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1886

Mittwoch den 28. Januar

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scheint täglich rmt »«»nähme de« Montag»

: Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf mit Vringerloh«.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 P'.

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Politische Ueberficht.

Gießen, 27. Januar.

Da» jüngste, in einem leichten Darm-Catarrh bestehende Un­wohlsein De» Kaisers, welches bei dem hohen Alter desselben begreiflicher Weise Beunruhigung in der Bevölkerung heroorries. giebt zu einer solchen mcht den mindesten Anlaß, wie wiederholt aus Berlin verstchert wird Da feit am kein Bulletin über das Befinden des Kaisers veröffentlicht wurde und da außerdem der hohe Herr wieder begonnen hat. sich seiner gewohnten Thätig- keit zu widmen, so erscheinen weitere Besorgniffe wegen des Befindens des Kaiser^woh^uberfllt ersten Verhandlung des Reichstages über das Postsparkassengesetz. mit welchem Gegenstände sich der Reichstag am Don- uerstag beschäftigte, legt die Befürchtung nahe, daß die Vorlage aus der Corn- Mission, an welche sie in erster Lesung verwiesen worden st, nicht wieder aus­erstehen werde. Die ganze Debatte stand ersichtlich unter dem Drucke der Anschauung, daß die Gemeindesparkaffen ^schädigt werden wur^n.sallS die Einrichtung der Postsparkaffen in's Leben träte, und die höheren Gesichtspunkte, unter denen die Vorlage hätte behandelt werden müffen. kamen hierbei nur wenig zur Geltung. Die Einwendungen gegen die Vorlage unter Hmrvers aus die zu schützenden Interessen der Communal-Sparkaffen wurden von den Rednern der freisinnigen Partei und von den sächsischen Eonseroativen, Ackermann und Günther, erhoben und erklärte sich das Zusammengehen der letzteren mtt den Freisinnigen durch den Umstand, daß in Sachsen da» Gemeindesparkaffen-Wesen in hoher Blüthe steht und somit das Eintreten der genannten Herren für das- leibe eine gewisse Berechtigung hatte. Von einem ganz andern Standpunkte aing der Centrumsführer. Herr Windthorft, bei seinen Angriffen aus die Post- warkaffen aus. Derselbe machte partikulariftische Bedenken geltend, indem er ausführte' daß durch die Postsparkassen die Verstaatlichung des Sparkassenwesens überhaupt und weiter ein Zusan.menströmen der Ersparnisse des kleinen Manne» in Berlin herbeigesührt werden solle. Dagegen trat Namens emes Theiles der Conservativen Adv- v. Helldors warm für die Postsparkassen ein und von Seiten der Nationalliberalen wurden dieselben durch Abg Kalle befürwortet, wenngleich auch Herr Kalle nicht frei von Bedenken war. Die Vertheidigung der Vorlage lag in den Händen des Staatssecretärs Dr. Stephan, welche sich sowohl gegen die vom partikularistischen Standpunkte erhobenen Bedenken bezüglich der Post- syarkassen wandte, al» auch die im Interesse der Gemeindesparkaffen erhobenen Einwendungen bekämpfte, doch waren seine Argumente nicht immer durchschlagend. Vielleicht werden sich die Vertheidiger der Gemeindesparkaffen in der Coinmifston notb überzeugen. daß die letzteren von den Postsparkaffen keine in» Gewicht fallende Concurrenz zu fürchten haben, da die Postsparkassen in der Hauptsache wohl nur solche Gelder an sich ziehen werden, welche die bestehenoen Kaffen auch bei verbesserter Organisation nicht erhalten, ja . welche vielleicht sonst gar nicht gespart würden; vorläufig ist indessen das Schicksal der Vorlage noch ein sehr zweifelhastes. Die FreitagS-Sitzung des Reichstages brachte die Fort­setzung der Etatsberathung, und zwar zunächst mit der beim Etat des Reichsamts des Innern eingestellten Forderung von 150,000 JL für die Erforschung von Central-Afrika. Die Position war in zweiter Lesung an die Budget-Commifsion zurückverwiesen worden, welche ursprünglich die Streichung von 50 000 beantragt hatte, nunmehr aber sich für die volle Bewilligung der Summe aussprach, während da» Centrum die Bewilligung von 100,000 JL beantragte. Die Debatte war indessen weniger dem in Rede stehenden Gegen- stände als vielmehr der Adressen-Bewegung anläßlich des Reichstags-Votums vom 15. December gewidmet. Die Redner der Reichstags-Majorität vom 15. December bezeichneten den Adressensturm als einen künstlich erregten und Abg. Windthorst meinte sogar, die Verurtheilung des Reichstags-Voturns wäre em constitutionelles Verbrechen. Im llebrigen liefen die Argumentationen der Herren darauf hinaus, daß die Majorität des Volkes, refp. der Wähler nicht hinter denAdressen-Fabrikanten" stünde und daß die Nachwahlen dies be­wiesen Hütten. Die 150,000 JL selbst wurden schließlich gegen die Stimmen des Centrums, der Polen und einzelnen Freisinnigen bewilligt, sogar die Socialdemokraten stimmten dafür. Die übrigen auf der Tagesordnung stehen­den Etatstheile (Reichstag, Reichs-Iustizverwaltung, Pensionsfonds, Reichs- Eisendahnen) wurden ohne bemerkenöwerthe Discussion erledigt und setzte das Haus am Samstag die Etatsberathung beim Etat der Zölle und Verbrauchs­steuern fOrL , . _ n C f a

Piemont, das Stammland de» italienischen Königyauses, ist in den letzten Wochen von furchtbaren Lawinenstürzen heimgesucht worden, die nicht nur großen materiellen Schaden verursacht haben, sondern Denen leider auch zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen sind, gast aus jedem Alpen- thale Piemonts treffen erschütternde Nachrichten ein und beläuft sich die Zahl der durch Die Schneemassen umgekommenen Personen bereit» in die Hunderte. Die Behörden, das Militär, die Bevölkerung wetteifern in Bemühungen, Hülfe zu bringen und alle» Nöthige zur Rettung aufzuwenden. Diese HiobSposien lenken augenblicklich die Auimerksamkeit der Italiener von der Assab-Erpeditton etwas ab. obwohl dieselbe sich gerade jetzt ihrem Ausgange nähett. Wie näm­lich eine Depesche au» Port Said meldet, ist da» PacketbootGottardo am Freitag mit Der für Affab bestimmten Garnison daselbst eingetroffen, so daß die Ankunft derselben in Assad selbst noch im Laufe dieser Woche erfolgen dürste.

König Alfvnso von Spanien ist in voriger Woche von dem

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigebtatt für den Kreis Gießen.

längeren Besuche. welchen er den durch die Erdbeben so schwer heimgesuchten Üblichen Provinzen seine» Reiche» abgestattet hat, wieder nach Madrid zurück- gekehrt. Die zahlreich herbeigeströmte Menge empfing den König, welcher im offenen Wagen und ohne Eskorte nach dem königlichen Palaste fuhr, mit enthusiastischen Zurufen, ein Beweis, wie sehr die spanische Nation die Theil* nähme zu würdigen weiß, welche ihr Herrscher den von so furchtbaren elementarereignifitn betroffenen Landeüthcilen widmet. Uebereinftimmcnbcn Berichten zufolge ist übrigen» die Nothlage in Andalusien eine derartige, daß der spanische Staat selbst bei größter Krastanstrengung nicht im Stande ist. dieselbe au» eigenen Mitteln zu beseitigen und daß hierbei die Mithülfe de» ganzen übrigen Europa» dringend erforderlich ist. Hoffentlich werden die auch in Deutschland für die betreffenden spanischen Pro­vinzen eingeleiteten Sammlungen da» Ihrige hierzu bei­tragen

Der englische Geschäftsträger in Athen, welcher kürzlich durch einen griechischen Gentzdarmen beleidigt worden war, hat der griechi­schen Regierung ein Ultimatum übersandt, in welchem er verlangt, daß bie Ordre, durch welche der betreffende Beamte cassirt wird, im Beisein des eng- tischen Consuls und unter den Klängen der englischen Nationalhymne verlesen werde. Die Athener Journale sprechen sich sehr erbittert über diese Zu- muthung au», billigen aber die Haltung de» Athener Cabinet», das zu einer raschen Beilegung befi Zwischenfalls bereit ist.

Während in London an der Lösung der egyptischen Finanzsrage gearbeitet wird, ist die militärische Entscheidung im Sudan plötzlich durch die blutigen Zusammenstöße der Engländer mit den Rebellen bei Abukley Will» und Metammeh nahe gerückt worden- In London ist ein detaillirter Bericht General Wolseley'S über die beiden Gefechte eingelaufen, welcher bestätigt, daß die Engländer bei ersterer Affaire bei einem Haare den Kürzeren gezogen hatten und daß ei ihnen schließlich nur durch ein conccntrirtefi Schnellfeuer gelang, die tollkühnen Reitermaffen de» Mahdi in die Flucht zu schlagen. Wenn auch da» Treffen von Abukley Will» somit einen für da» englische Corps rühmlichen Ausgang genommen hat, so muß es doch auch verhältmß- mäßig große Verluste beklagen und narnenttich haben die Engländer hierbei eine Anzahl tapferer Officiere verloren. Die ,N. Fr. Pr." läßt sich aus Rom melden: Sollte die Pforte darauf bestehen, Häfen am Rothen Meere zn occupiren, wird Italien die» nöthigenfall» mit Waffengewalt verhindern. Ad­miral Bertelli hat auf gegebenen Befehl den türkischen Transportschiffen den Weg nach Rom zu verlegen. Es bezieht sich die» auf ein angebliche» Ab­kommen zwischen England und der Pforte, dem zufolge der Sultan emwrllrgs, daß England die ganze Verwaltung Mttel- und Unter-Egyptens übernimmt, wofür der Pforte ein oder mehrere Häfen am Rothen Meere überlassen werden sollen. ________________

Berlin, 25. Januar. Heute fand eine Sitzung des Ausschusses dc» Centralverbandes deutscher Industrieller statt an welcher A ,th-"nahmen Commerzienrath Haßler (Augsburg), Gen-ral^°nsu Russ-l (B-rIin^ Geh Rach Schwarzkops (Berlin), Fabrikbefitzer DollfuS (MuhlHausen t ® ), Fabrikd-scher Schwartz-Schlumberger, Commerzienrath Langen (Köln), Geh. Rath Oanitl (Ruhrort), Geh. Rath Baare (Bochum), Geh. Finanzrath J-nck-(Esten) Direr- tor Fromme! (Augsburg), Abg. Rumpff (Elberfeld), Fabrikbesitzer Drewsea (Lachendorf), Fabrikbesitzer Protzen (Berlin). Er wurde ui »-»ug aus di- dem Reichstage vorliegenden Anträge, betreffend die Ausdehnung der Arbeiterschutz. Gesetzgebung folgende Resolution gefaßt:

Die deutsche Industrie hat stets ihre Bereitwilligkeit bewiesen, da» Loo» ihrer Arbeiter bestens zu gestalten und zu diesem Zwecke schwere Lasten aus sich genommen, wird auch in Zukunst nach Krasten hierzu bereit sein Es nws aber gleichmäßig den Jntereffen der Arbeitgeber und Arbeiter zum Schaden ge reichen, wenn unaushörlich gesetzgeberische Versuche im Reichstage unternommeo werden ohne genügende Vorbereitung und ohne daß die große M°nnig alligkeU und Verschiedenartiakeit der thatjächlichen Verhältniffe hierbei berücksichtigt sind und ohne daß den B-theiligten zuvor Gelegenheit gegeben ist, mit ihren uis der Er abrung geschöpften Ansichten und Wünschen gehört zu werden. Ange sicht» der dem Reichstage gegenwärtig vorliegenden Anträge auf Aus^hnm^ des Arbeiterfchutzes erklärt daher der Ausschuß der Eentrslv-rbaM- deutscher Industrieller er für unumgänglich nothwendig, daß, ehe, du^ Gchtz^bung am diesem Gebiete weiter in Anspruch genommen wird, emgeh^« Erhwu^« darüber angestellt werden, ob und inwieweit zu e'nem gesetzg-ber>sch-n Borgehe» ein praktischer Bedürfniß vorliegt, ob die Concurrenzsähigkeit der deutsche», Im dusirie aus dem Weltmarkt hierdurch beeinträchtigt und ob mch da. uh ver- KiÄiÄS

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