Vermischte-.
Darmstadt, 5. April. Auf dem Griesheimer Schießplatz wird es wieder lebendig. Am 13. und 15. April, Vormittags von 7 Uhr ob, findet seitens der Land- wehrmannschaften des Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 3 (General-Feldzeugmeister) ein Schießen mit scharfer Munition aus Geschützen und ain 8., 9., 12. und 14. April,. Vor- und Nachmittags, das Schießen mit scharfen Patronen aus der Büchse statt.
— Von Seiten der Handwerkervereinigung in Karlsruhe wurde an das Nectorat der dortigen «städtischen Schulen ein ohne Zweifel recht zeitgemäßes Schreiben gerichtet, das wir auch unseren Lesern, soweit sie sich mit der Berufswahl ihrer Söhne vielleicht gerade jetzt beschäftigen, empfehlen möchten. Dasselbe lautet: „Vielfach wird in den letzten Jahren in den Kreisen der Handwerker Klage geführt über den spärlichen Zugang von Lehrlingen zu den verschiedenen Gewerben. Die jungen Kräfte drängen sich immer mehr zum Kaufmannsstande unb zum Bureaubcruf und vermehren den in diesem Berufe olmedies schon vorhandenen Ueberfluß an Arbeitskräften. Bei der Schwierigkeit, alsdann lohnendes Auskommen zu finden, bildet sich mit der Zeit auch in diesen Ständen ein immer zahlreicheres Proletariat und eine Vermehrung der unzufriedenen Elemente. Wesentlich Antheil an diesen Verhältnissen trägt die krankhafte Strömung unserer Zeit „der Hochmuth und das Haschen nach falschem Schein und die daraus hervorgehende Anschauung, welche den prunkenden Müßiggang über die ehrliche Arbeit stellt". Vielfach trägt hierzu die Ansicht der Eltern bei, daß die Absolvirenden einer Mittel- oder Realschule durch die Ergreifung eines Handwerks sich gewissermaßen degradirten. Wir glauben, daß während der Schulzeit und besonders bei Schluß des Schuljahres sich mancher Anlaß bieten dürfte, gegen diese Anschauung zu wirken, die jungen Leute auf den hohen Werth der arbeitenden Stände hinzuweisen und dieselben zu belehren, daß die richtige selbstständige Ausübung und Führung eines Handwerks ebensoviel Anforderung an Intelligenz und Tüchtigkeit stellt, als die größere Anzahl der oft nur in mechanischer Thätigkeit bestehenden Bureaudie'nste und daß die Gewerbe- thätigkeit der freien Entwicklung der persönlichen Fähigkeiten ein weit größeres Feld bietet, als dies im engen Nahmen deS Angestellten geschehen kann. Wir ersuchen darum löbl. Nectorat, in diesem Sinne seinen Einfluß auf die Jugend zur Geltung zu bringen und dieselbe zum Eintritt in die Gewerbe aufzumuntern."
Gesundhertsnistand und Sterblid) keil im Kreise Sichen im Jahre 1885.
Nach der nun endgültig geschlossenen Feststellung betrug im Laufe des Jahres 1885 die Zahl der Todesfälle im ganzen Kreise Gießen 1608 oder 33 mehr als in 1884. Ta die Gesammttahl der Einwohner 70,000 beträgt, so kommen demnach auf 1000 Lebende nahezu 23 Sterbfälle, wodurch das normale Mittelverhältniß nur um wenig überschritten wird. .
Sehr verändert gegen das vorhergegangene Jahr war die Zahl der Todesfälle bei Kindern. Es starben nämlich in 1885 mehr: 18 Kinder im ersten Lebensjahre und 56 zwischen dem 2. und 15. Lebensjahre, und die Gesammtzahl aller gestorbenen Kinder belief sich auf 646 gegen 572 im Vorjahre, das sind 74 mehr. Dagegen blieb die Halst der gestorbenen Erwachsenen diesmal mit 962 um 41 gegen das Vorjahr (1003) zurück. Die erhöhte Kindersterblichkeit ist vorzugsweise durch das epidemische Auftreten der Masern bedingt gewesen, wie weiter unten nachgewiesen werden wird.
Nach den einzelnen Monaten betrachtet zeigte September die geringste Zahl an Todesfällen mit 107, dann Juni mit 110, dann folgt Mai schon mit 123, Februar mit 128, Juli 131, April 133, Januar 134, December 139, October 146, November 147, August 150 und schließlich als der ungüiiftigitc März mit 158.
Von den Jnfections- oder sogen, ansteckenden Krankheiten verursachten Masern die meisten Todesfälle, nämlich 77, während Diphtherie 30 Opfer forderte (8 weniger als im Vorjahre) und Eroup 36 (gegen 22). An Scharlach starben 12 Personen, an Rose 10. Dem Keuchhusten erlagen 11 Kinder, dem Unterleibstyphus 7 Personen, der Ruhr 9.
Ungewöhnlich groß war die Zahl der an Kindbetlfieber gestorbenen Frauen, sie betrug 13, während 11 Frauen anderen Krankheiten des Wochenbetts erlagen.
Von sonstigen, besonders häufig oorkommendcn Krankheiten war es, wie gewöhnlich, Lungenschwindsucht, an welcher viele Personen starben. Diesmal 224 gegen 208 im Vorjahre. Dagegen war die Zahl der durch acute Erkrankungen der Athem- organe herbeigeführten Todesfälle mit 145 um 56 geringer als im Jahre 1884. Die Sterbfälle an den letztgenannten Krankheiten und an Lungenschwindsucht ereigneten sich hauptsächlich in den Monaten Februar bis April.
An Schlagfluß starben 35 Personen, an Darmcatarrh und Brechdurchfall 34, an acutem Gelenkrheumatismus nur 2. In 679 Fällen wurden anderweitige bekannte Krankheiten als Todesursache angegeben, während 238mal eine solche nicht näher bezeichnet werden konnte, weil ärztliche Beobachtung vor dem Tode nicht stattgefunden hatte.
Wenn wir vom Jahre 1884 besonders über das Auftreten von Scharlach in einem größeren Theile unseres Bezirks zu berichten hatten, so waren es im letzten Jahre Masern, welche in weit bedeutenderer Ausdehnung epidemisch auftraten. Wir konnten diesmal ganz bestimmt in Erfahrung bringen, von wo aus diese Krankheit in unseren Bezirk eingebracht worden. Das erste Kind, welches daran erkrankte, gehörte einer Familie in Klein-Linden an und war bei einem Besuche in einem benachbarten, außerhalb unseres Bezirks gelegenen Dorfe, wo Masern stark herrschten, inficirt worden. Von diesem Kinde wurden dessen Geschwister und Nachbarskinder angesteckt und bald war eine große Zahl ergriffen. Es war dies gegen Ende Mai und vorerst noch in keiner anderen Gemeinde des Kreises ein Masernfall vorgekommen, da erhielten wir nach kurzer Zeit Nachricht, daß in dem 4 Stunden von Klein-Linden entfernt liegenden Allendorf a. d. Lumda Masern ausgebrochen seien, von einem preußischen Nachbardorfe aus eingeschleppt. Von diesen beiden Anfangspunkten drang nun die Epidemie in die nächstgelegenen Ortschaften und verbreitete sich allmälig nach allen Richtungen des Kreises hin, so daß wohl kein Ort ganz davon verschont blieb und selbst am Jahresschlüsse in manchen Dörfern noch Kinder daran erkrankt lagen. Die oben angegebene Ziffer von 77 Sterbfällen entspricht höchst wahrscheinlich nicht ganz der Wirklichkeit, wir sind vielmehr überzeugt, daß die Zahl der daran Gestorbenen eine größere war. Es ist ja bekannt, daß bei derartigen Epidemien, namentlich auf dem Lande, nicht immer ärztliche Hilfe verlangt wird und daß dann nach etwa erfolgtem Tode, besonders wenn derselbe erst durch eine Nachkrankheit cintrat, die eigentliche Ursache nicht mit Bestimmtheit festzustellen ist.
Verhältnißmäßig zahlreiche Opfer forderte die Epidemie in Burkhardsfelden, Ettingshausen, Gießen, Heuchelheim, Hungen, Langd, Leihgestern, Lich, Holzheim, Steinbach, während in anderen Orten ungeachtet sehr zahlreicher Erkrankungen nur wenige oder gar keine Todesfälle sich ereigneten. Am gefährlichsten trat die Krankheit auf während der Monate August (19 Todesfälle), October (25) und November (13).
Scharlach fand sich, zum Theil gleichzeitig mit Diphtherie, in epidemischer Verbreitung eigentlich nur in Lich und Steinbach. In Gießen und Hungen kamen ver- hältnißmäßig öftere Erkrankungen vor, vereinzelte Fälle zeigten sich hier und da an verschiedenen Orten in der Umgegend von Hungen. In Lich kamen zu ein und derselben Zeit sowohl Scharlach, als auch zahlreiche Masernerkrankungen zur Beobachtung.
Diphtherie wurde im Uebrigen nicht mehr so häufig beobachtet, als in den vorhergehenden Jahren, namentlich war dies auch in der Stadt Gießen selbst der Fall, wo die Erkrankungen sich entschieden vermindert hatten und die Todesfälle (14) nur einen mehr betrugen als die niedrigste Zahl seit 8 Jahren. Von den Landorten waren es vorzugsweise Großen-Buseck, Heuchelheim und Lollar, wo derartige Erkrankungen öfters sich zeigten, zum Glück allerdings meist mit mildcni Verlaufe. Auch in Ettingshausen und Münster, wo in 1884 Diphtherie einige Zeit epidemisch aufgetreten war, kamen jetzt noch vereinzelte Fälle vor. In geringer Anzahl wurden solche auch noch gemeldet aus Allendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Beuern, Daubringen, Dorf Gill, Groß-Linden, Klein-Linden, Langd, Langsdorf, Ruttershausen, Saasen, Trais-Horloff, Villingen, Wieseck.
Zahlreicher als in früheren Jahren wurde Eroup als Todesursache bezeichnete Zum Theil mag dessen öfteres Erscheinen von den Masern abhängig gewesen sein, welche sich öfters mit Eroup compliciren. Ebenso zogen die Masern, wie dies nicht selten der Fall ist, Keuchhusten als Folgekrankheit nach sich, so in Allendorf a. d. Lumda, Burkhardsfelden, Gießen, Großen-Buscck, Grünberg, Heuchelheim, Holzheim, Muschen- heim, Lich, Lollar, Londorf, Ober-Hörgern, Reiskirchen, Oueckborn. Im Ganzen führte jedoch diese Krankheit nur llmal zu tödtlichem Ausgange.
Unterleibstyphus war an keinem Orte des Bezirks epidemisch oder auch nur in nennenswerther Anzahl aufgetreten. Er zeigte sich nur in Einzelfällen und hatte im ganzen Kreise nur 7mal den Tod zur Folge.
Auch Ruhr gewann keine epidemische Verbreitung. In Gießen sind zwar in einer Familie 2 Kinder kurz nacheinander gestorben und in derselben Familie noch zwei Personen daran erkrankt, weitere Fortschritte machte aber die Krankheit nicht und auch in den wenigen Orten des Landbezirks, wo Erkrankungen daran vorkamen, blieb es bei Einzelfällen.
Kindbettfieber kam in den Orten des Landbezirks ebenfalls nur vereinzelt vor, aber doch etwas häufiger als in den vorausgegangenen Jahren. In Gießen selbst traten zu Anfang des Jahres rasch nacheinander eine Reihe von Erkrankungen auf, von denen auch 4 tödtlichen Ausgang nahmen. Die Aerzte wurden verpflichtet, alsbald jede derartige Erkrankung, die in ihre Behandlung kam, anzuzetgen und den beiden Hebammen, in deren Praxis Frauen von der Krankheit befallen worden waren, wurde die Ausübung ihres Berufs für einige Zeit polizeilich untersagt, bis sie selbst und ihre Instrumente in der Entbindungsanstalt sorgfältig desinficirt und sie in der Anwendung der nöthigen Desinfectionsmittel bei den Wöchnerinnen wiederholt unterwiesen worden waren. Darnach glückte es denn auch bald, dem verderblichen Auftreten der Krankheit Einhalt zu thun und ist in dem übrigen Theile des Jahres kein Fall weiter vorgekommcn.
Die Zahl der Todesfälle gewaltsamer Art war um ein, Drittheil geringer als- im Vorjahre. Sie betrug im Ganzen 35 und zwar sind verunglückt 24 Personen, 10 endeten durch Selbstmord und ein Mann starb rasch nach einer im Streite erlittenen Verletzung (Bruch des Schädels durch einen Hieb auf den. Kopf).
Die Verunglückungen ereigneten sich dadurch, daß in 8 Fällen Personen von einer Treppe, einem Gerüste in der Scheuer, in Steinbrüche oder Bergwerke gestürzt waren, daß 4 Personen ertranken, 3 in Folge sehr starker Brandwunden starben und 3 überfahren wurden. In Bergwerken verschüttet wurden 2, ein Mann starb in Folget Einathmens von Arsenwasserstoff, einer nach einem Bruch der Wirbelsäule, einer ist erfroren und einer wurde beim Holzfällen im Walde von einem umstürzenden Baume erschlagen.
Selbstmord kam zur Ausführung durch Erhängen siebenmal, durch Ertränken zweimal, durch Vergiftung mit Schwefelsäure einmal.
Wir müssen heroorheben, daß ein großer' Theil der in Gießen Gestorbenen weder Einwohner der Stadt, noch des Kreises, sondern Auswärtige aus anderen Gegenden waren, namentlich Lungenschwindsüchtige, andere Schwerkranke und Personen, die durch unglückliche Zufälle und dergl. lebensgefährliche Verletzungen erlitten hatten. Würden wir derartige Todesfälle von der Gesammtsumme aller Gestorbenen abrechnen, so würde das Sterblichkeitsverhältniß für die Stadt und damit auch für den ganzen Bezirk ein günstigeres sein.
Gießen, den 31. März 1886.
Großh. Kreis-Gesundheitsamt Gietzen.
Allgemeiner Anzeiger.
Den Empfang der Neuheiten in Kleiderstoffen in großer Auswahl zeigen ergebenst an.
Meyerhof! & Goslar
1970 ____________________Marktstraße 4______________
LIb Zur Saison W
empfehle mich den geehrten Damen in allen vorkommenden Arbeiten in und
außer dem Hause. 2252
Achtungsvoll
Käthchen Wolf, Modistin, __Rodheiwerfiraße 30.___________
Tapeten.
Meine neuen Musterkarten für 1886 enthalten in ganz vorzüglicher Auswahl die besten Fabrikate der Neuzeit zu
außerordentlich billige Preisen.
Hein rieft 11 teftfiftifler^
1879 Schloßgaffe 19.
Grösstes Lager engl. Tüll- gardinen zu auffallend billigen Preisen. Rouleaux- Stoffe jeglicher Art und Preislagen. 2632
■■ Anfertigung jeder Deeoratiousarbeit. —
The Brück, ZchlosWsse und Kanjleiberg 16.
Für Confirmanden.
Von einer bedeutenden Fabrik wurde mir ein Posten
schwarzer und farbiger Cachemir’s
j zum Verkauf übergeben und empfehle solche zu staunend billigen Preisen.
mm_________M. Häsin, Kndenplatz.
Arbeiter
jjemilcn, jjofrn, .Kitlef, Moulm.Mstm
! unh in solider dauerhafter Arbeit empfiehlt zu
< UHU eJ iU 11111 billigsten Preisen 2612
' Robert Stuhl, Neustgdt 23.
I, $atv,
13 Achensia" öS
39 Buchen^'
7 KchleM
1461 M**
2 jwseriD
II. Brem
37,2 totr. * 303,8 „ "
71,5 'n (L’.f 8135 Achen-, b Durchsor'M 4200 Buchen' und l reisig-
Die ZusntttttteNlur sang isi'Mens?, hake, in der ’M üiniiierplatzes, am i • Lltingsdansen, ar Großh. Lurgemeiste Launs
tag«
Im Wege der ; Men die im Grv eingetragenen, dem ft.iau Henkel u Katharine, geb zu Salzböden Kaiastergemeinde < Grundstücke: Aur 364, Fl. IV. 9lr. 617,481, 482, 5 Nr. 406,8145, 1- VIII. Nr. 283,311 220,152
am 19, Aj
Vormittag« vor dem unterzeich Salzböden in der Gastmchs Christ versteigert werden.
Wetzlar, den 24 Königliches Amt
oder V’ W
Ieisgi-i 24*2] Gute Sa "len), sowie i fiwii mpsiehlt
Hehl __jl ^37] Ladenrel AUgel Mansch PlipA SurneJ W billigen ch
2508


