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Beilage zu Ur. 27 desGießener Anzeiger".

Gießen, 2. Februar.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat nun auch seine Polendebatte gehabt und daß es sich hierbei um eine erwartete parlamentarische Haupt- und Staats- Action handelte, bekundete am Freitag schon äußerlich die sehr gute Besetzung des Hauses und die Ueberfülle der Tribünen, während am Ministertische Fürst Bismarck, v. Puttkamer, Dr. Friedberg, v. Goßler und v. Bötticher erschienen waren. Der conservatio-nationalliberale Antrag bezüglich des Schutzes der deutsch - nationalen Interessen in den östlichen Provinzen trug den Ranun des At'g. Dr. Achenbach, die von Seiten des Cenlrums und der Polen vorliegenden Gegenanträge auf Nebergang zur Tagesordnung trugen die Namen der Abgg. Dr. Windthorst und Dr. Szumann. Die Discussion wurde von dem Führer der Conservatioen, Herrn v. Rauchhaupt, mit einer den Majoritäts- Antrag begründenden Rede eröffnet, worauf unter allgemeiner Spannung Fürst Bismarck das Wort ergriff und zunäch t auf die ganze historische Entwickelung der polnischen Verhältnisse seit 1815 unter Zugrundelegung einschlägiger Acten- stücke einging. Speciell wies Fürst Bismarck darauf hin, daß die von Friedrich Wilhelm IV. der polnischen Bevölkerung Preußens gemachten Zusagen durch das spätere revolutionäre Verhalten der Polen wieder hinfällig geworden seien. Sarkastisch geißelte ter Kanzler die damalige Polenliebe der Deutschen, die dazu geführt habe, daß den polnischen Flüchtlingen in den deutschen Städten ein noch begeisterterer Empfang zu Theil geworden wäre, als 1871 dem sieg­reich heimkehrenden deutschen Heere. Der Kanzler berührte die von ihm im Jahre 1863 verfolgte Politik und die viel angefochtene preußisch-russische Convention und betonte, wie Deutschland hierdurch 1870 an Rußland einen schätzens- wertb n Rückhalt gehabt habe. Hierbei machte er die interessante Enthüllung, daß 1870 vor Ausbruch des Krieges eine geheime Verbindung zwischen einigen Mitgliedern ^der Opposition im preußischen Abgeordnetenhaus^ und dem damali­gen französischen Gesandten in Berlin stattgefunden habe, doch werde er die Namen als ein strenges Geheimniß bewahren. Auch erinnerte der Redner an die beschämende Thalsache, daß der damalige französische Minister des Auswär­tigen anerkannte, die Haltung des preußischen Abgeordnetenhauses unterstütze die Feindseligkeit Frankreichs gegen Preußen! Fürst Bismarck ging dann auf den eigentlichen Kern der Polenfrage ein, indem er daraus hinwies, daß indem fortdauernden Kampfe der polnischen Elemente mit den deutschen die ersteren tatsächlich die Oberhand mehr und mehr gewönnen. Diese Fortschritte seien einerserts auf die Bestimmungen der Reichsversassung, anderseits aber auf das Verhalten des früheren Directors der katholischen Abtheilung im Cultus-Mini- sterium (Krötzer) zurückzuführen und dieser habe auch zum Culturkampf gedrängt. Fürst Bismarck ei klärte, die Staatsregierung sei inzwischen zu der Ueberzeugung gekommen, daß es an der Zeit sei, das richtige Verhältniß zwischen den Deut­schen und den Polen nunmehr wieder herzustellen und aus diesem Grunde wären auch tr'e Ausweisungen der Fremden beschlossen worden, lieber diese AuSwei- sungs Maßregeln sei Preußen mit den Nachbarstaaten vollkommen einig. Der Reichskanzler erwähnte auch den Gedanken, zur definitiven Herstellung der Ruhe im Osten den Besitz des polnischen Adcls zu expropriiren; doch habe die Negie­rung gegenwärtig nicht die Absicht, diesen Plan zu realisiren. Vielmehr kenn« zeichnete oer Kanzler eingehend die Grundzüge der dem Landtage zu machenden Vorlage in Beziehung aus den Ankauf einzelner Grundstücke, in Bezug aus die nöthigen Maßregeln aus dem Gebiete des Schulwesens, sowie bezüglich Der künf­tigen Verwendung der Polen im Militär- wie im preußischen Civildienste. Endlich warf der Kanzler noch einen vorschauenden Blick auf unsere künftige innere und äußere Politik und schloß seine Rede mit einem Dank an die Majo­rität für das Entgegenkommen, welches fie der Regierung durch ihren Antrag ermesse. Abg. Dr. Windthorst unternahm es hieraus, den Ausführungen des Fürflekl Bismarck in allen Punkten entgegenzutreten, fand aber im Hause nur noch getheilte Aufmerksamkeit. Die weitere Debatte wurde abgebrochen und endete mit einer Fluth persönlicher Bemerkungen.

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Darmstadt, 27. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 2 enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Staatsministeriums, die nachfolgende Abän­derung der Postordnung vom 8. März 1879 betreffend.

Abänderung der Postordnung vom 8. März 1879.

Berlin, 16. Januar 1886.

Aus Grund der Vorschrift im § 50 des Gesetzes über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28. October 1871 wird die Postordnung vom 8. März 1879, wie folgt, abgeändert.

Im § 13,Drucksachen" betreffend, tritt im Absatz VII hinter den WortenEs soll jedoch gestattet sein" am Schluß als neue Nummer 10 hinzu: 10) bei Drucksachen, welche den Berufsgenossenschaften oder bereu Organen auf Grund des Unfallversicherungs-Gesetzes vom 6. Juli 1884 und der dasselbe ergänzenden Reichsgesetze abgesandt werden und auf der Außenseite mit dem Namen der Berussgenossenschast bezeichnet sind, Zahlen oder Namen handschriftlich ober auf mechanischem Wege einzu­tragen oder abzuändern und den Vordruck ganz ober theilweise zu durchstreichen.

Der Reichskanzler. In Vertretung: v. Stephan.

sDer Herr Geschäftsführer.) Der reiche Pariser Fabrikant Dulct hatte seit zwei Jahren einen jungen Commis in seinem Geschäfte, mit dessen Leistungen er so zufrieden war, daß er ihm sogar seinen Familienkreis erschloß. Vor einigen Tagen ließ er den jungen Mann zu sich kommen und sagte zu ibm:Sie sind jung, brav und arbeitsam, meine Mimi ist siebzehn Jahre alt und Sie gefallen ihr. Das Mädchen hat als Crbtheil ihrer guten Mutter hunderttausend Francs Mitgift; wenn Sie wollen, machen wir im Fasching Hochzeit."

Der Commis Ernest Lamotie war todtenbleich, dann sagte er zu seinem Chef: Waren Sie die zwei Jahre mir mir zufrieden V"

Gewiß."

Bin ich meiner Pflicht ganz und voll nachgekommen?"

Sie sind immer wie ein wackerer Mann auf Ihrem Posten gestanden."

Nun denn, sa mache ich Ihnen, unbesorgt um meine Zukunft, das Geständniß, daß ich nicht Ernest, sondern Ernestine heiße, kein Mann, sondern ein Weib bin. Ich habe alle in's Handelsfach einschlägigen Studien absolvirt, allein einer Person mit Unterröcken zahlt man vierzig Francs monatlich, während ich als Mann bei Ihnen das Sechsfache bezog . . :"

Als Herr Dulet sich von seinem Erstaunen einigermaßen erholt, reichte er dem Commis und Geschäftsführer die Hand und sagte:Meiner Mimi hoffe ich die Sache auszureden; ihr Gatte können Sie nicht sein, aber vielleicht hätten Sie Lust, Mimis zweite Mutter zu werden?"

Nun ivar es an Ernestine, überrascht zu sein. Sie erbat sich Bedenkzeit.

G i n g e s a n d r«

Gießen, 1. Februar.

Die die Vorträge des Gewerbe- resp. Volksbildungsverems Besuchenden sind größtentheils dem Gewerbestand angehörende Personen, welche bis 7 Uhr Abends arbeiten. Denselben ist es nicht möglich, zumal wenn sie nicht sehr nahe dem Felsen­keller wohnen, schon um 8 Uhr dort anwesend zu sein, da Essen und Umkleiden zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Wäre es im Hinblick darauf nicht am Platze, den Beginn der Vorträge auf ^9 Uhr feftzusetzen?

Einer für Viele.

GchiffSnachrichten.

Bremen, 30. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Main, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Januar von Bremen und am 19. Januar von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 30. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Eider, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Januar von Bremen und am 21. Januar von Southampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Eines der edelsten Unternehmen unseres an nationalen Bestrebungen so reichen Jahrhunderts ist und bleibt unzweifelhaft die im Jahre 1865 erfolgte Gründung derDeutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger", einer Gesellschaft, der es gelungen ist, während der verhältnitzmäßig kurzen Zeit ihres Bestehens durch ihre Rettungsstationen an den deutschen Küsten mehr als 1500 Menschenleben vom sicheren Tode zu erretten. Obgleich, besonders in letzter Zeit, das Interesse für diese edle Sache in erfreulicher Weise in allen Schichten der deutschen Bevölkerung Platz greift, so fehlt es doch immer noch an Mitteln, um die an unseren Seeküsten noch fehlenden Stationen zu ergänzen, die sich immer mehr steigernden Unterhaltungskosten für das Material, die Löhnung des Personals und die Kosten für die Versicherung des Lebens sämmtlicher Rettungsleute zu bestreiten; das Werk bedarf immerhin der vollen Unterstützung aller edeldenkenden deutschen Männer der Küste und des Binnenlandes.

In Gießen und der weiteren Umgegend, wo sich jetzt eine besondere Section des Bremer Hauptvereins gebildet hat, ist die Betheiligung an dem menschenfreund­lichen Werke noch nicht so allgemein, wie man denken könnte, und ist sicher zu er­warten, daß bei einer erneuten Aufforderung des Vorstandes zum Beitritt (Jahres­beitrag von mindestens «A 1,50) recht viele neue Mitglieder gewonnen werden.

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Dienstag den 2. Februar: Fidelio.

Mittwoch den 3. Februar: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Außer Abonnement. Fra Diavolo. (Fra Diaoolo: Herr Nachbaur als Gast.)

Donnerstag den 4. Februar: Margarethe. (Faust: Herr Nachbaur als Gast.)

Freitag den 5. Februar geschlossen.

Samstag den 6. Februar: Euryanthe.

Sonntag den 7. Februar, Nachmittags 31/a Uhr: Prinzessin Goldhaar. Ermäßigte Preise. Außer Abonnement. Abends 7 Uhr: Trompeter von S ä k k i n g e n.

Schauspielhaus.

Dienstag den 2. Februar: Daniela.

Mittwoch den 3. Februar: Hochzeit auf dem Aventin.

Donnerstag den 4. Januar geschlossen. , _

Freitag den 5. Januar: Gastspiel des Herrn Hans Winand vom Dtadt- kheatcr in Hamburg. Wilhelm Teil. (Tell: Herr Hans Winand.)

Samstag den 6. Februar: Daniela.

Sonntag den 7. Februar: Ein Tropfen Gift.

12 Medaillen und Diplome.

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