Zu Beginn der siebziger Jahre war aus dein „kleinen Mann" ein reicher und nn? gesehener Bürger, ein Millionär geworden. Damals war Michel auch vielfacher Hausherr; er nannte mehrere stattliche Bauten sein eigen. Aus der Höhe des Glückes «ngelangt, erfuhr jedoch Michel plötzlich einen furchtbaren Sturz, in welchem er Alles verlor. Trunken von seinen fabelhaften Erfolgen und fest überzeugt, daß sein Stern nimmer erbleichen könne, ließ sich Michel — und damit begann sein Unglück — immer tiefer in waghalsige Unternehmungen ein, die seine Mittel überstiegen und die zu beherrschen ihm schließlich auch der nöthige Scharfblick und die geistige Spannkraft fehlten. Als nun 1873 der „Krach" kam, war auch Michel unter den Schwerverwundeten, die damals in unübersehbarer Zahl das Schlachtfeld besäeten. Der eine „schwarze Freitag" hatte ihm Alles geraubt, was ihm die Jahre in verschwenderischer Fülle in den Schooß geschüttet hatten. Sein Leben war von da an ein JmMerweitersinken und vielleicht war es gut für ihn, daß er schließlich in tiefe Apathie verfiel, in der ihm wenigstens die volle Erkenntniß seines Elends nicht aufkommen konnte. Der Mann, der einst Millionen sein eigen genannt, mußte schließlich, vom Hunger getrieben, die Wohl- thätigkeit seiner Vaterstadt in Anspruch nehmen — am Mittwoch ist Karl Michel, 57 Jahre alt, als Bewohner des städtischen Versorgungshauses gestorben.
— (Probe der deutschen Mundarten.j Eannabich giebt in seinem Hilfsbuche zur Geographie zur Probe der Mundarten den Anfang des biblischen Gleichnisses vom Säemann. Hannover: „Härt tau, et gunk ein Sägemann ut, tau sägen." — Altmark Brandenburg: „Hoch tau, et gink en Buer up't Feld tum c^een." — Hamburg: „Hört to, een Buhr güng ut, sien Saat to say'u. — Mecklenburg-Schwerin: „Häret to, sü sär gink een Sajer nut, to sajen." — Braunschweig: „Höret tau! Süh et gung een Saiemann ut to sain." — Harz: „Härt zu! sät, cs käng ä Sämann aus zu säe. — Paderborn: „Häret tu, Sü et chink'n Seimann ut so seien." — Zwischen Leipzig und Thüringen: „Hört zu, säht! 's gung ä mal a Siämann aus zu siän."— Votgtland: „Horcht auf un läßt euch söge, a mäl ging a Bauer naus zem sä'n." — Sachsen-Meiningen: „Hört zu, sich, es ging ä Sämoh os zu sää." — Ansbach: „Hört zu, sich, es gieng ü Soamä aufs Soa aus." - Cassel: „Hehrt zu, sich, et ging en Sehmann us ze säe." — Köln: „Kick! et fing ä Siemann us zu zien." — Bonn: „Hört zo, such, et jing ene Säer eruns zo säen." — An der Eifel: „Gett ägt, seet, et geng aemol enne Sämann us, öm zo säen." — Aus Zweibrücken: „Horcht zu, ischte e mal e Bauer naus ins Feld gang, vor ze säe." — Speyer: „Härt e mal zu, seht, 's isch e Sämann nautzgange säe." — Im Allgäu, unweit Füssen und Nesselwang im bayrischen Obcr-Donaukreise: „Heared zue, gueg, 's ischt a Säema naus gange 'z säed." — Stuttgart: „Höhret ine an, a Bauer ischt zum Säa naus gangi ufs Feld." — Donauwörth: „A Söma ischt ausganga, seine Sönm osz'werfa." — Gemünd: „Hairet zua, gucket, es gäht a Säemann aus zum Säan." — Würzburg: „Hör a Mol, as is ä Sämo ausganga za säa." — Nürnberg: „Höirt zou, fegt, es is a Bauer ausganga 'z säa. - Eichstätt: „Jza schau, a Bauer ist zum Söa ganga." — München: „Loßts enk sagn, a Mal is a Bauer aufs Sah'n nausganga." — Brircn: „Da hoerts a Mal zue, as ischt a Mal a Paur zu san aussiggangn."
— sAuch eine Bittet Aus Frankenthal wird geschrieben: Vor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich vor einigen Tagen ein Handwerksbursche wegen Bettel zu verantworten und erhielt dafür 10 Tage Haft. Auf Befragen, ob er etwas einzuwenden habe, gab er unter allgemeiner Heiterkeit folgende Antwort: „Meine Herren, ich bitt' um Verlängerung!"
— sPraktische Hockzeitsgaben, j Unter den Hochzeitsgeschenken, welche die Tochter Gladstone's, Miß Mary Gladstone, bei ihrer vor einigen Tagen erfolgten Verheirathung mit dem Geistlichen Harry Diew erhielt, befanden sich auch Checks, welche von sehr angesehenen Persönlichkeiten herrührten. So hatten, wie wir dem von den Londoner Blättern veröffentlichten Verzeichnisse der Geschenke entnehmen, Lord
und Lady Rosebery, Sir Andrew Clark, Sir Charles Tennant und ein Onkel bcr Bcaut, Mr. H. N. Gladstone, Checks über 100 Pfd. St., Lady Frederick Cavendish und das Parlamentsmitglied Mr. I. Holden solche über 50 Pfd. St. gespendet. Es scheint dies eine englische Sitte zu sein, die auch in den vornehmsten Gesellschaftskreisen geübt wird. Von ihren Eltern hatte die Braut ein Kreuz aus Perlen und Diamanten erhalten. Die Trauung wurde in der Pfarrkirche zu Hawarden durch einen Sohn Gladstone's, der Geistlicher geworden ist, den Rector Stephen Gladstone, vollzogen.
Schiffsnachrichten.
Bremen, 15. Februar. sPer transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Hermann, Eapt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 31. Januar von Bremen und am 2. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Nemyork angekommen.
Bremen, 15. Februar. sPer transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Fulda, Eapt. N. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. Februar von Bremen und am 5. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Literarisches.
Bella Orsaniga. Eine Cirkusgeschichte von F. M. Hochländer. Jllustrirt von H. Albrecht. Preis 1 «X Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart.
Die Scene ist Paris — das Bois de Boulogne und die Arena des Cirkus. Eine höchst elegante Herrengesellschaft drängt sich am Eingang der Rennbahn — das Publikum wartet in athemloser Spannung — und da saust sie auch schon herein mit ihrem wilden Viergespann, die Bella Orsaniga im ungarischen Czikoscostüm, graciös und kraftvoll lenkt sie die Rosse, umjubelt von „Bravi“ und „Ewlva“ und sie weiß in der anmuthig geworfenen Schlinge noch ganz andere Dinge einzufangen, als das darauf dressirte „wilde" Pußtapferd. High-life und Cirkus — sie sind nicht so weit von einander entfernt als es scheinen möchte und aus Beiden zusammen webt Hackländer eine geheimnißoolle Geschichte — fesselnd, spannend und prickelnd wie ein Glas Sektl Aber nicht ganz so flüchtig — der Künstler hat allen Reiz der Erzählung in feinen, geist- und lebensvollen Bildern festgehalten, die das schön ausgestattete Quartheft künstlerisch schmücken und zu einem harmonischen Ganzen machen.
Notiz!
Man kann bei den sich massenhaft mehrenden zweifelhaften Mitteln gegen Haarleiden nicht genug auf das bereits 18 Jahre sich bewährende, von Autoritäten empfohlene, sich durch Güte und Billigkeit auszeichnende
Haarwasser v. Netter, München aufmerksam machen, welches wirklich leistet, was es verspricht: Conseroirung und Kräftigung der vorhandenen Haare, Reinigung von Schuppen, weich und glänzend machen der Haare nebst Festhalten des Scheitels. 1117
Zu haben um 40 Pfg. und Mk. 1.10 bei I. H. Fuhr, Sonnenstraße.
Kirchliche Aiyeigkn der emngel. Gemeinde.
Die für Donnerstag Abend angesagte Erbauungsstunde muß ausfallen wegen der in der Kirche begonnenen Arbeiten zur Einrichtung von Gasbeleuchtung.
Allgemeiner Anzeiger.
WerheMe Wnbchnen.
Die Lieferung der Schreibmaterialien und sonstigen Bureaubedürfnisse für das Jahr 1886/87 soll vergeben werden. Die Bedingungen und das Verzeichnis sind bei unserer Magazinsverwaltun- einzusehen, Lieferungsangebote versiegelt und mit bezüglicher Aufschrift auf dem Couveit versehen bis zum 25. l. M., Vormittags 11 Uhr, dahier einzureichen.
Gießen, den 12. Februar 1886. 1114 Großherzogliche Direktion.
GerhkWk AseMhnkn.
Die Lieferung von 3000 Bahnschwellen aus Eichenholz soll vergeben «erden. Lieferungsangebote, nicht weniger als 200 Stück umfassend, sind bis zum 1. März d- I. versiegelt und mit bezüglicher Aufschrift versehen an uns ein- zulenden.
Die Bedingungen können dahier bei unserer Magazinsverwaltung, hei dem Ärotzherzoglichen Eisenbahnbaumeister zu Alsfeld und bei der Station Lauterbach eingesehen werden.
Gießen, den 14. Februar 1886. 1115 Großherzogliche Dircctiou.
MriMche Eisenbahnen.
Die unbekannten Eigenthümer der im Jahre 1885 auf der Bahn, in den Wagen und Warteräumen gefundenen Gegenstände werden aufgefordert, dieselben bei der unterzeichneten Dienststelle abzunehmen, widrigenfalls anders über dieselben verfügt werden wird. 1121
Gießen, den 16. Februar 1836.
Die Großh. Magazinsverwaltung.
Freitag, den 19. d. M-, von Nachmittags 2 Uhr an, soll eine Parthie Stämmchen aus den Pflanzungen der Südanlage, für Wagner geeignet, sowie Ausputzreiser von Bäu- inen am Lerchenwäldchen rc., öffentlich versteigert werden. Anfang auf der Südanlage.
Gießen, den 17. Febr. 1886.
Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 1136
1076 Zwei Schreinergesetten werden gesucht von
Ludwig Müller, Schillerstraße 28.
Bekanntmachung.
Nachdem durch Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 8. Februar 1886 das durch Großherzogliches Steuer- | Kommissariat aufgestellte Hebregister für die Beiträge zu den Kosten der ! Handelskammer füx executorisch erklärt worden ist, wird dasselbe der bestehenden Vorschrift gemäß 8‘ Tage lang von Donnerstag den 18. bis Freitag den 26. Februar auf dem Bureau der Firma A. Heichelheim mit dem Ansügen offen gelegt, daß etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen dieser Frist vorzubringen sind, und daß später vorgebrachte Beschwerden keine Berücksichti- glmg finden werden.
Gießen, den 16. Februar 1886.
Großherzogliche Handelskammer.
Ed. Silbereisen.
BekmmtMÄchLwg.
Die zur Ausstattung des neuen Kasernements in Gießen noch erforderlichen Utensilien von Holz, namentlich eine größere Anzahl Bänke, Gerüste für Montirungs-Kammern rc., Kleiderschränke, Kommoden, Schemel ohne Lehnen, Schränke für Mannschaften, Stühle mit Rohrgeflecht und mit Brettsitz, Tische, Trockenstangen, Waschtische rc. sollen in unbeschränkter Submission vergeben werden.
Hierzu ist ein Termin auf Freitag den 12. März er., Vormittags I Uhr, im Garnison-Verwaltungs-Bureau anberaumt, wozu Reflektanten mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die Bedingungen, Zeichnungen und Beschreibungen der Utensilien, sowie das Offerten-Formular zur Einsichtnahme in diesem Bureau aufliegen, von wo dieselben gegen Erstattung der Copialien- kosten auch bezogen werden können. 1134
Gießen, den 17. Februar 1886.
Großherzogliche Garnison-Verwaltung.
Hölzversteigerung.
Montag den 22. Februar 1886 sollen in dem Stadtwald zu Hungen, in den Distrikten Herborn und Hubbach, nachverzeichnete Holzsortimente versteigert werden:
71' Raummeter Buchen-, Eichen- und Nadel-Knüppel,
3o4 M n n n Astreisig,
1900 „ „ „ Durchforstungsreisig,
70 „ „ „ „ Stöcke.
-Der Anfang der Versteigerung ist im Distrikt Herborn Vormittags 10 Uhr. Hungen, am 12. Februar 1886.
Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen.
Bender._____________________1128
Das Buresw für Stellender Mittelung des Kaufm. Dereins in Frankfurt a. Main (unter Patronat der Handelskammer), besetzte, vermöge feiner ausgedehnten Verbindungen, in den letzten 6 Jahren weit über 6000 Stellen. 6674
Holzversteigerung
in der Königlichen Mrr- försterri Strupbach
(Förster Kleinwächter zu Forsthaus Haina).
Freitag den S März er.
sollen in den Districten Nr. 3 u. 4st Rothestrauch, Nr. 8 b Vierruthen, Nr. 10 Köpfelhecke, Nr- 16 u. 17 b Rothe- bergswand, Nr. 21, 22 c, 24 u. 25 Bleidenberg und Nr. 46 b Großer Hain öffentlich versteigert werden:
86 Sichen-Stämme mit 29,91 fm,
34 Nadelholz-Stämme mit 11,81 fm, 309 Nadelholz-Stangen I. bis IV. El-,
4 rm Eichen-Nutzholz-Scheite,
6 „ Buchen-Nutzholz-Scheite (Fel- genholz),
88 „ Eichen-Scheite,
60 „ „ Knüppel,
12 l „ „ Reiser III. El,
11 „ Stockholz I. El.,
30 „ Buchen-Scheite,
30 „ „ Knüppel,
315 „ „ Reiser I. El.,
555 „ „ „ II. El.,
920 „ „ „ HI. El.,
16 Wellen Buchen-Reiser III. El.,
4 rm Weichholz-Scheite,
4 „ „ Knüppel,
• 14 „ Nadelholz-Scheite,
13,5 rm „ Knüppel und
105 „ „ Reiser III. El.
Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr im Holzschlage, Distrikt Nr. 16 am sg. Radfeld.
Kaufliebhaber wollen das Holz vov dem Termine ansehen.
Forsthaus Strupbach,
den 15. Februar 1886.
Der Oberförster.
1116 Baumann.
Ein Garten in schönster Lage am - Nahrungsberg ist zu verkaufen.
1122 W. Krämer.


