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Politische Ueberfkcht.
Gießen, 23. December.
Die Arbeiten des Bundesraths sollen gleichzeitig mit denm des Reichstages, also etwas früher als beabsichtigt war, wieder ausgenommen werden. An erster Stelle werden dazu gehören die Unfallversicherung der Seeleute und die Abänderung des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Auch über dsn letztgedachten Gegenstand ist in den Ausschüssen die erste Lesung beendet. Eine wesentliche Herabsetzung der Rechtsanwallsgebühren wird kaum erfolgen, da man im. Bundesrathe mit den Aeußerungen sowohl in der Presse, als auch aus den Kreisen der Anwälte rechnet, überdies aber die Stimmung süddeutscher Staaten einer einschneidenden Verminderung nicht geneigt ist. Zum Mitglieds des Reichsbankdirectorium» ist erwählt Assessor Hartung, zum Reichsgerichtsrath ist ernannt der Oderlandesgerichtsrath Dauben- Ipeck in Hamm. Wie die „Köln. Ztg/ sicher erfährt, sind Beschlüsse über Erklärungen, welche der Bundesrath bezüglich der Stellung der verbündeten Regierungen zu dem Ergebniß der ersten Lesung der Militär-Commission abgeben soll, nicht gefaßt worden. Die Stellung der Regierung ergiebt sich mit der Einbringung der Vorlage von selbst. Es heißt, es seien der letztern sehr umfassende Verhandlungen zwischen den Regierungen vorausgegangen, und es läßt sich denken, daß dabei auch die verschiedenen Möglichkeiten der Beschlüsse in der Commission und im Plenum des Reichstages erörtert wurden.
Der preußische Finanz Minister v. Scholz ist, wie aus ihm nahestehenden Kreisen verlautet, entschlossen, eine Gelegenheit im Reichstage wahrzunehmen, um eine Erklärung gegenüber den Klagen der Handelsorgane bezüglich seiner srühern Aeußerungen über die Börsensteuer abzugeben.
Unlängst gaben die Socialdemokraten die Absicht kund, ihre Agitation jetzt mtt besonderer Kraft in die Wahlkreise zu tragen, welche bisher vom Centrum vertreten waren. Da man mit schwerem Geschütz nicht gleich vorgehen will, so wird der Versuch gemacht werden, etwas verhüllt die socialdemokratische Propaganda zu betreiben. Man will zunächst Stimmung für die soctaldemokratischen Fachvereine machen. In Braunschweig, wo sich jetzt, nach dem Niedergang der Lohnbewegung der Bauhandwerker in Berlin, augenblicklich der Hauptherd der Agitation für die Maurer und Zimmerer befindet, hat man ein Flugblatt hergestellt, das speciell für bie katholischen Bauhandwerker berechnet ist. Die betr. Mitglieder der Fachvereine find aufgesordert, dieses Flugblatt möglichst zu verbreiten.
Die Bearbeitung der Untersuchungsfrage über die Sonntagsruhe im Reichsamt des Innern ist ihrem Abschluß nahe. Dem Bundesrath und Reichstag wird eine Uebersicht der Bearbeitung zugehen. Die Behauptung, daß die Regierung sich zu keiner Erweiterung der bevorstehenden Gesetzgebung entschließen werde, wird Recht behalten; in dieser Session wird es keinesfalls dazu kommen. . , , L
Die neueste Rang- und Quartierlifte der kaüerlich deutschen Narine weift an Schiffen und Fahrzeugen aus: 13 Panzerschiffe, 14 Panzerfahrzeuge, 9 Kreuzersregatten, 8 Kreuzercorvetten, 5 Kreuzer, 4 Kanonenboote, 5 Avisos, 11 Schulschiffe und Fahrzeuge, sowie 31 Fahrzeuge. Von diesen Schiffen befinden sich in der Heimath: S. M. Panzerschiff Friedrich Karl Machtschiff in Wilhelmshaven), S. M. Panzerschiff Hansa (Wachtschiff in Kiel), S. M. Panzerschiff Sachsen (Stammschiff der Reservedivision der Ostsee), S. M. Panzerfahrzeug Mücke (Stammschiff der Reservedioision der Nordsee), S. M. S. Mars (Artillerie schulschiff zu Wilhelmshasen), S. M. Kreuzersregatte Elisabeth (Torpedoschulschiff zu Kiel). Im Auslande: Aus der ostasiatischen Station: S. M. Kreuzer Nautilus, S. M. Kanonenboot Wolf. Aus der australischen Station: S. M. Kreuzer Adler, S. M. Kreuzer Albatros. Aus öet ostamerikanischen Station: S. M. Schiffsjungenschulschiff Nixe. Auf der ostafrikanischen Station: S. M. Kreuzer Möve, S. M. Kanonenboot Hyäne. Auf der westafrikanischen Station: S. M. Kreuzer Habicht, S. M. Kanonenboot Cvclop, S. M. Kreuzercorvette Luise (auf der Heimreise). Als Kreuzer- geschwader: S. M. Kreuzersregatte Bismarck, S. M. Kreuzercorvetten Olga, Carola Sophie. Auf der Mittelmeerstation: S. M. Fahrzeug Loreley. Als Schulgeschwader (Westindien): S. M. Kreuzerfregatten Stein, Moltke, Prinz Adalbert.
Der .Figaro" bringt folgende Mittheilungen über die Umgestaltung der französischen Bewaffnung: Der nach Amerika gesandte Oberst
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Gras ist mit den Maschinen für die Anfertigung der Repetirgewehre hierher zurückgekehrt. Vom 1. April an werden diese in einer Staatsgewehrfabrik ausgestellten Maschinen, die mehr als zwei Millionen Franken kosten, 30,000 Gewehre den Monat liefern. Alle Forts an der Grenze werden mit den neuen Bomben bis zum Frühjahr versehen sein. General Boulanger hat 220,000 Bomben für Bangescke Geschütze bestellt; die Bomben, welche in Bourges gefüllt werden, sind mit Percussionszünrern versehen. Die stählernen Hüllen werden in den Werkstätten von Rive-de-Gier angefertigt. Jede der Bomben wiegt vor der Ladung 26kg. Nach dem Evönement hat die Gewehrsabrik von St. Etienne bereits 5000 Repetirgewehre kleinen Kalibers abgeliefert; dieselben sind an die Jägerbatatllone in Luneville, Remiremont, Embrun, Versailles und Longwy ver- thellt worden. Bis zum 1. März sollen ferner alle Jägerbataillone und bis zum 1. Mai die gelammte Infanterie mit der neuen Waffe ausgerüstet fein.
Die Königin von England, welche.nicht beabsichtigt, das Parlament in Person zu eröffnen, sondern sich sehr zurückhält, hatte am 18. d. Mts. die Freude, in Windsor-Castle ihren Enkel, den jüngsten Sprossen de« Battenberger Hauses, taufen zu sehen. Tauspathen waren: die Königin, der Prinz von Wales, Prinz Alexander von Hessen, Prinzessin Irma von Hessen und Fürst Alexander von Bulgarien. Die Königin selbst nahm den Täufling, den ihr Lady Buddulvb überreichte, an sich und übergab ihn während des Gebetes, das der Hausgeistliche sprach, diesem würdigen Dccan. Sie nannte dabei die Taufnamen Alexander Albert und ließ sich den kleinen Prinzen wieder zureichen, nachdem er getauft war. Dann setzte sich der Zug der königlichen, großherzoglichen und prinzlichen Herrschaften mit hohem Gefolge nach der Gallerte in Bewegung, wo die Königin mit Prinzeß Beatrice zur Seite die eingeladenen Gäste vom hohen Adel u. s. w. vorüberziehen ließ. Der Chor der Georgskapelle sang mit Orgelbegleitung. Den sürstlichen Herrschaften wurde im Eichen-Saal eine Luncheon servirt, bei dem die Gesundheit des Täuflinge ausgebracht wurde._____________________________________________________
Universität-» Chronik.
— In Zürich ist der berühmte Augenheilkundige, Professor Horner, plötzlich gestorben.
— An der Universität Erlangen sind in diesem Semester 880 Studirende immatrikulirt, 29 weniger als im letzten Semester. Unter den 880 Studirenden gehören 424 der theologischen, 268 der medicinischen, 114 der juristischen und 74 der philosophischen Fakultät an. Die Hospitanten gehören fast alle der medicinischen Fakultät an.
— Die Ludwig-Maximilians-Universität zu München zählt in diesem Winter- Semester 3176 Studirende; davon sind Bayern 1855 und die übrigen 1321 gehören anderen Staaten an. Gegen das letzte Semester hat sonach wieder eine Steigerung stattgefunden, so daß mit obiger Summe die höchste bis jetzt erreichte Frequenz zu verzeichnen ist.
— Der Privatdocent Dr. K. Oebbecke in München ist zum ordentlichen Professor der Mineralogie und Geologie in der philosophischen Fakultät der Universität Erlangen und zum Director des mineralogischen Cabinets ernannt worden.
— Die Universität Breslau zähl: gegenwärtig 1347 Studirende, und zwar 165 katholische Theologen, 166 evangelische Theologen, 221 Juristen, 362 Mediciner und 433 der philosophischen Fakultät angehörige. Außerdem besuchen die Vorlesungen 101 Hospitanten, mit welchen letzteren sich die Gesammtzahl der Hörer auf 1448 beläuft. Die Zahl der immatrtkulirten Preußen beträgt 1304, darunter Schlesier 1006, aus Posen 156, Westpreußen 56, Westfalen 10, Rheinland 4. Aus den übrigen deutschen Staaten besuchen 18, aus dem übrigen Europa 22, aus Canada und Japa bezw. 2 und 1 Studirende die schlesische Hochschule.
— Im letzten Prüfungsjahr 1885/86 sind, einer Bekanntmachung des Reichskanzlers zufolge, von den zuständigen Centralbehörden des Deutschen Reichs 998 Aerzte apvrobirt. Im Jahre 1884/85 betrug die Zahl der Approbationen 876, 1883/84 771, 1882/83 692, 1881/82 669 und 1880/81 556. Die Steigerung berechnet sich also für die letzten 4 Jahre auf 415 oder 75pCt. Zahnärzte sind 50 approbirt gegen 27, 22, 22, 25 und 16 in den Vorjahren, sodaß also auch hier die Zunahme beträchtlich ist. Die Zahl der approbirten Thierärzte ist weniger gestiegen, war jedoch in keinem der Vorjahre so groß, als im letzten Prüfungsjahre, in welchem sie 126 betrug gegen 97, 92, 95, 121 und 57 in den Jahren bis 1880/81 zurück. Apotheker endlich sind 442 approbirt, während diese Zahl sich 1884/85 auf 420, 1883/84 auf 393, 1882/83 auf 315, 1881/82 auf 327 und 1880/81 auf 355 belief.
Leipzig, 20. December. Während des gegenwärtigen Wintersemesters beträgt die Gesammtzahl der Studirenden 3251, nämlich 1397 Sachsen und 1854 Nichtsachsen, unter ihnen 1063 aus Preußen. Theologische Facultät 672, die juristische 738, die medicinische 781 und die philosophische Facultät 1040.
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Nr. 300. Zweites Blatt Freitag den 24. December 1886.
ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


