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Mr. 1O1. Drittes »latt Sonntag den 2. Mai LG88

Weßener Anzeiger

Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher Iheil.

Bekanntmachung.

Im Kreise Gießen sind in der Zeit vom 1. Februar 1885 bis dahin 1886 in den einzelnen Gemeinden die nachstehend verzeichneten Beträge für die Landeswaisenkasse eingegangen.

Dian bringt dieß mit herzlichem Danke für die Geber zur öffentlichen Kenntniß.

Gießen, am 30. April 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

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1. Albach 52

2. Allendorf a. d. Lahn 2 12

3. Allendorf a. d- Lda. 1 01

4. Allertshausen

5. Alten-Buseck 2 86

6. Annerod 8 74

7. Bellersheim 80

8. Beltershain 1 36

9. Bersrod 78

10. Bettenhausen 3

11. Beuern 4 83

12. Birklar 1 95

13. Burkhardsfelden 90

14. Climbach 1 30

15. Daubringen 2 11

16. Dorf-Gill 20

17. Eberstadt 1 07

18. Ettingshausen

19. Garbenteich 2 48

20. Geilshausen 1 50

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Uebertrag 37 53

21. Gießen 2 03

22. Göbelnrod

23. Großen-Buseck 5 02

24. Großen-Linden 10 15

25. Grünberg 8 72

26. Grüningen 2 06

27. Harbach 52

28. Hattenrod 07

29. Hansen 15

30. Heuchelheim 1 26

31. Holzheim 1

32. Hungen 2 98

33. Inheiden 8 35

34. Kesselbach §

35. Klein-Linden 4 14

36. Langd 9

37. Lang-Göns 3 49

38. Langsdorf 6 28

39. Lauter

40. Leihgestern 2 29

X H

Uebertrag 224 95

41. Lich 29 30

42. Lindenstruth 1 79

43. Lollar 5 85

44. Londorf 56

45. Lumda

46. Mainzlar 1 86

47. Münster 45

48. Muschenheim 57

49. Nieder-Bessingen 1 60

50. Ncmnenroth 56

51. Obbornhofen 20

52. Ober-Bessingen 1 81

53. Ober-Hörgern 17 65

54. Odenhausen

55. Oppenrod 2

56. Queckborn 30

57. Rabertshausen

58- Reinhardhain 55

59. Reiskirchen 60

60. Rodheim 6 39

X. H

Uebertrag 296 99

61. Rödgen

62. Röthges 65

63. Rüddingshausen 50

64. Ruttershausen 1

65. Saasen 1 05

66. Stangenrod 1

67. Staufenberg 4 68

68. Steinbach 3 99

69. Steinheim 9 25

70. Stockhausen 55

71. Trais-Horloff 2 04

72. Treis a. d. Lda. 2 15

73. Trohe 1 20

74. Utvbe 1 54

75. Villingen. 2 70

76. Watzenborn mit Steinberg 3 24

77. Weickartshain 1 40

78. Weitershain 3 40

79. Wieseck 1

Summa 338 33

Zu übertragen 37 53

Zu übertragen 224 95

Zu übertragen 296 99

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Darmstadt, 29. April. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei­lage Nr. 9) enthält:

1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That:

Se. König!. Hoheit der Großherzog haben denk Müllerburschen Martin Mohr in Nieder-Ohmen in Anerkennung der von demselben am 17. Febr. l. Js. mit Muth und Entschlossenheit und unter eigener Lebensgefahr bewirkten Ret­tung des 13jährigen Karl Tröller, Sohnes des Weigand Tröller II. in Rieder- Ohmen, vom Tode des Ertrinkens die Rettungs-Medaille zu verleihen und eine Geldprämie bewilligen geruht.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.

3. Ueberficht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1886 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gememden des Kreises Bensheim.

4. Ueberficht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Etatsjahr 1886/87 zur Erhebung genehmigten Umlagen zur Bestrei­tung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Büdingen.

5. Ordensverleihungen.

- 6. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

. 7. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt ist: Die zweite Lehrerstelle an der kath. Schule zu Gernsheim mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemeffenden Gehalt von 1000 bis 1600 mit dec Stelle ist ein Theil des Organisten-, bezw. Kir- chendienstes verbunden. Dem Großh. Kreisrathe zu Groß-Gerau, dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstande zu Gernsheim steht das Präsentationsrecht zu derselber.--.zu.

Die Erfolglosigkeit der Streiks.

Wenn die Sonne höher zu steigen beginnt und der Frühling seinen Einzug hält, wenn die Natur wieder aufwacht von ihrem Winterschlafe, dann belebt sich auch Handel und Wandel wieder mit) alle Gewerbe, mit Ausnahme solcher, die für irgend welchen Winterbedarf speciell arbeiten, nehmen einen flotteren Geschäftsgang an. Aber kaum sind wir in solche Zeiten eingetreten, kaum wird der arbeitenden Klasse durch - allseitig erwachende Kauflust erneuter Verdienst geboten, tritt auch in fast allen Er- :f werbszweigen eine Unzufriedenheit über die Höhe der Löhne ein, die sich seit einer Reihe von Jahren fortgesetzt wiederholt, die zu einer chronischen Krankheit geworden ist. Die Folgen davon sind Arbeitseinstellungen Streiks. Auch dieses Jahr melden unsere Zeitungen wieder aus allen Gegenden solche Arbeitseinstellungen bez. Drohungen der Arbeiter mit solchen.

Es ist eigentlich merkwürdig zu nennen, daß in jedem Jabre wieder neue Streiks angezettelt werden, da doch die Erfahrung lehrt, daß durch dieselben selten etwas i; erreicht wird, daß die Noth, welche in unmittelbarem Gefolge derselben ist, niemals * durch das wenige Gute, das ein etwa gelungener Streik mit sich bringt, ausgewogen werden kann.

Ein recht drastisches Bild hierzu ward vor wenigen Jahren (1879) von den | Bereinigten Staaten Nordamerikas, dem Lande der Aetionsfreiheit und der Industrie ! nütgetheilt. Von 159 angestellten Streiks waren 118 auf Lohnerhöhung gerichtet, I 24 auf Verkürzung der Arbeitszeit, 9 auf Durchführung von Vereinsstatuten, 5 gegen | Maßnahmen der Arbeitgeber und 3 gegen die Einführung neuer Maschinen. Von I sämmtlichen Streiks wurden zu Gunsten der Arbeiter durchgeführt 18 vollständig und k 6 theilweise, das ist etwa 7pCt. Erfolg für dieselben.

Die englischen Streiks von 1866 und 1867 mißglückten fast alle, sodaß die 1 Mine wieder auf den Standpunkt von 1859 herabsanken, in manchen Zweigen sogar

wie im Krisejahr 1857. Von 277 englischen Streiks im Jahre 1878 haben blos 4 ihren Zweck erreicht.

Wie länge übrigens die wenigen damaligen Erfolge, sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in England angehalten haben, bewiesen am deutlichsten die kiirze Zeit darauf erfolgenden Arbeiterentlassungen auf fast allen Industriegebieten, und es muß sehr bezweifelt werden, ob irgend eine Arbeitsklasse, welche einen Streik erfolg­reich durchgeführt hatte, heute noch etwas von jener Errungenschaft besitzt.

Die Verluste, welche den Arbeitgebern aus den Streiks erwachsen, sind auch nicht annähernd zu berechnen, aber die Verluste der Arbeiiuehmer gehen ins Ungeheure. Bei 110 Arbeitseinstellungen in der Zeit von 18701880, für welche der Verfasser die Daten sammelte, belaufen sich die Verluste der englischen Arbeiter auf über 4 468 000 Pfd. Sterling.

In dem Totalverlust dieser HO Arbeitseinstellungen sind nicht inbegriffen die Opfer, welche mehrere andere bedeutende Streiks für die Arbeiter verursachten, so derjenige der Londoner Maschinenbauer im Jahre 1879, welcher gegen 29 000 Pfd. Sterling, der Kohlenarbeiter von Longton im Jahre 1878, welcher 30 000 Pfd. Sterl., der Bergarbeiter in Durham im Jahre 1879, welcher 240 000 Pfd. Sterl., der Schiffs­bauer am Clyde im Jahre 1877, welcher 300 000 Pfd. Sterl. gekostet haben soll.

Die Dauer der einzelnen in das Jahrzehnt 18701879 fallenden englischen Streiks, deren Gesamnttzahl die nette Summe von ea. 2500 erreicht, ist natürlich sehr verschieden; dieselbe wechselt zwischen wenigen Tagen und 57 Wochen (die Schneider in Aberdeen!). Fast ebenso lange dauerten übrigens mehrere andere Arbeitseinstellungen, so diejenige der Tischler- und Zimmerleute in Manchester im Jahre 1877 52 Wochen, diejenige der Glasarbeiter in Alloa im Jahre 1878 56 Wochen, diejenige der Schneider­in Blanafon im Jahre 1875 47 Wochen, der Zimmerleute und Tischler in Danfermline 40 Wochen :c.

Aber alle die erwähnten trüben Erfahrungen, welche seitens der Arbeiter gemacht worden sind, halten diese doch nicht ab, immer und immer wieder neue Streiks zu insceniren. Dian sollte doch meinen, daß die nunmehr langjährigen Wahrnehmungen diesseits und jenseits des Oceans klar darlegen müßten, daß alles, was auf diesem Wege über daö nach beiden Seiten hin billige Maß durchgesetzt wird, niemals Bestand Hal.

Es liegt in der Natur der Sache, daß jede der beiden Parteien, Arbeitgeber wie Arbeiter, sich über ein solch billiges Maß leicht täuscht, sodaß von einer Seite fast stets weit über das Ziel hinausgeschossen wird, da in der Regel, wenn man die Lage der Dinge mit schärferen und unparteiischen Augen betrachtet, individuelle und Partei- interesseN daraus hervorleuchten. Die nackte Wirklichkeit wird verzerrt und durch böse, noch' hiiizutretende Leidenschaften getrübt und gefälscht.

Uns wird stets das Fell über die Ohren gezogen", rufen die Arbeiter fortgesetzt aus, bedenken aber selten, daß ganz gewichtige Factoren den Arbeitgeber gezwungen haben, eine Lohnherabsetzung oder die Verlängerung der Arbeitszeit vorzunehmen oder- gar keine Lohnerhöhung oder Arbeitszeitverminderung eintreten lassen zu können, und unter hundert Fällen ist neunzig Mal das Interesse beider Theile eng miteinander verknüpft. Würden die Arbeiter, bevor sie in einen Streik eintreten, einen unparteiischen, kundigen und wohlwollenden Mann um Rath und Aufschluß fragen, so dürften in den besagten neunzig Fällen Arbeiter wie Arbeitgeber vor Schäden, wie sie oben ge­schildert, bewahrt bleiben.

Die berührten Gesichtspunkte, die geringe Wahrscheinlichkeit des Erfolges und die zweifelhafte Dauer des Streiks sind es aber noch nicht einmal, was am schärfsten wiegt. Wod) weit mehr kommt das Elend in Berechnung und die bitteren Zwistig­keiten, welche durck) die Streiks in die Arbeiterfamilien nothgedrungen getragen werden müssen, wenn die wöchentlichen oder vierzehntägigen Einnahmen ausbleiben und nur die Wartegelder aus der Str'eikkasse in homöopathischen Dosen eingehen, oder wenn schließlich und) noch dieser Brunnen ganz versiegt.

Ein weiteres liebel und wohl das größte und schwerste, ist die Vergiftung des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, ferner die Gewöhnung der letzteren an Müßiggang und nur zu leicht an den Trunk und endlich die Infrage setzung des ganzen Geschäftszweiges, wodurd) dod) stets der Arbeiter in die allerärgsle Mitleidenschaft gezogen wird.