Riviere, der im Verein mit einem zweiten Banditen Namens Frey eine Hotelbesitzerin umgebrackt hatte, rief, als er geweckt wurde: „Stirbt Frey (sein Mitschuldiger) auch?" Da ihm das nicht sofort gesagt wurde, schrie er: „Er ist doch der Urheber." Als die Frage bejaht wurde, rief er aus: „Das ist nur recht." Gefaßt ging er zur Guillotine und wies den geistlichen Trost zurück. Vor der Gmllotine umarmte er den Geistlichen und nannte den Präsidenten der Republik einen „Mörder". Die Hinrichtung wurde rasch vollzogen. Der Mörder Frey, welcher den Spitznamen „Stein Glück" führte, rief, als ihm der Beschluß der Execution mrtgethellt wurde: „Da ist weiter was dran! So ist es eben!" Als man ihn band, sagte er: „Wozu das? Ich wäre auch so gegangen." Den Geistlichen wies er höhnisch zurück. Der Geistliche versuchte wiederholt, sich ihm zu nähern. „Sie, lassen Sie mich in Ruhe!" fuhr ihn der Delinquent an. Als der Geistliche sich vor ihn hinstellte, um ihm den Anblick der Guillotine zu verbergen, schrie Frey: „Machen Sie, daß Sie fortkommen, ich brauche Sie nicht." Dann rief er: „Adieu, ihr Menschen!" und ließ sich hinrichten. Beide Executionen dauerten zusammen fünf Minuten. Man hat seit Langem keinen Delinquenten gesehen, der sich solchergestalt benommen hätte, wie Frey, auf dessen Körper man nebst dem Spitznamen »Pas de chance“ noch die Worte „Kind des Unglücks" tätowirt fand.
— Ueber die Cirkuspanik in München wird des Genaueren gemeldet: Das Haus war sehr gut und namentlich von Landleuten besucht. Rach Schluß der Vorstellung stiegen viele Galleriebesucher auf den zweiten Rang, um schneller hinauszukommen. Leider war auch der zweite Rang überfüllt, das Podium trug die vermehrte Last nicht und senkte sich, da die Verbindungsklammern aus den Tragebalken herausbrachen. Die Daraufstehenden stürzten etwa 4 Meter tief in den unteren Raum hinab. Das laute Jammern der Verletzten rief Bestürzung hervor, der besonders die Prinzessin Gisela wirksam steuerte. Zwei Landmädchen erlitten Beinbrüche, drei Personen Luxationen. — Der Polizetbericht bezeichnet auch die Tragebalken als mangelhaft.
Melbourne, 5. October. Nach den letzten Nachrichten war der vulkanische Ausbruch auf der Insel Niapu mit einem Erdbeben verbunden, welches alle Dörfer der Insel zerstörte. Die Einwohner retteten jedoch ihr Leben. Die vulkanische Asche bedeckt 20 Fuß hoch die Insel. Es ist ein 200 Fuß hoher Berg entstanden.
— Die Tournüre dient nicht bloß zum Schmuggel, sondern wird auch vortheil- haft von der Diebeszunft ausgebeutet. So wird aus Paris geschrieben: Eine Dame wird auf der Straße von einer ihr fremden Person unter vielen Entschuldigungen darauf aufmerksam gemacht, daß ihre Tournüre aus dem Gleichgewicht gekommen sei und sich in verfassungswidriger Zerrüttung befinde. Ein Blick rückwärts belehrt die Dame von der Wahrheit des Gesagten. Sie schickt sich an, den Schaden auszubessern, was natürlich seine Schwierigkeiten hat. Die Fremde — beide Damen sind hinter eine Hausthüre oder sonst in einen Winkel getreten — treibt die Gefälligkeit so weit, ihr dabei zur Hand zu gehen. Nachdem die Wiederherstellung gelungen ist, erntet sie den selbstverständlichen Dank und zieht eiligst ihres Weges. Die Dame tritt in einen Laden. Als sie ihre Einkäufe beendet hat und zahlen will, ist ibr Geldtäschchen nirgends zu finden. Da erinnert sie sich des auf der Straße der Tournüre wiederfahrenen Unfalles. Der Zusammenhang wird ihr nun plötzlich klar. Die Personen, durch deren Anprall die Tournüre Schaden gelitten, die gefällige Dame, welche das Unglück gemeldet, an dessen Beseitigung so eifrig und geschickt mitgeholfen, haben sich in die Hände gearbeitet. Das Schlußergebniß war das Verschwinden des Geldtäschchens.
— sConserven aus Kartoffeln.] Von Seiten der Militärverwaltungen war schon vielfach darauf hingewiesen, daß ein Bedürfniß für solche Conserven vorläge und hat in letzter Zeit der Minister für Landwirthschaft in Veranlassung der Admiralität und des Kriegsministeriums die landwirthschaftlichen und industriellen Kreise aufgefordert, sich um die Herstellung der Eonseroen aus Kartofieln zu bemühen. Dr. C. Schneiderin Berlin hat nun folgendes Verfahren angegeben. „Zunächst werden die rohen Kartoffeln mittelst der gcbränchlichen Waschmaschine von anhaftender Erde rc. gereinigt und dann mit einer neu conftruirten Schälmaschine geschält. Hierbei ergiebt sich etwa 20—25pCt. Abgang in Form von Stärkemehl und Schalen, welcher Abgang leicht auf Stärkemehl verarbeitet werden kann. Die Kartoffel enthält nun bekanWflich circa 76pCt. Wasser; werden hiervon auf dem Wege des Trocknungsprocesses, der in einem neuen und eigentümlichen Trockenapparat vollzogen wird, 50pEt. ausgetrieben, so behält sie noch etwa 26pCt., d. b. soviel, wie getrocknete Aepfel enthalten, die sich bekanntlich Jahre lang unverändert halten. Die geschälte Kartoffel verbleibt in Knollen- form und ist die daraus dargestellte Cönserve bequem zur Verwendung, sowie zum Transporte. Auch der Mühlenbesitzer Brückner in Meißen, welcher für seine vorzüglich gedörrten Obstsorten schon mehrfach prämiirt wurde, hat jetzt auf seinen Darren so vorzüglich getrocknete Kartoffeln hergestellt, daß die deutsche Marineverwaltung ihn beauftragte, für 30 000 Kartoffel-Eonserven zu liefern. Herr Brückner ist zu dem Zwecke bereits mit mehreren Rittergütern Sachsens behufs Lieferung der dazu nöthigen Kartoffeln in Verbindung getreten. Aehnliches könnte auch bei uns versucht werden.
(Zeitschr. f. d. landw. V. d. Großh. Hessen.)
— (Sie läßt mit sich handelns Jnstitutsvorsteherin: „Aber Aurelie, der junge Mann, welcher Sie soeben besucht hat, war doch nicht Ihr Bruder? Er hat auch nicht die geringste Familienähnlichkeit." Aurele (gereizt)! „Run, meinetwegen, wenn Sie's nicht glauben wollen . . . aber ein Vetter von mir war er wenigstens, darauf können Sie sich verlassen.
— (James Kennedy ]-.] In Eressington Park bei Liverpool starb im 89. Lebensjahre der ausgezeichnete Maschinen-Jngenieur James Kennedy. Der Verstorbene hat die Pläne zu der ersten Locomotive geliefert, welche George Stephenson auf der Stockton und Darlington Eisenbahn im Jahre 1825 verwandte, und sich überhaupt große Verdienste um die Entwickelung des Locomotivenbaucs erworben.
— (Auch ein Probepfeil.] „Sie, Kathi, das ist aber doch unerhört! Da sehen Sie einmal her: findet mein Mann in einem Knödel eine ganze Haarnadel stecken!" — Die böhmische Köchin: „O, bitt' ich um Verzeihung, gnädige Frau; hab' ich Knödel probirt, ob ise zu hart und hab' ich in Vergessenheit Nadel stecken lassen."
— (Amerikanische Damenmode.] Ein Londoner Correspondent gibt die Beschreibung einer neuen Mode, welche bei den Damen in Pittsburg kürzlich aufgekommen ist. Sie sind auf die Idee verfallen, einen lebendigen Käser, genannt machettc, als Zierrat ihrer Hüte zu verwenden. Das Thierchen wird in seidene Stränge gebunden und mit einer goldenen Kette am Damenhut befestigt. In dieser Ausstattung macht der Käfer seine Promenade über den Hut. Die Kette hat genau die Länge des Kopfputzes und wenn das neugierige Jnsect seine Entdeckungsreise bis an den Rand des Hutes ausgedehnt hat, zieht sich das Kettchen straff an, Machettc wird zum Stehen gebracht, schaut sich verwundert um und setzt seine ziellose Tour in einer anderen Richtung fort. Ein derartiger Käfer sammt Geschirr und Kette kommt auf 8 bis 10 Dollars zu stehen. Wenn die Käser nicht in Gebrauch sind, werden sic in durchlöcherten Schachteln verwahrt. Diese Schachteln sind zum Theile mit morschem Holz gefüllt, das ihre Nahrung sein und sie verhindern soll, das Heimweh zu bekommen.
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