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Mittwoch den 17. Februar

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brwg-rkH».

T)urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pt.

Erscheint LLtzlich mit Pv^nechme des MsrrtLgK«

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Im Vundesrathe ist in voriger Woche die zweite Lesung des drannt» wem-Monopol-Entwurfes beendigt worden und wird dem Reichstage der letztere jedenfalls in diesen Tagen zugehen.

Probst Dinder in Königsberg hat nun definitiv seine Berufung aus den erzbischöflichen Stuhl von Posen-Gnesen angenommen.

AuS Ostafrika wird wiederum über einen Conflict der deutsch-ostafri- kanischen Gesellschaft mit dem Sultan von Zanzibar berichtet. Ein Dampfer der Gesellschaft hißte deren Flagge in Gazt, welches als Schlüssel des der deutsch-ostafrikamschen Gesellschaft gehörigen Kilimandjaro - Gebietes betrachtet wird. Der Sultan schickte indessen Soldaten, welche die Flagge wieder ein­zogen; über den ferneren Verlaus der Affaire ist noch nichts bekannt.

Wie Regen und Sonnenschein wechseln in der Orient-Affaire die bedenklichen Meldungen mit den friedlicher klingenden Nachrichten ab. Heute zeigte sich die Situation auf der Balkan-Halbinsel wieder etwas mehr in Grau gehüllt. Vor Allem ist die Bukarester Meldung zu registriren, wonach die serbisch-bulgarischen Fciedensverhandlungen in Folge eines directen Befehls aus Konstantinopel plötzlich wieder fistirt worden find. Die Pforte will fich vorher über die zwischen Madjid Pascha, ihrem Bevollmächtigten, und Geschoss, dem bulgarischen Delegirten, vereinbarten Friedens-Vorschläge insormiren und hat Madjid Pascha vor dem Einlangen der bezüglichen gutachtlichen Anficht der Pforte angewiesen, fich auf keinerlei Verhandlungen einzulassen. In den türki­schen RegierungSkreisen scheint man Madjid Pascha zu mißtrauen, ob mit.Recht, muß vorläufig dahingestellt bleiben. Dazu kommt, daß Rußland noch immer Schwierigkeiten wegen des türkisch-bulgarischen Abkommens macht; jetzt heißt es wieder, Rußland verlange directe Verhandlungen zwischen den Mächten zur Lösung der schwebenden Fragen, so daß also eine neue Conserenz in Aussicht steht. Außerdem scheint das Mißtrauen zwischen Bulgarien und Serbien zuzu­nehmen. Die serbische Regierung dementirt jetzt die Meldung entschieden, daß sie eine Demobilifirung des Heeres beabsichtige und der Fürst von Bulgarien hat bei den Mächten den Antrag gestellt, dahin zu wirken, daß für den Fall eines Abbruches des Waffenstillstandes keine neuen Complicationen zwischen Ser» bien und Bulgarien entstehen offenbar ein Beweis, wie auch in Sofia die Stimmung keine besonders vertrauensselige ist. Was endlich die griechische Episode im Orient'Drama anbelangt, so ist die Verstärkung der griechischen Flottenmannschasten um 4500 Mann keinensalls als ein beruhigendes Symptom auszusaffen. Allerdings hat der französische Ministerpräsident v. Freycinet erst jüngst wieder die ernsten Folgen, welche für Griechenlands aus dessen fortge­setzter provocirender Haltung entstehen könnten, dem griechischen Gesandten in Paris vorgestellt, bis jetzt scheint aber auch diese neueste Warnung in Athen noch keine Wirkung hervorgebracht zu haben.

Mittlerweile ist aber über London eine Depesche eingetroffen, welche die bulgarisch-serbische Friedensfrage plötzlich wieder im denkbar günstigen Lichte erscheinen läßt. DieTimes" läßt sich nämlich von ihrem Wiener Cor- respondenten melden, daß König Milan endgiltig beschlossen habe, mit Bulgarien Frieden zu schließen und nach dem Friedensschlüsse sofort das serbische Heer zu demobilisiren. Garaschanin der bisherige serbische Ministerpräsident werde demissioniren und Mijatovics, der serbische Delegirte bei den Friedens-Verhand- lungen, in das Belgrader Cabinet eintreten. Die Meldung soll zwar aus amt­licher Quelle stammen, immerhin wird sie aber noch mit Vorsicht aufzu- nehmen sein.

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AeutMand.

Darmstadt, 14. Februar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 4 enthält: n . _.r

Bekanntmachung Großh. Staatsministeriums, die Herstellung emer Ersen- bahnverbindung von Mannheim über Viernheim nach Weinheim betreffend.

Die Bekanntmachung bringt den zwischen dem Großherzogthum Heffm und dem Großherzogthum Baden durch besonders hierzu ernannte Bevollmäch­tigte am 13. November 1885 zu ©eibelberg abgefc^tojTenen (Staatövertra^ wegen Herstellung einer Nebenbahn von Mannheim über Käferth^l und Viern­heim nach Weinheim, nachdem der Austausch der bezüglichen Ratificattons- Urkunden am 5. l. Mts. bewirkt worden ist, zur öffentlichen Kenntniß.

Berlin, 15. Februar. In der Commission zur Vorberathung des An­trages Ausfeld über Zulassung des Rechtsweges in Zollstreitigkeiten erklärte der Staatssecretär Burchard, die verbündeten Regierungen seien bereit, die Zu--

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Politische Übersicht.

Gießen, 16. Februar.

Noch am vorigen Freitag hat der Reichstag die dritte Lesung des Etats beendigt und demnach hierzu noch nicht einmal eine volle Woche ge- braucht. Der Ton der Verhandlungen war im Ganzen ein recht sachlicher und gemäßigter, welchem Umstande es wohl hauptsächlich zu danken ist, daß die dritte Etatsberathung sich in so verhältnißmäßig rascher Weise abwickelte; aller­dings hatte auch schon die Budget-Commission tüchtig vorpearbeitet. Die Be­schlüsse der zweiten Lesung sind im Allgemeinen und nach den Vorschlägen der Budget-Commission aufrecht erhalten worden, doch wurden bei verschiedenen Kapiteln die in zweiter Lesung gemachten Abstriche nicht genehmigt und dafür die ursprünglichen Regierungs-Forderungen wieder hergestellt. So bewilligte das Haus die in der Specialberathung abgelehnten Gehaltserhöhungen für die Zahl­meister und genehmigte auch die für die Einrichtung und Unterhaltung von Dienstgebäuden u. s. w. in Kamerun, Togo und Angra Pequena geforderte ursprüngliche Summe von 146,000 unter Ablehnung des Antrages Windt- horst, hierfür nur 94,000 JC. einzustellen. Dem letzten Tage der Etatsberathung, Lern Freitage, sah man mit besonderer Spannung entgegen, da u. A. die ein­maligen Ausgaben des Ordinariums und das Extra-Ordinarium der Heeresver­waltung, sowie der Marine-Etat aus der Tagesordnung standen, welche Special- Etats seither immer Anlaß zu erregten Debatten zu geben pflegten. Dieser Spannung entsprach aber der Verlaus der Verhandlungen nur sehr wenig; zwar knüpfte sich an die einmaligen Ausgaben für das Ordinarium des Militär- Etats eine längere Debatte, dieselbe hatte aber nicht im Mindesten einen leiden­schaftlichen Ton aufzuweisen und wurden im Uebrigen die betreffenden Positionen durchweg nach den Beschlüssen der zweiten Lesung aufrecht erhalten.^ Auch die Discussion über den Marine-Etat trug keineswegs einen außerordentlichen Cha­rakter. Nachdem bei Titel 1 zum Bau eines Kreuzers 600,000 =X als erste Rate bewilligt worden waren, wandte sich das Haus dem Titel 2 zu, bei welchem in zweiter Lesung die als erste Rate für den Bau des vielbesprochenen neuen Avisos geforderten 800,000 JL gestrichen worden waren. Der Abstrich hatte damals großes Aussehen gemacht und in der Presse viel Staub aufge­wirbelt, so oaß, da von Seiten der Deutschconservativen und Nationalliberalen die Wiederherstellung dieser Forderung beantragt worden war, allgemein eine große Debatte" erwartet wurde. Diese Erwartung ist aber gründlich getäuscht worden, denn es konnte kaum etwas Geschäftsmäßigeres geben, als die Behand­lung dieser Position. Es erklärt sich dies durch die Einbringung eines Gegen- Antrages des Centrums und der Freisinnigen durch die Abgg. v. Franckenstein und Rickert, für den neuen Aviso anstatt 800,000 600,000 zu bewilli­

gen, was offenbar ein geschicktes Manöver der Opposition bedeutete. Da sich der Chef der Admiralität, Herr v. Caprivi, mit diesem Compromiß- Ainrag einverstanden erklärt hatte, falls der conservativ'nationalliberale Antrag obgelehnt werden sollte, so erfolgte nach Zurückziehung des letzteren die Genehmigung des Franckenstein - Rickert'schen Antrages, so daß die Forderung für den neuen Aviso wenigstens zum größeren Theil bewilligt worden ist. Den von den Abgg. v. Franckenstein und Rickert vorgeschlagenen weiteren Abstrichen bei anderen Titeln des Marine-Etats stimmte das Haus gleichfalls zu. Nachdem schließlich der Etat im Ganzen, sowie das Anleihe- und das Etatsgesetz mit allen Stimmen gegen diejenigen der Socialdemokraten angenommen worden war, erfolgte noch die Abstimmung über die zum Etat eingebrachten Resolutionen- Die Resolutionen Lingens (betr. Sonntagsruhe), Möller (feste Anstellung der Telegraphistinnen) und Auer und Zeitz-Ulrich (Verbot der Malz-Surrogate) lehnte das Haus ab, genehmigte dagegen einstimmig die von der Budget-Com­mission modificirte Resolution Harms, die Regierung zur baldigen Vorlegung eines Gesetzentwurfes über die Regelung der Unterstützung zu ersuchen, welche den Famllien der zur Uebung einberüfenen Reservisten und Landwehrmänner gewährt wird. Am Samstag beschäftigte sich der Reichstag mit dem Anträge Rintelen, betr. die Bestrafung von Wahlbeeinfluffungen. Eine besondere Episode innerhalb der dritten Etatslesung bildete die dreitägige Debatte über die Währungsfrage, welche am Donnerstag mit der Annahme des Huene'schen Antrages endete, die Reichsregierung zur eingehendsten Prüfung dieser Frage aufzufordern. Nach den, den Bestrebungen der Anhänger der Doppelwährung nicht besonders günstigen Erklärungen, welche der preußische Finanzminister v. Scholz hierbei abgab, steht nicht zu erwarten, daß die Annahme desbime- Lallistischen" Antrages weitere Folgen nach sich ziehen wird.

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Das Großherzogliche Steuer-Commissanat Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.

Zum Zwecke einer von Großherzoglichem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steüerwesen, geforderten Berichterstattung ersuchen wir Sie um baldgefällige Mittheilung der in Ihren Gemeinden vorhandenen, im Besitze des Staate» oder der Gemeinde selbst stehenden, zu öffentlichen Zwecken benutzten Berwaltungs-, Gerichts-, Polizei- und Kanzleigebäude unter Angabe deren Bezeichnung, sowie von Flur und Nummer im Grundbuch- und Brandkataster. > ,

Auch wäre Auskunft darüber erforderlich, ob das betreffende Gebäude nur als Amtslokal ober zugleich als Dienstwohnung, NathhauS, Gefängniß re. benutzt wird, sowie, wenn das Gebäude der Gemeinde gehört und vermiethet ist, welcher Micthbetrag bezahlt wird.

Gießen, am 15. Februar 1886. Süssert.

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