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31.5.1885 Erstes Blatt
 
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Mr« 123 Erstes Blatt. Sonntag den 31. Mai KK9K

Kießmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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W«r-O«r vchulstraße 7. Erscheint täglich mit A«Sn«hme des Montags. vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlch«.

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Amtlicher Hheil.

Gefunden: 2 Taschentücher, 2 Paar Stiefel, 1 gesticktes Umhängetuch, 1 Rodhacke, 1 Portemonnaie mit Inhalt.

Zugelaufen: 1 schwarzes Hündchen, ließen, am 30. Mai 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

____________I. V.: Kraemer.

bewußtloser Zustand, gegen Mitternacht trat Unregelmäßigkeit in den Athembewea- ungen mch in der Herztätigkeit ein.. Gegen Morgen fiel der Patient in einen natür­lichen Schlaf.

Darmstadt, 28. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 15 enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Staatsministeriums, den zwischen Hessen und Preußen wegen Regulirung der Rheinstrecke zwischen Mainz und Bingen abge­schloffenen Staatsvertrag betreffend. Vom 16. Mai 1885.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die neue territo­riale Eintheilung der Baubezirke in der Provinz Oberheffen betreffend.

Der Großherzogs Königl. Hoheit haben die neue territoriale Eintheilung der Baubezirke in der Provinz Oberheffen in folgender Weise zu genehmigen geruht:

1) Der Baubezirk Gießen umfaßt die Gemarkungen des Kreises Gießen . mit Ausschluß der Gemarkungen

Allertshausen, Hof Appenborn, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Groß« und Klein- Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain;

2) Der Baubezirk Alsfeld umfaßt

a. sämmtliche Gemarkungen des Kreises Lauterbach,

b. die Gemarkungen des Kreises Alsfeld mit Ausnahme von Appenrod, Arnshain, Atzenhain, Bernsburg, Bernsfeld, Bleidenrod, Büß­geld, Burg-Gemünden, Dannenrod mir Reu-Ulrichstein, Deckenbach, Ehringshausen mit Oberndorf, Elpenrod, Erbenhausen, Ermenrod, Flensungen, Gleimenhain, Gontershausen. Hainbach, Heimertshausen, Höingen, Homberg, Ilsdorf, Kirsch­garten, Kirtorf, Lehnheim, Lehrbach mit Schmitt-Hof, Maulbach, Merlau, Rieder-Gemünden, Rieder-Ofleiden, Rieder-Ohmen, Ober-Gleen, Ober-Ofleiden, .Ober-Ohmen, Otterbach, Rülfenrod, Ruppertenrod, Schadenbach, Hof-Wälders­hausen, Wahlen, Wett-Saasen und Zeilbach.

3) Der Baubezirk Friedberg umfaßt sämmtliche Gemarkungen des Kreises Friedberg und die Enclave Steinbach.

4) Der Baubezirk Grünberg umfaßt

a. Die oben unter 1 und 2 als nicht zu den Baubezirken Gießen und Alsfeld gehörig aufgeführten Gemarkungen der Kreise Gießen und Alsfeld,

b. folgende Gemarkungen des Kreises Schotten:

Altenhain, Betzenrod, Bobenhausen, Feldkrücken, Hof Flensungen, Freien- Seen, Götzen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Helpershain, Höckersdors, Ilsdorf (Solms-), Klein-Eichen, Köddingen, Kölzenhain, Lardenbach, Laubach, Laubacher Wald-Gemarkung, District 1III, Meiches, Ober - Seibertenrod, Rebgeshain, Ruppertsburg, Schmitten, Sellnrod, Hof Stockhausen, Stumpertenrod, Ulrich­stein, Unter-Seibertenrod, Wetterseld und Wohnfeld.

5) Der Baubezirk Nidda umfaßt

a. sämmtliche Gemarkungen des Kreises Büdingen und

b. die nicht dem Baubezirke Grünberg zugewiesenen Gemarkungen des Kreises Schotten.

Diese Allerhöchste Entschließung wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, unter dem Ansügen, daß die neue Organisation der Kreis-Bauämter mit dem 1. Juni l. Js. in's Leben treten wird.

Telegraphische Depesche«.

Wolffs telegr. «Korrespondenz - Brrrearr.

Berlin, 29. Mai. Der Kaiser, dessen Befinden nach einer gut verbrachten Rächt besser ist, wohnte mit der Großherzogin von Baden am Fenster des Palais dem glänzenden Huldigungszuge der Drechsler-Innung bei, die begeisterten Begrüßungen der Festtheilnehmer vielfach durch Verneigen erwidernd.

< Vom kaiserlichen Palais begab sich der Festzug der Drechsler-Innung nach

dem Hause des Reichskanzlers, wo der Obermeister Meyer ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Einiger Deutschlands und den Wiedererwecker des deutschen Handwerks ausbrachte. Der Reichskanzler dankte herzlichst mit einem Hoch auf die alte Innung, welche durch, heilbringendes Wirken Glück und Segen in das Handwerk hineintragen möge und sprach den Wunsch aus, daß die Ehre des alten Namens den Heranwachsenden wetc) ein Vorbild bleibe. Es folgten erneute Hochrufe, sodann defilirte der Zug vor Reichskanzler.

Der Fahnenweihe der Drechsler-Innung wohnte Staatsminister v. Bötticher welcher den Festgruß des Kaisers überbrachte. Den Obermeistern Meyer und Brandes wurde der Kronenorden 4. Elasse überreicht. Mit einem Festmahle auf L.woli" schloß die Jubelfeier.

, Im Befinden des Kaisers ist Besserung eingetreten und insoweit fortge-

ichntten, als die Beschwerden sich seltener und in geringerem Grade fühlbar gemacht v«ben. Der Kaiser arbeitete gestern mehrere Stunden.

. _ Auf Grund einer Ermächtigung des Bundesraths setzte der Reichskanzler

öie Zolltarifsätzc für Kraftmehl, Puder, Stärke, Stärkegummi, Kleber, Arrowroot, AZo, Sagosurrogate und Tapioka auf 14 Procent in Kisten und auf 9 Procent in Hassern, für Nudeln und Maccaroni auf 18 Procent in Kisten fest.

. Sigmaringen, 29. Mai. Das vom Leibarzt Dr. Koch herausgegebene Bul- ttiln über das Befinden des Fürsten besagt- Seit gestern früh 9 Uhr herrschte

k Wien, 29. Man Wie Dorn'sVolkswirthschaftliche Wochenschrift" erfährt, werden Vorbereitungen getroffen, um die in Brasilien und den La Plata-Staaten be­stehenden oste^eichisch-ungarischen Consularämter zu vermehren und daselbst neue Con- iulate zu errichten. Der nächsten Delegation solle die. Koftenvorlage zugehen

- Demselben Blatte zufolge werde die Zolltarifnovelle dem Reichsrathe wieder vorgelegt; vorher beabsichtigt die Regierung, Gutachten der Handelskammern etnzuholen.

. m DiePolit. Eorresp." meldet uns Konstantinopel, daß eine aus Vertretern der Morte und Oesterreich - Ungarns bestehende Commission zur Berathung des neuen Handelsvertrags ihre Thätigkeit bereits begonnen hat.

r-c^udon, 29. Mai. In . unterrichteten Kreisen heißt es, der Gang, den die englisch -rufst sch en Verhandlungen in der letzten Woche genommen, sei ein solcher, daß gewisse bisher vorgelegene Differenzen als beseitigt erscheinen und der Abschluß der Ver­handlungen früher eintreten dürfte, als bis jetzt angenommen werden konnte.

Petersburg, ?9. Mai. Meldungen der Blätter zufolge, ging dem Reichsrathe ein von der unter dem Grafen Pahlen tagende Commission entworfenes Regulativ zu welches sich imt dem Eintritt der Juden in die Universität, die das Gymnasium ab' solvirt haben, beschäftigte. Für dieses Regulativ sei die Dringlichkeit beantragt

Rom, 29. Mall In der technischen Commission der Sanitäts-Conferenz wurde der Antrag des ersten österreichischen Delegirten genehmigt, wonach jedes Schiff, welches aus einem verdächtigen Hafen ausläuft und für den Pasfagiertransport bestimmt ist, entsprechender Weise für die Jsolirung der Cholerakranken eingerichtet sein muß ebenso wurde der Antrag Proust, betreffend die Art der Jsolirung der Cholerakranken an Bord, einstimmig genehmigt. Hierauf wurde der. Antrag der Subcommission verlesen welche die zu treffenden Maßnahmen zu skizziren beauftragt war. Rach diesem An­träge wird fedes aus dem äußersten Orient kommende Schiff einer ärztlichen Jnspection bei der Aickunft im Rothen Meere und dem Suez-Canale unterworfen. Wenn das Schiff verseucht ist, werden die Passagiere ausgeschifft, welche einer fünftägigen Quarantame unterzogen werden. Die hänfen müssen isolirt einem Arzte übergeben werden. Die Commission beschloß, die Frage, betreffs die Pilger nach Mekka, der ge­nannten Subcommisston zu überweisen, welche durch einen zweiten indischen und einen türkischen Delegirten verstärkt wird.

Lokales.

_ Gießen, 30. Mai. Von den Wiesecker Straßenhelden, welche das von der ^anzmufik in Wieseck heimkehrende Dienstmädchen überfielen und ganz bestialisch miß­handelten, sollen bereits sechs hinter Schloß und Riegel gebracht sein.

Vermischte-.

Lahr, 26. Mai. Die Eröffnungsfeier des ersten deutschen Reichswaisenhauses hat gestern, begünstigt vom schönsten Wetter, hierselbst stattgefunden. Aus allen Gauen des Deutschen Reiches, von Nord und Süd, von Ost und West waren Gäste erschienen Vertreterinnen und Vertreter von Fechtschulverbänden und Vereinen, die durch treue und fleißige Arbeit dazu beigetragen haben, das herrliche Werk der Menschenliebe in's Leben zu rufen. Durch die mit Fahnen in den deutschen und badischen Farben, mit ®2li?an^en und Kränzen, mit Birken- und Tannenreis geschmückten Straßen bewegte sich der stattliche Festzug, gebildet außer von den Festgästen, sowie den hiesigen Re­präsentanten und Freunden der Sache von den hier bestehenden Vereinen, sowie der Feuerwehr unter Vorantritt der Stadtkapelle, deren heitere Marschklänge mit dem Trommelschlag der Tambours des Turnvereins abwechselten, um 11 Uhr Vormittags vom Bahnhofe, dem Versammlungsplatze, hinauf zu der Höhe des Altvaterberges, an besten Lehne der hehre Bau des Reichswaisenhauses sich erhebt. Auf der Terrasse vor demselben nahmen die Theilnehmer am Festzuge sodann Aufstellung und nachdem das Orchester den ChoralTe deum laudamus geblasen, begrüßte der erste Vorsitzende des Verwaltungsraths des Reichswaisenhauses, Herr Buchdruckereibesitzer Moritz Schauenburg, von der mit einem Baldachin überdachten Freitreppe des Hauses aus die ^estoersammlung mit warmen und herzlichen Worten des Dankes für Alle, die dazu beigetragen, daß die Eröffnung des ersten deutschen Reichswaisenhauses bereits letzt nach wenigen Jahren, ermöglicht sei.Mit Namen" so sagte der Redner will ich nur einen Mann nennen, meinen hochverehrten Freund Albert Bürklin. Wenn ichnicht gewußt hätte, daß er es versteht, das, was er in seinem treuen deutschen H^zen fühlt, so auszusprechen, daß es auch zum Herzen dringt, ich hätte es nicht wagen können, das Werk amuregen." Auch dafür sei er dankbar, so fuhr er fort, daß schon jetzt auch in Mecklenburg und Dessau, in Magdeburg und Schwabach Reichs- waisenhauser errichtet würden, die ihre Enfftehung der von Lahr ausgegangenen An­regung verdankten. Mit einem dreimaligen Glückauf für das segensreiche Unternehmen schloß der Redner seine Ansprache.

Nach Absingung einer Hymne seitens des Evangelischen Kirchengesangvereins und dem Vortrage eines Prologs durch eine junge Dame, Fräulein Emma Kramer, hielt (odann Herr Kreisschulrath Bauer die Festrede, in der er in herrlichen, wahrhaft ergreifenden Worten das einzuweihende Haus als eine Stätte der Duldung, der Ver­söhnung und des Friedens kennzeichnete, und die bereits anwesenden 11 Waisenknaben dem Waisenhausvater und der Waisenhausmutter übergab. Nach einigen Gesangs­vorträgen und der Declamation eines Waisenknaben, schloß der officielle Weiheact mit dem vom Orchester intonirten ChoralNun danket Alle Gott".

Nim tonnten die Festtheilnehmer nach Herzenslust an die Besichtigung des- Reichswaisenhauses und seiner Umgebung gehen. Das an der Lehne desAltvater'- Berges", wie erwähnt, in einer Höhe von 70 Metern über der Stadt Lahr in überaus' anmuthiger und romantischer Lage prangende Haus, ein ehemaliger Herrensitz, ist über 100 Fuß lang und massiv aus Sandstein gebaut. Eine Freitreppe führt zu den im Hochparterre gelegenen Räumen. Auf der linken Seite des mit bunten Thonplatten gepflasterten Flurs liegen die Wohnzimmer des Waisenhausvaters und seiner Familie, rechts sind die Speise- und Arbeitszimmer der Zöglinge, zwei weite unb hohe, luftige und helle Räume. Daran schließt sich, nach der Hinterfront zu gelegen, die Küche. In der Bel-Etage, in die man auf einer breiten nnd bequemen, mit eisernem Geländci: