— In bet Diöcese Mainz sind im Jahre 1885 51 erwachsene Personen in die katholische Kirche ausgenommen worden und zwar waren es 18 Jünglinge und Manner und 33 erwachsene Mädchen und Frauen. Von den Aufgenommenen waren 49 Protestanten, 1 Deutschkatholik und 1 Altkatholik.
Harxheim, 29. April. Durch die Blätter lief die Notiz von einem von Zigeunern mitgenommenen hiesigen Kinde. Der Gensdarm Busch aus Bodenheim hatte nun vorgestern in der Nähe unseres Ortes zu thun^ natürlich hatte derselbe ebenfalls von dem Verschwinden des Seibert'schen Kindes gehört. Obgleich auch ihm mitgetheilt war, daß das Kind noch im Oberdorfe, später bei Zigeunern gesehen worden sei, stellte er selbst Nachforschungen im Orte an und erfuhr, daß die Kleine zuletzt bei einer Wittwe Götz gewesen, um Ostereier zu suchen. Das Gehöft der Wittwe Götz war verschlossen, Busch konnte jedoch in den Hof gelangen; hier bemerkte er, daß das Pfuhlloch frisch mit einem Brette zugedeckt war. Das Loch ist etwa U/a Meter tief, 3—31/» Meter weit, unter der Erde und seit Jahren nicht geleert. Busch verschaffte sich eine lange Stange und arbeitete etwa eine Stunde lang mit derselben in der Grube umher; nach großer Mühe, als der Gensdarm schon die Arbeit aufgeben wollte, zog er das Kind als Leiche empor.
— Für eine Erfindung allerneuester Zeit wird von Manchem das Liebig'sche Fleischextract gehalten. Dem ist nicht so, und es dürfte Viele interessiren zu erfahren, daß dieser nützliche Stoff, welcher heutzutage sparsamen Hausfrauen die besten Dienste leistet, schon in den vierziger Jahren im Handel zu haben war, freilich nur in der Apotheke. Der große Chemiker I. von Liebig ließ damals Extract aus europäischen Rindern bereiten und führte es in die bayrische Pharmakopöe ein. In der Hofapotheke zu München verwendete man jährlich an 5000 Pfund Rindfleisch zu Extract; es wirkte vortrefflich gegen gestörte Ernährung und Verdauung, sowie gegen körperliche Schwäche. Der Preis aber war sehr hoch, 1 Gulden 12 Kreuzer per Unze, was natürlich den Consum beschränkte. Da kam Liebig auf den segensreichen Gedanken, den Fleisch- reichthum transatlantischer Länder in Extractform unfern Breiten zuzuführen; 1863 ward die Fabrik in Fray Bentos gegründet und jetzt schlachtet dieselbe jährlich 180,000 Rinder! Der Preis des Extracts aber ist dadurch so billig geworden, daß bekanntlich eine Tasse guter Bouillon aus demselben nur auf ein ganz Geringes zu stehen kommt.
— sEin höflicher Correspondent.) An ein Bauernmädchen, welches eben erst der Schulpflichtigkeit entwachsen, in einen Dienst eingetreten war, kam dieser Tage, nach der „Klagens. Ztg.", ein Brief mit — wörtlich! — folgender Adresse: „An das wohl- geborene Fräulein N. N., Sauhalterin zu £."
Universität- - Chronik.
— Professor Schweninger soll nunmehr seine Kunst auch in Petersburg bethätigen. Kaiser Alexander von Rußland hat den Leibarzt unseres Reichskanzlers zu sich berufen, um durch seine Kunst etwas von der imposanten Leibesfülle zu verlieren, die er in den letzten Jahren gewonnen. Die Ankunft Profeffor Schweningers in der russischen Hauptstadt wird Ende Mai erfolgen.
— Der Geograph Freiherr v. Richthofen, ordentlicher Professor an der Universität Leimig, welcher einem Ruf der Berliner philosophischen Facultät Folge geleistet hat, gedenkt den physisch-geographischen Theil des Unterrichts zu übernehmen, während Professor Kiepert, der wegen zunehmenden Alters seine frühere Lehrthätig- keit etnschränkt, sich den historisch-geographischen Theil, auf dem er eine Autorität ersten Ranges ist, vorbehält.
— Eine Anzahl ehemaliger Studirender von Heidelberg hat den Plan angeregt, der Universität an deren bevorstehendem 500jährigen Jubiläum eine Ehrengabe darzubringen, die dem Senat der Ruperto-Carola überreicht werden und, wenn die Mittel ausreichen, in einer wissenschaftlichen Zwecken dienenden Stiftung bestehen soll. Zu diesem Zweck erläßt ein aus zahlreichen angesehenen Männern in den größeren Städten Badens bestehendes Comitö einen Aufruf an alle ehemaligen Studirenden von Heidelberg mit der Bitte um Beiträge. Ein Verzeichniß der Namen der Spender soll mit überreicht werden. Bei den vielen Tausenden, die einst als akademische
Burger in Heidelberg geweilt haben und an diese Zeit mit freundlicher Erinnerung zurückdenken, wird der Aufruf gewiß gute Aufnahme finden. Beiträge mit genauer Namensangabe sind an das Bankhaus H. L. Hohenemser u. Söhne in Mannheim als Centralsammelstelle zu richten.
— , Professor Kußmaul zu Straßburg, der im nächsten Jahre das 65. Lebensjahr und damit das Recht auf Emeritirung mit vollem Gehalte erreicht, ge- denkt sich alsdann nach Heidelberg, wo er sich eine Villa bauen läßt, zurückzuziehen. Straßburg verliert dadurch eine hervorragende Kraft.
Geschichts-Kalender.
7. Mai.
973. Kaiser Otto I. stirbt plötzlich am Schlagfluß.
1301. König Albrecht gewährt den Rheinstädten, um sich deren Beistand gegen die Kurfürsten zu sichern, zollfreie Rheinschifffahrt. Ein königlicher Erlaß verkündet die Abschaffung aller Rheinzölle, „sowohl derer, welche von den geistlichen Kurfürsten und anderen Landesherren unrechtmäßig und eigenmächtig ein- geführt worden seien, als auch derjenigen, welche ihnen seine Vorgänger und er selbst verliehen haben, mit alleiniger Ausnahme der vom Kaiser Friedrich II. zugelassenen Zölle." Dieser königliche Erlaß ermächtigte die Bürgerschaften der Rheinstädte zugleich zu bewaffnetem Widerstand gegen die, welche fortan Rheinzölle erheben wollten.
1523. Franz von Sickingen stirbt in Folge einer tödtlichen Verwundung, welche er bei der Belagerung seiner Burg erhielt. Die in dieselbe einziehenden fürstlichen Belagerer trafen ihn noch lebend. Freundlich zog er vor dem Kurfürsten von der Pfalz und dem Landgrafen von Hessen die Mütze vom Haupte und antwortete mit edler Würde in gebrochenen Worten auf ihre Fragen; nur dem Erzbischof von Trier gönnte er trotzig keinen Gruß. Das ganze feindliche Heer erwies ihm die letzten Ehren, und selbst ein Grabmal errichteten ihm die Fürsten, das noch heute sichtbar ist. — Als Luther Sickingen's Tod vernahm, rief er: „Der Herr ist gerecht, aber wunderbar! Er will seinem Evangelium nicht mit dem Schwerte helfen!"
1747. Die erste Realschule wird in Berlin errichtet.
1773. Fürst Metternich geboren.
1866. Erstes Attentat auf den preußischen Ministerpräsidenten von Bismarck Unter den Linden in Berlin, indem der 22jährige Ferdinand Cohen (Blind) mehrere Pistolenschüsse auf, ihn abfeuerte, weil er ihn, nach seiner Aussage, für den ärgsten Feind der deutschen Einbeit und Freiheit hielt.
1867. Londoner Conferenz wegen der Luxemburger Frage.
1800. Der preußische Justizminister Leonhardt stirbt.
Schiffs- Bewegung
der Postdampfschisie der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft.
„Suevia", 25. April von Hamburg nach New-York, 27. April von Havre weiter- aegangen. „Saxonia", 28. April von St. Thomas nach Hamburg. „Wieland" 15. April von New-York, 28. April in Hamburg angekommen. „Gellert", 28. April von Hamburg nach New-York. „Hammonia", 29. April von New-York nach Hamburg. „Teutonia", 24. April von Hamburg nach Westindien, 29. April von Havre weiter- geaangen. „Bohemia", 1. Mai von New-York nach Hamburg. „Silesia", von Westindien kommend, 2. Mai in Hamburg eingetroffen. „Thuringia", 2. Mai von Hamburg nach Mexico. „Borussia", von Westindien kommend, 2. Mai in Hamburg angekommen. „Rugia", 20. April von New-York, 3. Mai in Hamburg angekommen. „Lessing", 22. April von New-York nach Hamburg, 3. Mai Dover passirt. „Wieland", 3. Mai Don Hamburg nach New-York. „Westphalia", 18. April von Hamburg, 30. April in New-York angekommen. „Nhaetia", 21. April von Hamburg, 3. Mai in New-York angekommen.
Holzvcrsteigerungen.
In der Fürstlichen Oberförsterei HohenfolwS soll nach- verzeichnetes Gehölz an Ort und Stelle Versteigert werden.
I. Montag den 10, d. M. in dem District „Helfholz"
70 Rmtr. Buchen-Scheitholz,
24 „ „ Prügelholz,
51 „ „ Stockholz,
1420 Wellen „ Reisholz,
6460 „ „ Forstreiser I. und
II. Klaffe,
700 „ Kiefern-Forstreiser,
2 Eichen-Stämme mit 0,62 Festm.
Der Anfang der Versteigerung ist Morgens präeiS 10 Uhr in der Abtheilung Mittelster-Kopf über dem Dachsboden.
II» Dienstag den 11. d. M. in dem District „Pfaffenruark" 11 Rmtr. Buchen- u. Eichen-Scheit- holz, 84 „ dgl. Prügelholz,
116 „ dgl. Stockholz,
3900 Wellen dgl. Reisholz,
4000 „ dgl. Forstreiser,
36 Eichen - Schnittstämme, bis 62 Ctm. Durchmesser, I. und II.
Klasse, mit 43,54 Festm.,
11 Stück Eichen- und Birken- Stangen,
36 Stück Fichten-Leiterbäume.
Der Anfang der Versteigerung ist
Morgens präeiS 10 Uhr auf dem Bechlinger-Weg beim Stützels- brunnen. 3455
Hohensolms, den 1. Mai 1886.
Fürstliche Oberförsterei Hohensolms. Dörmer, Revierförster.
3273 Täglich frische Spargel empfiehlt die Gemüsehandlung von
Joh. Zörb, Wwe.
Allgemeiner Anzeiger.
Hvlzversteigerung.
Donnerstag den 13. Mai d. I. werden in den Domanial- walddistricten Brauhof la, Schinderskopf 21, Wüstekopf 23a, Zellenrod 28, Schiffenberg 31, 33a, Sommerberg 35c, Dörnergrund 46a—c, 56a, Tempel 12, 13b, 47, Rabenpfuhl 54a, Buchenberg 57, 58a, Unterwald 60, Wachholder- haide 62a versteigert: 9 Fichtenstämme von 12—21 cm Durchmesser und 13—17 m Länge = 3,18 fm, 27 Fichtenderbstangen = 1,25 km, 15 Fichten- reisstangen = 0,21 km, sodann Buchen: 2 rm Scheiter, 2,5 rm Knüppel, 12,8 Hundert Wellen, 4 rm Stöcke, Cichen: 7 rm Scheiter, 13,2 rm Knüppel, 18,5 Hundert Wellen, 32,7 rm Stöcke, Radel: 135 rm Scheiter, 602 rm Knüppel, 84,6 Hundert Wellen, 131,5 rm Stöcke. Das Holz aus den Districten Brauhof la, Tempel 12,13b, Schinderskopf 21, Wüstekopf 23a, Zellenrod 28, Schiffenberg 31, 33a, Sommerberg 35c, Rabenpfuhl 54a und Buchenberg 57, 58a wird nicht vorgezeigt, sondern kommt gegen 11 Uhr am Eisenbahnübergang über den Watzenbornerweg zum Ausgebot. Forstwart Schlag zu Baumgarten erthellt nähere Auskunft. Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr auf der Kreisstraße von Gießen nach Steinberg an der Theerofenschneise.
Gießen, den 5. Mai 1886.
Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg.
3520 Heyer.
Dienstag den 11. und Mittwoch den 12. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden im Seipp'schen Hinterhause, Südanlage Nr. 21, die Mobilien des verstorbenen Fräulein Koch versteigert; es befinden sich dabei gut erhaltenes Bettwerk, Sopha, Stühle, Kommode, Kleider- f*™«?' ~ Weißzeug - Kiste, Trfche, Stühle, Weißzeug, Küchengefchirr re., an Büchern Goethes, Schillers Werke, sowie andere Klassiker, Gartenlaube, Daheim u. s. w. 3547 Im Auftrag:
Hoffmann.
Die Gegenstände können Morgens von 9 bis 11 Uhr besichtigt werden.
8. Rothenberger.
Montag den 10. l. MtS,
Nachmittags 3 Uhr, sollen an der Grünberger-Straße
3 Bauplätze
von je 20 m Front und 40 m Tiefe versteigert werden.
Gießen, den 6. Mai 1886.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
________A. Bramm._____3556
Freitag den 25. Juni,
Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Karl Sack, Schuhmacher
Flur 1/1189 56 Meter Hofraithe in der Neustadt,
„ 1/1193 6 Meter Hofraum daselbst, meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 6. Mai 1886.
Großherzogliches Ortsgericht.
3550 Müller.
3269 Eine Parthie Dachschiefer und Backsteinplättchen sind billig zu verkaufen bei H. Znderthal
Großmühle.
Vergebung von Grubenarbeiten.
Das Aufräumen von 840 lfde. Mtr. Straßengräben an der Kreisstraße Gießen (Staatsstraße)— Daub- ringen soll
Montag den 10. l. M.,
Mittags 2 Uhr, an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden. Zusammenkunft am Abgang der Kreuzschneise.
Gießen, am 6. Mai 1886.
Senßfelder, 3552 Bezirks-Bauaufseher.
Jeil'geöotenes.
3548 Ein neues 6—Zsitziges
Break
und ein noch gut erhaltener
Glaswagen
billig zu verkaufen. Näheres bei Schmiede- meister E. Euler, Afterweg 15.
Schwarz. Cachetnlr
empfiehlt außergewöhnlich billig
3543______ Aug Haubach.
| Buchene Crbsenreiser
empfiehlt Georg Hammel, Mühlgasse 8.
3528 Zu verkaufen:
1 großes Regenfaß, 1 Zinkrefervoir
(ca. 1 Cbm. Inhalt).
_________________Schiffenbergerweg 15,
prima Apfelwein
empfiehlt 3101
O. Luft, Löwen.


