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Deutschland.

Potsdam, 1. Mai. Se. Maj. der Kaiser traf heute Mittag ll3/4 Uhr hier ein und besichtigte im Lustgarten die drei Bataillone des 1. Garde-Regi­ments ;u Fuß und speciell die Leib-Compagnie deffelben.

Berlin, 1. Mai. Der Kronprinz ist nebst der Erbprinzessin von Mer- ningen und den Prinzessinnen Victoria, Sophie und Margarethe Abends nach Homburg abgereist. r

DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt zu der von derPost" gebrachten Mittheilung über die Aeußerung des Reichskanzlers auf einer Soiree im Mai 1880 bezüglich der Kirchenpolitik: Der Gedanke, welcher diesen Worten zu Grunde liege, sei damals in anderer und besserer Form von vielen Seiten aus­gesprochen worden. In dieser Gestalt aber mit der WendungFechtboden" | bestreite der Reichskanzler heute wie vor 6 Jahren demselben jemals Ausdruck | gegeben zu haben.

DasArmee-Verordnungsblatt" veröffentlicht eine kaiserliche Ordre, | betr. die provisorische Errichtung einer dritten Landwehr-Jnspection im Bereiche - des dritten Armee-Corps mit Berlin als Garnison. Die Jnspection soll aus einem Generalmajor, einem Adjutanten, einem inactiven Osficier, sowie dem erforderlichen Unterpersonal bestehen.

Münster, 1. Mai. Zufolge einer Meldung desWestphäl. Merkurs,, aus Rom bemerkte der Papst den Rom-Pilgern gegenüber, daß er nicht zweifle, binnen Jahresfrist mit der preußischen Regierung zu einem vollständigen Aus­gleich zu gelangen.

Fulda, 1. Mai. DieFuldaische Zeitung" dementirt die Behauptung über die angeblich vom Reichskanzler gegen Bischof Kopp über die Rückkehr der Orden, einschließlich der Jesuiten, gethane Aeußerung, sowie die Nachricht von der Berufung Kopp's aus den Freiburger Erzbischofsstuhl.

Köln, 1. Mai. DieKöln. VolkS-Ztg." meldet, daß für sämmtliche preußischen Diöcesen die päpstliche Anweisung ergangen sei, Candivaten für die vakanten Pfarreien der Regierung anzuzeigen.

Breslau, 1. Mai. Wie dieSchles. Volks-Zeitung" wissen will, wäre vor einigen Tagen ein Auftrag des Papstes hierher gelangt, behufs Besetzung der augenblicklich erledigten Pfarreien der Regierung die Namen der zu ernen­nenden Pfarrer zu bezeichnen.

Heidelberg, 1. Mai. Eine von den letzten Mitgliedern desEngeren" einberufene Versammlung beschloß einstimmig, einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für Victor v. Scheffel in Heidelberg zu erlassen.

England.

London, 1. Mai. DieDaily News" bezeichnet die griechische Ant- wort auf das Ultimatum der Mächte für unbefriedigend, sie hofft jedoch, , daß ein gütlicher Ausgleich zu Stande komme. Im Interesse Griechenlands sei ein baldiger Ministerwechsel angezeigt.

Ihre K. und K. Hoheit die Kronprinzessin ist Hierselbst eingetroffen, bei der Ankunft,vom Prinzen von Wales empfangen und nach Windsor weitergereist.

Griechenland.

Athen, 1. Mai Meldung derAgence Havas." Delyannis hatte mit dem französischen Gesandten Grafen de Mouy eine Unterredung, in welcher er gegen die ihm bei dem Empfange der Bürger-Deputation zugeschriebenen Aeuße- rungen, sowie gegen die dem Rundschreiben an die Präfecten gegebene Aus­legung protestirte. Delyannis erklärte, die Abrüstung sei beschlossen und würden, sobald die augenblicklichen Schwierigkeiten gehoben, nacheinander immer je zwei Reserveklassen beurlaubt werden.

Athen, 2. Mai. Die Vertreter der fünf Mächte hielten gestern Abend eine Conferenz, in welcher gutem Vernehmen nach eine letzte an die griechische Regierung zu richtende Mittheilung berathen wurde, da die Antwort des Herrn Delyannis allseitig als nicht ausreichend angesehen wird.

Amerika.

Atew-Nork, 1. Mai. An verschiedenen Orten finbct unter den Arbei- bern eine Bewegung zu Gunsten der Beschränkung der Arbeitszeit aus 3 ©tun* ten täglich statt. Einige Arbeitgeber haben die Forderung bewilligt, andere dieselbe abgelehnt. Die Arbeiter der letzteren drohen mit sofortiger Einstellung der Arbeit. Die Bewegung ist namentlich stark in Chicago, wo mehrere Tausend Strikende die Straßen durchziehen.

Lokales.

Gießen, 3. Mai. Bei leider sehr stürmischem Wetter feierte der hiesige Radfahrverein gestern sein erstes Stiftunasfest. Am Morgen begaben sich mehrere Vcreinsmitglieder per Rad zum Empfang der Wetzlarer Gäste nach Atzbach, während andere bereits Ausflüge in die Umgegend unternahmen. Am Nachmittag hatte sich das Publikum zahlreich in Oswald's Garten eingefunden, von wo die Eorsofahrt um 8/<3 Uhr ihren Anfang nahm. Den imposanten Zug eröffnete ein Dreirad, sowie ein neunjähriger, Vielversprechender Radfahrer, welch' letzterer die ganze Fahrt ohne Unter­brechung mitmachte. Nachdem zweimal die Schoor, Ludwigsplatz, Ludwigsstraße, Alicenstraße und die Südanlage passirt waren, wurde trotz des anhaltenden Sturmes nach dem Trieb gefahren, wo nach einiger Erholung Auffahrt mit Musikbegleitung, sowie eine Wettfahrt auf der Chaussee stattfand. Bei dieser siegte Herr Weidig (Gießen) gegen Herrn Schröder (Wetzlar);.Herr Schütz (Gießen) mußte wegen Be­schädigung seines Rades von der Fahrt abstehen. Nach Beendigung der Fahrten ver­gnügte sich der Verein mit seinen Gästen noch einige Stunden im Saale der Liebigs- höhe, womit das Fest seinen Abschluß fand.

x Gießen, 3. Mai. ^Kaufmännischer Verein.) Die von dem Vorstande des Kaufmännischen Vereins auf den 1. d. anberaumte ordentliche Generalversammlung fand unter ziemlich starker Betheiligung im Vereinslokale CafL Schwinn statt. Ter Vorsitzende des Vereins, Herr Will). Köser, erstattete über die Thätigkeit des cb- gelaufenen Vereinsjahres einen eingehenden Bericht und gereicht es uns zur besonders Gcnugthuung, constatiren zu können, daß der Verein nicht allein vollauf im Sinne- seiner Vertreter für die wissenschaftliche Fortbildung der Mitglieder und Förderung des genossenschaftlichen Sinnes und der Geselligkeit unter denselben bestrebt gewesen» sondern auch auf zufriedenstellende Resultate zurückblicken kann. Die Vermögensloge des Vereins ist eine günstige und wollen wir unter Anderem nur die Bibliothek non über 600 Bänden, wissenschaftlicher und unterhaltender Werke erwähnen. Unter be­rechtigter Anerkennung seiner Mühewaltungen wurde dem Vorstande Decharge ertheili. Bei der Neuwahl desselben gingen aus der Wahl hervor: Als Vorsitzender M Wilh. Köser (im Hause Carl Emmelius), Stellvertreter Herr Will). Han st er" (Firma Gebr. Hanstein), Schriftführer Herr I. Kaiser (im Hause Gebr. Haustein), Cassier Herr Gg. Schneider (im Hause Aug. Montanus), Bibliothekar Herr O. Vermehren (im Hause I. Nicker).

Behufs Arrangement der der Geselligkeit dienenden Unternehmungen wurde znr I Assistenz des Vorstandes ein engerer Ausschuß gewählt. , 1

Wir wünschen dem Vereine in seinem idealen Streben auch fernerhin eine gedeihliche Entwicklung und knüpfen hieran die Hoffnung, der junge Kausmannstand möge die ihnen hier zum Zwecke bcr Erweiterung und Vervollkommnung ihres Wissen» gebotene Wohlfahrtseinrichlung immer reger benutzen. Den verehrten HcmdelsstE bitten wir hingegen, dem Vereine auch fernerhin mit geeigneter Unterstützung zu dienen.

Telegraphische Depesche«.

Wolff's telegr. G-rrefr-orr-errz-Brrres«.

Berlin, 2. Mai. Der Cultusminister theilte dem Präsidenten des Abgeord­netenhauses mit, daß die Regierung durch die Note vom 23. April an dw päpstliche Kurie, ihre Bereitwilligkeit zu einer weiteren Revision der klrchenpolrtrschen Gesetze aus­gesprochen habe. Die Negierung habe darauf zu ihrer lebhaften Befriedigung folgende Note Jacobini's vom 25. April erhalten: Aus den Gemächern des Vatikans, 25. April. Nachdem der unterzeichnete Cardinalstaatssecretär die ihm von der preußischen Re­gierung als Antwort aus die letzte Note des heiligen Stuhles übergebene Note vom 23. April zur Kenntniß Seiner Heiligkeit gebracht hat, beeilt er sich, Ew. Excellenz Folgendes mitzutheilen: Mit wahrer Genugthuung hat der heilige Vater vor allem erfahren, daß der Vorschlag des heiligen Stuhles, eine weitere Revision der m der gegenwärtigen Vorlage nicht in Betracht gezogenen Gesetzbestimmungen vorzunehmen, seitens der preußischen Regierung als ein Act der Versöhnung aufgefaßt worden ist, welcher dazu dient, den religiösen Frieden vollständig herzustellen. Die dem heiligen Stuhle gemachte Zusicherung, zu dieser Revision zu schreiten und in solchem Sinne eine neue Gesetzvorlage an die Kammern zu bringen, konnte daher Sr. Heiligkeit nicht anders als erfreulich sein. Die Amendements im Herrenhause für die neue Gesetzes­vorlage und der mit den betreffenden Amendements erzielte Erfolg sind Gegenstand der Befriedigung für die erhabene Absicht Sr. Heiligkeit gewesen. Deßhalb und um seine hohe Werthschätzung der oben angegebenen Vorgänge zu constatiren, wie auch um der preußischen Regierung einen neuen und besonderen Beweis seines Vertrauens unb' seiner Willfährigkeit zu geben, hat der hl. Vater den unterzeichneten Cardinalstaats­secretär ermächtigt, derselben Regierung mitzutheilen, daß es seine Absicht sei, daß die Anzeige für die gegenwärtig vakanten Pfarreien schon von jetzt ab beginne uno ohne Verzögerung erfolge. Wenn Ew. Excellenz der preußischen Regierung die gegenwärtige Mittheilung machen, werden Excellenz nicht unterlassen, den besonderen Werth derselben hervorzuheben, namentlich in Beziehung auf die Herbeiführung eines definitiven reli­giösen Friedens.

SBHmar, 2. Mai. Die Commission des Allgemeinen deutschen Schriftsteller­tages hielt Hierselbst heute Nachmittag ihre Sitzung. Derselben präsidirte Gehetm- rath Genast (Weimar). Von den Anwesenden, Alfred Klaar (Prag), Hermann Heiberg (Berlin), Maximilian Schmidt (München), unter dcm Beisitze Dr. Robert Keils, wurden die zur Berathu'ng vorliegenden Gegenstände durch endgiltige Revision der Statuten und Fassung mehrerer Resolutionen, u.A. die Gründung von Hilfs-Pensiouskassen betr., zum Abschluß gebracht, auch beschlossen, die Vereinigung mit dem Stuttgarter Verein (Kürschner) zu erstreben.

Die heute hier abgehaltene, sehr zahlreich besuchte Versammlung der Gothe- Geiellschaft wurde von dem Präsidenten Dr. Simson in Gegenwart des Großherzogs und der Großherzogin eröffnet. Nack Erstattung des Jahresberichts durch Baron von Loön und nach einer mit großem Beifall aufgenommenen Festrede des Professors Grimm wurde von Professor Schmidt über die reichen Bestände des Göthe-Archivs Mittheilung gemacht und die Veröffentlichung dcr Briefe an Frau v. Stein und an Herder, sowie die Tagebücher von der italienischen Reise angekündigt. Eine Gesammt- ausgabe aller Schriften Göthe's einschließlich der Briefe soll durch den Wirkt. Geh. Ober-Regierungsrath Dr. v. Löper, Professor Scherer und Professor Schmidt veran­staltet, eine Biographie Göthe's unter Leitung v. Löper's versaßt werden.

Homburg v. d. Höhe, 2. Mai. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz ist in Begleitung Ihrer K. Hoheiten der Frau Erbprinzessin von Meiningen und der Prinzessinnen Victoria, Sophie und Margarethe heute früh 7 Uhr 20 Min. hier ein­getroffen und hat sich im offenen Wagen durch die reichbeflaggten Straßen nach dem Schlosse begeben, woselbst die hohen Herrschaften von den Behörden empfangen wurden.

London, 2. Mai. Bei dem gestrigen Jahresbanket der Royal Akademy erklärte I Lord Roseberry bezüglich der griechischen Frage, diejenigen, welche die lebhafteste Sym- I pathie für Griechenland empfänden, hätten die größte Ursache, mit dem Verfahren zu I sympathisiren, welches die gegenwärtige sowohl, wie die frühere Regierung Englands I und die anderen Mächte gegenüber Griechenland eingeschlagen hätten. Redner sprach I die Hoffnung aus, daß die griechische Schwierigkeit werde gelöst werden, wenn nicht, I so werde dies nicht dem Mangel an sympathischer und besorgter Aufmerksamkeit seitens I der im Amte befindlichen Regierung zuzuschreiben sein.

Brinbifi, 2. Mai. Von gestern bis heute Mittag kamen hier 3 Cholera- I Erkrankungen vor. In Ostuni 3 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Latiano 5 Er- I krankungen und 3 Todesfälle, in Torre Santa Susanna 2 Erkrankungen.

Petersburg, 2. Mai. DasJournal de St. Petersburg" bespricht die in der I Antwort auf das Ultimatum enthaltene Aeußerung der griechischen Regierung, daß I dieselbe zu einer graduellen Reduction des Effectivbestandes nur in Fristen schreiten I werde, wie sie für eine solche Maßregel durch die unerläßliche Vorsicht geboten erscheine I und bemerkt dazu: Es sei gewiß, daß die Mächte auf diese unerläßliche Vorsicht I Rücksicht nehmen werden, aber dieselben müßten ebenso fordern, daß die griechische I Regierung sich nicht damit begnüge, den Termin für die Abrüstung festzusetzen, sondern I auch, daß die Abrüstung sich unter Bedingungen vollziehe, welche Europa gegen die I Rückkehr kriegerischer Velleitäten sicherstellen und der Pforte gestatten, den Effectio- | bestand ihrer Armee zu vermindern.

Rußland.

Petersburg, 1. Mai. DasJournal de St. P^tersbourg" weist die der Reise des russischen Kriegsministers Angelescu nach Livadia gegebenen Deutungen als zusammenhängend mit dem Durchzug russischer Truppen durch Rumänien und Bulgarien zurück und weist auf den herrschenden Brauch hin, zur Begrüßung der in der Nähe der Landesgrenze sich aufhaltenden fremden Souveräne Staatsmänner zu entsenden.

Jalta, 1. Mai. Der rumänische Kriegsminister Angelescu ist heute Mittag vom Kaiser, welchem er ein eigenhändiges Schreiben des Königs von Rumänien überreichte, empfangen worden. Später hatte der Minister auch bei der Kaiserin Audienz und folgte am Abend einer Einladung zur kaiser- lichen Tafel.

Kronstadt, 1. Mai. Mehrere von Westen kommende Dampfer sind durch's Eis hier eingelaufen. Die Passage nach Petersburg ist eisfrei.

Italien.

Wrindifi, 1. Mai. Vom 30. April Mittags ab zählte man hier eine, in Ostuni fünf Cholerakranke, in Latiano einen Choleratodten.

Spanien.

Madrid, 1. Mai. Der Proceß gegen die Anstifter des Angriff» auf das deutsche Gesandtschasts-Hötel im August vorigen Jahres wird am 5. Juni zur Verhandlung kommen.

Auwänien.

Bukarest, 1. Mai. Heute Nachmittag sand die erste Versammlung der Delegirten Oesterreich-Ungarns und Rumäniens für die Handelsvertrags-Ver­handlungen statt.