Issue 
14/11/1886 Erstes Blatt
 
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einen Entschluß fasten. Um dem verehrten Meister wenigstens den guten Willen zu -eigen, entschloß man sich endlich, zwei Quartette von der Composition des Meisters dreistimmig zu singen. Man hatte aber kaum vor dem Hause des Gefeierten die ersten Takte angestimmt, da erschien Zelter im Schlafrock und Zipfelmütze am Fenster, riß dieses auf und rief hinunter;Aber das klingt zum Teufelholen! Wo ist denn der zweite Baß?"Er hat uns im Lflich gelassen!" tönte es zurück.Dann werde ich den zweiten Baß übernehmen", bemerkte Zelter. Und die Sänger zu sich hinauf nöthigend, stellte er sich in ihre Mitte und ergänzte durch seinen sonoren Baß die empfindliche Lücke des Quartetts.So, Kinder, sagte er, nachdem der Gesang beendet war,ich habe Euch geholfen, mir zu meinem Geburtstage ein Ständchen zu bringen, nun sollt Ihr mir dafür helfen, auf Euer Wohl eine Flasche Wein zu leeren!"

Braune Färbung auf Holz als Nachahmung von Eichen-, Wallnuß- und Kirschbaumholz wird erhalten, wenn man gewöhnliche Jodtinktur mit Alkohol ver- unnt, wobei man mehr oder minder von letzterem beifügt, je nachdem man eine helle oder dunkle Schattirung von Braun erhalten will. Die Färb - Flüssigkeit wird ver­mittelst eines breiten Pinsels oder eines Lappens aufgetragen. Nachdem die Flüssigkeit trocken geworden ist, wird das Holz poltrt.

sWiderlegt.j Erster Arzt (bei einer Section):Sehen Sie einmal, lieber College, die Leber des Verstorbenen ist ganz gesund und Sie haben ihn doch daran behandelt." Zweiter Arzt:Das macht mir eben große Ehre. Man sieht, ich habe ihm die Leber durch meine Kur ganz hergestellt; daß er an einem anderen Liebel ge­storben ist, dafür kann ich nicht."

Ein verschwundener Deutscher, Edwin Wittich, ein Hamburger, welcher durch Vermittelung des Auswärtigen Amts als Kaiserlich türkischer Chemiker und Lehrer der analytischen Chemie an der Militär-Medicin-Schule in Konstantinopel angestellt war ist spurlos verschwunden. Es herrscht die Ansicht vor, er sei in der Schule ermordet worden. Wittich hat sich oft über feindseliges Entgegenkommen seiner Mitarbeiter zu beklagen gehabt. Der deutsche Consul und die deutsche Colonie stellen die angestrengtesten Nachforschungen nach Wittich an. Die Polizei hat sie zuerst sehr mangelhaft unterstützt. Nunmehr hat der Sultan, peinlich berührt durch das Vorkommniß, Befehl gegeben, die Nachforschungen so lange fortzusetzen, bis man über das Schicksal des Verschwundenen Kunde erlangt.

o ~ ^Aus d.er höheren Töchterschule.) Lehrerin:Wenn die Menschen nach des Tages Last und Muhen sich nach der Ruhe sehnen, wenn die Sonne untergegangen und die Nacht ihre schwarzen Fittige über die Erde breitet, dann, Amalie, ist welche Reit gekommen?" Amalie:Die Zeit der Liebenden!"

Berlin.Mulier taceat, die Frau schweige! Das ist ein Satz, der längst seine Geltung verloren hat. Heut zu Tage schweigt nicht einmal das schüchterne Fraulern, wenn es mit seiner Schneiderin wegen der neuen Robe in Streitiflkeiten gerathen ist und nun von ihrer Gegnerin vor das königliche Amtsgericht I. geladen wird. Hei, das war ein Zungenkampf, den es im Termin abtetzte; staunend hörten ihn die r degewandten Rechtsanwälte und schwiegen im Bewußtsein ihrer Schwäche dieser Beredsamkeit gegenüber. Das Fräulein hat Einwand gemacht, daß die von der Schneiderin gelieferte Kleidertaille aus Sommermousseline fehlerhaft, weil schief gearbettet sei. Die Schiefheit gibt Klägerin ?u, behauptet aber, daß die Taille genau nach der Figur des Fräuleins gearbeitet sei. Man beweise die Ursache und die Heftigkeit des Streites! Unter diesen Umständen blieb nichts anders übrig, als ein sachverftandtges Gutachten zu hören; zu diesem Zwecke wurde der Klägerin aufgegeben, dre Kleidertaille zu dem Termine mitzubringen. Der Sachverständige erklärte aber, daß das Fraulein die Taille anziehen müsse, wenn er ein Urtheil über die Arbeit abgeben solle. Neue Verlegenheit! Die weiten Räume des Amtsgerichts sind für solche Vorkommnisse gar nM eingerichtet. Endlich findet sich die Kastellanfrau bereit, die Anprobe m ihrer Wohnung stattfinden zu lassen. Mit der Prozeß-Taille angethan erscheint nunmehr das Fräulein vor dem Gerichtshöfe. Der Sachverständige findet

Tmlle nach eingehender Besichtigung vorn und hinten, oben und unten passend.

JJrauIein bleibt dabei, die Taille ist schief! Der Richter unter Assistenz des Gerlchtsschreibers und einiger Referendare sucht nun selbst ein Urtheil über die Taille zu gewinnen und alle kommen übereinstimmend zu dem Ergebniß, daß die Taille dem Fraulem ganz famos sitzt. Einem solchen sachverständigen Urtheile kann kein Mädchen- gemuth widerstehen. Das Fräulein erklärt sich bereit, den Arbeitslohn für die ^aille zu bezahlen und die Kosten zu tragen, und völlig ausgesöhnt verlassen die Parteien den Genchtssaal. -

Handel und Verkehr.

. Ließen, 13. November. Auf dem heutigen Markt foftett: Butter per Psun! ^1.00-1.05, Hühnereier pr. St. ,7-8 S>, Enteneier St. 0-0 Käse pr. St. 5-8 Ätfematte 3-° H, Erbsen pr- Liter 18 4, Linsen 30 Tauben per Paar 55 bis 70 Hühner per Stück 0.85-1.10, Hahnen pr. Stück0.50-1.30, Enter. P*-r Aück 'S 1301.70, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindflc.ich 54--o6 X Schweinefleisch 5660 H, Hammelfleisch 50- 66 X Kalbfleisch 4650 $

100 Kilo v4L 4.005.50, Milch per Liter 1218 H, Zwiebeln per Centner «»Sl o.DO4.00.

Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.

In Folge der vielen Unruhs und Störungen, die von kleinen Kindern in unserer Kirche, besonders im Abend-Gottesdienst, verursacht wurden hat der Kirchenvorstand beschlossen, daß die nicht schulpflichtigen Kinder und die jüngeren Schulkinder, wenn sie ohne Begleitung von Er- wachsen en sind, in Zukunft zu den Gemeinde,Gottesdiensten nicht mehr zuge- laffen werden. Indem dies der Gemeinde mitgetheilt wird, soll wiederholt darauf aufmerksam gemacht werden, daß für die Kinder vom 6. bis etwa 12 Lebens­jahre sonntäglich eine besondere Kinderkirche eingerichtet ist, zu deren Besuch man solche Kinder, die überhaupt zur Kirche gehen, anhalten wolle. 8163

Gebotene«

c^i-r^-Mber: .5- Glaser Heinrich Gröninger ein Sohn. 6. Dem Uhrmacher Heinrich Zimmer eine.Tochter Johanna Johannette. 6. Dem Kellner Michael Pcrrr e 8. Dem Kaufmann Johann Wilhelm Rothamel

r IRL e?£ - Löhner Johannes Gilbert ein Sohn, Otto. 9. Dem Vice- ein Sohn.^^ ^aifua ^ne Tochter. 11. Dem Schlosser Emil Ludwig Hinkler

r Geworbene.

November: 5 Heinrich Becker, 8V2 Jahre alt, Sohn von Ziegler Heinrich Becker III. von Hochwelsel. 5. Karl Schmidt, 3Vr Jahre alt, Sohn von Arbeiter Johannes Schmidt von Ruttershausen. 6. Jakob Karl Schmidt, 45 Jahre alt Fuhr- Dopp, 4 Jahre alt, Tochter von Ortsdiener Heinrich Döpp von Burgsolms 11. Hermann Trapp, 54 Jahre alt, Chemiker zu Bad-Auheim. 11-Georg Hautzel, 50 Jahre alt, Bergmann von Bleßenbach, Amts Runkel.

Auszug aus dm Kirchenbücher« der Stadl Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Getränte.

Joannes Born, Metzger in Gießen, und Sophie Katharine Henriette Philippine Wacker, des Schreiners Jakob Wacker in Gießen ledige Tochter. Adolfin??c'^nL°n Schmidt, Schriftsetzer in Gießen, und Wilhelmine laniel Änuter 0 cbenfe Ärcutcr' Icbt8c Tochter des verstorbenen Taglöhners

Getanste.

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Denselben. Dem Professor Dr. Conrad Hellwig eine Tochter, Dorothea Marie Luise Caroline, geboren den 6. October.

27 September^"' 5)6111 Sc^Io^cr @eor0 ^^rmpus ein Sohn, Emil, geboren den Hans, 2? S"" Sauer ein Sahn, Karl Heinrich Christian

2 £>ctober,eIl,en' ®^narbeiter Albert Rau ein Sohn, Albert, geboren den 8ebOren®i)!e4.ieeptr@<6U6mnC6er ®E0r8 H°°8 eine Marie Katharine, geb0ren^den^^l9" Ocwber ^cIbn,cbcI e^par ^anft cine Tochter, Anna Amalie Elisabeth, 9R n Denselben. Ein unehelicher Sohn, Adolf Wilhelm Theodor, geboren den V* /Cllvvil.

wÄi JSSfÄ w »

s~,S'Ä 3 "*=*- ®~«""« wi Denselben. Dein Restaurateur Carl Heldmann eine Tochter, Marie Mathilde Carolme Hedwrg, geboren den 24. October. y De

Beerdigte.

Den 9. November Georg Ludwig Basiert, Calculator an der Oberhessischen Eisenbahn, verheirathet, alt 51 Jahre, gestorben den 4. November.

g-st°rben°d-n'k^N°°-mb-r.^^^ Wmann' Tern,itt»Et- 44 Jahr-,

Brodpreise

vom 14. bis 28. November 1886.

Kgr. (2 Pfd,

'4 Pfd.'

Schwarzbrod 1. Sorte 48

Gießen, den 13. November 1886.

(4 (6

1

2

1

2

3

1

2

3

1

2

1

2

1

2

3

der Brodverküuser

Pfd.) Weißbrod .

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

. 27

Kgr. (2

(4

(2

r (4

(2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21

(4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42 .. (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei I. Lein, K. Haas, L. Keil 63

der Bäcker $

12 Pfd.) Weißbrod .... 27

>4 Pfd.) Weißbrod .... 54

2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24

u ) .....54

) Schwarzbrod 1. Sorte 24

) Schwarzbrod 1. Sorte 48 ) Schwarzbrod 1. Sorte ) Schwarzbrod 2. Sorte 21 w ) Schwarzbrod 2. Sorte 42 « ) Schwarzbrod 2. Sorte 63

Auszug aus dm Standesamtsregistern des SLrmdeSamtz Gichm.

(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)

Ausgebokr»

n ^ovember: 6. Christian Beier von Frauenberg in Lothringen, Schneider dahier, M Loui)e Rorrg Hierselbst. 10. Wilhelm Diehl, Schreinermeister dahier, mit Luise Chrlstlane Petri von hier. 12. Heizer Philipp Wißner mit Anna Marie Bellos, beide Friedrich Gottfried Schmoll, Cigarrenfabrikant dahier, mit Anna PHsabetha Adami von Rieder-Weisel. 12. Heinrich Wilhelm Ehrhard Künzel, Rentner Baist dah!er°^' mit Johanna Elise Adelhaid Agnes Bertha Ida Philippine

m _ Gheschlie߫ngen.

^covember: 10. Anton Schmidt von München, Schriftsetzer dahier, mit Wilhelmine Adolfine Carolme Friederike Kreuter von hier. 10. Friedrich Bechthold von Launsback, Taglohner dahier, rntt Maria Zinn von Maar, Kreis Lauterbach, wohnhaft dahier., '

8160

Straßburger Gänseleber ° Pasteten, femstes Hamburger Rauchfleisch, pomm. Gänsebrust, westphäl. Schinken, ächte Gotba-r «-rv-latwurst, Salami, täglich frisch- Krank«. Warst«» empfiehlt

8166 A. Koch Nachf., Hamburger Fisch-«. Delikatessenhandl.

Spezialität

in

Zucker, Thee, Suppensachen,

feinen und feinsten Qu.alitäten.

Emil Elschbach»

Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes: Dr. N aumann.

8146 Ein wenig gebrauchtes

Mikroskop

mit starker Vergrößerung - Sehfeld ca. 70 mm ist für ein Drittel des Werthes zu verkaufen. Anerbietungen bittet man zu richten an Ferd. Schnitzler in Wetzlar.

Evangelische Gemeindevertretung.

Die geehrten Mitglieder der Gemeindevertretung lade ich, vorbehältlich der an dre einzelnen Herren ergehenden besonderen Einladung, hierdurch er- gebenst ein zu einer Sitzung, die am Mittwoch, den 17. Novewber in ber Stadtkirche, die geheizt wird, statt- finden soll mit der Tagesordnung:

Voranschlag der evangelischen Kirche zu Gi-ßen für das Rech­nungsjahr 1887/8.

Gießen, den 13. November 1886.

Kaffee,

in

5484

Von allen hier consumirten fremden Bieren erzielt das beliebte Münchener Zachertbrä« einen beispiellosen Erfolg, dasselbe von vielen

ärtzfilichen Autoritäten

als der Gesundheit äußerst zuträglich empfohlen, wird in täglich frischer Sen-

düng verzapft einzig bei [8170

L. Hermann, Wiener Hof.

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