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Die Zeitdauer der Krankenunterstiitzung.

Eine der wichtigsten Fragen der Krankenversicherung ist diejenige nach der Dauer der Unterstützung. Als äußerstes Maß sind 13 Wochen angenommen mit den bekannten zulässigen Ermeiterungeir der §§ 21, Absatz 1, 64, 72, 73. Nun hat sich aber wenigstens für die landwirthschaftlichen Krankenkassen (meistentheils wenn nicht durchaus in Form der Gemeindeversicherung) die Thatsache herausgestellt, daß so und fo viele Procente der Erkrankungen viel länger dauern, als 13Wochen. Das Hatzum Theil seinen Grund darin, daß sich vor Einführung des Krankenversicherungsgesetzes die Arbeiter aus Gründen der Sparsamkeit schwer entschlossen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, und daß dadurch viele, anfänglich geringe Uebel sich zu bösartigen und langwierigen Krankheiten herausgebildet haben und zwar bei Frauen etwa doppelt so viel als bei Männern nach Kenntniß des Berichterstatters auf Grund einer 16monatlichen Beobachtung. Insofern haben die jetzigen Krankenkassen die früheren Versäumnisse und Sünden zu büßen. Zum Theil aber liegt der Grund für diese Thatsache auch darin, daß viele Männer und Frauen wegen abgeschwächter Gesundheit üer Körperkraft aus anderen Hantierungen und Gewerben zur Landwirthschaft in der Hoffnung übergehen, durch diese im Ganzen gesundere Beschäftigung ihrer Lebenslänge eine Elle zuzusetzen. Insofern müssen die Gemeindeversicherungen die Verschuldung anderer Betriebe mittragen. Mögen aber die Gründe dieser Thatsachen sein, welche sie wollen, eine solch' andauernde Krankheit ist ein derartiges Unglück für den hand­arbeitenden Menschen, daß die Gesetzgebung dringende Veranlassung hat, sich mit der Frage nach der Abhilfe zu beschäftigen.

§ 60 des Krankenversicherungsgesetzes schreibt in Absatz 2 vor, daß dem Unter­nehmer,sowie den von ihm beschäftigten Personen oder von diesen gewählten Ver­tretern" Gelegenheit gegeben werde, sich über die Errichtung einer Betriebskrankenkasse zu äußern. § 64, Absatz 2 schreibt vor, daß das Kassenstatut nachAnhörung der beschäftigten Personen" durch den Betriebsunternehmer oder seinen Beauftragten errichtet werde.

Selbst wenn diese Anhörung (Woedtke, Amnerkung 13 zu § 60) nurzur In­formation" dienen soll, so hat doch die Aufsichtsbehörde die Pflicht, den Nachweis zu verlangen, daß diesen Bestimmungen entsprochen wurde. Jetzt, wo sich die Kranken- kassen-Gesetzgebung erst einleben kann, sollten die Aufsichtsbehörden alle Aufmerksamkeit darauf verwenden, daß den gesetzlichen Bestimmungen und humanen Absichten in vollem Umfange Rechnung getragen werde, damit die arbeitenden.Klassen den Segen der besetze erfassen.

Geschichts-Kalender.

12. Mai.

1525. Schlacht bei Böblingen. Die württembergischen und schwarzwälder Bauern werden durch den Truchseß von Waldburg geschlagen, wobei ihrer 8000 todt auf dem Platze bleiben. Das Verlangen der empörten Bauern war in seinen Hauptpunkten: Befreiung von den drückenden Gerechtsamen geist­licher und weltlicher Herrschaften; Verwandlung sämmtlicher geistlicher Güter in weltliche (Säkularisation), um daraus die weltlichen Herrschaften für die Aufhebung ihrer Rechte zu entschädigen; Aufhebung der Zölle und Geleite, dagegen Anerkennung des Kaisers als alleiniger Herr, dem alle zehn Jahre (!) eine Steuer gezahlt werden sollte; durchaus volksthümliche Gerichts­barkeit, Freigerichte mit Richtern aus allen Ständen rc.; Gleichheit der Münze, des Maßes und Gewichtes. Viele dieser Forderungen sind im Laufe der Zeit, meistens erst als eine blutige Errungenschaft dem Volke ge­währt worden, manche Wünsche von damals sind auch heute noch in einzelnen Theilen Deutschlands unerfüllt geblieben und harren noch der Erfüllung.

J629. Kaiser Ferdinand II. schließt zu Lübeck mit dem Könige von Dänemark, Christian IV., einen Separat-Vertrag ab, worin er diesem alle seine Länder zurückgibt, jedoch bedingt, daß dieser sich nicht weiter mehr in die deutschen Angelegenheiten einmischt, als es ihm in der Eigenschaft eines Herzogs von Holstein zusteht.

1670. August II., der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, zu Dresden geboren.

-1796. Der Dichter I. P. Viz stirbt zu Nürnberg. Unter seinen Gedichten ver­dienen seine geistlichen Lieder besondere Beachtung.

1797. Auflösung der Republik Venedig durch einheimische Demagogen und franzö­sische Waffen, nachdem diese Republik eintausend dreihundert und fünfzig Jahre bestanden hatte. Im Frieden von Campoformio (17. October 1797) siel Venedig, als Entschädigung für die verlorenen Niederlande, an Oesterreich.

1809. Erzherzog Maximilian übergibt die Stadt Wien durch Kapitulation den Franzosen, nachdem diese dasselbe 24 Stunden lang mit Erfolg beschossen hatten.

1845. August Wilhelnr von Schlegel, ein verdienstvoller Schriftsteller und Dichter, stirbt zu Bonn. Er zeichnete sich insbesondere in der Nachbildung der an-

tiken Versform aus und bewährte auf's Schönste die Biegsamkeit der- deutschen Sprache. Seine Shakspeare - Uebersetzung wird als mustergiltig bezeichnet.

1862. General Willisen überbringt im Auftrage des Königs Wilhelm von Preußen dem Kurfürsten von Hessen einAbmahnungsschreiben" wegen seines wider­rechtlichen Verfahrens gegen Volk und Verfassung und wird vom Kurfürsten mit einer solchen Geringschätzung behandelt, daß drei Tage später die Mobll- machungsordre an zwei preußische Armee-Corps erfolgte.

1864. Eröffnung der Londoner Conferenz und gleichzeitige Vereinbarung einer vierwöchentlicken Waffenruhe mit Dänemark, welche nach deren Ablauf noch- mals um 15 Tage verlängert wurde.

1872. Der Volksdichter Moritz Hartmann stirbt. Er gehörte der Linken in der Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. an und machte von hier aus die verhüngnißvolle Reise nach Wien in Gesellschaft Robert Blum's und Fröbel's. Durch glückliche Zufälle entging er dem Schicksale seines Gefährten. Hartmann's Dichtungen bekunden Herz und Phantasie; mit viel Innerlich­keit behandelt er die kämpfenden Principien der Zeit und weiß hierbei auch dem religiösen Element Rechnung zu tragen und verleugnet nirgends den Drang einer edlen idealen Natur.

1876. Die leitenden Minister der drei Kaiserreiche, Bismarck, Andrassy und Gort- schakoff, vereinigen sich zu einer Conferenz in Berlin, um den blutigen Kampf zu schlichten, in welchem die christlichen Bewohner der westlichen Türkei in Folge fortdauernder Bedrückungen und Mißhandlungen gegen die Türken begriffen waren.

Handel und Verkehr.

Gießen, 11. Mai. Auf dem heutigen Martt kvstste: Butter per Pfund X 1.001.03, Hühnereier 2 Stck. 900 Enteneier St. 56 Käse pr. St. 58

Käsematte 30 H, Erbsen pr. Liter 24 4, Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,60 bis 0,80 H, Hühner per Stück X 0.901.20, Hahnen pr. Stück X 1.101.50, Enten per Stück X 1.502.00, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindfleisch 5256 H, Schweinefleisch 5460 Hammelfleisch 5066 H, Kalbfleisch 4048 Kartoffeln per 100 Mlo X 3.504.50, Milch per Liter 1218 Zwiebeln per Centner X 7.50-8.00.

Frankfurt, 10. Mai. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer X 17,7500,00, fremder X 17,5020,50, Roggen eff. hies. X 15,0000.00, fremder X 14,0014,50, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer X 15,5018,00, fremde X 00,0000,00, Hafer eff. hies. X 14,50-15,50, fremder X 00,00-00,00.

Frankfurt, 10. Mai. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange­trieben waren 422 Ochsen, ca. 19 Bullen, ca. 456 Kühe und Rinder, ca. 326 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 6062, 2. Qual. X 4856, Kühe und Rinder 1. Qual. X 5053, 2. Qual. X 4045 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kalber 1. Qual. 5558 H, 2. Qual. 4050 H per 1 Pfund Schlachtgewicht.

Eine Stahlfeder, welche nicht glatt über das Papier gleitet, macht den Schreibenden nervös und hemmt den Gedankengang. Diesem Uebelstande hat die berühmte englische Stahlfedernfabrik D. Leonardt & Co., Birmingham, welche auf sämmtlichen Weltausstellungen mit den ersten Preisen ausgezeichnet wurde, mit der Erfindung einer neuen Stahlfeder abgeholfen. Sie hat dieselbe Fortunafeder genannt und in allen Ländern patentiren lassen. Durch eine einfache Manipulation sind die Spitzen der Feder ringsum ausgebogen, wodurch sie mit größter Leichtigkeit über jedes Papier hingleitet und ein Eindringen in's Papier, Spritzen und Faserziehen absolut unmöglich ist. In der Tbat ist diese Erfindung von größter Wichtigkeit für das schreibende Publikum, besonders aber bei Schnellschrift.

Von allen spirituösen Getränken ist guter Cognae für die Verdauung am meisten zu empfehlen. Die Cognacs der Firma B. Meising, Düsseldorf, er­hielten auf der Antwerpener Welt-Ausstellung die höchste Auszeichnung der deutschen Ausstellung.

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Mittwoch dm 12. Mai,

Nachmittags 2 Uhr, werden im Seipp'schen Hinterhause, Südanlage Nr. 21, die Mobilien des verstorbenen Fräulein Koch ver­steigert; es befinden sich dabei gut erhaltenes Bettwerk, Gopha, Stühle, Kommode, Kleider­schrank, Weißzeugkiste, Näh­maschine, Tische, Weißzeug, Küchengeschirr re., an Büchern Goethes, Schillerns Werke, sowie andere Klassiker, Gar­tenlaube, Daheim u. s. w. 3547 Im Auftrag:

Sofinazm.

Die Gegenstände können Morgens von 9 bis 11 Uhr besichtigt werden.

8. Rothenberger.

Freitag den 14. Mai,

Nachmittags 2 Uhr, werden auf dem Lony'scken Bierkeller rine Pacthie zur PH. K- Schmidt'schen Konkursmasse gehörige silberne und gol­dene Taschenuhren, wobei eine werth- volle Savonetteuhr, Regulatoren,Wand- Stand- u. Weckeruhren, sowie Spiel­dosen, Spielwerre und Mustkalbums versteigert.

F. Hoffmann, 3678 Konkursverwalter.

Allgemeiner Anzeiger.

Gefellfchaftsverein.

Bei der heutigen Ziehung sind folgende Schuldscheine, und zwar:

1. von dem Anlehen vom 1. Januar 1836 die Nr. 5, 29, 125, 159, 251 über je 100 fl.,

2. von dem Anlehen vom 1. Oktober 1854 Lit. A. Nr. 46 bis 50 incl. über je 100 fl-,

3. von dem Anlehen vom 1. Juli 1882 Lit. B. Nr. 71, 72, 73, 74 über je 200 «X.

zur Rückzahlung bei unserer Gesellschastskaffe oder dem Bankhaus A. Heichel­heim dahier auf den 1. Juli l. I. ausgeloost worden und hört von diesem Tage an die Verzinsung auf. Rückständig sind von der letzten Ziehung die Schuldscheine Lit. A. Nr. 41, 42, und von der vorletzten Lit. A. Nr. 52 des Anlehens vom 1. October 1854.

Gießen, den 8. Mai 1886.

Der Borstand des Gesellschaft-Vereins.

Gebhardt. 3697

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zu jeder Tageszeit.

18000 bis 24000 Mart Kapital

Sohgelderhebung.

Künftigen Samstag den !» Mai, von Bormittag- 8 bis Nachmittags 2 Uhr, soll die erste auswärtige Erhebung von Freiherrl. von Rabenau- schen Holzgeldern in der Wirth- schaft des Herrn Kaspar Ranft zu Beuern stattfinden.

Londorf, den 10. Mai 1886.

Der Rentmeister.

3683 Schmidt.

Mittwoch drn 12. l. Mts. sollen gegen Baarzahlung öffentlich ver­steigert werden:

a. Vormittags 11 Uhr auf meinem

Bureau:

1 größere Parthie Bücher (philol. Inh.), 1 Wecker, verschiedene Herren­kleidungsstücke,

b. Nachmittags 2 Uhr in der LouiS Flett'scheu Hofraithe dahier:

1 Wagen, 1 Hundewägelchen, 2 Bohlen, Tische. Stühle, Schränke, 2 Betten, 1 Nähmaschine, Sopha's, Spiegel, Bilder u. s. w.

Die Versteigerung unter a. findet be­stimmt statt.

Gießen, den 10. Mai 1886.

Engel,

3679 Gerichtsvollzieher.

3694] Frische Dickmilch zu haben bei Frau Hüttenberger, Westanlage 15.