
Beerdigte.
Den 19. December. Friedrich Xandry, Graveur, lediger Sohn des verstorbenen Schreinermeisters Heinrich Xandry, alt 25 Jahre, gestorben den 17. December.
Den 23. December. Johann Friedrich Karl Andreas Zeh, Unteroffizier, ledig, alt 23 Jahre, gestorben den 20. December.
Denselben. Johannette Schmidt, geb. Lampus, Eheftau des Schuhmachers Martin Schmidt, alt 42 Jahre, gestorben den 21. December.
Brobpreise
vom 26. December 1886 bis 9. Januar 1887.
der Bäcker $
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27
2 „ (4 Pfd.) Weißbrod .... 54
1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrot) 1. Sorte 24
2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48
1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21
2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42
3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte
bei I. Lein, K. Haas, L. Keil 63
1 Kgr.
1 "
2 ", 1 "
t :
Gießen, den 24. December 1886.
der Brodverkäufer H
(2 Pfd.) Weißbrod .... 27
(1 „ ) „ 54
(2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 24 (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 48 (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte — (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 21 (4 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 42
(6 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 63
Großherzogliches PolizeiamL Gießen. Fresenius.
fleöenßetöer hungernden Vögel!
Allgemeiner Anzeiger.
= „Eleclra“ —
Vorzügliche Weihnachisgobe.
w« „Eleetra“ VÄÄaiw":'"' Nähmaschine.
Der Schlummer des Kindes in der Wiege und die Ruhe- bedürftiakeit des Kranken ungestört,
bleiben durch den Gang der <e vielweniger
werben bie Miteinwohner bes Hauses, wie bisher, belästigt.
8834 Theodor Haubach, (Siefen.
= wEiectrart
Chocolade 8$ Cacaopulver, erstere von 1 M an bis zu M 3.50 pr. Pfd., aus der Fabrik der Herren Joh. PH. Wagner St Co. in Mainz empfiehlt als eine der reellsten und besten Fabrikate 8964
Emil Fischbach.


