Bureau : Schul st raße 7.
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Nr. 230 Drittes Blatt
Zlrberseeische deutsche Auswanderung seit der Begründung des Deutschen Reichs.
Das Deutsche Reich gehört schon jetzt zu den am dichtesten bevölkerten hUnb jeder Volkszählung immer noch weit erheblicher zu
tCn ^-berJn ^nbcJrz obwohl es sich auch an der Auswanderung sehr stark MfApt?1«" T ^tC ^^tsche Auswanderung wendet sich ganz besonders den über: InhLrpn ?an?C"r5Ju‘ o?b")ohl w Oesterreich Ungarn, Rußland, der Türkei und in ßa.nbcrn rP£5 O'ele s.uchtbare menschenleere Strecken gibt, welche nä-Ä Eolonrsirung eignen wurden, so werden die Vereinigten Staaten von Nord- boch nierst vorgezogen wert |ie neben gleichartlgen klimatischen Verhältnissen ’ÜS v P? rehfl,ofer und volkswirtbschaftlicher Hinsicht jedem Ein- wandernden dre freieste Bewegung bieten und den Erwerb von Grund und Boden sowie die Verwerlhung der Arbeitskraft überall erleichtern. — Die neuen Eultur- r-ander lensetts des Oceans besitzen für Diejenigen, welche ihre europäische Heimatb fpdfHi Cn9TtoaUen,s rocit mrfc Anziehungskraft als die alten Culturstätten. T?e über- beuH±e h6 "hld) ou?b ..statistisch leichter seststellen und die amtliche
deutsche Statistik enthalt darüber regelmäßige eingehende Mittheilungen In dem Jahrgang 1886 der „Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs" liegen die Angaben über einen 15rährigen Zeitraum von 1871-1885 vor ^nflaoen
wprnp«®/Jinb diesen 15 Jahren 1,412,214 Deutsche über deutsche Häfen und Hnt- !^^^?"hert. Die drei Jahrfünfte zeigen eine große Verschiedenheit. Im Jodrfunft^von 1871—1875 sind zusammen 381,085 Personen ausgewandert im R?7 7AQ f1876—^9 nur 214,068, dagegen im dritten Jahrfünft von 1881—1885
Personen. Die Jahre von 1874—1879 bezeichnen den niedrigsten Stand der 7^m ^^"^bbrung. Im Jahre 1874 wanderten nur 21,964 und 1878 nur ^.4,217 Personen aus, dagegen 1881: 210,547 und 1882: 193,869, 1883: 166 119 Per- i Tonen, 1884: 143,586 und 1885: 103,642 Personen. ' w
M979UAnaVC\im Än ^hre 1885 ausgewanderten 103,642 Personen waren 69,272 aus Preußen, 9939 aus Bayern, 2885 aus Sachsen, 5104 aus Württemberg hnrn 2503 aus Hessen, 2221 aus Mecklenburg-Schwerin, 1395 aus Olden-
burß 2072 au§ Hamburg, 991 aus Bremen, 738 aus Elsaß-Lothringen rc. Auffallend dre oCril!9/c ^ohl Auswanderer aus Sachsen, welches das am dichtesten be- zugebm pReqt.6Ur0Pa§ Unb mc-r Einwanderer aufzunehmen als Auswanderer ab-
fbA?fhr ^86 liegen nur Angaben über die ersten 6 Monate vor, danach I s nd in dieser Zett nur 39,474 Deutsche gegen 65,345 im ersten Halbjahre 1885 aus- I ^?^ber/’i£anöÄ roirb das Jahr 1886 voraussichtlich eine nicht unerhebliche Abnahme I der überseeischen Slusroonberunn gegen bie letzten 5 Jahre ausweisen ' ’
. Die Zahl der Entlassenen aus dem Deutschen Reiche ist in jedem ^abre weit on^hrfrin^t blf i^1 b^ Ausgewanderten, weil die letzteren meist ihre deutsche Staats! I mpfrh» Seo _____r. ". ^Phise man 28,395 Entlassene und 3841' I
^9«Staatsangehörigkeit durch Naturalisation erworben hatten. Von! den 28,395 Entlassenen waren 23,200 nach den Vereinigten Staaten von Amerika ent- I Wien, wahrend in demselben Jahre 139,339 dahin ausgewandert wa?en
„ , , .^o^ms, 29. September. Das Mittelrheinische Turnfest hat nach dem gestern | Äplgten ^Echnungsabschluß einen Ueberschuß von 5800 JL ergeben, welche nach § 11
erfreS *e Turngemeinde zufallen Die Ausschußmiiglieder werden dies
a 6 am kommenden Samstag durch Abhaltung eines Biercommeiies | nvty eigens feiern.
m 28 September. SRa* langen qualvollen Leiden ist das vor mehreren
Wochen in der Tischgäste durch das Explodiren einer Petroleumlampe so schwer verätzte lunge Mädchen am Sonntag Morgen gestorben. Die Leiche desselben ist heute Me°mtnernUh S°«s Unb ^0leiJ.u£0?er Dienstherrschaft nach Naumburg, ™ sich nerlMner befinden übergesührt worden. - Wie wir aus zu-
Ou-llc ersahren, ist in der gestrigen Nacht in dem Dorse Friedlos bei
Hersfeld ein entsetzlicher Mord verübt worden. Ein dortiger Bauer wurde auf seinem Hose hinter dem Wohnhause aus mehreren schweren Wunden blutend im bewußtlosen 3uf‘0,'b= °uig-sunden und verstarb kurz daraus, ohne die Besinnung wieder erlangt °^uthet, datz Frau und Sohn des Erschlagenen dem Verbrechen ,)C1L Näheres darüber muß jedoch erst die Untersuchung ergeben. Der btense Staatsanwalt und Untersuchungsrichter haben sich heute an den Thatort oegeven. 3tfl.)
f ^onn. Hier mußte es eine junge Dame erleben, daß ihr ein „böser Mensch" ^en stattlichen Oul de Paris eine niedliche mit Vogelleim bestrichene Puppe als T? welcher Decoration die Schöne zum Gaudium vieler „bösen Menschen" hpfr?it?ie S!«btH^anbele*Spb^ "ne witleidige Seele sie von ihrem kleinen Cavalier befreite. Hoffentlich macht's dem „bösen Menschen" Keiner nach.
.ov J~ ?0rr??.0' hie gegenwärtige Residenz des deutschen Kronprinzenpaares, ist einer der herrlichsten Punkte, welche der Golf von Tigullio, an der Ostküste von ®etnllpaV hietet. Der Golf ist von einer Reihe malerischer Hügelketten eingeschlossen, welche vom Vorgebirge Portofino sich abzweigend bis nach Sestri sich hinziehen, und die reichen Lanoschaften von Portofino, Rapallo, Chiavari und Santa Margherita umfassen. Das durchsichtig klare, fast ftet§ fpiegdglatte 2ßaffer bc§ ^eerbu^en§, nur Klten von einem Südostwinde erregt, gibt demselben den ruhigen Charakter eines Binnensees; die sanst anschwellenden Hügel sind mit eleganten Villen und Landhäusern besät, unter denen besonders die stattlichen Bauten des Marchese Spinola und La hpCrrU?-3m-^DOrrS0enCfA Ar ,auf dem Wasserspiegel befindliche Beschauer glaubt eins der lieblichsten Landschaftsbilder am Eomersee bei Bellagio vor sich zu haben. Von ganz unbeschreiblicher Pracht sind im Golf von Tigullio die Sonnenuntergänge, besonders im Augenblicke, wo die Hügel von Chiavari, .Sestria und Lavagna, von den letzten Strahlen der Morine beleuchtet, sich gegen die dunklen, zerrissenen Schatten der zetten von Portofmo glänzend abheben. Die Kronprinzessin bewodnt das Schloß des Grasen von Carnarvon, welches sich auf der Spitze eines der Ausläufer des Vor- ^p0Ä.?°r11 Portofino erhebt, am hervorspringendsten, malerischsten Punkte des Golfes. Das Schloß wurde erst vor zwei Jahren vollendet und ist im Stile des 15. Jabr- hu"derts erbaut. Die innere Einrichtung, obgleich mit höchstem Comfort ausgestattet, entspricht dem ernsten Stile. Ein herrlicher Garten mit seltensten Pflanzen zieht sich von einer Hohe von über 300 Fuß in allmälig absteigenden Terrassen und Wind- Anker liegt3“m M^sspiegel, wo in einer kleinen Bucht die Yacht des Besitzers vor
«OSche Angaben über die Auflage einer Zeitung sind strafbar.) Die »Deutsche Buchdrucker-Zeitung" bringt folgende Mittheilung: Beim Königlichen Amts- J; SP. Berlin ist wegen Ueberforderung gegen den Besitzer einer dortigen Fach- | zett schritt kürzlich em Prozeß anhängig Gemacht worden, in welchem als Thatsache ^^.^eugenbeweis angeführt wird, daß oer betr. Besitzer bei einer Auflage von nur 4G0 Exemplaren schon seit Jahren denjenigen Firmen, welche sich wegen Beilagen an thn wandten, angegeben habe, daß die Auflage seiner Zeitschrift 3000 Exemplare betrage. I Demnach nahm er 30L9 Beilagen in Empfang und ließ sich dafür als Beilagegebühren I , 5ro -^uusend, also 30 JL bezahlen. Thatsächlich kamen von diesen 3000 Exern- I ?Lnrn11 oojin nur jene 400 zur Vertheilung; wo in jedem einzelnen Falle die übrigen 2600 geblieben find, wird möglicherweise im Verlaufe des Prozesses, dem man in tnteresstrten Kreisen mit großer Spannung entgegensieht, klargeftellt werden. Es ist ferner die Möglichkeit nicht ausoeschlossen, daß auch die Staatsanwaltschaft sich noch !?]? beschäftigt, da in Oer beschriebenen Handlungsweise eine Verletzung der
ab 263 folg, des Strafgesetzbuches vorliegen dürfte.
~ ,3« JEßaggon Wheel in Idaho, also im äußersten Westen der Vereinigten Staaten, herrscht ein ganz außerordentlicher Mangel an weiblichen Wesen. Die Einwohner der kleinen Stadt müssen sich fast alle ohne bessere Hälften durch's Leben schleppen. Da geschah es vor einiger Zeit, daß ein solcher Einwohner starb, ein junger Mann, zu dessen Beerdigung seine beiden hübschen Schwestern aus dem Osten gereift I kamen. Als sie aber oas weiberlose Nest wieder verlassen wollten, begab sich eine
Abordnung, den Bürgermeister an der Spitze, zu ihnen, mit der Aufforderung ttch Gatten zu wählen. Das Stadtoberhaupt selbst.trat als Bewerber auf. Als die Mädchen aber trotz dieser Anträge abreisen wollten, wurden sie mehrere Tage hindurch förmlich belagert, bis sie sich endlich entschlossen, zwei stattlichen Mannern sich zu verloben. Der Bürgermeister erhielt wegen allzu reifen Alters einen Korb. Sie meldeten der zu Hause verbliebenen Mutter die Nachricht. Diese kam sofort herbei und erklärte, angesichts des Unpassenden, nach dem Tode des Bruders sich sofort zu verloben, werde sie nicht ihre mütterliche Einwilligung geben. Kein Bitten half. Die um ihre Hoffnungen betrogenen Bräutigame legten die Sache einer einberufenen Volksversammlung por, Ole Mittel finden sollte, im Interesse der Vergrößerung der Einwohnerzahl die Tuugen Damen zuruckzuhalten. Der abgeblitzte Bürgermeister hatte aus städtischen Rücksichten an der Versammlung theilgenommen, er kam auf einen glänzenden Ge- banfen. Er ging zu ber Mutter der Damen, machte ihr einen Antrag, fand Gehör und statt zweier Paare wurden bald daraus drei getraut. So erzählt bie „Dublin er"7 ’ l Damen zur Nachricht, baß Waggon Wheel Eisenbahnstation unb eine auf: blubenbe Bergwerksstadt ist, deren Zukunft in den Händen des weiblichen Geschlechts liegt.
~ l@in schauerlicher Fund.) Wie man aus Nizza meldet, hat man unter den Dächern einer ehemaligen Domtnikanerkirche, welche seit 1860 als Militärbäckerei diente, 600 wirr durcheinander geworfene Skelette gefunden, die vor drei oder vier Jahrhunderten beerdigt worden sein mögen. Man vermuthct, daß diese Skelette 1792 aus- gegraben worden sind, als die republikanischen französischen Truppen aus ber Kirche St. Dominique eine nationale Bäckerei machten. Diese Gebeine finb zum Theile die von hervorragenden Leuten, adeligen Familien, welche damals das Privilegium besaßen, eine besondere Grabstätte für ewige Zeiten (!) in den Gewölben ber Dominikaner zu erhalten. Die Frauenskelette sind in der Mehrzahl; unter ihnen soll sich das einer Herzogin von Savoyen befinden. Alle die menschlichen lleberrefte werden neuerdings in einem der Friedhöfe von 9tizza bestattet werden.
— Einen schweren Gang hat in den letzten TaAen die Königin-Mutter Marie von Bayern gethan, einen Gang zu ihren Söhnen König Ludwig und König Otto.
Ober - ^orftnht 1 ^nphlr (Der Pfahlgraben und das große Kastell bei
9?pbJ; ? U 6 hie durch Herrn Fr. Kofler im Auftrage des hiesigen historischen Vereins vorgenommenen Ausgrabungen und Nachforschungen ist weiter rn ^cm bie Käst---- bei Altenstadt und Staben freigdegt, b ” Sfcetfe StabemWarföbet genau untersucht unb bie am Pfahlgraben [iegenben Thürim aui- begonnen rourbe mit »°n Ausgrabungen bet Ober- Mörstadt
Es bandelie sich hier nicht um ein Limes-Kastell, b. h. cin Kastell hna unmittelbar am Psahlgraben gelegen ist, fonbern um ein sogenanntes Replis-Kastell hns ben kleinen an ber Horloff liegenben Befestigungen als Mu“ binnen unb iualeM bie uon ben ®ergen aus nach Nieder - Wöllstabt unb Fnebberg f hrenben Spatzen überwachen konnte wozu bas kleine bei Staben gelegene Kastell nicht ausreichte - grubjabr war bereits eine Mauer oon 61 Meter Länge unb 4 Meter Breite in ben SVunba menten sreigelegt worben. Durch bie Herbstarbeiten, bie nicht in de" Meileanna der Mauern, sondern nur im Nachweis derselben durch aeeianete (Sinfrfinttio h»c*A0k fonnte feftgeftetlt werden, daß die damals gefundene Mauer dnen
.mh rtti Atrnüp /nm h^at, also 664 Meter im Umfang^nttßt
und an Grove wemg der Saalburg (740 Meter) nachsteht. Dasselbe entlä t uier ^ Thurmen besetzte Thore und zwar mit zwei je 6 Meter breiten und aeaen 2 wXr hf Xn b/ks gehauenen Gräben umgeben. In der Richtung ^on^Nieder-
ber * eXne hrelte gepflasterte Straße durch das Hauptthor die vorta
dn^pflS durchschnddm Ängo^i^ und
ftebt b h® nua Randsteinen, während ihr Kern aus Gußrnauerwerk be
Sandsteine sind einem ®ru5e unmrf?'aUd) damit gep attet. Die meisten Betriebe ist. W unroeit Staden entnommen, der fetzt nicht mehr im
auf der sogenannten^Warte^ eine“/Erhebung“^die wo“bl n>arteiLuon Ober - Florstadt, in den unruhigen Zeiten des Mittelalters von ibr an« ^nien daher hat, daß und überwacht wurden, welche an Florstadt norühd- r^ßen beobachtet I
bedeckt den ganzen, sonst nach Osten abfallenden be!S ?o^elsberg führten. Es I s; ~ S»
S'hÄ“Sff ”* *“"• •« •«'««
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“iS“1"■ ““ *"» » -C'SSSs m , Aber auch noch über diese hinaus, in der Richtung nach Ott (Kr.hnft
Sonntag ben 3. October
Weßener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


