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Vermischtes.

Hanau, 28. März. Heute Morgen schnitt der Kellner eines hiesigen Hotels -as Gasleitungsrohr im Keller an, so daß das Gas entströmte und man hierdurch <iuf die Frevelthat, welche ein großes Unglück herbeisühren konnte, aufmerksam wurde. Ter Bursche soll aus Bosheit diese strafwürdige That ausgeführt haben. Naturgemäß verbrachte man denselben alsbald hinter Schloß und Riegel.

Vom Niederrhein, 28. März. Auf schreckliche Weise ist gestern der 71jährige Graf Ferdinand v. Spee auf Haus Sinnig ums Leben gekommen. Dem alten Herrn gingen auf der Fahrt zur Jagd die Pferde durch, im Dorf Lintorf prallte der Wagen gegen eine Hausecke, schlug um, der Graf stürzte heraus und erlitt einen ^chädelbruch. Graf Spee hinterläßt 10 Kinder.

Ein Stradivarius für 25,000 Francs ist insofern für Deutschland, speciell für Frankfurt gewonnen worden, als Herr Eoncertmeistcr Hugo Heermann für obigen Preis (20,500 X) eine Geige jenes italienischen Meisters aus der Sammlung eines Londoner Liebhabers' erworben hat. Das bemerkcnswerthe Instrument ist vollkommen intakt und bildet ein Pendant zu Sarasate's berühmter Geige. Es ist in hohem Grade erfreulich, daß solch' ein Kleinod aus dem tobten Besitze eines Sammlers in die Hände eines ausübenden, zumal deutschen Künstlers übergegangcn ist.

Musik.

V Gieße«, 1. April.

sTua-Eoncert.j Wenn Teresina Tua auch nicht gerade dem geigen- spielendcn Engel, der dem heiligen Franz von Assisi erschienen war, auf ein Haar gleicht, so hat sie doch jedenfalls viel Ähnlichkeit mit einem lieblichen Luftgeist, der durch sein neckisches Wesen, durch angeborne Grazie und allerliebste Kindlichkeit alle Hörer in seinen Zauberkreis bannt. Mit einem Worte, die junge Künstlerin weiß mit einer Unwiderstehlichkeit, der so leicht Niemand aus dem Wege zu gehen vermag, rhr Feld zu behaupten und ihr liebenswürdiges Lächeln allein gewinnt schon von vorn­herein alle Herzen. r

Es ist schon Vieles gesprochen morden von dem Zauber ihrer Erscheinung, welcher eine Künstlerin aus ihr gemacht haben soll, aber von allem abgesehen, wohnt doch noch ein größerer Theil des Zaubers in ihren Tönen, die sie liebkosend dem kleinen Instrumente entlockt und mancher Jünger könnte von dieser anmuthigen Meisterin etwas lernen.r. . , , ,

Fräulein Tua verblüfft nicht etwa durch großen kräftigen Ton, durch hals­brecherische Virtuosentänze allein, sondern besonders, und das schätzen wir am höchsten, durch Hingebung, Seele und Leidenschaft.

Wohl selten wird man das Adagio aus dem Bruch'ichen Concert, dre Cavatme von Rolf oder dasMoelmno von Ehopin-Wilhelmj in so ergreifender Vollendung hören, wie cS am Donnerstag Abend geschah und wenn ein Salonstück ohne tieferen musikali­schen Werth, wie die Gavotte von Bohm das Publikum zur Begeisterung hinzureißen vermag, so gehört schon die Auffassung einer Tua dazu, unter deren Finger sich die Eomposition zri einem reizenden Scherz gestaltet, tändelnd wie ein lustiger Schmetterling. c . . x

Ihre Virtuosität kam zur vollsten Geltung in dem Zapateado von Sarasate, in welchem sie so recht einem kleinen wilden Kobolde glich, der mit den Schwierigkeiten des Werkes nach Herzenslust Fangball spielte und das überaus zahlreiche Publikum in eine Stimmung versetzte, wie wir sie selten im Concertsaal wahrgenommen haben. Nach einem nicht endenwollenden Da eapo-Rufen gab sie endlich noch einen spanischen Tanz von demselben Komponisten zum Besten, in welchem sie sich als vortreffliche Be­herrscherin der Flageolettöne zeigte.

Kein Wunder, daß eine große Menge enthusiasmirter Zuhörerinnen und Zuhörer noch auf der Straße den Wagen umstanden, um sich noch mit lauten Bravorufen von der Künstlerin zu verabschieden.

Herrn Mar van de Sandt lernten wir als vortrefflich begabten Pianisten kennen, der die Technik im Clavierspiel mit, bei seiner großen Jugend erstaunlicher Sicherheit beherrscht; und wenn ihm Beethoven auch nicht recht zusagt, so döch als Chopin und Schumann Interpret seinen Platz vollkommen ausfüllt.

Bei dem Vortrage des Pesther Carneval von Liszt fielen uns unwillkürlich die Worte in Moszkowki'sNotenquetfcher" ein:Hört ihr's wettern dort, so wißt, das ist Liszt." Der Eomponist verlangt hier vom Virtuosen ein wahrhaftes Wüthen auf dem Clavier und wenn dies auch gerade nicht mehr schön genannt werden kann, so liegt doch Musik drin!

Der Blüthner'sche Flügel bewährte sich wieder in seiner ganzen Groye. tfiitle des Tones, wie Zartheit und Wohlklang mutheten uns herrlich an. a

Geschichts-Kalender.

3. April.

1327. Papst Johann XII. schleudert auf's Neue Bannflüche gegen den in Italien erschienenen deutschen Kaiser Ludwig, erklärt ihn nicht nur aller Reichs- und kirchlichen Lehen, sondern sogar seiner Erblande verlustig und fordert die ganze Christenheit zu einem Kreuzzuge gegen ihn auf.

1559. Der Nachfolger Karls V. auf dem spanischen Thron, Philipp II., schließt mit Frankreich den Frieden von Cambresis ab und gewinnt dadurch Muße, im Staate dem Könige eine unumschränkte Machtvollkommenheit und eiserne Herrschaft zu erwerben, vor der jeder Wioerspruck, jeder Eigenwille ver­schwinden muß und in der Kirche dieselbe Macht dem päpstlichen Priester- thmne zu verschaffen.

1833. Etwa 70 Demokraten, großtentheils Studirende, machen in der Nacht den Versuch, sich der Stadt Frankfurt a. M. zu bemächtigen, um den Bundestag zu sprengen. Derselbe mißlang natürlich.

Daudet mrd Besetze.

Darmstadt, 31. März. Die 10. Sitzung des hessischen Eisenbahnbeiratbs wird am 8. April dss. Js. stattfinden. Die Tagesordnung enthält u. A. folgende Verachungsgegenstände: . , ...

Fahrpläne. Fahrplan der Oberhessischen Bahnen. Der .vahrplan wird der­selbe sein, wie im Sommer vorigen Jahres. Er unterscheidet sich von dem derzeit bestehenden Winterfahrplan nur darin, daß Zug 19 Abends von Gießen statt 715 um 8W abgelassen wird, wie dies bisher im Sommer stets geschehen.

Fahrplan der Main-Weser-Bahn. Tas Fahrplan - Project liegt noch nicht vor. Im derzeit bestehenden Winter-Fahrplan ist den in der letzten Sitzung vorgebrachten Wünschen bezüglich der Lage des Zuges 321 genügt; derselbe geht nach Ankunft des Schnellzugs 301 um 8« Abends von Gießen ab und trifft um 9« in Lollar em.

Die Erfüllung des weiteren Wunsches, einen für den Schulbesuch, gumtigen Frühzug von Lollar, bezw. Marburg nach Gießen zu fahren, hat die Bahnverwaltuns abgrlehnt.

Erweiterung der Ilebergangszeiten für die Anschlüsse auf den Stationen Gießen und Gelnhausen der Oberhessischen Bahnen auf 1012 Minuten.

Limburg, 31. März. Rother Weizen X 1490, weißer Weizen X 14.70, Korn X 10.75, Gerste X 7.80, Hafer X 7.00, Saathafer X 0,00, Kartoffeln ä 10U Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00.

Verfälschte schwarze Seide.

Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, ver­löscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. Ver­fälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen dieSchußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert) und hinter­läßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt- Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seiden - Fabrik - Döpük von 6. Henneberg (K. u. K- Hoflief.) in Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jeder­mann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke zollfrei in's Haus, ohne Zoll- berechnuiig. Ein Brief nach der Schweiz kostet 20 Pf. Porto. 2431

Temperatur in Gießen.

März 1886.

Niederste 12,0 °R.

am 5. März 1862 .... 13,5

Mittlere 4- 1,46

Mittel früherer Jahre ..... 4- 2,87

im März 1853 1,00

Höchste . 4- 15,0

Niederschlag an 12 Tagen .... 1,82 Par. Zoll.

im Mittel ftüherer Jahre an 14 Tagen 1,44

Höchste Schneehöhe (3. März) . . . 11,5

seit 1855 (Januar 1861) . 12

Schneedecke Mittags 12 Uhr an 20 Tagen.

bisheriges Maximum seit 1853 15 Tage.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Äietzev.

Evangelische Gemeinde.

G o t t e s d i e n st.

Sonntag Lätare, 4. April.

Vormittags 90- Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser-

Montag, den 5. April, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinder-

schule, Matth. Kap. 5, von Vers 7 an- Pfarrer Dr. Naumann.

Mittwoch, den 7. April, Abends 6 Uhr, 5. Passionsandacht, Pfarrer Dingeldey.

Am Sonntag, den 11. April, wird Beichte uni) heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst gehalten werden.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 4. bis 10. April besorgt

Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

4. Fastensonntag (Laetare).

Von 7 Uhr an Beichte.

Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion.

0-10 Uhr: Hochamt und Predigt-

2 Uhr: Fasteii'Andacht.

Nach dem Gottesdienst ist eine Kollerte für bedürftige Erstcommunikantem

Freitag um 6 Uhr: Faston-Andacht.

Gottesdienst in der Zynagoge.

Freitag Abend 6'Uhr, Samstag Morgen 83e Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, I Samstag Abend 7» Uhr.

Allgemeiner Anzeiger.

beginnt soeben ein neues Quartal mit dem

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Die Zusammenkui 8 Uhr im Ort.

Sodann kommen und BüMmmchen bei der schule.

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