Ausgabe 
16.5.1886 Erstes Blatt
 
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davon gewiß 80 Procent in den ärmsten Verhältnissen, so wird es klar, daß es eine ganz unabweisliche Pflicht der Nächstenliebe war, besondere Heil- und Pflegeanstalten für die Epileptischen zu gründen. So entstand vor 19 Jahren die Anstalt Bethel, durch freiwillige Liebesgaben aus Rheinland und Westfalen begründet und zunächst für die Kranken dieser beiden Provinzen ohne Unterschied der Confession bestimmt. Wie nöthig diese Anstalt war, beweist am besten ihr rapides Anwachsen auf nun ca. 30 Familienhäusern mit 800 Epileptischen, und zwar nicht bloß aus den beiden genannten Provinzen, sondern aus allen Theilen Deutschlands und des Auslandes. Der schreienden Hilferufe kamen so viele, daß man, ohne grausam zu sein, nicht ab­weisen konnte und um nur in den dringendsten Fällen zu helfen, mußte fortwährend neuer Raum geschafft, Land gekauft und gebaut werden. Woher aber für die höchst aufreibende Pflege so vieler Kranken die Kräfte gewinnen? Bezahlte Kräfte fanden sich dafür überhaupt nicht, es mußte eine Diakonissen- und Diakonenanstalt in unmittel­barer Verbindung mit Bethel in's Leben gerufen werden und diese mußten auch andere, auswärtige Arbeitsgebiete übernehmen, um einen Wechsel und Ersatz im Pfleger- und Pflegerinnen-Personal zu ermöglichen. Mit diesen Anstalten zusammen zählt die Colonie beinahe 1500 Bewohner.

Man begreift, daß ein so großes Werk barmherziger Liebe große Opfer erfordert hat und fortwährend erfordert: werden doch viele ganz unentgeltlich, die meisten zu bedeutend ermäßigten Sätzen verpflegt nach dem Grundsatz, daß den Hilfsbedürftigsten und das sind meist die ganz armen zuerst geholfen werden muß. Jährlich gegen 150 000 «AL müssen zugeschossen und durch Liebesgaben aus den Gegenden, woher wir Kranke aufnehmen, aufgebracht werden.

Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz hat durch Erlaß vom 13. April d. Js. auf Grund des Nachweises, daß im Großherzogthum Hessen- Darmstadt heimathsberechtigte Kranke seit 12 Jahren inBethel" Aufnahme und Pflege gefunden und einen Zuschuß von über 7000 AL zu den gezahlten Pflegegeldern bean­sprucht haben, sowie daß eine Anzahl dringendster Aufnahmegesuche von dort vorliegt, für welche unbedingt Hilfe geschafft werden muß, die aber sonst überall vergeblich gesucht wird dem unterzeichneten Vorstand die Erlaubniß ertheilt, bei den Ein­wohnern des Großherzogthums eine Sammlung freiwilliger Liebesgaben für diese armen kranken Landsleute vorzunehmen: dadurch erwerben die Kranken des Groß­herzogthums auch ein ganz gleiches Anrecht in Aufnahme mit denjenigen hiesiger Provinz.

Wir sind fest überzeugt, daß die Bewohner Gierens, aus welcher Stadt in letzter Zeit auch Kranke dorthin verbracht worden sind, an Opferwilligkeit nicht zurück­stehen werden hinter den Einwohnern derjenigen Gegenden, wo wir nun schon Jahre hindurch alljährlich derartige Sammlungen veranstalten durften und die bisher für die hessischen Kranken mit aufgekommen sind.

Die Sammler sind mit völlig ausreichender, polizeilich beglaubigter Legitimation versehen, sowie mit Sammelbüchern, in welche jede Gabe eingetragen wird. Wir sind für jede Gabe herzlich dankbar und sprechen diesen Dank schon hiermit aus im Namen der so schwer Heimgesuchten. Möge ihnen jedes Scherflein ein Tropfen Balsams in ihrem Weh und Jammer werden!

Gott segne alle Geber, bewahre die Gesunden und tröste und erquicke die Kranken, die wissen was Krankheitsnoth ist.

Bielefeld, im April 1886.

Der Vorstand der Colonie für Epileptische.

v. Bodelschwingh, Pastor.

UniverfltätS - Chronik.

* Gießen. sVon der Universität.^ Nach einer Zusammenstellung derDeutschen Studentenzeitung" hatten die farbentragenden Verbindungen unserer Hochschule am Ende des vorigen Semesters folgende Mitgliederzahlen aufzuweisen: Burschenschaft Alemania 15, Reformverbindung Adelphia 25, Reformburschenschaft Arminia 10, akadem. Turnverein Saxonia 12, Corps Hassia 20, Corps Teutonia 14, Corps Starkenburgia 15, Wingolf 25, katholische Studentenvereinigung Hasso-Rhenania 15, zusammen 151. Obgleich sich hiernach die Gesammtmitgliedett.unme dieser (Korporationen merklich gehoben hat, umfaßten diese doch nur 27pCt. der (Ltudentschaft; im laufenden Semester scheinen sie sich fast sämmtlich weiterhin verstärkt zu haben. Bis jetzt haben sich für das Sommersemester schon über 400 Studirende eingeschrieben. Da erfahrungsmäßig gerade gegen das Ende der Jmmatrikulationsfrist (diesmal 22. Mai) noch viele Einschreibungen erfolgen, so läßt sich annehmen, daß das jetzige Semester hinter dem vorigen, welches einen Bestand von 536 Studenten aufzuweisen hatte, nicht zurückbleiben wird. Eine VerbindungDarmstadtia" hat sich dieser Tage hier officiell aufgethan.

Handel und Verkehr.

Gießen, 15. Mai. Auf dem heutigen Markt Mete Butter per Mund AL 0.800 95, Hühnereier 2 St. 900 Enteneier St. 56 Käse pr. St. 511 X Käsematte 30 H, Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,65 bis 0,80 X Hühner per Stück «AL 0.801.20, Hahnen pr. Stück «AL 1.301.70, Enten per Stück «AL 1.702.20, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindfleisch 5256 H, Schweinefleisch 5460 X Hammelfleisch 50-66 Kalbfleisch 4048 X Kartoffeln per 100 Kilo «AL 3.504.50, Milch per Liter 1218 H, Zwiebeln per Centner AL 7.508.00, Kirschen per Pfund «AL 1.00.

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Auszug aus bett Standesamtsregisteru des Standesautts Gieße«.

Aufgebote.

Mai. 8. Johann August Schmeckenbecher, Großh. Amtsanwalt zu Lauterbach, mit Bertha Emma Minna Marie Stammler zu Gießen. 10. Mai. Wilhelm Noll, Restaurateur dahier, mit Karoline Bürger von Berleburg. 11. Heinrich Karl Her­mann Martin Zülch, Kaufmann dahier, mit Margarethe Luise Karoline Wilhelmine Haubach dahier. 11. Anton Müller von (Köln, Schreiner dahier, mit Johannette Vetzberger von hier. 11. Carl Balthasar August Theodor Plank, Bäcker von hier, mit Philippine Karoline Grüger von Gedern. 11. Karl Jeremias Hartmann, Lackirer von hier, mit Katharine Zinn von Alten-Buseck. 12. Valentin Aloys Horn, Com- munal-Pfandmeister dahier, mit Philippine Elisabethe Pauline Ottilie Hildebrand von Hungen. 13. Christian Burk von Königsberg, Kreis Biedenkopf, Taglöhner dahier, mit Katharine Köppchen von Naunheim.

Eheschließungen.

Mai. 9. Spenglermeister Johann Schneider mit Mathilde Jacobine Schopbach von hier. 12. Kaufmann Friedrich Christian Karl Leo mit Karoline Marie Bertram dahier. 12. Christian Arnold, Hilfsweichensteller, mit Katharine Müller dahier. 12. Georg Conrad Fischer von Josbach, Schneider dahier, mit Wilhelmine, geborene Schäfer, Wittwe von Schneider Johann Gottlieb Julius Exner von hier. 12. .Johannes Stein von Climbach, Restaurateur dahier, mit Hermine Fich von Reichelsheim i. W.

Geborene.

Mai. 1. Dem Schlosser Ludwig Kreuter eine Tochter, Johanna. 3. Dem Schreiner August Henke eine Tochter, Hermine. 6. Dem Eisenbahnwerkmeister Oscar Klose ein Sohn, Conrad Ferdinand Louis. 6. Dem Schuhmacher Hermann Kernagel eine Tochter, Johanna Therese. 7. Dem Bureaugehilfen Carl Weller ein Sohn. 8. Dem Bierbrauer Johann Heinrich Kraushaar ein Sohn, Justus August Heinrich. 9. Dem Maurer Georg Deibel eine Tochter, Helene Margarethe. 10. Dem Dach­decker Carl Korndörfer eine Tochter, Auguste. 10. Dem Küfer Daniel Kuhl ein Sohn, Ernst Leonhard Christian. 11. Dem Maschinenschlosser Wilhelm Rau ein Sohn, Wilhelm. 12. Dem Schutzmann Heinrich Bommersheim eine Tochter, Marie Margarethe.

Gestorbene.

Mai. 11. Johannette Kröcker, geb. Wetterroth, 67 Jahre alt, Wittwe von Badediener Karl Kröcker. 12. Friedrich Otto Engel, 2 Jahre alt, Sohn von Büchsen­macher Heinrich Engel II. 12. Realschüler Carl Schäfer, 17 Jahre alt, Sohn von Drechsler Heinrich Emil Schäfer. 13, Lisette Kreuter, geb. Thron, Wäscherin, 67 Jahre alt, Wittwe von Taglöhner Daniel Kreuter.

den

16. April.

Denselben. Ein unehelicher Sohn, Wilhelm Philipp, geboren den 9. Februar.

Beerdigte.

A«sz«g a«s de« Kirchenbücher« der Stadt Gietze«.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 9. Mai. Johannes Schneider, Spenglermeister, ein Wittwer und Mathilde Jakobine Schopbach, Tochter des Schreinermeisters Christian Schopbach.

Den 12. Mai. Georg Conrad Fischer, Schneider und Wilhelmine Exner, geb. Schäfer.

Denselben. Christian Arnold, Hilfsweichensteller, ein Wittwer und Katharine Müller, Tochter des Hilfsweichenstellers Johannes Müller.

Denselben. Friedrich Christian Karl Leo, Kaufmann und Karoline Marie Pertram, Tochter des Locomotivführers Ludwig Bertram.

Denselben. Johannes Stein, Restaurateur und Hermine Fich, Tochter des Land- wirths Georg Philipp Fich zu Reichelsheim.

Gelauste.

Den 9. Mai. Dem Maurer Ernst Haubach eine Tochter, Margarethe Karoline, geboren den 27. März.

Denselben. Dem Schuhmacher Karl Otto Enßlin eine Tochter, Aurora Eulalia, geboren den 29. März.

Denselben. Dem Zuschneider Peter König ein Sohn, Albert Wilhelm, geboren ,

Brodpreise

vom 16. bis 30. Mai 1886.

Den 14. Mai. Karl Schäfer, lediger Sohn des Drechslermeisters Heinrich Schäfer, alt 17 Jahre, starb den 12. Mai. ___________________

der Bäcker H

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27

2 (4 Pfd.) Weißbrod .... 54

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

bei L. Keil, I. Lein, K- Haas ... 63

Gießen, den 15. Mai 1886.

der Brodverkäufer H

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . ... 27

2 (4 ) .....54

1 (2 ) Schwarzbrod 1. Sorte 24

2 , (4 ) Schwarzbrod 1. Sorte 48

3 (6 ) Schwarzbrod 1. Sorte

1 (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 (4 n ) Schwarzbrod 2. Sorte 42

3 H (6 ) Schwarzbrod 2. Sorte 63

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Temperatur der Lahn.

Am 15. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 10°, Luft 8° R. im Schatten.

L. Chr. Rübs am en.

Allgemeiner Anzeiger.

750000OKaz-ft

Zweiter Hauptgewinn 40000 M.W.

Vuncj' am G. unO 7. e^-ivU. 3. eL

Vierter Hauptgewinn 20000 M.W.

Dritter Hauptgewinn 30000 M. W.

-wt. alte. 3 Snefvun-

Ier Aorstand der Ständigen Ausstellung, Weimar. Loose sind auch zu haben bei:

darunter Hauptgewinne im Wcrthe von

600009)1., 4000097).,30000977., 20000977.

3x10000 91c., 4X5000910., 7x3000 91c.

6YI7 L 10 Sir., w«ooM f, a U JVvAV. k 5 gjt,, §t so G)xc., vezoeHc'et

Julius Wallach, Lotterie - Geschäft in Giessen. 3777

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Gefchäfts-Uebernahme.

Einem hiesigen wie auswärtigen Publikum zur Nachricht, daß ich das von meinem sel. Vater betriebene Ladengeschäft sowie auch die Glaserei mit dem Heutigen übernommen habe. Indem ich mich in beiden Geschäften bestens empfohlen halte, wird es mein eifrigstes Bestreben sein, das meinem Eltern­hause in so hohem Maße geschenkte Vertrauen auch mir erhalten zu suchen.

NB. Gold und Politurleisten, Spiegel und Spiegelgläser habe stets auf Lager und wird das Einrahmen von Bildern und Spiegeln bestens ausgeführt.

Gießen, am 15. Mai 1836.

Wilhelm Fillmaaan

in Firma: CH. A. Mmann

3798 Kirchplatz 15.

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