Ausgabe 
19.12.1886 Fünftes Blatt
 
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Die Anlage einer Ueberbrückung von Seiten des Herrn I. Bernhardt -wird ebenfalls, da dieselbe unbedingt nöthig und den örtlichen Bestimmungen gematz angelegt ist, nachträglich anerkannt. ä A .. .. .T. <

Nach Genehmigung verschiedener Ko stendecr eturen wird die öffentliche Sitzung 5^4 Uhr geschlossen.

Gießen, 18. December. fZurn Webe r-Concerti Der heutige Tag olls der hundertste Geburtstag unseres Carl Maria von Weber, ist em Jubeltag nicht nur für Deutschland, das stolz darauf ist, solch' einen Sohn gehabt ru haben, sondern auch für die ganze musikalische Welt. Denn wo ist ein Land, wo eine Stadt, wo eine Familie, die sich nicht an feinen Melodien erfreute? Sind sie doch so gemuthvoll, so dnfad), ungesucht und volksthümlich, dah sie in allen musikalischen Kreisen erklingen. Ragen auch seine Gedanken nicht an die Tiefe eines Beethoven heran, fo quellen sie doch mit jener Leichtigkeit hervor, wie bei einem Haydn und Mozart. Die melodien- feinde Richtung der tiefer musikalisch Gebildeten wird freilich keine besondere Zuneigung zu ihm empfinden, gleichwohl kann sie nicht leugnen, daß Weber tn feinen meisten Schöpfungen ich erinnere nur an denFreischütz , an ferne r ,

wahren Herzenston des deutschen Volkes getroffen hat. Der Mehrheit sind sicherlich nur seine Opernmelodien, einige Quartette und em paar Salonstucke für Klavier bekannt doch feine musikalifche und künstlerische Individualität ist so reich und viel­seitig, daß ein gründliches Studium dazu gehört, sie zu erfassen und zu würdigen Ich will nicht ein vollständiges Bild seiner Persönlichkeit geben, das ist Sache der rein musikalischen Zeitungen. Wer sich eingehender damit beschäftigen will, der lese Reitzmann's Werk oder die Biographie, die sein edler L-ohn Max Maria ihm und sich selbst als Denkmal gesetzt hat, vor Allem aber Weber's eigene, letzt erschienenenNeise- driefe". Gr war ein ebenso großer Musiker, wie guter und frommer Menlch, ein treuer Gatte und Vater; sein ganzes Wesen macht einen ungetrübten, herzgewinnenden Eindruck. Für uns Hessen hat er noch eine besondere Bedeutung; war er doch Schuler des Acftrengen Abts Vogler in Darmstadt, eines der größten Orgelspieler und Gontra- punktisten seiner Zeit, in dessen Hause ich glaube in der Alexanderstraße er zusammen mit Meyerbeer ftubirte. Auch Gießen hat er auf feinen (Soncerttouren gestreift und bei seinem hiesigen Spiele gleich große Erfolge als Claoiervirtuos, Improvisator und Componist errungen. t c

Das Unternehmen des hiesigen Eoncertvereins, das mit vielen Mühen und Kosten in's Werk gesetzt wird, verdient drum volles Interesse. Das Programm ist gut gewählt und geordnet, die Mitwirkenden in ihren Leistungen dem Publikum hinlänglich befannt^rj ÜOn gßeber ward geboren am 18. December 1786 in Eutin und starb am 7. Juni 1826 in London. ___________________

B t i m i f 4 t e t

Mainz, 17. December. Des Mordversuchs an seiner eigenen Frau angeschuldigt stand heute der 69jährige Taglöhner Konrad König von Budenheim vor den Geschworenen der Provinz Rheinhessen. Der Angeschuldigte, dessen gleichfalls hochbetagte Frau lange Jahre an einer unheilbaren Krankheit litt, brachte im letzte» October seiner Ehegattin in Milch vermischt die Köpfe von einer Schachtel Schwefel- Hölzer bei. nach der Anklage in der Absicht, sich der langjährigen Kranken, mit der er im Allgemeinen in einer zufriedenen Ehe gelebt, zu entledigen. Die Geschworene» erachteten den Angeschuldigten nicht des Mordversuchs für schuldig, wohl aber des Verbrechens, seiner Frau Stoffe (Gifte) beigebracht zu haben, welche geeignet, der« Gesundheit zu schädigen. Das Urtheil lautete auf 2 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrenverlust. .

Unter nie dagewesencr Betheiligung fand gestern die Ergänzungswahl der hiesigen Handelskammer statt. Eine Liste mit jüngeren Mitgliedern siegte. Gewählt wurden die Herren Dr. Otto (Safteil (Waggonfabrikant), P. Melchers (Schiffs- rhcder) und H. Schwarz (Großhändler).

In dem nahen Westhofen haben die biederen Mitglieder der Backerzunst dieser Tage eine herbe Erfahrung machen müssen. Ohne jeglichen Grund haben sie gemeinschaftlich den Brodpreis um 8pCt. erhöht; die Folge davon war, daß ein Frucht- Händler mit einem auswärtigen Bäcker eine Vereinbarung traf, wonach jetzt Brod um 7 Pfg. billiger per Laib als seither hierher geliefert wird und sitzen die Bäcker nunmehr auf dem Trocknen.

Der Rhein steigt nur noch unbedeutend.

Hie lluluß mancher Kinder zur MußK-»l «rbeit-überbürdung, nicht an Trägheit oder Talenllofigkeit. Suchen wir der Jugend daS schwere Studium der Tonkunst leicht u.interessant zu machen. ES heißt:

,klavierarbeiten' °d-°- .violinschwitzen'.I

Die Musik muß ein lieber Spielkamerad werden, mit dem man sich gern« die Zeit das Hauptstreben der mustKalischenIugendpost. | Preis nebst vielen Musikstücken I Mark.H

Bestellungen nehmen alle Buch- u. Musikalienhandlungen, sowie sämtliche BH Postanstalten und deren Briefträger entgegen. Verlag von P. I. Tongrr.KSlu. W

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Allgemeiner Anzeiger.

Wahi des Vertreters der Hrensen. Gemeinde Gießen.

Bei der am 17. December 1886 vorgenommenen Wahl des Vertreters der Forensen ist als solcher gewählt worden:

Karl von Schenk zu SchweinSberg in Niederofitiden mit 3 Stimmen.

Es wird dies mit dem Ansügen öffentlich bekannt gemacht und dem genannten Gewählten besonders verkündigt, daß während drei Tagen, nämlich den 20., 21. und 22. December 1886 das Wahlprotokoll mit allen Anlagen aus Großherzoglicher Bürgermeisterei offengelegt sein wird, und daß während der unerstrecklichen Frist dieser drei Tage jeder stimmberechtigte Forense, sowie jedes Mitglied des Gemeinderaths, beziehungsweise jeder Gewählte von dem Wahlprotokoll und dessen Anlagen Einsicht nehmen und auch Einwendungen gegen die Wahl oder gegen den Gewählten, beziehungsweise auch eine Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschlusses, bei Grobherzoglichem Kreisamt Gießen vorbringen kann.

Gießen, den 17. December 1886. [9041

Die Wahlcommission:

Keller

Beigeordneter.

Vogt Siwou

Stadtverordnete.

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