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2.5.1886 Erstes Blatt
 
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Unter gespannter Aufmerksamkeit der Zuhörer und wiederholt vom Beifall der Versammlung unterbrochen, suchte derselbe in schönster Form die von den Feinden der modernen Schule aufgestellte Behauptung von einem durch die Schule verschuldeten Rückgang in der Moralität des Volkes zu widerlegen. Er behauptet, daß die Schule als minder einflußreicher Erziehungsfaktor überhaupt nicht für auffällige Erscheinungen im socialen Leben der Völker verantwortlich gemacht werden könne, diese vielmehr auf Rechnung der mehr oder weniger gesunden Beschaffenheit des Familienlebens, der rechtlichen, staatlichen und kirchlichen Verhältnisse zu setzen seien. Im Verlaufe des Vortrags kommt Referent auch auf die durch die Presse sattsam bekannt gewordene Aeußerung des Herrn Professors v. Treitschke über den Lehrerstand zu sprechen und bezeichnet es als bedauerlich, aber lehrreich, daß bei der öffentlichen Besprechung dieser Angelegenheit im preußischen Abgeordnetenhause nur die Mitglieder der freisinnigen Partei für den von einem akademischen Lehrer unter dem Schutzmantel der Lehr­freiheit geschmähten und verleumdeten Stand der Volksschullehrer eingetreten seien.

Dies gab dem anwesenden Landtagsabgeordneten Schröder Veranlassung in der Diskussion für Herrn v. Treitschke einzutreten. Er behauptet, daß die Aeußerung desselben durch die Presse in feindlicher Weise entstellt worden sei, daß, wie ihm (Schröder) ein Hörer des Professors mitgetheilt, derselbe sich keineswegs in der er­wähnten Weise ausgedrückt und daß man überhaupt von einem Manne mit der Bildung des Herrn v. Treitschke eine solche Aeußerung nicht annehmen dürfe.

Herr Kahl erwiedert hierauf, daß die gesammte Presse, die pädogische wie die politische, die Aeußerung so wie Referent sie gegeben, verbreitet habe und es ihm doch sonderbar vorkommen müsse, daß nicht einer der Freunde, oder Schüler des Herrn v. Treitschke eine Richtigstellung der von größter Unkenntniß der Volksschulverhältnisse zeugenden Aeußerung desselben versucht habe und daß Referent, so lange dies nicht geschehe, seine Behauptung von einer Verleumdung des Lehrerstandes durch Herrn v. Treitschke trotz der versuchten Wiederlegung des Herrn Abgeordneten Schröder gan- entschieden aufrecht erhalten werde. (Lebh. Beifall).

Rach weiterer Auseinandersetzung über die Vorschulfrage zwischen Herrn Schröder und Kahl gelangten die Thesen des letzteren unter einigen von Herrn Lehrer Funk zu Marienschloß beantragten Milderungen im Ausdruck zur Annahme. Nach Schluß der Versammlung vereinigte ein gemeinschaftliches Essen etwa 200 der Thetlnehmer wieder im Schlosser'schen Saale.

9t eu-Ulrichstein, 1. Mai. sMonats-Bericht der Arbeiter - Colonie pro April 1886.] Ultimo April waren in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 53.

Hiervon waren: Landw. Arbeiter 13, Bäcker 4, Beamte (Schreiber) 1, Buchbinder 1, Bergleute 1, Dachdecker 1, Former (Eisengießer) 2, Gärtner 1, Kauf­leute (Commis) 3, Maler (Anstreicher) 3, Maurer 1, Messerschmiede 1, Müller 1, Schlosser 3, Schmiede 1, Schneider 2, Schuhmacher 3, Schüler 1, Tapezierer 1, Tischler 1, Weber 3, Zimmerleute 1, Buchdrucker 1, Essigsieder 1, Oeconom 1, Scheerenschleifer 1, Strumpfwirker 1.

Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 13, Nassau 5, Baden 2, Bayern 2, Württemberg 1, Sachsen 1. Von Preußen auf die Provinzen: Hannover 4, Hessen (Cassel) 8, Posen 1, Schlesien 4, Rheinprooinz 5, Meiningen 2, Coburg - Gotha 2, Mecklenburg - Schwerin 1, Anhalt - Dessau 1, Elsaß - Loth­ringen 1, Oesterreich (Böhmen) 1.

Entlassen wurden im Laufe des Monats April 35.

Davon gingen auf eigenen Wunsch, um sich Arbeit zu suchen, 23, durch die Colonie in Stellung 3, durch eigenes Bemühen rc. 2, durch Entlassung 5, durch Krankheit (Geschwulst am Arm) 1, auf Requisition der Behörde 1.

Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 292 Colonisten.

Offenbach, 27. April. DasTagbl." berichtet: Der unfern Lesern bekannte Sergeant Mödebeck, der wegen der scheußlichen Mißhandlung des Rekruten Kaltenbach (aus Kostheim) zu 7 Jahren rc. rc. verurtheilt wurde, hat vor einiger Zeit seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht.

Alzey, 28. April. Ein Gerücht von einem Doppelselbstmord, welches bereits gestern die Stadt durchschwirrte, hat sich jetzt leider bestätigt. Det Soldat Huf aus Flonheim hat sein Mädchen, Elisabeths Ries aus Enkenbach, bei Herrn CH. Köhler in Heimersheim in Diensten, und dann sich selbst im Bornheimer Wäldchen erschossen. Was diese beiden jungen Leute zu diesem schrecklichen Entschlüsse trieb, ist noch in Dunkel gehüllt. (A. B.)

Der von Altona mit ca. 30,000 unterschlagener Gelder durchgegangene Buchhalter Isidor Sternberg ist in Bucnos-Ayres in die Hände der Gerechtigkeit ge­fallen. In seinem Besitze sand man noch 14,631 Jt

Unrecht Gut gedeihet nicht! Die berüchtigte Bauernfängerin Adele Spitzeder nennt nicht mehr ihr eigen, als was sie auf dem Leibe hat. Sie hat dieser Tage wiederholt in München den Offenbarungseid geleistet.

Ueber eine Hebung von 90,000 Pfund Sterling aus dem Meere, welche vor kurzer Zeit bei den Großen Canarischen Inseln erfolgte, berichten Londoner Zeitungen folgendes: Diese Summe lag eine Meile von der südlichen Grenze der genannten Inseln und war vor zwei Jahren mit dem neuen spanischen Dampfer Alfonso XII. untergegangen, welcher 100,000 Pfund Sterling in neugeprägten spanischen Fünf- Dollarstücken, die für Cuba bestimmt waren, an Bord hatte. Das Geld war beim Lloyd versichert, welcher die Summe auch auszahlte, als das Schiff unterging. Nach­dem mehr als ein Jahr verflossen war, wurde Capitän Stevens mit drei Tauchern entsandt, um den versunkenen Schatz zu suchen und wieder zu heben. Sie führten diese Sendung glücklich durch, indem sie neun Kisten hoben, von denen jede 10,000 Pfd. Sterling enthielt; die zehnte Kiste konnte jedoch nicht gefunden werden und die Taucher kehrten obne dieselbe zurück. Die Gefahren und Schwierigkeiten waren außerordentlich. Das Geld befand sich im Kielraume des Schiffes. Das Verdeck mußte gesprengt werden und die Taucher mußten die Kisten, nachdem sie mit großer Mühe in den Kielraum gelangt waren, von einem Deck bis zum andern schleppen. Die Taucher legten bet ihrer neunmonatlichen Arbeit nicht nur Muth, sondern auch große Aus­dauer an den Tag. Die größte Schwierigkeit hatten sie in dem ungeheueren Drucke, den das Wasser in solcher Tiefe ausübt, zu überwinden. Einmal blieb einer der Taucher Namens Lambert länger unter Wasser, als er vernünftiger Weise hätte thun sollen. Als er dann wieder an die Oberfläche kam, war er an beiden Füßen gelähmt. >)U dieser Zeit waren erst 40,000 Pfund Sterling gehoben und trotz seines Mißgeschicks suchte der tapfere Lambert wieder und wieder in die Tiefe, bis seine Bemühungen mit Erfolg gekrönt waren. Capitän Stevens und die Taucher befinden sich jetzt in London, wo die Sache große Aufmerksamkeit erregt hat.

c Wie That eines Wahnsinnigen.] In Bordeaux mar derW. A. Z." zufolge der Backer Morreau plötzlich vom Wahnsinn befallen und mußte einem Irren- Hause übergeben werden. Auf dem Wege dahin rief er unaufhörlich in triumphirendem Tone aus:Bordeaux wird durch mich Heuer merkwürdige Ostern haben'" Dies beunruhigte die Behörde, sie ließ die Ostereier gerichtlich untersuchen und es stellte sich heraus, daß dieselben sämmtlich starke Dosen von Arsenik enthielten. Diese That des Wahnsinnigen hätte entsetzliche Folgen haben können, umsomehr, als Ostereier ja in die Hände von Kindern gelegt werden und von diesen das süße Zeug sofort auf­gezehrt wird.

Auszug aus den Staudesamtsregisteru des Standesamts Metzen.

Aufgebote.

April: 24. Christian Jnderthal von Ober-Weidbach, Kaufmann dahier mit Johanna Georgine Petri von hier. 24. Karl Anton Moll, Kaufmann zu Main» mit Wilhelmine Philippine Jakobine Ritsert von Gießen.

Eheschließungen.

April: 26. Metzger Louis Peter Sack von Gießen und Margarethe Sckmitt von Trohe. 29. Großh. Oberförster Dr. Philipp Walther zu Grebenau und Pauline Karoline Sophie Elisabeth Heß.

Geborene.

April: 19. Dem Schuhmacher Franz Neumeier eine Tochter. 19. Dem Kauf­mann Carl Müller eine Tochter. 21. Dem Oeconom Wilhelm Lindenstruth eine Tochter. 21. Dem Kaufmann Johann Ludwig Hartmann eine Tochter. 22. Dem Kaufmann Friedrich May eine Tochter, Anna Margarethe. 22. Dem Schneider Wernhard Brück eine Tochter, Elisabethe Henriette Margarethe. 23; Dem Gymnasial­

lehrer Ernst Kutsch eine Tochter. 24. Dem Weichensteller an der Oberhessischen Bahn Wilhelm Horn eine Tochter. 25. Dem Restaurateur Peter Jmmel em Sohn. 25. Dem Kaufmann August Noll II. ein Sohn. 27. Dem Anwaltsgehülfen Georg Erdmann eine Tochter. 27. Dem Schuhmacher Georg Luh eine Tochter, Emma Magdalene. 27. Dem Schuhmacher Konrad Wißner eine Tochter, Dorothea Sophie. 29. Dem Wagen-Revisor Justus Beinhauer eine Tochter, Johanna Helene Martha. 29. ^em Schuhmacher Karl Otto Enßlin eine Tochter, Aurora Eulalia.

Gestorbene.

April: 23. Anna Margarethe Ruth, geb. Amend, 27 Jahre alt, Ehefrau des Dienstknechts Heinrich Ruth dahier. 23. Der Candidat der Medicm Johann Gustav Emil Schmidt, 36 Jahre alt. 24. Katharine Kraft, geb. Höhn, 50 Jahre alt, Ehefrau des Schaffners a» der Main-Weser-Bahn Christian Kraft. 24. Adolf Georg Karl August Lony, 5 Monate alt, Sohn des Holzwaarenhändlers Louis Lony. 26. Heinrich Karpf, 1 Jahr alt, Sohn des Taglöhners Heinrich Karpf. 27. Die ledige Haushälterin Henriette Meinhardt, 63 Jahre alt. 27. Marie Lang, geb. Merkel, 69 Jahre alt, Wittwe des verstorbenen Wirths Georg Lang.

Auszug aus de« Kirchenbüchern der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 25. April. Ludwig Lind, Lackirer zu Gießen und Elisabeth Werner, Tochter des Werkführers Adam Werner zu Gießen.

Den 26. April. Carl Dittmar, Fuhrmann zu Gießen, und Friederike Formhals, Tochter des verstorbenen Leinwebers Andreas Formhals zu Allendorf a. d. Lumda.

Denselben. Friedrich Frauenhain, Sergeant zu Gießen, und Friederike Stroh, Tochter des verstorbenen Fabrikaufsehers Georg Adam Stroh zu Gießen.

Denselben. Ludwig Peter Sack, Metzger zu Gießen, und Margarethe Schmitt, Tochter des Müllermeisters Christoph Schmitt auf der Bälzermühle bei Trohe.

Den 29. April. Dr. Philipp Walther, Großh. Oberförster zu Grebenau, und Pauline Caroline Sophie Elisabeth Heß, Tochter des Gasanstaltsbesitzers und Bei­geordneten August Heß zu Gießen.

Den 1. Mai. Bernhard Salzmann, Glaser zu Gießen, und Christiane Johanna Henriette Stamm, Tochter des verstorbenen Zimmermeisters Balthasar Stamm zu Gießen.

Getaufte.

Den 25. April. Dem Cigarrenmacher Heinrich Schäfer eine Tochter, Anna Margarethe, geboren den 26. März.

Denselben. Dem Schlosser Louis Heise ein Sohn, Heinrich Carl Martin, ge­boren den 31. März.

Denselben. Dem Maschinenführer Konrad Jockel eine Tochter, Bertha, geboren den 31. März.

Denselben. Dem Schlösser Ludwig Goß ein Sohn, Ludwig Berthold Emil, geboren den 26. Januar.

Denselben. Dem Schutzmann Robert Spaar ein Sohn, Robert Julius Rudolf, geboren den 17. März.

Denselben. Dem Steinbrecher Wilhelm Valentin eine Tochter, Marie Katharine, geboren den 11. Februar.

Denselben. Dem Schreiner Georg Pfeil eine Tochter, Elsa Lina Paula, geboren den 7. März.

Denselben. Dem Kaufmann Robert Stuhl ein Sohn, Robert Johannes, ge­boren den 28. Februar.

Denselben. Dem Schutzmann Peter Mulch eine Tochter, Anna, geboren' den 10. Februar.

Denselben. Dem Schlosser Ludwig Köhlinger ein Sohn, Ludwig Otto Georg, geboren den 27. März.

Denselben. Dem Tapezierer Wilhelm Böhling eine Tochter, Minna Mathilde, geboren den 22. December 1885.

Denselben. Dem Schuhmacher Friedrich Schäfer ein Sohn, Ferdinand Michael, geboren den 21. März.

Denselben. Dem Schuhmacher Andreas Hofmann ein Sohn, Philipp August, geboren den 6. März.

f Denselben. Dem Zimmermann Johannes Kuba eine Tochter, Elisa, geboren den 13. April.

Denselben. Dem Küfer und Wirth Georg Euler eine Tochter, Margarethe Susanne Henriette, geboren den 26. März.

Denselben. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Diehl eine Tochter, Margarethe, ge­boren den 21. Januar.

Denselben. Dem Schreiner Johannes Leih ein Sohn, Carl, geboren de« 28. Februar.

Den 26. April. Dem Güterkassier Wilhelm Dauernheim eine Tochter, Ida Luise Minna, geboren den 8. März.

Denselben. Dem Schneider August Wilhelm Huthmann ein Sohn, Heinrich Carl Wilhelm, geboren den 9. Februar.

Denselben. Dem Taglöhner Carl Schmehl eine Tochter, Katharine, geboren den 18. Marz.

Denselben. Dem Realgymnasiallehrer Reinhard Dietz eine Tochter, Marie Katharine Susanne Auguste, geboren den 26. Februar.

. , Denselben. Dem Taglöhner Konrad Schmidt eine Tochter, Emma Elise, geboren

den 1. Marz. ö

5cn 28^März^' @$u$mo$er Leonhard Zimmer eine Tochter, Sophie, geboren 10 Januar Fuhrmann Konrad Pfeiffer ein Sohn, Heinrich, geboren den

den ll^Februar' Schuhmacher Ernst Julius Richter ein Sohn, Carl, geboren

rt^nrpÄClib91Lo: ?em Srcmfer Ernst Franz eine Tochter, Marie Susanne Caroline, geboren den 12. Februar.

6eborcn$>b?nl18n'5e®uarS*neibermeifttr ÄaäpQr 585(16 °>nS°hn, Hermann Christoph,

M°t -in- Tochter, Josephine

BabetLgÜste/gebmm Justus Unverzagt -ine Tochter, Luise

den 17^Mär/ ®Cm Äaufmann Soui§ Walther ein Sohn, Julius, geboren 8tborm®beTn27n3a®uQmr.®e,,Mträ0Cr ®COt8 2eto Zwillingstochter, Lina und Emma, den 31®en" D-'n"Schaffner Heinrich Hobel ein Sohn, Ferdinand Carl, geboren H-nri-tk°Äd°lfin-, L°?de7Z"Vt" **

Beerdigte.

HeinrichRuff' M27 ftob ^'rau des Di-nstknech.s

Rinn, Zt"28Jahre^r8b^n2L"Apr8ih' S°*' ic§ £,ai,§Burtoen ^°"n°s ~ . ?=n,eIb- . 2°hann Gustav Emil Schmidt, Candidat der Medicin, lediger @ b De/27 Avril e Ö£6r-§ Gustav Schmidt, alt 36 Jahre, starb den 23. April. Kraft, E 48 JZre, starb L2l Apkil.8°^ ®WrU 8°s Schaffners Christian Stammler, geb. Erlinger, Wittwe des zu Grünberg verstorben n Schuhmachers Johannes «tammler, alt 68 Jahre, starb den 27. April. 70 Jalzke starb den 27 Aprst.8' 8 ' ^rths ®eor0 Lang, alt

27. AM."^be"' &enrictte Meinhardt, Haushälterin, ledig, alt 62 Jahre, starb den