UrriverfitätS - Ehrorrik.
— Professor Gedeon Ladanyi von der Klausenburger Universitär ist am 4. Februar gestorben. Er war einer der tüchtigsten ungarischen Historiker. Im Iuhre 1870 erschien sein erstes großes Werk: „Die Geschichte des ungarischen König- thums biS zum Szatma'rer Friedensschluß", nach dessen Erscheinen er im Jahre 1872 i* die Akademie gewählt wurde. Im Jahre 1873 wurde er zum Professor an der neuen Klausenburger Universität ernannt. Seine letztere größere Arbeit: „Die Geschichte Ungarns" hat mehrere Auflagen erlebt.
— Am 5. Februar starb an den Folgen eines Blutsturzes Prof. Dr. Franz Hirschwälder, welcher an der Berner Universität systematische Theologie las. Er bat ein Alter von 42 Jahren erreicht.
Vermischtes.
— Kürzlich berührten wir, schreibt das „Leipz. Tagebl.", die Lehrlingsfrage im Handwerk und führten aus, daß die Geringschätzung, mit welcher man noch immer bei unS imbegründeter Weise auf das Handwerk, das seinen goldenen Boden noch nicht verloren hat, zurückblickt, den jungen Leuten bei ihrem Hinaustreten aus der Schule in das praktische Leben die Lust zum Erlernen eines Handwerks verleide. Als einen Beweis dafür, daß dieser Umstand sehr bedauerlich ist, muß die verbürgte Nachricht aus Berlin angesehen werden, nach welcher unter den Hunderten der stellenlosen und nothleidenden jungen Handlungsbeflissenen daselbst neuerdings viele noch nachträglich ein Handwerk erlernen. — Möchte bei der Berufswahl zu Ostern diese Thatsache, die am besten für sich selbst spricht und keiner weiteren Erläuterung bedarf, in Berücksichtigung gezogen werden.
— Die Silberdiebe, welche vor mehreren Monaten das Potsdamer Viertel zu Berlin unsicher machten und durch nächtliche Patrouillen der Criminalpolizei von dort verscheucht wurden, haben nunmehr während der Nacht einen Besuch In der Wohnung des Fürsten Radziwill am Pariserplatz abgestattet, indem sie die nur mit einfachen Schnepverschlösfern versehene Haus- und Eorridorthür ohne Schwierigkeit öffneten. Die Diebe haben sich anscheinend mehrere Stunden in der großen Wohnung aufgehalten, alle Räume derselben nach Gold- und Silbersachen durchsucht und sich erst gegen 6 Uhr Morgens entfernt. Der Hausdiener, welcher zuerst am Morgen die Wohnung betrat, fand das bei Ausführung des Diebstahls benutzte Licht noch brennen. Auffallenderweise haben die Thäter bei Beurtheilung des Werthes der von ihnen gefundenen Gegenstände sich nicht als Sachverständige erwiesen, denn während sie einen großen goldenen Pokal und sehr merthvolle massive Silbergeräthschaften zurückließen, haben sie neben echten eine beträchtliche Menge von Alfenidelöffeln und Gabeln mitgenommen. Sechs schwere silberne Tablets sind von ihnen in eine Decke gewickelt und gleichfalls mitgenommen, ab-r auf dem Pariser Platz ins Gebüsch geworfen morden.
— sAn der Tanzwuth erkrankt.^ Baronesse Marietta Burn, ein junges, reizendes Mädchen aus der Pariser Aristokratie, wurde vor einigen Tagen einer Heilanstalt übergeben, nachdem die Aerzte den Ausbruch des Wahnsinns festgestellt hatten. „ Die junge Dame war nämlich von einer wahren Tanzwuth befallen; sie entwich allnächtlich dem elterlichen Palais, um sich in den gemeinsten Schänken so lange im Tanze zu drehen, -iS sie ohnmächtig zusammenbrach. Am Morgen stets von Polizisten hereingebracht, sagte Marietta: „Dort tanzt man, in unseren Salons kriecht man ja nur." Da das Mädchen auch bei Tage ohne Musik sich unablässig im tollsten Tanze bewegte, so schien die vorerwähnte Maßregel ein Gebot der Nothwendigkeit $u sein.
New-Uork, 5. Februar, lieber dem amerikanischen Eontinent hat ein weiterer furchtbarer Schneesturm gehaust und der Schneefall ist ein so reichlicher, wie er seit
Jahren nicht erlebt worden ist. Der Sturm begann am Montag und Dienstag im Felsengebirge, wandte sich dann allmälig dem Osten zu und trieb gestern über den Atlantischen Oeean. In südlicher Richtung dehnt er sich bis zum Golf und der Stadt Mexiko aus, wo zum ersten Male seit 30 Jahren Schnee gefallen ist. Die amerikanischen Eisenbahnen sind an vielen Stellen blockirt. Eine ganze Familie, bestehend aus 8 Personen, wurde auf einer Prärie unweit Oberlin, Kansas, erfroren aufgefunden. Die Unglücklichen waren Einwanderer und wurden von dem Schneesturm überholt. Auch in Washington erfroren in vergangener Nacht 2 Personen.
— Zum Tröste für die Rheumat'schen und Gicht'schen, denen bei dem jetzigen „Hundewetter" ihre Preßhaftigkeit in so eindringliche Erinnerung gebracht wird, sei nachstehender wahrheitsgetreuer Bericht über eine Konsultation wiedergegeben, die ein bayerischer Brauereibesitzer kürzlich mit dem Geheimrath Professor v. 9L, der größten ärztlichen Celebrität der bayerischen Hauptstadt, gehabt hat. Der biedere Bierbrauer leidet, woran so manche Bierbeflissene ift höheren Semestern leiden, an der Gicht. Er fährt also nach München und geht zu Professor v. N., der ihn übrigens aus beiderseitigem militärdienstlichem Verhältniß her noch kennt. Da entspinut sich dann folgender herzerhebender Dialog:
Professor v. N. (ein gemüthlicher Urvater): „Na, lieber X., wo fehlt's denn?"
„Herr Geheimrath, ich hab's in den Beinen."
„So, so, in die Beine haben Sie's! Na, schaun's, wenn Sie's oben im Knie haben, nacha is die Gicht; wenn Sie's aber unten in den Zehen haben, nacha is das Zipperle."
„Herr Geheimrath, ich hab's in den Knieen."
„So, denn zeigen's mal her . . . Nichtig, das is die Gicht."
„Nun, und was hilft denn dagegen, Herr Geheimrath?"
„Ja, schaun's, lieber X., da denkens jetzt 'mal drüber nach, und wenn Sie a richtiges Mittel wissen, nacha sag'n 's mir's — dann sin ma alle zwo« in einem Jahr Millionär."
„Nun, und sonst?"
„Sonst trinken's halt möglichst wenig und halten's den Fuß warm und g'streckt."
„Danke schön, Herr Geheimrath. Was bin ich schuldig?" '
„Das kost nix, lieber X., aber 's nutzt auch nix."
-- (Singen und Eierlegens In einer kleinen bayerischen Stadt trug sich neulich in der Vemeinderathssitzung ein komischer Zwischenfall zu. Man stritt sich heftig hin und her, ob der Gesellschaft „Fauna" zu ihrer im März zu veranstaltenden Geflügel-Ausstellung wiederum eine städtische Prämie von 100 «A. zu bewilligen sei. Nachdem von der einen Seite darauf hingewiesen worden war, daß nach solchem Präzedenzfall auch die Gesangvereine mit Unterstützungsgesuchen kommen könnten, brach einer der Väter der Stadt in die klassischen Worte aus: „Ach was! Singen kann ein Jeder, aber Eierlegen nicht!" Stürmische Heiterkeit folgte und die 100 «A wurden bewilligt.
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Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Johannes Kißel II. von Garbenteich hat in dasiger Gemarkung Mur IX. Nr. 197 und Flur XII. Rr. 68 nach Kaufbrief vom 29. April 1853 an Karl Leinweb er von Steinbach verkauft, es kann aber die Zahlung nicht nachgewiesen werden. Wer Ansprüche auf das Kaufgeld zu bllden hat, wolle dieselben so gewiß binnen 2 Monaten hier geltend machen, alt sonst die Zahlung unterstellt und das beschränkt gelöscht werden soll.
Gießen, den 10. Februar 1886.
Großh. Amtsgericht Gießen.
Langsdorfs. 1012
Holzversteigerung.
Mittwoch den 17, und Donnerstag den 18. Februar soll im Leihgesterner Gemeindewald nachverzeichnetes Holz versteigert «erden.
1. 7 Eichen-Stämme mit 2,08
Festm.,
2. 51 Nadel-Stämme mit 15,50
Festm-,
3- 481 Nadel - Derbstangen mit
16,22 Festm.,
4. 128 Nadel - Reisstangen mit
1,72 Festm.,
5. 6 Rmtr. Eichen-Scheit,
6. 23 „ Nadel- „
7. 412 „ „ Knüppel, un
ter welchen 20 Raummeter von 3 Mtr. Länge, I. 200 Buchen-Wellen, V 500 Eichen- „
10. 12060 Nadel- „ 11. - 20 Rmtr. Eichen-Stock, 12. 87 „ Nadel- „
Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr in Abtheilung Mühlberg.
Leihgestern, am 10- Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Leihgestern.
Heß. 973
Holz-Versteigerung
im Wilsecker Gemkindeimld.
Freitag den IS. Februar, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Wiesecker Gemeindewald, in den Districten Hegwald und Teufelspfütze nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
A. Brennholz.
Scheith. Prügelh. Stockh. Reish.
Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen-
Buchen 199 22 26 2000
Eichen 4 82 9,2 730
Nadel — - - 365
B. Bau-, Werk- und Nutzholz. 224 Eichenstämme mit 29,51 Festm., 321 Eichenstangen „ 19,70 „ 251 Nadelstangen „ 2,63 „
Die Zusammenkunft und der Anfang ist im Hegwald und wird sämmt- liches Stamm- und Stangenholz zuerst versteigert.
Wieseck, am 12. Februar 1886. Großherzogl. Bürgermeisterei Wieseck. __Sommerlad. 1015
Brennholz- Versteigerung in dem Licher Gemeindemald. Donnerstag den 18. L M. werden im Distrikt Großhäuserberg versteigert:
165 Eichenstangen, für Wagnerholz geeignet,
128 Rmtr. Buchen-Scheitholz,
232 „ „ Knüppel,
50 „ Eichen-Knüppel, 6800 Buchen-Durchforstungswellen, 2375 Eichen-Wellen,
100 Nadel-Wellen,
168 Rmtr. Buchen-Stöcke,
24 „ Eichen- „
Der Anfang ist Morgens 9 Uhr am Nonnenröder Weg an der Streiteckschneise.
Lich, den 10. Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Lich.
Walz. 964
Holzversteigerung.
Dienstag den 16. und Mittwoch den 17. d. M. werden in den Ober-Bessinger Gemeinde-Waldungen versteigert: 264 Eichenstämme von 15—53 Ctm.
Durchm. und 5—18 Mtr. Länge, 21 Buchenstämme von 36—69 Ctm.
Durchm. und 4—5 Mtr. Länge, 2 Fichtenstämme von 16—22 Ctm.
Durchm. und 8—11 Mtr. Länge, 3 Nadelstämme von 15—25 Ctm.
Durchm. und 3—5 Mtr. Länge, 147 Eichen-Derbstangen von 7—14 Ctm. Durchm. und 3—13 Mtr. Länge,
31 Nadel - Derbstangen von 7—13 Ctm- Durchm. und 5 Mtr. Länge, 297 Rm. Buchen-Scheiter, 221 „ „ Knüppel,
41 „ Eichen- „ 632 „ Buchen-Astreisig, 162 „ Eichen- „ 112 „ Eichen- und Nadel-Durchforstungsreisig,
109,5 „ Buchen-Stockholz, 107 „ Eichen- „
Das Bau-, Werk- und Nutzholz kommt am ersten Tage zur Versteigerung. Der Anfang ist jeden Tag Vormittags 9V2 Uhr im Distrikt Haard bei Holznummer 1.
Ober-Bessingen, 9. Februar 1886. Gr. Bürgermeisterei Ober - Bessingen.
Kühn. 957
Kapitalien-Ausleihung.
Aus unserer Kirchenkaffe sind am 1- April d. I. etwa 100000 Mark in größeren oder kleineren Beträgen gegen hypothekarische Sicherheit auszuleihen. Angebote wolle man an die Unterzeichneten richten.
Gießen, den 9. Januar 1886.
Der evangelische Kirchenvorstand.
Dr. Naumann, J. Haustein.
Pfarrrr. 269
Holzversteigerung
im
Dsubringer Gemeindemald.
In verschiedenen Distrikten soll nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
Montag den 13, Februar
63 Eichen-Stämme mit 33,60 Fstm..
69 Nadel- „ „ 21,88 ,
635 „ Derbstangen mit 19,56
Festm.,
1070 „ Reisstangen mit 12,36
Festm.
DienStag den 16. Februar
Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter Wellen
Buchen 108 20 24 1170
Eichen 11 8 11 600
Nadel 136 160 — 3400
Zusammenkunft jedesmal Morgens 10 Uhr auf der Haid am Eingänge des Waldes.
Daubringen am 10. Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Daubringen.
Walter. 983


